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Kaunitz (Verl)

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Kaunitz
Stadt Verl
Koordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(4230)&title=Kaunitz 51° 51′ N, 8° 34′ OKoordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(4230) 51° 51′ 23″ N, 8° 33′ 54″ O
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Höhe: 94 m ü. NN
Fläche: 19,91 km²
Einwohner: 4230 (2022)<ref name=":0">Jung | Lüdeling & Partner GbR: Dorfentwicklungskonzept Kaunitz. In: verl.de. Stadt Verl, Juni 2022, abgerufen am 20. April 2026.</ref>
Bevölkerungsdichte: 212 Einwohner/km²
Postleitzahl: 33415
Vorwahl: 05246
Datei:Kaunitz in Verl.svg
Karte
Lage von Kaunitz in der Stadt Verl
(Rot markiert ist der Siedlungskern von Kaunitz, der sich teilweise auch auf die Altgemeinden Österwiehe und Liemke erstreckt.)
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Datei:Verl - Sankt Maria Immaculata Kaunitz.JPG
Blick auf St. Maria Immaculata (2009)

Kaunitz ist ein Ortsteil der ostwestfälischen Stadt Verl im Kreis Gütersloh im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen. Der Ort ist um das Jahr 1746 entstanden und zählt bei einer steigenden Einwohnerzahl 4230 Einwohner.<ref name=":0" />

Obwohl die Hauptsatzung der Stadt Verl keine Ortsteile festlegt und Kaunitz keine Erwähnung findet, spricht man bei Kaunitz heute von dem Siedlungsgebiet rund um die 1746 errichtet Kirche St. Maria Immaculata, dem zu Verl zählenden Teil von Liemke und der Ortschaft Österwiehe.<ref name=":0" />

Geographie

Kaunitz liegt südöstlich vom Verler Ortskern und grenzt im Osten direkt an die Gemeinde Hövelhof im Kreis Paderborn. Im Norden grenzt die Ortschaft an Schloß Holte-Stukenbrock. Wie auch die übrigen Verler Ortsteile ist Kaunitz Teil der dem Teutoburger Wald vorgelagerten Sennelandschaft.

Der Ortsteil besitzt einen weitgehend ländlichen Charakter; außerhalb des Siedlungsschwerpunktes zeigt sich die für die Emssandebene typische Parklandschaft mit Hecken, Weiden und Grünstrukturen. Außerdem finden sich in der Umgebung des Ortes zahlreiche baumumstandene Einzelhöfe.

Nordwestlich des Ortskerns wird Kaunitz vom Wapelbach durchzogen, darüber hinaus verlaufen auch der Rodenbach und der Sennebach über das Ortsgebiet. Im Westen grenzt Kaunitz an das Feuchtwiesenschutzgebiet Grasmeerwiesen.

Geschichte

Der Grundstein für die Entstehung der Ortschaft wurde im Jahre 1746 durch den mährisch-österreichischen Grafen Wenzel Anton Graf Kaunitz gelegt, indem er die katholische Pfarrkirche St. Maria Immaculata errichten ließ. Die Baumaßnahme wurde eingeleitet, nachdem der Graf Maximilian Ulrich von Kaunitz-Rietberg (1679–1746) im Jahre 1743 festgelegt hatte, dass auf der Grenze zwischen den Bauerschaften Liemke und Österwiehe eine neue Pfarrei mit dem Namen Kaunitz, angelehnt an den ursprünglichen Herkunftsort des Adelsgeschlechts in Böhmen, entstehen sollte. Heute erinnert der neben der Kirche befindliche „Fürst-Wenzel-Platz“ an den Begründer und Namensstifter der Ortschaft. Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft wurde Kaunitz 1816 Teil des neuen preußischen Kreises Wiedenbrück und gehörte dort bis 1969 zur Gemeinde Oesterwiehe (so die damalige Schreibweise) im Amt Verl.

Auch in Kaunitz kam es während der Zeit des Nationalsozialismus zu systematischer Verfolgung der jüdischen Einwohner: Aufgrund negativer Bemerkungen über das NS-Regime wurde der Kaunitzer Oskar Wissbrun mehrere Monate inhaftiert, nach seiner Freilassung emigrierte die Familie 1937 in die Vereinigten Staaten.<ref>Volker Schockenhoff: Unser liebes, gutes Verl hat alle Anziehungskraft für mich verloren. Verl 1994.</ref>

US-Truppen gelang es am 1. April 1945, bei Kaunitz ca. 800–900 jüdische Zwangsarbeiterinnen zu befreien, die aus den Außenstellen des KZ Buchenwald in Lippstadt zum KZ Bergen-Belsen marschieren sollten. Für sie wurde das Displaced Persons Assembly Center Kaunitz errichtet, das zeitweise bis zu 1.200 Menschen beherbergte.<ref>Informationen des ORT and the Displaced Person Camps. Abgerufen am 10. Dezember 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Displaced Persons Assembly Center Kaunitz 1945–1949 – Jüdische DP Lager und Gemeinden in Westdeutschland. Abgerufen am 7. Oktober 2025.</ref> Über die Hälfte der Häuser wurde für Einquartierungen genutzt, was im Folgenden zu lokalen Spannungen führte. Die Jewish Relief Unit und das Lagerkomitee organisierten vor Ort für die Bewohner des Lagers Angebote zur Aus- und Weiterbildung sowie Kultur- und Sportveranstaltungen.<ref>Joachim Görres: Warnung vor Fallingbostel. Ausstellung über jüdische Presse. taz, 21.11.2012.</ref>

