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Renierit

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Renierit
Datei:Renierite-654087.jpg
Renierit aus der Typlokalität Kipushi Mine, Katanga, Demokratische Republik Kongo (Größe: 7,5 cm × 5,0 cm × 4,3 cm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

2007 s.p.<ref name="IMA-Liste" />

IMA-Symbol

Ren<ref name="Warr" />

Andere Namen

ehemals Reniérit

Chemische Formel (Cu1+,Zn)11Fe4(Ge4+,As5+)2S16<ref name="IMA-Liste" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide und Sulfosalze – Metall : Schwefel (Selen, Tellur) = 1 : 1
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

II/B.03b
II/C.10-010

2.CB.35a
02.09.04.01
Ähnliche Minerale Colusit, Germanit, Bornit
Kristallographische Daten
Kristallsystem tetragonal, pseudokubisch
Kristallklasse; Symbol tetragonal-skalenoedrisch; 42m<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe P42c (Nr. 112)Vorlage:Raumgruppe/112
Gitterparameter a = 10,6226(5) Å; c = 10,5506(8) Å<ref name="BernsteinReichelMerlino" />
Formeleinheiten Z = 2<ref name="BernsteinReichelMerlino" />
Häufige Kristallflächen {111}
Zwillingsbildung ausgeprägt
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 3,5<ref name="Handbookofmineralogy" /> bis 4,5<ref name="Lapis" /> (VHN25 = 340 bis 363<ref name="Handbookofmineralogy" />)
Dichte (g/cm3) gemessen: 4,38; berechnet: 4,4<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit keine
Bruch; Tenazität uneben
Farbe bronzebraun, orangebraun
Strichfarbe dunkelgrau
Transparenz undurchsichtig
Glanz Metallglanz
Magnetismus moderat bis deutlich, teilweise polar<ref name="JM1" />
Kristalloptik
Doppelbrechung δ schwach<ref name="Bernstein" />
Weitere Eigenschaften
Besondere Merkmale polierte Oberfläche zeigt häufig Zwillinge und Anisotropie

Renierit (ehemals Reniérit) ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“. Es kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung (Cu1+,Zn)11Fe4(Ge4+,As5+)2S16<ref name="IMA-Liste" />. Die in den runden Klammern angegebenen Elemente Kupfer und Zink bzw. Germanium und Arsen können sich dabei in der Formel jeweils gegenseitig vertreten (Substitution, Diadochie), stehen jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals.

Renierit findet sich meist in Form körniger bis derber Mineral-Aggregate, entwickelt aber auch kleine unregelmäßige oder würfelförmige Kristalle bis etwa drei Millimeter Größe von bronzebrauner bis orangebrauner Farbe und metallischem Glanz.

Etymologie und Geschichte

Benannt wurde das Mineral nach dem belgischen Geologen Armand Marie Vincent Joseph Renier (1876–1951).

Der erste Fund wurde 1928 als kleine, auffällige Körner in einen sulfidischen Erz von G. Thorreau<ref name="Thorreau" /> beschrieben und falsch interpretiert. Er verglich das Material mit „orangem Bornit“.<ref name="Murdoch" /> Spätere Fehldeutungen folgten und erstmals korrekt beschrieben wurde der Renierit 1948 durch Johannes Franciscus Vaes (1902–1978)<ref name="Vaes" />.

Die ursprünglich von Vaes gewählte Schreibweise Reniérite ist seit 2008 diskreditiert, da sich der Namensgeber ohne Akut über dem ‚e‘ schreibt und es sich daher um ein überflüssiges diakritisches Zeichen handelt.<ref name="IMA-Tidying-up" />

Als Typlokalität gilt die Kipushi Mine (Koordinaten

 {{#coordinates:−11,769444444444|27,235555555556|
   |dim=
   |globe=
   |name="Kipushi Mine"
   |region=CD
   |type=landmark
  }}), ehemals Prince Léopold Mine, Kipushi, Provinz Haut-Katanga, in der Demokratischen Republik Kongo.

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Renierit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung „Sulfide mit M : S = 1 : 1“, wo er gemeinsam mit Mawsonit in der „Renierit-Reihe“ mit der Systemnummer II/B.03b steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/C.10-010. Dies entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : S,Se,Te ≈ 1 : 1“, wo Renierit zusammen mit Colusit, Germanit, Germanocolusit, Maikainit, Morozeviczit, Nekrasovit, Ovamboit, Polkovicit, Stibiocolusit, Sulvanit und Vinciennit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/C.10 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Renierit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze (Sulfide, Selenide, Telluride, Arsenide, Antimonide, Bismutide, Sulfarsenide, Sulfantimonide, Sulfbismutide)“ und dort in die Abteilung „Metallsulfide, M : S = 1 : 1 (und ähnliche)“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „mit Zink (Zn), Eisen (Fe), Kupfer (Cu), Silber (Ag) usw.“ zu finden, wo es zusammen mit Catamarcait, Hemusit, Kiddcreekit, Morozeviczit, Polkovicit und Vinciennit die „Hemusitgruppe“ mit der Systemnummer 2.CB.35a bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Renierit die System- und Mineralnummer 02.09.04.01. Das entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfidminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Selenide und Telluride – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=1:1“ in der „Germanitgruppe“, in der auch Germanit, Maikainit und Ovamboit eingeordnet sind.

Kristallstruktur

Datei:RENIERITE.png
Vereinfachte Struktur von Renierit, die c-Achse zeigt nach oben,
Vorlage:Farbe S Vorlage:Farbe Zn Vorlage:Farbe Cu Vorlage:Farbe Fe Vorlage:Farbe Ge<ref name="BernsteinReichelMerlino" />

Renierit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem in der Raumgruppe P42c (Raumgruppen-Nr. 112)Vorlage:Raumgruppe/112 mit den Gitterparametern a = 10,62 Å und c = 10,55 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="Webmineral" /> Dabei sind aber nicht alle Metallionenplätze vollständig besetzt und Kupfer kann Zink substituieren.<ref name="BernsteinReichelMerlino" /> Die Struktur lässt sich als Mischkristallreihe zwischen den Endgliedern Cu10ZnGe2Fe4S16 und Cu11GeAsFe4S16 schreiben. Dabei wird Zn(II)+Ge(IV) durch Cu(I)+As(V) ersetzt.

Eigenschaften

Renierit-Kristalle täuschen durch polysynthetische Verzwillingung (wiederholte lamellare Aneinanderreihung) die höhere Symmetrie des kubischen Kristallsystems vor. Man nennt solche Kristalle daher pseudokubisch. Die bis zu 3 mm großen Kristalle, normalerweise aber Körner im sub mm-Bereich, erscheinen so als Tetraeder.<ref name="JM1" />

Bildung und Fundorte

Datei:Renierite-sea30c.jpg
Renierit aus Tsumeb, Namibia (Größe: 3,4 × 2,4 × 1,7 cm)

Renierit bildet sich durch hydrothermale Vorgänge in germaniumhaltigen Lagerstätten. Begleitminerale sind unter anderem Bornit, Chalkopyrit, Digenit, Enargit, Germanit Sphalerit und Tennantit.

Als seltene Mineralbildung konnte Renierit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand 2015) rund 30 Fundorte als bekannt gelten.<ref name="MindatAnzahl" /> Seine Typlokalität Kipushi Mine ist dabei der bisher einzige bekannte Fundort in der Demokratischen Republik Kongo.

Weitere Fundorte sind unter anderem Catamarca in Argentinien; Tasmanien in Australien; Dobritsch (ehemals Hadschilogu Pasardschik) in Bulgarien; Provence-Alpes-Côte d’Azur in Frankreich; auf Sardinien in Italien; auf Honshū in Japan; der Otjikotosee und die Region Otjozondjupa in Namibia; Salzburg und die Steiermark in Österreich; in der nördlichen Kaukasus-Region in Russland; in der Zentralprovinz von Sambia; Asturien in Spanien; sowie Colorado in den USA.<ref name="Fundorte" />

Verwendung

Renierit besitzt auf Grund seines Germaniumgehaltes von etwa 6 % eine Bedeutung als Rohstoff für die Gewinnung dieses Elementes.<ref name="Klockmann" />

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Commons: Renierit – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

<references> <ref name="Murdoch"> </ref> <ref name="Bernstein"> </ref> <ref name="BernsteinReichelMerlino"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Renierit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 2. Februar 2023. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Tidying-up"> </ref> <ref name="JM1"> </ref> <ref name="Klockmann"> </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="MindatAnzahl"> Localities for Renierite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 2. Februar 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Thorreau"> </ref> <ref name="Vaes"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Renierite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 2. Februar 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>