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Rainfarn-Phazelie

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Rainfarn-Phazelie
Datei:Phacelia tanacetifolia in bloom, Souris, PEI, July 2025.jpg

Rainfarn-Phazelie (Phacelia tanacetifolia)

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Familie: Raublattgewächse (Boraginaceae)
Unterfamilie: Wasserblattgewächse (Hydrophylloideae)
Gattung: Phacelia
Art: Rainfarn-Phazelie
Wissenschaftlicher Name
Phacelia tanacetifolia
Benth.

Die Rainfarn-Phazelie<ref name="FloraWeb" /> (Phacelia tanacetifolia), auch Büschelschön, Rainfarnblättrige Phazelie, Büschelblume<ref name="InfoFlora" /> oder Bienenfreund genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Phacelia in der Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae).<ref name="Jepson_eFlora_2021" /><ref name="Euro+Med" /><ref name="GRIN" /> Die Rainfarn-Phazelie wird zur Gründüngung verwendet und enthält hautreizende Inhaltsstoffe.

Beschreibung

Datei:Curtis's botanical magazine (Plate 3703) (8386428831).jpg
Illustration aus Curtis's Botanical Magazine, Tafel 3703

Vegetative Merkmale

Die Rainfarn-Phazelie ist eine einjährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von meist 30 bis 60<ref name="InfoFlora" /> (15 bis 100) Zentimetern erreicht.<ref name="FloraWeb" /><ref name="Jepson_eFlora_2021" /><ref name="FloraVascular" /> Der aufrechte und einfache oder wenig, besonders im oberen Bereich, verzweigte Stängel ist im unteren Bereich kahl und im oberen Bereich mit mehr oder weniger kurzen steifen Trichomen und winzigen Drüsenhaaren bedeckt.<ref name="FloraWeb" /><ref name="InfoFlora" /><ref name="Jepson_eFlora_2021" />

Die wechselständig am Stängel verteilt angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert.<ref name="Jepson_eFlora_2021" /> Die Blattspreite ist bei einer Länge von 2 bis 20 Zentimetern im Umriss dreieckig oder länglich bis eiförmig und unpaarig gefiedert<ref name="InfoFlora" /> oder doppelt fiederschnittig<ref name="FloraWeb" /> zusammengesetzt.<ref name="Jepson_eFlora_2021" /> Die fiederteiligen Blattabschnitte<ref name="InfoFlora" /> sind gezähnt oder gelappt.<ref name="Jepson_eFlora_2021" /> Es sind keine Nebenblätter vorhanden.<ref name="Jepson_eFlora_2021" />

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Generative Merkmale

In am Hauptstängel und an den Seitenzweigungen endständigen, zusammengesetzten, zymösen Blütenstände sind einseitswendig, vor dem Aufblühen spiralig eingerollt und die viele Blüten sind dicht angeordnet.<ref name="InfoFlora" /><ref name="Jepson_eFlora_2021" /> Die Teilblütenstände werden auch als dichte Wickel bezeichnet.<ref name="FloraWeb" />

Die zwittrige<ref name="FloraWeb" /><ref name="BiolFlor" /> Blüte ist radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle.<ref name="Jepson_eFlora_2021" /> Die fünf nur an ihrer Basis verwachsenen Kelchblätter sind während der Anthese 4 bis 7 Millimeter und während der Fruchtreife 6 bis 8 Millimeter lang, mehr oder weniger linealisch und dicht lang behaart.<ref name="Jepson_eFlora_2021" /> Die fünf haltbaren, blauen oder blau-lilafarbenen, blauvioletten, selten weißen Kronblätter sind bei einer Länge von 7 bis 8 Millimetern sowie bei einem Durchmesser von 6 bis 9 Millimetern breit glockig-radförmig verwachsen.<ref name="Hegi1966" /><ref name="FloraWeb" /><ref name="InfoFlora" /><ref name="Jepson_eFlora_2021" /> Die fünf Kronzipfel sind 8 bis 12 Millimeter lang mit gerundetem oberen Ende.<ref name="InfoFlora" /> Die Blütenkrone wird von Staubblättern weit überragt.<ref name="InfoFlora" /> Es ist nur der äußere Kreis mit fünf Staubblättern vorhanden. Die kahlen Staubblätter sind 9 bis 15 Millimeter lang.<ref name="Jepson_eFlora_2021" /> An der Basis der Kronröhre sind die lila-<ref name="InfoFlora" /> bis purpurfarbenen Staubfäden inseriert,<ref name="Jepson_eFlora_2021" /> die an ihrer Basis jeweils paarweise verwachsen sind, mit mehr oder weniger halbmondförmigen Schuppen an ihrer Basis.<ref name="Hegi1966" /> Die Staubbeutel sind purpurrot.<ref name="FloraWeb" /> Zwei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen, einkammerigen Fruchtknoten verwachsen; es sind zwei parietale Plazenten vorhanden. Der kahle Griffel ist 8 bis 15 Millimeter lang und auf 2/3 bis 3/4 seiner Länge in zwei Griffeläste geteilt.<ref name="Jepson_eFlora_2021" />

Die Kapselfrucht<ref name="FloraWeb" /> ist flaumig bis am oberen Ende kurz behaart, bei einer Länge von 3 bis 4 Millimetern mehr oder weniger eiförmig, öffnet sich fachspaltig = lokulizid mit zwei Fruchtklappen und enthält wenige (meist nur ein oder zwei, selten bis zu vier) Samen.<ref name="Jepson_eFlora_2021" /> Die 2 bis 3 oder 3,2 bis 3,5 Millimeter langen sowie 1 bis 1,3 Millimeter breiten,<ref name="FloraVascular" /> brauen Samen sind runzelig und narbig.<ref name="Jepson_eFlora_2021" />

Chromosomensatz

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 11;<ref name="Jepson_eFlora_2021" /> es liegt Diploidie mit einer Chromosomenzahl von 2n = 22 vor.<ref name="FloraWeb" /><ref name="InfoFlora" /><ref name="BiolFlor" /><ref name="Oberdorfer2001" />

Datei:Edwards' botanical register, or, Ornamental flower-garden and shrubbery .. (1829-1847) (20984858588).jpg
Illustration aus Edwards' botanical register, or, Ornamental flower-garden and shrubbery ...

Ökologie und Phänologie

Die Blütezeit reicht im Heimatgebiet in Kalifornien von März bis Mai,<ref name="Jepson_eFlora_2021" /> in Deutschland und der Schweiz von Juni bis Oktober<ref name="FloraWeb" /><ref name="InfoFlora" /><ref name="BiolFlor" />

Bei der Rainfarn-Phazelie handelt es sich um einen mesomorphen Therophyten.<ref name="FloraWeb" /><ref name="InfoFlora" /><ref name="BiolFlor" />

Blütenökologisch handelte sich um Trichterblumen.<ref name="FloraWeb" /><ref name="BiolFlor" /> Es liegt Dichogamie vor: die Rainfarn-Phazelie ist leicht proterandrisch: es sind zuerst männlich Blütenorgane fertil, danach auch weiblich, mit deutlicher Überlappung der Geschlechter.<ref name="FloraWeb" /> Spontane Selbstbestäubung innerhalb einer Blüte ist selten. Meist erfolgt die Pollenübertragung durch Insekten, meist durch Hymenopteren.<ref name="FloraWeb" /> Es liegt gemischte Befruchtung vor, also sind sowohl Selbst- als auch Fremdbefruchtung möglich.<ref name="FloraWeb" />

Die Diasporen sind die Samen. Die Diasporen werden absichtlich oder unabsichtlich durch den Menschen ausgebreitet (Hemerochorie).<ref name="FloraWeb" />

Vorlage:Hinweisbaustein Die Rainfarn-Phazelie ist eine wichtige Nektar- und Pollenquelle.<ref>Rainfarn-Phazelie / Phacelia tanacetifolia. In: NaturaDB. 30. Juli 2024, abgerufen am 5. Juli 2025.</ref> Als Blütenbesucher wurden Hummeln, die Honigbiene, Wildbienen, Schmetterlinge und Schwebfliegen beobachtet.

Die sehr leichten, apfelsinenähnlichen Samen besitzen eine warzige Oberfläche. Die Samen sind Dunkelkeimer.

Datei:A colourful set-aside - geograph.org.uk - 907183.jpg
Blütenaspekt
Datei:RitschenhausenPhacelia2003-07-08.jpg
Phacelia-Feld
Datei:Phacelia tanacetifolia001.jpg
Habitus

Vorkommen

Die Rainfarn-Phazelie kommt von Kalifornien, Arizona und südlichen Nevada<ref name="Jepson_eFlora_2021" /> bis in den nördlichen Teil des mexikanischen Bundesstaates Baja California vor.<ref name="GRIN" />

Sie gedeiht im Heimatgebiet auf trockenen, felsigen Hängen bis in Höhenlagen von 2000 Metern. Am häufigsten ist sie in den Wüsten Südkaliforniens in Höhenlagen unterhalb von 1500 Metern anzutreffen, kann aber gelegentlich auch in viel größeren Höhenlagen gefunden werden.<ref name="Wildflowersearch" />

Phacelia tanacetifolia ist in vielen Gebieten der Welt ein Neophyt, beispielsweise in weiten Teilen Europas.<ref name="FloraWeb" /><ref name="InfoFlora" /><ref name="BiolFlor" /><ref name="GRIN" /><ref name="Euro+Med" /><ref name="BritishAndIrishFlora" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2 (mäßig trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 5 (sehr warm-kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).<ref name="InfoFlora" />

Taxonomie

Die Erstbeschreibung von Phacelia tanacetifolia erfolgte 1835 durch George Bentham in Transactions of the Linnean Society of London, Volume 17, Seite 280.<ref name="Tropicos" /> oder 1834 in John Lindley: Edwards's Botanical Register, ... Volume 20, Tafel 1696;<ref name="Euro+Med" /> wobei die ältere Veröffentlichung die gültige ist.<ref name="GRIN" /> Der Gattungsname Phacelia leitet sich vom altgriechischen Wort phakelos für „Büschel“ ab und bezieht sich auf die Anordnung der Blüten. Das Artepitheton tanacetifolia bedeutet „rainfarn-blättrig“, also mit Laubblättern, die denen von Rainfarn (Tanacetum vulgare) ähneln<ref name="Gledhill2008" /> bedeutet.

Toxizität

Vorlage:Hinweisbaustein Wie aus den USA bekannt ist, kann die Rainfarn-Phazelie starke Kontaktallergien auslösen. Ursächlich hierfür ist die Stoffgruppe der Phacelioide.<ref name="Roth1994" /> Als stärkstes Kontaktallergen dieser Gruppe erwies sich das Geranylbenzochinon; aber auch das Geranylhydrochinon und das Farnesylhydrochinon sensibilisieren stark.

Björn M. Hausen hat 1997 allerdings in dünnschichtchromatographischen Untersuchungen bei Pflanzenexemplaren in Mitteleuropa in den grünen Pflanzenteilen keine und in den Samen nur geringe Mengen an Phacelioiden nachweisen können. Wahrscheinlich beeinflussen auch bei dieser Pflanzenart Klima- und Standortbedingungen die Allergenproduktion.<ref name="Hausen1997" />

Nutzung

Vorlage:Hinweisbaustein Die Rainfarn-Phazelie dient sowohl als Zier- wie auch als Nutzpflanze. Als Zierpflanze wird sie zerstreut in Sommerrabatten kultiviert. Als Nutzpflanze wird sie zerstreut, also vereinzelt, feldweise als Bienenweide, Schädlingsbekämpfung oder Gründüngung angebaut. Phacelia tanacetifolia ist in Europa seit 1832 in Kultur.

Die Rainfarn-Phazelie ist in der Landwirtschaft in vierfacher Hinsicht von Interesse<ref name="Duval1992">Jean Duval: La Phacélie. In: Ecological Agriculture Projects, McGill University (Macdonald Campus), Kandada. März 1992, abgerufen am 18. März 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>:

  • Ihre Blüten ziehen besonders Syrphiden (Schwebfliegen), Laufkäfer, Bombyles und Aphelinidae an, die sich von den in der Umgebung vorhandenen Blattläusen ernähren. Um bestimmte Felder wurden Phacelia angepflanzt, um die Anzahl der Blattläuse zu verringern.
  • Die Rainfarn-Phazelie ist eine ausgezeichnete Honigpflanze und zieht auch Bienen an, die als Bestäuber für die benachbarten Pflanzen nützlich sein können. Durch eine kontinuierliche Aussaat von Mai bis zum Ende des Sommers kann man auch eine kontinuierliche Blüte von Juli bis zum Herbst erreichen. Der Honig der Phacelia ist sehr aromatisch.
  • Im Herbst ist Rainfarn-Phazelie ein guter Gründünger. Die Rainfarn-Phazelie als Gründüngung wird manchmal in Kombination mit anderen Arten gesät, z. B. mit Buchweizen im Verhältnis von 8 kg/ha Phacelia zu 40 kg/ha Buchweizen oder mit Lupinen im Verhältnis von 5 kg/ha Phacelia zu 150 kg/ha Lupinen.<ref name="Monfort1987"></ref> Wenn sie auf großen Flächen gesät wird, hat sie die Eigenschaft, Begleitvegetation wie Quecke zu unterdrücken.
  • Die Rainfarn-Phazelie, die zwischen die Reihen junger Apfel- und Birnbäume gesät wird, reduziert die Sterblichkeit junger Bäume in Gebieten mit schwerem Frost (Osteuropa) um die Hälfte.<ref name="Wierszyllowski1956"></ref> Phacelia kann als Bodendecker das Wachstum junger Apfelbäume unterstützen,<ref name="Keremidarska1967"></ref> allerdings können sich darunter auch Wühlmäuse verstecken.

Quellen

Literatur

Einzelnachweise

<references> <ref name="Tropicos"> Phacelia tanacetifolia bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="BiolFlor"> Rainfarn-Phazelie. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland. </ref> <ref name="FloraWeb"> Phacelia tanacetifolia Benth., Rainfarn-Phazelie. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="InfoFlora"> Phacelia tanacetifolia Benth. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="FloraVascular"> Datenblatt Phacelia tanacetifolia mit Verbreitung auf der Iberischen Halbinsel bei Flora Vascular. </ref> <ref name="Roth1994"> Lutz Roth, Max Daunderer, Kurt Kormann: Giftpflanzen, Pflanzengifte. 4., überarbeitete und erweiterte Auflage. Ecomed Verlagsgesellschaft, Landsberg, 1994, ISBN 3-609-64810-4. </ref> <ref name="Hausen1997"> Björn M. Hausen, Ines K Vieluf: Allergiepflanzen - Handbuch und Atlas. 2. Auflage. Nikol Verlag, Hamburg 1997, ISBN 3-933203-48-1. </ref> <ref name="Gledhill2008"> </ref> <ref name="BritishAndIrishFlora"> Datenblatt Phacelia tanacetifolia mit Foto und Verbreitung auf den Britischen Inseln bei Online Atlas of the British and Irish flora. </ref> <ref name="Wildflowersearch"> Anthony Valois: lacy phacelia. In: wildflowersearch.org. National Park Service, abgerufen am 18. März 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Jepson_eFlora_2021"> Genevieve K. Walden, Robert W. Patterson, Laura M. Garrison, Debra R. Hansen: Datenblatt Phacelia tanacetifolia. In: Jepson Flora Project (Hrsg.): Jepson eFlora. Revision 9, 2021. </ref> <ref name="Euro+Med"> Eckhard von Raab-Straube, 2017+: Phacelia. Datenblatt Phacelia tanacetifolia. In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="Hegi1966"> Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage. unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 3. Verlag Carl Hanser, München 1966, S. 2119–2121. </ref> </references>

Weblinks

Commons: Rainfarn-Phacelie (Phacelia tanacetifolia) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien