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Allgaier Werke

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Allgaier-Group

colspan="2" class="notheme" style="background:#Vorlage:Standardfarbe; color:#Vorlage:Standardfarbe; padding:1em 0;" | Allgaier Werke logo.svg
Rechtsform GmbH
Gründung 1906
Auflösung 2025
Auflösungsgrund Insolvenz
Sitz Uhingen, Deutschland
Leitung
  • Achim Agostini, Vorsitzender der Geschäftsführung
Mitarbeiterzahl 1748 (2018)<ref name="ag">Die Allgaier-Group wächst auch 2018 >> Allgaier-Group | Allgaier-Group. Abgerufen am 17. Juni 2020.</ref>
Umsatz 478 Mio. Euro (2018)<ref name="ag" />
Branche Automobilzulieferer, Maschinen- und Werkzeugbau
Website allgaier-group.com

Die Allgaier-Group war eine Unternehmensgruppe mit Hauptsitz im schwäbischen Uhingen, die in den Bereichen Automotive und Verfahrenstechnik bis Ende 2025 tätig war. Gefertigt wurden vor allem Press- und Blechteile und deren Werkzeuge für die Automobilindustrie sowie Sieb-, Trocknungs- und Granulierungsanlagen. Neben dem Hauptwerk gehörten Produktionswerke im Norden Deutschlands und in Sachsen sowie in Frankreich, Mexiko, Schweden, Spanien und Indien zum Unternehmen.

Geschichte

Im Jahr 1906 wurde im württembergischen Hattenhofen von Georg Allgaier die Firma Allgaier Werke GmbH zur Fertigung einfacher Schnitt- und Stanzwerkzeuge gegründet. Der Betrieb wurde 1916 ins benachbarte Uhingen verlagert.<ref>Susann Schönfelder: Allgaier investiert am Stammsitz. In: swp.de. 4. Oktober 2018, abgerufen am 21. Juni 2023.</ref> Der erste größere Auftrag von Karosseriewerkzeugen wurde im Jahr 1928 nach Belgien und Frankreich ausgeliefert. Im darauf folgenden Jahr begann Allgaier mit der seriellen Produktion von Pressteilen für die Automobilindustrie.

In der Zeit des Nationalsozialismus schwenkte das Unternehmen verstärkt auf die Produktion von Rüstungsgütern um. So fertigte Allgaier bis Kriegsende unter anderem Flugzeugteile und verschiedene Munitionsarten.<ref>Bestandsaufnahme von Rüstungsaltlastverdachtsstandorten in der Bundesrepublik Deutschland (Seite 79), abgerufen am 22. Oktober 2023.</ref> In der Produktion wurden auch russische Zwangsarbeiter eingesetzt. Gemäß Zeugen sollen sich darunter zwangsweise verschleppte Kinder befunden haben. Der Umgang mit den Zwangsarbeitern wird von den Betroffenen unterschiedlich beschrieben. So soll es freundschaftliche Beziehungen aber auch Misshandlungen und Mangelversorgung gegeben haben. Ferner berichteten Zeugen von Hinrichtungen auf dem Firmengelände.<ref>Zwangsverschleppte Kinder bei Allgaier in Uhingen (Seite 8), abgerufen am 22. Oktober 2023.</ref>

Datei:Allgaier A22 1951.jpg
Allgaier-Traktor A 22, 1840 cm³, 22 PS (1951)
Datei:Allgaier A 111, Bj. 1953 (2007-07-01).jpg
Allgaier-Traktor A 111, gebaut von 1952 bis 1955

Im Jahr 1946, unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, starb der Unternehmensgründer. Seine Familie führte das Unternehmen weiter und begann zwei Jahre später mit der Produktion von Schleppern und Dreschmaschinen für die Landwirtschaft.<ref name=":0">Historie. In: allgaier-group.com. Abgerufen am 5. Februar 2019.</ref> Aufgrund der großen Auftragslage in den anderen Geschäftsfeldern kam es zu Kapazitätsengpässen, so dass die Traktorenfabrikation 1955 an die neu gegründete Porsche-Diesel Motorenbau GmbH verkauft wurde.<ref>Klaus Herrmann: Traktoren in Deutschland 1907 bis heute, 2. Auflage, DLG-Verlags-GmbH, Frankfurt/Main 1995, ISBN 3-7690-0530-9, Seite 13</ref> Darauf folgend begann die Produktion von Siebmaschinen und damit der Geschäftsbereich „Verfahrenstechnik“. Mitte der 1960er Jahre beschäftigte das Unternehmen rund 3000 Mitarbeiter, danach geriet das Geschäft mit Landwirtschaftsmaschinen in eine Krise. Die Mitarbeiterzahl schrumpfte bis in die 1970er Jahre auf weniger als 1000.<ref name="DieZeit-2001">Marie-Luise Hauch-Fleck: Sozial mit harter Hand. zeit-online, 19. Dezember 2001, abgerufen am 29. April 2013</ref>

1975 wurde Dieter Hundt Gesellschafter und alleiniger Geschäftsführer des Unternehmens. Zwei Jahre später gründete er die erste produzierende Tochtergesellschaft in Frankreich. Eine weitere Internationalisierung wurde durch Zukäufe und Gründung von Tochtergesellschaften in Schleswig-Holstein, Schweden und Spanien vorangetrieben. In den 1980er Jahren wurde das Unternehmen unter anderem um ein neues Presswerk am Stammsitz in Uhingen sowie den norddeutschen Siebmaschinenhersteller Mogensen GmbH & Co. KG erweitert und in den 1990er Jahren durch den schwedischen Siebmaschinen- und Sizerhersteller Fredrik Mogensen AB und das spanische Unternehmen Gosag S.A. zu Beginn der Jahrtausendwende.<ref name=":0" />

Im Jahr 2008 übernahm Helmar Aßfalg, zuvor Technik-Vorstand bei Müller Weingarten, die Geschäftsführung.<ref>Allgaier Group - Historie. In: allgaier-group.com. Abgerufen am 18. Februar 2019.</ref> Dieter Hundt, der bis zum 31. Dezember 2007 geschäftsführender Gesellschafter war und seit 1996 deutscher Arbeitgeberpräsident, wechselte zum 1. Januar 2008 in den Aufsichtsrat. Die durch Hundt begonnene Wachstumsstrategie wurde von Aßfalg mit der Gründung von Allgaier de México im Jahr 2009 und der chinesischen Tochtergesellschaft Allgaier Automotive Tool & Die Beijing Co. Ltd. sowie der Almo Process Technology Inc. in den USA im Jahr 2010 weitergeführt. 2011 folgte ein weiteres Werk in Puebla, Mexiko, das im Sommer 2018 um einen weiteren Produktionsstandort in Aguascalientes erweitert wurde. 2015 wurde ein neuer Standort in Oelsnitz, Sachsen eröffnet.<ref name=":0" />

Zum 1. Juni 2008 wurde die bisherige Gesellschaft in drei Gesellschaften aufgeteilt: die Allgaier Werke GmbH (Holding), Allgaier Automotive GmbH (Werkzeugbau und Pressteile-Geschäft) sowie die Allgaier Process Technology GmbH (Verfahrenstechnik).<ref>Susann Schönfelder: Bei Allgaier wird kräftig umstrukturiert. Südwest Presse, 4. Juni 2008, abgerufen am 29. April 2013</ref>

Zum 1. Oktober 2021 übernahm Achim Agostini die Geschäftsführung.<ref>Geschäftsführerwechsel bei der Allgaier-Group. Allgaier-Group, 6. Oktober 2021, abgerufen am 9. April 2022.</ref> Im Frühjahr 2022 wurde die Übernahme von Allgaier durch einen nicht näher genannten chinesischen Investor bekannt.<ref>Gustav Theile: Autozulieferer Allgaier vor Verkauf nach China, faz.net, 17. Februar 2022</ref> Im Juli 2022 bestätigte das Unternehmen den Sachverhalt und teilte mit, dass der chinesische Investor Westron zum 1. Juli 2022 die Mehrheit der Anteile des Unternehmens übernommen habe.<ref>Gustav Theile: Dieter Hundt verkauft Autozulieferer Allgaier an Chinesen, faz.net, 4. Juli 2022</ref>

