Motel
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Ein Motel, deutsch auch Rasthaus, Raststätte oder Autohof, ist ein Beherbergungs- und Gastronomiebetrieb für Autoreisende.
Zum Begriff
Motels sind an Fernverkehrsstraßen liegende Gasthöfe mit entsprechenden Parkmöglichkeiten.<ref name="wko.at" />
Motel ist ein Kofferwort aus Motor und Hotel.
Im Gegensatz zu einem Hotel sind die Zimmer im Motel oft direkt von außen ohne Zugangskontrolle an einer Rezeption erreichbar – meist auf kurzem Wege vom Parkplatz, um das Be- und Entladen von Gepäck zu erleichtern. Motels haben oft keine eigene Gastronomie und schenken auch keine alkoholischen Getränke aus. Oft befinden sich auch Beherbergung und Gastronomie als einer oder als getrennte Betriebe an einem Ort, in Kombination mit Tankstellen, Reparaturwerkstätten, Plätzen der Autopflege und sonstiger Erholungsinfrastruktur (Raststätte im eigentlichen Sinne, vergleiche Autobahnraststätte). Motels/Rasthäuser haben im Allgemeinen – auch in der Bewirtung – keine Sperrstunde, sondern sind 24 Stunden geöffnet. Für Reisende und Berufsfahrer (Zusteller, LKW-Fahrer) ist verbreitet auch spezialisierteres Angebot vorhanden.
Die ersten Motels entstanden mit der Massenmotorisierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den USA. Als Begründer gilt der US-amerikanische Architekt Arthur Heineman. Das erste Motel überhaupt eröffnete am 12. Dezember 1925 im kalifornischen San Luis Obispo unter dem Namen Motel Inn. Nach Europa kamen sie vorrangig als Autobahnraststätte ab den 1950er-Jahren sowie an anderen Fernverkehrsrouten, später auch in den Außenbereichen der großen Städte in verkehrsgünstiger Lage.
Das erste Motel in Deutschland,<ref name=":0">Marilies Hoberg: Herberge für Gast und Wagen. In: Merian. Jahrgang 7, Nr. 8. Hoffmann und Campe, Hamburg 1954, S. 69.</ref> das den amerikanischen Vorbildern architektonisch entsprach, wurde 1953 in Tübingen unter dem Namen Touring-Motel auf städtischem Grund<ref>Städtisches Kulturamt (Hrsg.): Universitätsstadt Tübingen Verwaltungsbericht 1953. Tübingen 1954, S. 24 (tuebingen.de [PDF]).</ref> erbaut. In einer zeitgenössischen Beschreibung wurde es aufgrund seiner Bauform als „Karawanserei des 20. Jahrhunderts“<ref name=":0" /> bezeichnet: Die Zimmer lagen um einen quadratischen Innenhof und wurden über einen an der Außenseite liegenden Gang erschlossen. Unter diesem Gang und den Zimmern befand sich im Erdgeschoss die zum jeweiligen Zimmer gehörige Garage für das Fahrzeug des Gastes. Restaurant und Küche befanden sich in einem an einer Ecke des Quadrats angebauten besonderen Flügel.<ref>Marilies Hoberg: Herberge für Gast und Wagen. In: Merian. 7. Jahrgang, Nr. 8. Hoffmann und Campe, Hamburg 1954, S. 69–71 (Dieser Artikel enthält auch eindrucksvolle zeitgenössische Fotos der Anlage).</ref> Das Touring-Motel hatte 24 Zimmer mit 38 Betten und wurde nach einem städtischen Bericht im Eröffnungsjahr „besonders von ausländischen Gästen gerne aufgesucht“<ref>Städtisches Kulturamt (Hrsg.): Universitätsstadt Tübingen – Verwaltungsbericht für das Jahr 1953. Tübingen 1954, S. 55 (tuebingen.de [PDF]).</ref>. Das ehemalige Touring-Motel ist inzwischen als 4-Sterne-Hotel Stadt Tübingen (Lage)
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}} erweitert und vergrößert worden, die ursprüngliche Gebäudeform um einen quadratischen Innenhof ist jedoch erhalten geblieben.
Das 1955 erbaute Motel Interlaken wird in einigen Quellen als das erste Motel in Europa nach rein amerikanischen Prinzipien bezeichnet (einstöckig, Auto vor der Tür).<ref>Simon Bundi: Architektur mit dem Automobil. In: Essay Zeitschrift k + a 2 / 2020. 2020, S. 9, abgerufen am 18. März 2026.</ref> Es umfasste „28 Wohneinheiten, ein Restaurant mit Bar, einen Verkaufskiosk sowie eine doppelsäulige Tankstelle“. Für Besucher gab es keinen Verzehrzwang, keine Kurtaxe und keine Parkgebühr.<ref>Motor Jahr 1960, Verlag Die Wirtschaft Berlin, S. 37</ref> Die DDR eröffnete im Juni 1967 das erste Motel, nämlich am Stadtrand von Dresden. Das Motel Dresden verfügte über 232 Betten.<ref>Berliner Zeitung vom 28. Februar 1968, S. 2</ref>
Motels sind üblicherweise einfach ausgestattet und preisgünstig. Sehr populär in Frankreich sind Motels ohne Rezeptionist, sogenannte Automatenhotels. Der Gast bucht sich per Kreditkarte ein und erhält ein Passwort, mit dem er sein Zimmer betreten kann. Eine bekannte Automatenhotelkette ist Hotel F1 (zuvor: Hotel Formule 1).
Eine neue Form des Motels, die speziell für Berufskraftfahrer in Autobahnnähe betrieben werden, ist das Roatel. „Roatel“ ist eine Wortschöpfung aus dem englischen „Road“ und Hotel.<ref>Neues Hotel-Konzept an Autobahnen In: Autozeitung.de, abgerufen am 7. Oktober 2022</ref>
In Lateinamerika und Ostasien dient ein Motel nahezu ausschließlich als Stundenhotel und wird in der Regel von Liebespaaren oder Prostituierten und ihren Kunden genutzt.
Nationales
Österreich
In Österreich werden gemäß § 111 Abs 5 Gewerbeordnung<ref>Bei der Gewerbeanmeldung (§ 339) ist die Betriebsart zu bezeichnen, in der das Gastgewerbe ausgeübt werden soll.</ref> die Betriebsarten Motel und Rasthaus unterschieden, erstere gehören zu den Gasthöfen, das sind Gastgewerbebetriebe, bei denen sowohl Beherbergung von Gästen wie auch Gastronomie (Speisenverabreichung und Getränkeausschanktätigkeit) betrieben wird (wie beim Hotel), zweitere gehören zu den Gasthäusern, die in erster Linie der Einnahme von Mahlzeiten dienen (wie ein Restaurant).<ref name="wko.at">Infoblatt Gastgewerbe & Betriebsarten. Wirtschaftskammer Niederösterreich, 8.3. Gasthof und 8.5. Gasthaus, S. 9, und 9. Berufsgruppen-Einteilung, S. 12.</ref> Die Sperrzeit gilt für Motels und Rasthäuser nicht.
Literatur
- Bruce Bégout: Motel. Ort ohne Eigenschaften. 2013. Diaphanes Verlag, ISBN 978-3-03734-234-3. (Original: Lieu commun. Le motel américain. 2003, ISBN 978-2-84485-117-8)<ref>Tröstende Neonschilder. In: zeit.de, Rezension, 2013</ref>
Weblinks
- Martin Herzog: Im Dezember 1925: In den USA öffnet das erste Motel. WDR ZeitZeichen vom 26. Dezember 2025 (Podcast, 14:50 min).
Einzelnachweise
<references />