Zum Inhalt springen

Joseph Le Bel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 28. August 2025 um 11:24 Uhr durch imported>Rjh (Archivlink geprüft).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:Joseph Achille Le Bel.jpg
Joseph Achille Le Bel

Joseph-Achille Le Bel (* 21. Januar 1847 in Pechelbronn, Elsass; † 6. August 1930 in Paris) war ein französischer Chemiker.

Leben und Wirken

Pechelbronn war der erste Ort in Europa, an dem Erdöl gewonnen wurde.<ref>antarama.free.fr: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein..</ref> Le Bel entstammte einer wohlhabenden elsässischen Familie, die die Mineralölindustrie in Pechelbronn kontrollierte. Sein Vater war Frédéric-Louis Achille Le Bel (1807–1867).<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Biographie des musee du petrole (Memento vom 1. Juni 2011 im Internet Archive). S. 5–7 (französisch, PDF-Datei; 127 kB).</ref>

Im Jahr 1865 wurde er an die École polytechnique nach Paris geschickt, um eine chemische Ausbildung zu erhalten und verbrachte einen Großteil seiner Zeit mit der chemischen Grundlagenforschung. Nach dem Studium war er als Assistent bei dem Chemiker Antoine Balard und Adolphe Wurtz in Paris an der Sorbonne tätig, wo er sich unter anderem mit der Zusammensetzung des Erdöls seiner Heimat beschäftigte. Bereits 1874 veröffentlichte er eine entscheidende Arbeit über die Beziehungen zwischen „Atomformeln“ und dem Drehvermögen organischer Verbindungen.

1882 übernahm er die Direktion des Betriebes in Pechelbronn, den er von seinem Vater geerbt hatte. Er entwickelte zur Aufbereitung des Erdöls ein Destillationsverfahren. Der Betrieb erlebte unter seiner Leitung einen großen wirtschaftlichen Aufschwung. 1889 verkaufte er jedoch das Unternehmen, weil ihn die Rolle als Industriemanager nicht befriedigte, und kehrte als mehrfacher Millionär nach Paris zurück.

Ab 1889 arbeitete er zunächst im Laboratorium von Armand Gautier an der Ecole de Médecine und später als Privatgelehrter ohne Bindung zu einer Hochschule oder einem Institut.<ref name="wob">Eintrag zu Joseph-Achille Le Bel. In: Lexikon der Biologie, Spektrum-Verlag, abgerufen am 13. Juli 2008.</ref> Hierzu richtete er sich in seinem Haus ein eigenes Laboratorium ein, außerdem ließ er einen Schacht von 45 m Tiefe anlegen, um einen Ort mit nahezu konstanter Temperatur zu haben. Dieser diente auch für seine Untersuchungen über die sogenannte katathermische Strahlung, eine Strahlung, welche nach seiner Hypothese die irdischen Wärmeverluste kompensieren sollte.

Le Bel leitete aus theoretischen Erwägungen die tetraedrische Struktur vieler organischer Kohlenstoffverbindungen ab. Damit begründete er die moderne Stereochemie.<ref>J. Daintith, S. Mitchell, E. Tootill, D. Gjertsen: Biographical encyclopedia of scientists. 1994, CRC Press, ISBN 0-7503-0287-9</ref> Der Begriff Stereochemie wird erst einige Jahre später, im Jahre 1888, nach einem Vorschlag von Victor Meyer (1848–1897) eingeführt werden.

Er deutete die damals rätselhafte optische Aktivität organischer Verbindungen durch die Annahme von tetraedrischen, asymmetrischen Kohlenstoffatomen. Diese Erklärung fand er 1874 gleichzeitig, aber unabhängig von Jacobus Henricus van ’t Hoff. In späteren Jahren untersuchte Le Bel die Kosmische Strahlung.<ref name="wob" />

Er interessierte sich auch für Geologie und wurde im November 1911 Mitglied der Société Préhistorique Française (SPF).<ref>Bulletin de la SPF No. 9 (1930), S. 401: Nachruf (französisch)</ref> Von 1914 bis 1923 war er ihr aktiver Vorsitzender; von da an bis zu seinem Tod Ehrenvorsitzender. Le Bel erwarb sich die Grotte des Eyzies in Dordogne, etwa 125 km östlich von Bordeaux, und entdeckte die Grotte du Grand Roc. Er wurde auf dem Friedhof von Bagneux bestattet.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Biographie (Memento vom 7. Oktober 2014 im Internet Archive) (französisch)</ref>

1881 wurde ihm von der Académie des sciences der Jecker-Preis verliehen.<ref name="Jecker">LE BEL - Fédération des Sociétés d'Histoire et d'Archéologie d'Alsace. In: alsace-histoire.org. 20. Mai 2020, abgerufen am 13. September 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Der Grand Prix Achille Le Bel der französischen chemischen Gesellschaft ist ihm zu Ehren benannt.

Werke

  • Cosmologie Rationelle (1929)

Literatur

  • Jost Weyer: Das Porträt: Joseph Achille Le Bel 1847–1930. In: Chemie in unserer Zeit. Band 8, Nr. 5, 1974, S. 143–147, doi:10.1002/ciuz.19740080504.
  • George Mann Richardson, Louis Pasteur, Jacobus van ’t Hoff, Joseph Achille Le Bel, Johannes Wislicenus: The Foundations of Stereo Chemistry. Memoirs by Pasteur, van't Hoff, Lebel and Wislicenus, American Book Co., New York 1901.
  • J. Maury, Joseph Achille Le Bel, Arthur Edmunds: Laugerie Basse : The Excavations of M. J.-A. Le Bel. Le Mans, Monnoyer, 1925.
  • Vie et œuvres de Joseph-Achille Le Bel, Impr. P. Dupont, 1949.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein