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Sand-Hafer

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Sand-Hafer
Datei:Avena strigosa — Flora Batava — Volume v16.jpg

Sand-Hafer (Avena strigosa), Illustration aus Flora Batava Volume 16

Systematik
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Süßgräser (Poaceae)
Unterfamilie: Pooideae
Gattung: Hafer (Avena)
Art: Sand-Hafer
Wissenschaftlicher Name
Avena strigosa
Schreb.

Der Sand-Hafer oder Rau-Hafer (Avena strigosa) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Hafer (Avena) innerhalb der Familie der Süßgräser (Poaceae). Diese alte, kaum mehr angebaute Kulturpflanze wurde als Getreide in Gebieten angebaut, wo der Saat-Hafer (Avena sativa) nicht gedeiht.

Beschreibung

Datei:Avena strigosa, Flora Danica 2528.png
Illustration aus Flora Danica

Vegetative Merkmale

Der Sand-Hafer ist eine einjährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen 40 bis 120, selten bis 150 Zentimetern. Die oberirdischen Pflanzenteile sind blaugrün und manchmal stark bereift. Die Halme sind kahl und mit drei bis fünf Knoten gegliedert.

Die wechselständig an den Halmen angeordneten Laubblätter sind in Blattscheide und -spreite gegliedert. Die Blattscheiden sind kahl, die unteren sind zerstreut behaart. Das Blatthäutchen ist ein häutiger Saum von 2 bis 5 Millimeter Länge. Die Blattspreite ist 8 bis 25, selten bis 40 Zentimeter lang, 5 bis 10 Millimeter breit, rau und flach ausgebreitet.

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht von Juni bis August. Der rispige Blütenstand ist 8 bis 30 Zentimeter lang sowie bis zu 10 Zentimeter breit, aufrecht, locker und meist einseitwendig. Die Ährchen sind zweiblütig, nur selten ein- oder dreiblütig. Ohne Grannen sind sie 16 bis 24 Millimeter lang, zur Reifezeit zerfallen sie nicht. Die Hüllspelzen sind fast gleich groß, haben sieben bis neun Nerven und sind so lang wie das Ährchen. Die untere Hüllspelze ist etwas kürzer als die obere. Die Hüllspelzen sind lanzettlich, spitz, kahl und häutig. Die Deckspelzen sind siebennervig. Bis zur Spitze der Seitenlappen, also ohne Seitengrannen, sind sie 12 bis 17 Millimeter lang, lanzettlich und am oberen Ende tief eingeschnitten. Die beiden Seitenlappen laufen je in eine 3 bis 9 Millimeter lange Granne aus. Sie sind kahl, teilweise in der oberen Hälfte leicht behaart, zur Reife werden sie bräunlich bis schwärzlich, glänzend und dick. Auf dem Rücken unterhalb der Mitte trägt sie eine Granne, die 20 bis 30 Millimeter lang ist, gekniet und im unteren Teil gedreht. Die Vorspelzen sind 10 bis 14 Millimeter lang. Die Staubbeutel sind 2,5 bis 4 Millimeter lang.<ref name="Conert1985" />

Die Karyopsen sind 7 bis 8 Millimeter lang und behaart.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 14.<ref name="Oberdorfer2001" />

Vorkommen

Avena strigosa ist ursprünglich nur in Südwesteuropa verbreitet,<ref name="Aichele-Schwegler1991" /><ref name="POWO" /> wurde aber auch in Zentral- und Osteuropa angebaut.<ref name="Hubbard1992" /> Als Ursprungsländer gelten Portugal, Spanien, Frankreich und Korsika.<ref name="POWO" />

Der Sand-Hafer wächst nach Aufgabe des Anbaus meist als „Unkraut“ in Saat-Hafer-Feldern, kommt aber auch auf Schuttplätzen und auf Wegen vor. Er kommt in Mitteleuropa in Pflanzengesellschaften des Verbands Aperion spicae-venti vor.<ref name="Oberdorfer2001" /> In vielen Gebieten seines früheren Anbaus ist er wieder verschwunden.

In Deutschland ist der Sand-Hafer in Schleswig-Holstein gefährdet, in Hessen ausgestorben, in den übrigen Bundesländern fehlend oder unbeständig. Sie wird als unbeständige Art, bzw. als Kulturart eingestuft.<ref name="FloraWeb" /> In Österreich kommt der Sand-Hafer zerstreut bis sehr selten vor und ist für die Bundesländer Burgenland, Wien, Nieder- und Oberösterreich, Steiermark und Salzburg nachgewiesen.<ref name="EFÖLS" /> Für die Schweiz gibt es keine ausreichenden Daten, hier gilt der Sand-Hafer als reine Kulturpflanze.<ref name="InfoFlora" />

Taxonomie

Die Erstveröffentlichung von Avena strigosa erfolgte 1771 durch Johann Christian von Schreber in Spicilegium Florae Lipsicae, Seite 52.<ref name="POWO" />

Nutzung

Der Sand-Hafer wurde bis etwa Ende des 19. Jahrhunderts besonders im Westen Europas in Gebieten angebaut, die für den Saat-Hafer nicht mehr geeignet sind.<ref name="Conert1985" /> Beispiele sind die Berglandschaften von Wales oder die Inseln im Westen und Norden Schottlands.<ref name="Hubbard1992" /> Die Nutzung erfolgte wie beim Saat-Hafer.

Aktuell wird der Sand-Hafer oft als abfrierende Gründüngung im Acker- und Gemüsebau verwendet.

Trivialnamen

Als weitere deutschsprachige Trivialnamen werden bzw. wurden, zum Teil nur regional, auch die Bezeichnungen Eichelhafer, Flughafer, Purhafer (Mecklenburg), Raubhafer (Unterweser), Spitzhafer und Swarthafer (Unterweser) verwandt.<ref name="Pritzel-Jessen1882" />

Quellen

Literatur

  • Hans Joachim Conert: Pareys Gräserbuch. Die Gräser Deutschlands erkennen und bestimmen. Parey, Berlin 2000, ISBN 3-8263-3327-6, S. 192.

Einzelnachweise

<references> <ref name="FloraWeb"> Avena strigosa Schreb., Sand-Hafer. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="InfoFlora"> Avena strigosa Schreb. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="EFÖLS"> </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Aichele-Schwegler1991"> Dietmar Aichele, Heinz-Werner Schwegler: Unsere Gräser. Süßgräser, Sauergräser, Binsen (= Kosmos-Naturführer). 10. überarbeitete und erweiterte Auflage. Franckh-Kosmos, Stuttgart 1991, ISBN 3-440-06201-5, S. 114. </ref> <ref name="Hubbard1992"> Charles Edward Hubbard: Grasses. A Guide to their Structure, Identification, Uses and Distribution in the British Isles. Revised by J. C. E. Hubbard. 3. Auflage. Penguin, London 1992, ISBN 0-14-013227-9, S. 235. </ref> <ref name="Pritzel-Jessen1882"> Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 54, eingescannt. </ref> <ref name="POWO"> Datenblatt Avena strigosa. bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science. </ref> <ref name="Conert1985"> Hans Joachim Conert: Familie Poaceae. S. 224–226. In Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 3. Auflage, Band I, Teil 3, Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg 1985, ISBN 3-489-52020-3. </ref> </references>

Weblinks

Commons: Sand-Hafer (Avena strigosa) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien