Fritz Seidler
Fritz August Seidler (* 18. Juli 1907 in Werdau; † 6. Mai 1945 in Oberzirking) war ein deutscher SS-Hauptsturmführer und Schutzhaftlagerführer in den Konzentrationslagern Auschwitz und Mauthausen-Gusen.
Leben
Fritz Seidler war Sohn eines Baumeisters Alwin Seidler.<ref name=":1">Gregor Holzinger: Die zweite Reihe: Täterbiografien aus dem Konzentrationslager Mauthausen, Wien, 2016, S. 149.</ref> Nach dem Besuch der Volks- und Realschule erlernte er auf den Baustellen seines Vaters das Maurerhandwerk. Nach dem Lehrabschluss absolvierte er die Bauschule in Glauchau.<ref name=":1" /> Als ausgebildeter Bautechniker Arbeit zu finden war jedoch wegen Mangel an Büroarbeit nicht möglich, weshalb er als Maurer, Vorarbeiter sowie Bauführer tätig war.<ref name=":1" />
Am 12. März 1933 wurde er Mitglied der SS (SS-Nummer 135.387) und kam kurzzeitig zur Hilfspolizei Zwickau. Im Oktober 1933 wurde Seidler zum SS-Sonderkommando „Sachsen“ nach Dresden einberufen. Am 1. Februar 1935 trat er als SS-Scharführer seinen Dienst im KZ Sachsenburg an.<ref name=":1" /> Zum 1. August 1935 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 3.693.999).<ref>Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/41151400</ref> Im Juli 1937 wurde Seidler von Theodor Eicke in das KZ Sachsenhausen versetzt, wo er mit der Leitung der Bauabteilung beauftragt wurde. Im Dezember 1939 wurde Seidler nach Berlin kommandiert, wo er zehn Monate lang im Hauptamt für Haushalt und Bauten tätig war.<ref name=":2">Gregor Holzinger: Die zweite Reihe: Täterbiografien aus dem Konzentrationslager Mauthausen, Wien, 2016, S. 150.</ref>
Am 1. Oktober 1940 wurde er Nachfolger von Franz Xaver Maier als 2. Schutzhaftlagerführer im KZ Auschwitz und von November 1941 bis März 1942 Lagerführer im sowjetische Kriegsgefangenenlager. Dort war er als „ausgemachter Sadist“ gefürchtet. Der ehemalige KZ-Häftling Jerzy Osuchowski erzählt, „wie er in Auschwitz auf den Lagerstraßen zu Pferd galoppierte, ohne auf die herumgehenden Häftlinge zu achten, er ritt in die Baracken ein und band Häftlinge mit einem langen Strick an seinem Sattel, dann schleifte er sie hinter sich über Felder, steinige Wege und unwegsames Gelände. Arbeitende Häftlinge schoss er ab als wäre er auf Entenjagd.“<ref name=":2" />
Am 30. Dezember 1942 wurde er 1. Schutzhaftlagerführer des KZ Gusen<ref>Gregor Holzinger: Die zweite Reihe: Täterbiografien aus dem Konzentrationslager Mauthausen, Wien, 2016, S. 151.</ref><ref name="Lasik230f">Aleksander Lasik: Die Organisationsstruktur des KL Auschwitz, in: Aleksander Lasik, Franciszek Piper, Piotr Setkiewicz, Irena Strzelecka: Auschwitz 1940-1945. Studien zur Geschichte des Konzentrations und Vernichtungslagers Auschwitz. Band I: Aufbau und Struktur des Lagers, Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau, Oświęcim 1999, S. 230f.</ref> und war dort von Oktober 1942 bis Anfang Mai 1945 Nachfolger von Karl Chmielewski. Seidler war für seine Grausamkeit berüchtigt, so ordnete er die Vergasung von invaliden Häftlingen in Gusen I als auch ein Massaker an Häftlingen im April 1945 in Gusen II an.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Lagerführer Fritz Seidler ( des Vorlage:IconExternal vom 24. April 2021 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> Noch im April 1945 ordnete Seidler die Vergasung von rund 600 kranken und arbeitsunfähigen Häftlingen an, die um den 22. April 1945 in einer Häftlingsbaracke durchgeführt wurde.<ref name=":3">Gregor Holzinger: Die zweite Reihe: Täterbiografien aus dem Konzentrationslager Mauthausen, Wien, 2016, S. 152.</ref>
Am 3. Mai 1945 setzte sich Seidler in Richtung Linz ab. Offenbar kehrte Seidler wieder um und versuchte, sich bei einem Bauern in Oberzirking zu verstecken, wo er am 6. Mai von Truppen der US-Army aufgespürt und bei einem Schusswechsel schließlich durch einen Kopfschuss getötet wurde.<ref name=":3" /><ref name="Klee374">Ernst Klee: Auschwitz. Täter, Gehilfen und Opfer und was aus ihnen wurde. Ein Personenlexikon, Frankfurt am Main 2013, S. 374</ref>
Literatur
- Gregor Holzinger (Hrsg.): Die zweite Reihe: Täterbiografien aus dem Konzentrationslager Mauthausen. new academic press, Wien, 2016, ISBN 978-3-7003-1978-8.
- Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau (Hrsg.): Auschwitz in den Augen der SS. Oświęcim 1998, ISBN 83-85047-35-2
- Wacław Długoborski, Franciszek Piper (Hrsg.): Auschwitz 1940-1945. Studien zur Geschichte des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz. Verlag Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau, Oswiecim 1999, 5 Bände: I. Aufbau und Struktur des Lagers. II. Die Häftlinge – Existentzbedingungen, Arbeit und Tod. III. Vernichtung. IV. Widerstand. V. Epilog., ISBN 83-85047-76-X.
Weblinks
- Der Lagerführer Seidler auf den Seiten von https://www.mauthausen-memorial.org
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Seidler, Fritz |
| ALTERNATIVNAMEN | Seidler, Fritz August (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher SS-Hauptsturmführer und Schutzhaftlagerführer |
| GEBURTSDATUM | 18. Juli 1907 |
| GEBURTSORT | Werdau |
| STERBEDATUM | 6. Mai 1945 |
| STERBEORT | Oberzirking |
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