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Vulcano (Munition)

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Vulcano (Munition)
Allgemeine Angaben
Typ gelenktes Artilleriegeschoss
Heimische Bezeichnung Vulcano 76, Vulcano 120, Vulcano 127, Vulcano 155
Herkunftsland ItalienDatei:Flag of Italy.svg Italien,
DeutschlandDatei:Flag of Germany.svg Deutschland
Hersteller Leonardo,
Diehl Defence
Entwicklung 1999
Indienststellung 2008
Einsatzzeit im Dienst
Technische Daten
Durchmesser 76 mm, 120 mm, 127 mm, 155 mm
Geschwindigkeit 1.000–1.700 m/s
Reichweite 30–100 km
Ausstattung
Lenkung INS & GNSS
Zielortung IR oder Laserzielsuche
Gefechtskopf insensitiver Sprengstoff
Zünder Aufschlagzünder, Näherungszünder, Verzögerungszünder
Waffenplattformen Schiffsartillerie & landgestützte Artillerie
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Vulcano ist der Name einer präzisionsgelenkten Munitionsfamilie mit vergrößerter Reichweite, die vom italienischen Rüstungskonzern Leonardo und Diehl Defence entwickelt wurde. Ursprünglich wurde die Vulcano-Munition für Schiffsgeschütze entwickelt und existiert mittlerweile in den Kalibern 76 mm, 120 mm, 127 mm und Kaliber 155 mm.

Namensgebung

Der Name der Munition leitet sich von der italienischen Insel Vulcano ab, die namensgebend für alle Vulkane wurde. Diese ist eine der Liparischen Inseln im Tyrrhenischen Meer. In der römischen Mythologie galt diese Insel als die Schmiede des Vulcanus, des römischen Gotts des Feuers.

Entwicklung

Vulcano entstand aufgrund einer Forderung der italienischen Marine und der Niederlande. Mit der Entwicklung wurde bei Leonardo im Jahr 1999 begonnen. Die Geschossfamilie Vulcano 127 war im Jahr 2008, Vulcano 76 im Jahr 2011 und die Ausführung Vulcano 155, unter Mitarbeit von Diehl Defence entwickelt<ref>70 km Reichweite: Ukraine wird präzisionsgelenkte VULCANO-Artilleriemunition erhalten. 18. August 2022, abgerufen am 25. März 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Lenkmunition. Abgerufen am 17. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>, im Jahr 2019 einsatzbereit.<ref name="AW-ART">Aviationweek mit Daten zu gelenkten Artilleriegeschossen (engl., abgerufen am 17. Februar 2009)</ref>

Technik und Einsatzmöglichkeiten

Bei der Vulcano-Munition handelt es sich um sogenannte Extended Range Sub Calibre-Geschosse (ERSC), die zusätzlich über eine Flügelstabilisierung verfügen. Damit handelt es sich um unterkalibrige Geschosse mit gesteigerter Reichweite, die mit einem Treibspiegel verschossen werden.<ref name="janes2019">Vulcano is qualified. In: janes.com. IHS Jane‘s, 21. Februar 2019, abgerufen am 6. Dezember 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Am Geschosskörper sind zwei Gruppen von Stabilisierungs- und Steuerflächen angebracht. Im hinteren Bereich sind sechs trapezförmige Stabilisierungsflächen angebracht. Am vorderen Viertel des Geschosskörpers sind vier kleine trapezförmige Steuerflächen angebracht. Die Geschosse verfügen über einen Mehrzweck-Gefechtskopf mit insensitivem Sprengstoff sowie vorgeformten Wolfram-Splittern. Der Kopfzünder hat unterschiedliche Modi und kann in Abhängigkeit zur Zielbeschaffenheit entsprechend eingestellt werden: Radar-Annäherungszünder für die Bekämpfung von Luft-, See- und Bodenzielen sowie ein Aufschlag- und Verzögerungszünder. Die Lenkgeschosse können so programmiert werden, dass sie über dem Ziel in einen Angriffswinkel von 90° übergehen und senkrecht von oben das Ziel treffen. Zur Programmierung benötigen die gelenkten Versionen ein externes mobiles Programmiergerät zur Dateneingabe. Bei allen gelenkten Geschossen beträgt der Streukreisradius (CEP) 5–20 Meter; vorausgesetzt dass das GNSS-Signal nicht gestört wird.

Entwickelt wurde Vulcano zuerst als 127-mm-Munition (5 Zoll) zur maritimen Feuerunterstützung gegen Küsten- und Landziele. Im Gegensatz zum inzwischen eingestellten Geschoss Mk 171 ERGM (Extended Range Guided Munition) von Raytheon, das mit einem zusätzlichen Raketenantrieb ausgestattet werden sollte, erreicht die Vulcano die Vergrößerung der Reichweite allein durch ihre gesteigerte Mündungsgeschwindigkeit in Kombination mit einem verringerten Luftwiderstand. Die Mündungsgeschwindigkeit bei der 127-mm-Variante soll dabei bis 1130 Meter pro Sekunde betragen.

Die Vulcano ist mit den bestehenden 76- und 127-mm-Munitionsstandards der NATO voll kompatibel, wurde aber für die weit verbreiteten Oto-Melara-Marinegeschütze 76/62 Compact, 127/54 Compact, Lightweight und 127/64 Lightweight optimiert.<ref name="vulcano76" /><ref name="vulcano127" /><ref name="vulcano155" /><ref name="vulc-76-1">Oto Melara Introduces a 76 mm Version of Vulcano Multi-Mission, Long Range Naval Projectile Technology. defense-update.com, abgerufen am 22. März 2012 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Beim Einsatz in diesen Geschützen verringert sich die Kadenz im Vergleich zu konventioneller Munition, beispielsweise von 40 auf 17 Schuss pro Minute im 127/64 LW. Alle Vulcano-Geschosse erfüllen die Vorgaben des Joint Ballistics Memorandum of Understanding (JBMOU) der NATO und können somit mit einer breiten Palette von Geschützen zum Einsatz gebracht werden.

Munitionsarten

Die Vulcano-Munitionsfamilie gibt es in vier Kalibern: Vulcano 76, Vulcano 120, Vulcano 127 und Vulcano 155. Abhängig vom Zünder ist die Munition ungelenkt oder gelenkt.<ref name="vulcano76">Vulcano 76. Leonardo S.p.A., abgerufen am 17. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name="vulcano127">Vulcano 127. Leonardo S.p.A., abgerufen am 17. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name="vulcano155">Vulcano 155. Leonardo S.p.A., abgerufen am 17. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name="DMKN-VUL">Information zur Vulcano auf Deutsches Maritimes Kompetenz Netzwerk(PDF-Datei, abgerufen am 17. Februar 2009)</ref>

Vulcano 76 mit Kaliber 76 mm

  • Vulcano 76 Ballistic Extended Range (BER) – ungelenktes Geschoss (Reichweite 30 km)
  • Vulcano 76 Guided Long Range (GLR) – gelenktes Geschoss mit INS/GNSS-Steuerung (Reichweite 40 km)
  • Vulcano 76 Guided Long Range (GLR/IR) – gelenktes Geschoss mit INS/GNSS-Steuerung und Endphasenlenkung mit Infrarotsensor (Reichweite 40 km)

Vulcano 127 mit Kaliber 127 mm

  • Vulcano 127 Ballistic Extended Range (BER) – ungelenktes Geschoss (Reichweite 60 km)
  • Vulcano 127 Guided Long Range (GLR) – gelenktes Geschoss mit INS/GNSS-Steuerung (Reichweite 100 km)
  • Vulcano 127 Guided Long Range (GLR/IR) – gelenktes Geschoss mit INS/GNSS-Steuerung und Endphasenlenkung mit Infrarotsensor (Reichweite 80 km)

Vulcano 155 mit Kaliber 155 mm

Das ungelenkte Geschoss erreicht eine maximale Schussweite von bis zu 36 km bei 39 Kaliberlängen und 50 km bei 52 Kaliberlängen. Das gelenkte Geschoss erreicht 55 km bei 39 Kaliberlängen und 70 km bei 52 Kaliberlängen.

Vulcano 155 GPS/SAL und Vulcano 127 GPS/SAL

2012 unterzeichneten Oto Melara und das deutsche Rüstungsunternehmen Diehl Defence auf der Eurosatory in Paris einen Vertrag zur Entwicklung und Produktion der präzisionsgelenkten Artilleriegeschosse „Vulcano 155 GPS/SAL“ und „Vulcano 127 GPS/SAL“. Diese Geschosse zur Bekämpfung von ungepanzerten und leicht gepanzerten Zielen sollen mit der Genauigkeit von rund 1 m ihr Ziel treffen können und damit die US-amerikanische M982 Excalibur übertreffen, die auf fünf bis zehn Meter die vorgegebenen Koordinaten trifft. Während die Excalibur ausschließlich per GNSS gesteuert wird, soll die Vulcano zwischen dem GPA-Modus (GNSS-Steuerung) und SAL-Modus (Laserzielmarkierung durch Artilleriebeobachter) umschaltbar sein. Im Laser-Steuerungsmodus soll die 1-Meter-Präzision erreicht werden, sodass nicht nur stationäre Ziele, sondern auch fahrende Panzer vernichtet werden können. Auch Vulcano 155 GPS/SAL erfüllt die Vorgaben des JBMOU der NATO und kann daher mit fast sämtlichen 155-mm-Geschützen eingesetzt werden (z. B. der Panzerhaubitze 2000, CAESAR, M109, M777).<ref name="vulcano155" /><ref>BS, Dorothee Frank: Revolution bei der Artillerie. Deutsch-Italienische Konkurrenz für Excalibur, in Behörden Spiegel, Juli 2012, Seite 43</ref><ref name="ARM-GA">Armada.ch mit Informationen zu gelenkten Artilleriegeschossen (engl., abgerufen am 17. Februar 2009)</ref>

Vulcano 120

Im Juli 2025 wurde die Munition Vulcano 120 mit Kaliber 120 mm vorgestellt. Diese kann aus 120-mm-Glattrohrkanonen von Kampfpanzern im indirekten Feuer verschossen werden. Die maximale Schussdistanz soll bei rund 30 km liegen. Die Steuerung erfolgt mittels INS und GNSS. Weiter ist auch eine Steuerung mit einem Infrarotsensor sowie ein SAL-Modus mit Laserzielmarkierung durch Artilleriebeobachter angedacht.<ref>Edrmagazine.eu: Leonardo Vulcano 120 mm ammunition: guided indirect fire capability for MBTs</ref><ref>Turdef.com: Leonardo Unveils 120 mm VULCANO Round and New L55 Gun</ref>

Kriegseinsatz

Der erste Kriegseinsatz der Vulcano 155 mit Kaliber 155 mm erfolgte im Kontext des russischen Überfalls auf die Ukraine. Ukrainischen Angaben zufolge setzten die Ukrainischen Streitkräfte die Geschosse mit dem Artilleriesystem AHS Krab ein. Dabei sollen Schussdistanzen von rund 70 km erreicht worden sein.<ref name="bundesregierung">Bundesregierung.de: Diese Waffen und militärische Ausrüstung liefert Deutschland an die Ukraine (deutsch)</ref><ref name="defence-ua1">Defence-ua.com: Ukrainian Krab Howitzer Crew Scores a Record-Breaking Hit on russian Positions At 70-km Distance (englisch)</ref><ref name="defence-ua2">Defence-ua.com: Ukrainian Troops Have Unguided Vulcano Shells, But There Should Be an Even More Advanced Option With a Range of 70 km (englisch)</ref>

Weblinks

Einzelnachweise

<references responsive />