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Forst Kasten

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Datei:Parkgeräumt-1.jpg
Forst Kasten

Der Forst Kasten ist ein Stiftungswald im Eigentum der Stadt München. Der Forst ist auch unter dem Namen Heiliggeistwald bekannt.

Geografie

Datei:Forst Kasten Karte Waldeingang 7er Parkplatz.jpg
Karte des Forst Kasten (dunkelgrüner Bereich)

Das ca. 800 ha große Waldstück liegt überwiegend auf dem Gebiet der Gemeinde Neuried. Es erstreckt sich vom Zentralort aus in einem etwa 4 Kilometer langen und 1,5 Kilometer breiten Streifen nach Südwesten. Der zweitgrößte Anteil des Waldes liegt auf dem Gebiet von Planegg zwischen Neuried und Krailling. Ein schmaler Rand im Westen des Waldes gehört zu Krailling und Gauting. Südlich des Forst Kasten liegt der Gautinger Ortsteil Buchendorf.

Der Forst ist Teil des Landschaftsschutzgebietes Forstenrieder Park und zählt zum Münchner Grüngürtel. Nach dem Wald war bis ins 19. Jahrhundert auch das Stockdorfer Kastenfeld benannt, das zwischen dem Kraillinger Feld und dem Grubmühl-Feld gelegen war. Verwaltet wird der Wald von der Forstverwaltung im Kommunalreferat der Landeshauptstadt München.<ref>Unsere Förster und ihre Waldgebiete, auf muenchen.de, abgerufen am 28. Juni 2021</ref>

Das Gelände ist vorwiegend flach und reicht als Bestandteil der geneigten Münchner Schotterebene von etwa 560 m ü. NHN im Norden bis etwa 590 m ü. NHN im Süden.

Geschichte

Im Forst Kasten finden sich zahlreiche Grabhügel, teilweise aus der Hallstattzeit, die Hinweis auf eine frühe Besiedlung des Gebietes geben.

Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1308, als das Münchner Heilig-Geist-Spital das „Gut zu Chastel mit wismat mit waide mit holze und allem daz der zu gehört“ (mit Wiesmahd, mit Weide, mit Wald und allem, was dazugehört) von dem Andechser Ministerialen Heinrich von Smiechen erwarb.<ref>Freunde des Forstenrieder Parks (Hrsg.): Der Forstenrieder Park - Von der Jagdlandschaft zum Erholungsgebiet. MünchenVerlag, München 2012, S. 102.</ref> In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich eine Schwaige zur Bewirtschaftung des Waldes. Von 1715 bis 1745 war der Forst Teil des kurfürstlich bayerischen Hirschjagdparks. Bis 1800 konnte das Heilig-Geist-Spital die Waldfläche durch weitere Zukäufe auf seine heutige Größe erweitern.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts begann man ähnlich wie im Kreuzlinger Forst die Bewirtschaftung von den ursprünglichen Buchen- und dann Eichenbeständen auf Fichtenkulturen umzustellen.<ref>Karl Mayr: Gauting und Stockdorf. 1870–1978. Deutscher Kunstverlag, München 1985.</ref> Etwa seit 1990 werden die naturfremden, sturm- und schädlingsanfälligen Fichtenmonokulturen von den zuständigen Forstleuten wieder in ökonomisch und ökologisch wertvolle Mischwaldbestände umgebaut. Dies geschieht durch die Pflanzung verschiedener Mischbaumarten und deren Schutz vor existenzbedrohendem Rehwildverbiss durch scharfe Bejagung. Bis 1884 war Forst Kasten Bestandteil des königlichen Hofjagdgebiets. Ab 1899 wurden im Forsthaus Kasten Brotzeiten an Wanderer verkauft, woraus sich die heute bestehende Gaststätte mit Biergarten entwickelte.

Datei:Kiesgrube bei Planegg.jpg
Blick auf die Kiesgrube bei Planegg am Nordrand von Forst Kasten (2015)

Anfang der 1970er Jahre nahmen zwei Kiesgruben der Firma Bernhard Glück aus Gräfelfing im Forst Kasten den Betrieb auf. Die kleinere Kiesgrube befand sich westlich von Neuried mitten im Wald (Standort

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  }}) und war mit einem Schürfkübelbagger und zeitweise auch mit einem Radlader besetzt. Die zweite, deutlich größere Kiesgrube wurde dagegen südlich von Planegg am Waldrand eröffnet (Standort
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  }}). Dort wird seither der Kies mit Radladern abgebaut und per Bandstraße in das etwa zweieinhalb Kilometer entfernte Kieswerk bei Gräfelfing transportiert.<ref> Wilhelm Weissbecker, Katya Shchedrova: Jahrbuch Baumaschinen 2020. Podszun-Verlag, 2019, ISBN 978-3-86133-934-2, Seite 63 ff.</ref> Der Kiesabbau und die damit verbundene Abholzung des Forstes wird in der Bevölkerung und bei Umweltschutzverbänden zunehmend kritisch gesehen. Der Stadtrat befasst sich mit dem Thema und will die Rodung des Forstes stoppen.<ref>Der Kies des Anstoßes. In: Süddeutsche Zeitung, erschienen am 2. April 2021, abgerufen am 6. Mai 2021.</ref>

Bis zum 31. Dezember 2001 bildete ein Großteil des Waldgebiets das gemeindefreie Gebiet Forst Kasten im Landkreis München. Es hatte ursprünglich eine Fläche von 598,03 und zuletzt 590,28 Hektar. Mit Wirkung zum 1. Januar 2002 wurde es zwischen den Gemeinden Neuried (459,64 Hektar) und Planegg (130,64 Hektar) aufgeteilt.<ref>Entschließung der Regierung von Oberbayern vom 18. September 2001</ref> Das Forsthaus Kasten war nicht Teil des gemeindefreien Gebiets, sondern gehörte als Exklave bereits vorher zur Gemeinde Neuried (Flurstück 342 der Gemarkung Neuried, etwas mehr als 0,4 Hektar).

Achtsamkeitspfad im Forst Kasten

Datei:Achtsamkeitspfad Schild Forstenrieder Park Forst Kasten München Fürstenried West.jpg
Achtsamkeitspfad im Forst Kasten.

Am Planegger Sträßerl Ecke Dillweg befindet sich ein Achtsamkeitspfad. Dieser wird unterstützt von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und dem Kommunalreferat der Landeshauptstadt München.<ref>SDW-Achtsamkeitspfad. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 20. Mai 2021; abgerufen am 20. Mai 2021.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.sdw.de</ref>

Riesen-Bärenklau rund um die Kiesgrube

Datei:Riesen-Bärenklau bei alter Kiesgrube Glueck zwischen Planegg und Neuried 01.jpg
Großflächige Plage im gerade rekultivierten Gelände am Forst Kasten.

Nordöstlich und westlich der Kiesgrube Hochbirket am Nordrand des Forst Kasten wuchert der Riesen-Bärenklau (Herkulesstaude) bis weit ins Unterholz.<ref>Kampf gegen Riesenbärenklau. 10. Juni 2019, abgerufen am 26. Mai 2021.</ref> Das Gebiet wurde in den letzten Jahren aufgefüllt (Bauschuttdeponie) und rekultiviert. Daher kann man hier deutlich die Zeichen einer Ruderalvegetation erkennen. Aktuell wird in eingezäunten Bereichen die Eindämmung mit Ziegen versucht. Für die Zukunft droht die Ausweitung der Spezies in den städtischen Wald. Generell ist die Beseitigung mit hohem Aufwand verbunden.<ref>Plage: Bärenklau und Knöterich. Abgerufen am 25. Mai 2021.</ref>

Geplante Erweiterung des Kiesabbaus

Proteste

Am 18. Mai 2021 errichteten Klimaaktivistinnen und Naturschützer im Forst Kasten ein zwei Baumhäuser und eine Mahnwache, um gegen den Kiesabbau und das Abholzen von aktuell etwa neuneinhalb Hektar Wald zwischen Neuried und Planegg zu protestieren.<ref>Thomas Anlauf: München: Aktivisten besetzen Bäume im Forst Kasten. Abgerufen am 20. Mai 2021.</ref><ref>Kiesabbau im Forst Kasten: Klage von Firma Glück abgelehnt. 29. Dezember 2020, abgerufen am 20. Mai 2021.</ref> Der Sozialausschuss des Münchner Stadtrats beschloss am Donnerstag, den 20. Mai in nichtöffentlicher Sitzung, dass das Neurieder Unternehmen Gebrüder Huber Bodenrecycling GmbH den Zuschlag erhält, etwa neuneinhalb Hektar Wald zu schlagen.<ref>Thomas Anlauf: Münchner Stadtrat: Im Forst Kasten darf gerodet werden. Abgerufen am 21. Mai 2021.</ref>

Am Montag, 21. Juni 2021 wurden die Baumhäuser durch die Polizei geräumt.<ref>Forst Kasten: Polizei räumt erneut besetzte Bäume. 21. Juni 2021, abgerufen am 21. Juni 2021.</ref> Die Mahnwache am Waldweg Klaußner Geräumt war offiziell angemeldet und wurde wenig später aufgegeben.

Im Rahmen dieser Protestaktion entstand das Pressefoto Bayern des Jahres 2021 in der Kategorie Energie & Umwelt<ref>Bayerischer Journalisten Verband. Abgerufen am 13. Dezember 2021.</ref> mit dem Titel Baumbesetzung. Verliehen wurde dieser Preis durch den Bayerischen Journalisten-Verband an den Fotografen Erich Weichelt.

Der Protest wird aktuell auf juristischem Wege mit Hilfe der Klimaanwältin Roda Verheyen von der Rechtsanwaltskanzlei Günther weitergeführt.<ref>Annette Jäger: Neuried - Waffenstillstand im Forst Kasten. Abgerufen am 13. Dezember 2021.</ref>

Projektende durch Stadt München

Anfang Juni 2023 gab die Stadt München für die Heiliggeistspital-Stiftung bekannt den Vertrag mit dem Kiesabbauunternehmen aufzugeben. Grund seien „geänderte Rahmenbedingungen“. Die Aktivisten, die den Wald besetzt hatten, sehen den Erhalt als Erfolg des zivilgesellschaftlichen Protests.<ref>Bernd Kastner: Doch kein Kiesabbau im Forst Kasten. In: www.Sueddeutsche.de. Süddeutsche Verlag, 7. Juni 2023, abgerufen am 7. Juni 2023.</ref><ref>Pachtvertrag einvernehmlich aufgehoben: Doch kein Kiesabbau in Forst Kasten. In: Rathaus Umschau Stadt München. Stadt München, 7. Juni 2023, abgerufen am 8. Juni 2023.</ref> Einige der angestrebten Strafverfahren wurden eingestellt.<ref>Nicole Kalenda: Baumbesetzung im Forst Kasten: Drittes Verfahren eingestellt. In: merkur.de. 22. Dezember 2023, abgerufen am 25. Dezember 2023.</ref>

Weblinks

Commons: Forst Kasten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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Städte:

Garching bei München | Haar | Unterschleißheim

Gemeinden:

Aschheim | Aying | Baierbrunn | Brunnthal | Feldkirchen | Gräfelfing | Grasbrunn | Grünwald | Hohenbrunn | Höhenkirchen-Siegertsbrunn | Ismaning | Kirchheim bei München | Neubiberg | Neuried | Oberhaching | Oberschleißheim | Ottobrunn | Planegg | Pullach im Isartal | Putzbrunn | Sauerlach | Schäftlarn | Straßlach-Dingharting | Taufkirchen | Unterföhring | Unterhaching

Gemeindefreie Gebiete:

Forstenrieder Park | Grünwalder Forst | Perlacher Forst

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Koordinaten: 48° 4′ 32,1″ N, 11° 24′ 59,59″ O

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