Am 21. Juni 2023 meldete das Unternehmen überraschend Insolvenz an.<ref>Martin-W. Buchenau: Autobranche: Autozulieferer Allgaier stellt Insolvenzantrag. In: handelsblatt.com. 21. Juni 2023, abgerufen am 21. Juni 2023.</ref><ref>Allgaier Werke: Automobilzulieferer meldet ein Jahr nach Verkauf durch Dieter Hundt Insolvenz an. In: manager-magazin.de. 21. Juni 2023, abgerufen am 21. Juni 2023.</ref> Vonseiten der IG Metall wurde dies als Schritt zur Sicherung der Zukunft des Unternehmens eingeschätzt.<ref>Tobias Gürtler: Allgaier Werke: „Der chinesische Eigentümer hat sich massiv verwehrt gegen diese Insolvenz“. Interview mit Martin Purschke, IG Metall. In: Wirtschaftswoche. 22. Juni 2023, abgerufen am 23. Juni 2023.</ref>

Im November 2023 wurde die Mogensen GmbH & Co. KG, einem Unternehmen der Allgaier-Gruppe, von der joest Group aus Dülmen gekauft.<ref>Allgaier in Uhingen: Investor gefunden: Erstes Allgaier-Unternehmen ist verkauft. In: Südwest Presse. 29. November 2023, abgerufen am 31. Mai 2024.</ref>

Im Januar 2024 übernahm die Stafag International GmbH aus Mülheim an der Ruhr den Geschäftsbereich Prozeßtechnik.<ref>Siebtechnik übernimmt Prozesstechnik von Allgaier. In: prozesstechnik.industrie.de. 2. Januar 2024, abgerufen am 28. Januar 2024.</ref> Die Werke in Mexiko und Sachsen konnten ebenfalls an Investoren vermittelt werden.<ref>Allgaier: Investor für Gesellschaft in Mexiko, abgerufen am 14. Februar 2026.</ref><ref>Insolvenzverwalter findet Investor für Allgaier Sachsen, abgerufen am 14. Februar 2026.</ref> Nicht so allerdings das Stammhaus in Uhingen. Zum 31. Dezember 2025 wurde der Betrieb nach erfolgloser Investorensuche abgewickelt und eingestellt. Der größte Teil der verbliebenen rund 600 Mitarbeiter wurden in einer Transfergesellschaft aufgefangen.<ref>600 Arbeitsplätze fallen weg - Was passiert nun bei Allgaier, abgerufen am 14. Februar 2026.</ref>

Geschäftsbereiche

Datei:Allgaier Uhingen.jpg
Allgaier Stammhaus (Uhingen)

Die Allgaier-Group teilte sich in die zwei Geschäftsbereiche Allgaier Automotive und Allgaier Process Technology. Die Holding-Gesellschaft Allgaier Werke GmbH steuerte die zentralen Organisations- und Managementleistungen der Unternehmensgruppe vom Stammhaus in Uhingen.<ref>Organisation. In: allgaier-group.com. Abgerufen am 5. Februar 2019.</ref>

  • Allgaier Automotive: Lieferant für die internationale Automobilindustrie auf das Gebiet der Blechumformung und Komponentenherstellung spezialisiert.<ref name=":1">Profil. In: allgaier-group.com. Abgerufen am 5. Februar 2019.</ref>
  • Allgaier Automotive GmbH: Der größte Standort des Geschäftsbereichs Allgaier Automotive befand sich in Uhingen. Sie war tätig im Karosserie- und Sonderwerkzeugbau, in der Herstellung von Pressteilen sowie in der Produktion und Entwicklung von Tanksystemen und anderen einbaufertigen Komponenten im Karosseriebereich.<ref>ALLGAIER Automotive GmbH. In: allgaier-group.com. Abgerufen am 5. Februar 2019.</ref>
  • Allgaier Sachsen GmbH: Hatte ihren Sitz in Oelsnitz mit den Geschäftsfeldern Presswerk und Car Body.<ref>ALLGAIER Sachsen GmbH. In: allgaier-group.com. Abgerufen am 5. Februar 2019.</ref>
  • Allgaier France S.à.r.l.: 1977 wurde die erste Tochtergesellschaft der Allgaier-Group gegründet und hatte ihren Sitz bei Metz in Frankreich. Den Schwerpunkt der Produktion bildete die Fertigung von Pressteilen und Komponenten mit anschließender kathodischer Tauchlackierung.<ref>Allgaier France S.à.r.l. In: allgaier-group.com. Abgerufen am 5. Februar 2019.</ref>
Datei:Mogensen.jpg
Allgaier Mogensen GmbH & Co. KG Hamburg
  • Allgaier Process Technology: Der Geschäftsbereich Process Technology mit den Kernmarken Allgaier, Mogensen, Gosag und Mozer fertigte standardisierte als auch individuell angefertigte Systeme und Anlagen zum industriellen Waschen, Trocknen, Kühlen, Sieben und Sortieren von Schüttgütern aller Art. Zu dem Geschäftsbereich Allgaier Process Technology gehörten Gesellschaften im Süden und Norden Deutschlands, Schweden, Spanien, USA sowie Indien.<ref name=":1" />
  • Allgaier Process Technology GmbH: Mit Sitz in Uhingen produzierte Trommeltrockner, Wirbelschicht- und Scheibentrockner, kombinierte Trocken-Kühl-Aggregate sowie Taumel- und Vibrationssiebmaschinen.<ref>ALLGAIER Process Technology GmbH. In: allgaier-group.com. Abgerufen am 5. Februar 2019.</ref>
  • Mogensen GmbH & Co. KG: Das 1968 gegründete Unternehmen in Wedel bei Hamburg wurde 1988 von Allgaier übernommen. Es wurden Siebmaschinen nach dem Sizer-Prinzip produziert.<ref>Mogensen GmbH & Co. KG. In: allgaier-group.com. Abgerufen am 5. Februar 2019.</ref>
  • Fredrik Mogensen AB: Im schwedischen Hjo 1947 gegründet und war 1995 Teil der Allgaier-Group. Das Unternehmen war spezialisiert auf die Fertigung der Siebmaschine Mogensen Sizer, die 1947 von dem Ingenieur Fredrik Mogensen erfunden wurde.<ref>Fredrik Mogensen AB - About us. In: mogensen.se. Abgerufen am 21. Juni 2023.</ref>
  • Allgaier Mogensen S.L.U.: Wurde 1966 unter dem Namen GOSAG gegründet und war seit 2003 Teil der Allgaier-Group. Das Unternehmen fertigte die Marke Gosag und entwickelte und produzierte Wasch-, Sieb- und Sortieranlagen für alle Arten von Schüttgütern.<ref>Allgaier Mogensen S.L.U. In: allgaier-group.com. Abgerufen am 5. Februar 2019.</ref>
  • Allgaier Process Technology Inc.: War das nordamerikanische Vertriebs- und Servicebüro mit Standorten in Utah und Ohio.<ref>Allgaier Process Technology Inc. In: allgaier-group.com. Abgerufen am 5. Februar 2019.</ref>
  • Mozer Process Technology Pvt. Ltd.: Wurde im Jahr 2013 in Kalkutta, Indien als Joint Venture mit dem Unternehmen International Cumbustion (India) Ltd. gegründet. Neben der Fertigung von Mogensen Sizer produzierte das Unternehmen vor allem Trocknersysteme.<ref>About Mozer Process Technology Pvt Ltd. In: MOZER. Abgerufen am 5. Februar 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Siehe auch

Literatur

  • Armin Bauer: Allgaier, Schlepper- und Motoren-Prospekte. Schwungrad-Verlag, Obershagen 1998, ISBN 3-933426-00-6.
  • Armin Bauer: Allgaier/Porsche-Diesel. Datenbuch aller Schlepper und Motoren. Schwungrad-Verlag, Obershagen 2005, ISBN 3-933426-12-X.
  • Albert Mößmer: Porsche und Allgaier. Das Typenbuch. Geramond, München 2009, ISBN 978-3-7654-7721-8.
  • Schlepperkollektiv: Schwerpunkt 100 Jahre Allgaier. In: Der Schlepperfreund. Zeitschrift für historische Landtechnik. Hrsg.: Bulldog- und Schlepperfreunde Württemberg, Nr. 66, Nov. 2006. Mit Abb.

Weblinks

Commons: Allgaier Werke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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Vorlage:Navigationsleiste Deutsche Traktoren- und Schleppermarken ab 1945