Nachdem gegen Ende des Jahres 1949 die letzten früheren Zwangsarbeiterinnen Kaunitz in Richtung Australien, Israel, Kanada und die USA verlassen hatten, wurde das DP-Lager aufgelöst.<ref>Displaced Persons Assembly Center Kaunitz 1945–1949. Jüdische DP-Lager und Gemeinden in Westdeutschland. Internetlexikon.</ref><ref>Annette Huss: „Camp Kaunitz“. Das Lager für Displaced Persons in Kaunitz 1945–1949. In: Heimatjahrbuch Kreis Gütersloh 2017. S. 38–42.</ref><ref>Gisbert Strotdrees: „Wir dachten, die einzigen Überlebenden zu sein“. Kriegsende 1945 in Kaunitz: Ein Bauerndorf wird „D. P. Assembly Center“ für hunderte befreiter Jüdinnen. In: ders.: Jüdisches Landleben. Vergessene Welten in Westfalen. Das Landjudentum von seiner Entstehung seit dem Mittelalter bis zur völligen Zerstörung während des Nationalsozialismus. Landwirtschaftsverlag, Münster 2024, ISBN 978-3-7843-5781-2, S. 144–151.</ref>

Kaunitz kam als Teil der Gemeinde Oesterwiehe durch das Gesetz zur Neugliederung des Kreises Wiedenbrück und von Teilen des Kreises Bielefeld am 1. Januar 1970 zur Gemeinde Verl. Im Zuge dieser Neugliederung wurden Verl auch Teile der Altgemeinde Schloß Holte (bis zum 27. Oktober 1964: Liemke)<ref>Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster (Westfalen) 1977, ISBN 3-402-05875-8.</ref> zugeschlagen.<ref>Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 111.</ref> Dieses Gebiet wird heute oft zu Kaunitz gerechnet, da es keinen eigenen Ortsteil bildet.

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Im Nordwesten des Orts befindet sich das Gewerbegebiet Kaunitz mit zahlreichen Unternehmen.

Unter anderem befindet sich hier das Werk II des Küchenherstellers nobilia. Nach Inbetriebnahme im Jahre 2006 wurde die Produktionsfläche von 50.000 m²<ref>nobilia: Historie</ref> kontinuierlich ausgebaut und ist auf mittlerweile 140.000 m² angestiegen.<ref>nobilia: Zahlen, Daten, Fakten.</ref> Inklusive Außenflächen nutzt das Unternehmen 220.000 m². Im flächenmäßig damit größtem Werk des Küchenherstellers wurden im Jahr 2017 pro Arbeitstag 15.000 Schränke in zwei Schichten produziert.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Bilanzpressekonferenz Geschäftsjahr 2017 (Memento des Vorlage:IconExternal vom 6. Dezember 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.nobilia.de, S. 22</ref> Ende November 2018 wird ein Parkhaus am Werk II in Kaunitz mit mehr als 450 Parkplätzen fertiggestellt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Bilanzpressekonferenz Geschäftsjahr 2018 (Memento des Vorlage:IconExternal vom 20. September 2019 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.nobilia.de</ref> Inzwischen sind 1046 Arbeitsplätze in dem Kaunitzer Werk entstanden (Stand: 07.2020).<ref>Die Glocke: Neun Corona-Infektionen bei Nobilia</ref>

Mit der Bosch Building Automation GmbH ist durch die Übernahme der GFR Gesellschaft für Regelungstechnik und Energieeinsparung mbH seit 2019 ein Unternehmensteil von Bosch im Industriegebiet in Kaunitz ansässig.<ref>GFR wird Bosch. Abgerufen am 14. September 2024.</ref>

Verkehr

Datei:Kaunitz-Bahnhof.jpg
Alter Bahnhof (2011)

Durch Kaunitz verläuft die von Gütersloh nach Hövelhof führende Straße L 757. Über diese Straße ist der Ort an die Anschlussstelle Gütersloh der Bundesautobahn 2 sowie an die Anschlussstelle Hövelhof der Bundesautobahn 33 angeschlossen. Zudem verläuft die Straße L751 durch Kaunitz. Über diese erreicht man die Anschlussstelle Schloß Holte-Stukenbrock der Bundesautobahn 33 sowie im weiteren Verlauf den Kreis Lippe. In Richtung Süden überquert die L751 nach Kaunitz die Kreisgrenze und verläuft im Weiteren durch mehrere Städte im Kreis Paderborn. Direkt am Kaunitzer Ortsausgang mündet wiederum die L867 auf die L751, welche abgehend von der L791 bei Varensell über Neuenkirchen nach Kaunitz verläuft.

Ferner führt durch Kaunitz die Nebenbahnstrecke Gütersloh–Verl–Kaunitz–Hövelhof der Teutoburger Wald Eisenbahn (TWE), welche jedoch seit 1978 nur noch für den Güterverkehr genutzt wird. Der ehemalige Kaunitzer Bahnhof dient daher heute als Versammlungsraum für die Dorfgemeinschaft. Am ersten Sonntag im Dezember verkehrt jedes Jahr auf der TWE eine Dampflokomotive mit dem Teuto-Express als Museumsbahn zum Hövelhofer Nikolausmarkt.

Öffentliche Einrichtungen

Datei:Verl - Ostwestfalenhalle Kaunitz - Haupteingang.JPG
Blick auf den Haupteingang der Ostwestfalenhalle (2009)

Kaunitz verfügt über einen eigenen Löschzug der Freiwilligen Feuerwehr, einen von zwei Löschzügen innerhalb des Verler Stadtgebietes. Der Löschbezirk der rund 50 Mitglieder umfassenden Feuerwehr umfasst neben Kaunitz auch den Ortsteil Österwiehe.

Im Ort befindet sich die als Mehrzweckhalle genutzte Ostwestfalenhalle. Von überregionaler Bedeutung ist der jeden ersten Samstag im Monat stattfindende Hobbymarkt, einer der größten Tier- und Trödelmärkte in Deutschland.

Die Grundschule Kaunitz-Bornholte als einzige Schule im Ort wird von 249 Schülerinnen und Schülern (Stand Oktober 2012) besucht.<ref>Stadt Verl: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Schülerzahlen (Memento des Vorlage:IconExternal vom 31. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/verl.de</ref> Ursprünglich befand sich die 1893 errichtete Grundschule mit lediglich zwei Klassenräumen am Standort der heutigen Grün- und Parkplatzanlage Alter Schulhof im Zentrum des Dorfes. Als diese in den 60er Jahren trotz mehrfacher Erweiterungen zu klein wurde, entschied man sich für einen Neubau am Dorfrand. Das Schulgebäude am heutigen Standort mit zehn Klassenzimmern, Sporthalle und angeschlossenem Sportheim, weiteren Sozialräumen und einem Hausmeisterhaus wurde im Jahr 1965 fertiggestellt.<ref>Neue Westfälische: Grundschule Kaunitz feiert Gold-Jubiläum</ref> Das ehemalige Hausmeisterhaus wird seit 2006 als Offene Ganztagsschule genutzt und im Jahr 2008 um weitere Räumlichkeiten ergänzt. Von 2016 bis 2019 wurde das Schulgebäude in mehreren Bauabschnitten erweitert und saniert. Besonders prägend sind dabei das neuerrichtete zweistöckige Verwaltungsgebäude mit großen Glasfronten und einer an die Aula angeschlossenen hohen Eingangshalle sowie die modern ausgestatteten Klassenzimmer.<ref>Neue Westfälische: Umbau der Grundschule Kaunitz geht in die nächste Phase</ref>

In Kaunitz befinden sich zwei Kindertageseinrichtungen. Seit der Erweiterung der städtischen Einrichtung Kleine Strolche im Jahr 2016 bietet diese zusammen mit der katholischen Einrichtung Arche Noah rund 150 Betreuungsplätze.<ref>Neue-Westfälische: Kita-Ausbau: Kleine Strolche bekommen mehr Raum</ref>

Vereine

Der größte Sportverein der Ortschaft ist der FC Kaunitz mit 430 Mitgliedern, dessen erste Fußballmannschaft nach dem Aufstieg im Jahre 2012 erstmals in der Landesliga Westfalen spielte.

Der 380 Mitglieder starke TC Kaunitz ist einer von drei Tennisclubs innerhalb von Verl. Das Vereinsgelände befindet sich allerdings nicht in Kaunitz, sondern im benachbarten Ortsteil Bornholte.

Das Brauchtum des Schützenwesens pflegt die St. Hubertus Schützenbruderschaft Kaunitz, die ihr Schützenfest alljährlich am dritten Juliwochenende an der Ostwestfalenhalle ausrichtet.

Die im Jahr 1926 gegründete Kolpingsfamilie Kaunitz ist unter anderem Ausrichter eines eigenen und auf wechselnden Höfen stattfindenden Schützenfestes.

Zu den Brauchtumsvereinen in Kaunitz zählt auch der Geflügelzuchtverein Kaunitz von 1904, der jährlich in der Ostwestfalenhalle eine große Geflügelschau ausrichtet.<ref>Viktoria Farkas: Hühner sind wieder hip. In: westfalen-blatt.de. 27. November 2018, abgerufen am 2. März 2024.</ref>

Persönlichkeiten

  • Wenzel Anton Graf Kaunitz war ein österreichischer Staatsmann und Diplomat und wurde am 2. Februar 1711 in Wien geboren. Er war unter anderem der Erbauer der St.-Anna-Kirche in Verl und starb am 27. Juni 1794 in Mariahilf.

Weblinks

Commons: Kaunitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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