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Berlin-Rudow

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Rudow
Ortsteil von Berlin
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Bild:Berlin_Neukölln_Rudow.svg|300px|Rudow auf der Karte von Neukölln rect 217 3 327 89 Berlin poly 71 27 95 115 163 111 173 127 213 123 215 105 179 37 107 7 103 35 Neukölln poly 69 221 103 117 153 105 179 147 215 181 207 195 177 177 159 197 151 229 107 239 Britz poly 71 223 97 239 123 227 175 249 91 279 65 267 61 249 Buckow poly 175 173 163 199 195 211 209 217 213 211 203 195 205 191 Buckow poly 161 201 149 229 173 243 215 253 225 237 205 227 213 215 Gropiusstadt poly 213 177 201 195 213 215 209 225 229 241 211 263 189 253 223 325 281 307 301 275 293 227 267 221 Rudow poly 101 327 89 275 181 243 217 323 287 309 327 329 Brandenburg desc bottom-left

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Koordinaten 52° 25′ 0″ N, 13° 30′ 0″ OKoordinaten: 52° 25′ 0″ N, 13° 30′ 0″ O
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Fläche 11,8 km²
Einwohner 42.818 (31. Dez. 2024)
Bevölkerungsdichte 3629 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahlen 12353, 12355, 12357
Ortsteilnummer 0804
Bezirk Neukölln
Datei:Berlin-Rudow Karte.png
Karte Berlin-Rudow

Rudow [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈʁuːdoː] ist ein Berliner Ortsteil des Bezirks Neukölln.

Lage

Rudow ist der südlichste Ortsteil des Bezirks Neukölln. Er grenzt im Norden an die Ortsteile Britz und Baumschulenweg, im Westen an Buckow und Gropiusstadt, im Osten an Johannisthal, Adlershof und Altglienicke sowie im Süden an die in Brandenburg liegenden Orte Schönefeld, Waßmannsdorf und Großziethen.

Naturraum

Der Dorfkern von Rudow liegt auf der Grundmoränenplatte des Teltow an deren Rand, d. h. nahe dem wenige hundert Meter nordöstlich anschließenden Übergang zum Spree-Urstromtal.<ref>Geologische Karte 1:25000. berlin.de/umweltatlas</ref> Von Südwest nach Nordost durchzieht in einer eiszeitlich entstandenen Rinne das Rudower Fließ die Gemarkung des Dorfes. An die Ränder dieser Rinnen schließen sich teilweise Flächen mit Schmelzwassersanden ab, die sich mit ihrem grobkörnigeren Substrat von den eher lehmigen Grundmoränenflächen unterscheiden.

Die Grenze zu den Talsandflächen bzw. den See- und Moorablagerungen des Urstromtals mit organischen Anteilen im Boden und in der Regel höherem Grundwasserstand verläuft ungefähr entlang der Kornradenstraße – Margueritenring – Köpenicker Straße.

Geschichte

Urkundlich wird der Ort erstmals im Jahr 1373 genannt. Grabungsfunde aus der Zeit um oder gar vor 1200 weisen auf eine spätslawische Vorbesiedlung hin, so dass Ortskontinuität vorliegt. Das ungewöhnliche Straßendorf verfügte über zwei Parallelstraßen, die auf zwei Siedlungskerne hindeuten (heute: Alt-Rudow und Prierosser Straße). Das brandenburgische Namenbuch leitet den Namen von einer polabischen Grundform Rudov, zu urslawisch Ruda (= ‚rote Erde‘ oder ‚Eisenstein‘) ab. Letztere Grundform wurde mit der Endung ‚-ov‘ zum Toponym.<ref name="Namenbuch" />

Die Besitzverhältnisse waren sehr zersplittert, die Besitzgeschichte sehr kompliziert. 1375 hatte das Dorf 64 Hufen, davon hatte der Pfarrer vier Freihufen und die Kirche eine Freihufe. Nach einem Lehensbrief von Markgraf Otto V. hatte der Ritter Beteke Dierecke 14 freie Hufen (davon waren drei Hufen verpachtet), Gyse Dierecke hatte sieben Freihufen, Heinrich Schenck zehn Freihufen, Claus Duseke acht Hufen, von denen er Abgaben entrichten musste, Bürger Schaum in Kölln hatte zwölf Freihufen, Cüne Dyben fünf Freihufen (von drei Hufen waren Abgaben an Frau Duseke zu entrichten) und drei bäuerliche Hufen. Außerdem gab es 16 Kossätenhöfe, einen Krug und eine Mühle. Die Wagendienste (zur Burg Mittenwalde), das Ober- und Untergericht und das Patronat über die Kirche waren 1375 noch im Besitz des Markgrafen, allerdings verpfändet an einen Blumenhagen. Im Jahr 1613 kam Rudow in den Besitz des Adelsgeschlechts von Pfuel,<ref name="Ledebur1856">Leopold von Ledebur: Adelslexikon der preussischen Monarchie. Rauh, 1856, S. 196–197 (Textarchiv – Internet Archive).</ref> 1652 wechselte die Dorfherrschaft an das kurfürstliche Amt Köpenick. 1671 ging ein Teil, das Gutsvorwerk, an den kurfürstlichen Berater Sigismund von Heydekamp, bevor König Friedrich I. 1702 Rudow wieder erwarb und in das Amt Köpenick eingliederte. Nach der Auflösung des Amtes Köpenick gehörte Rudow von 1811 bis 1872 zum Amt Mühlenhof.

Vermutlich auf die Söhne des Großen Kurfürsten geht ein um 1680 errichtetes Jagdschloss zurück, das 1704 als eines der vornehmsten Lusthäuser des Königs bezeichnet wurde (Schloss Rudow). Geringe Reste des Komplexes sind im Haus Nr. 48 an der Prierosser Straße noch erhalten, allerdings durch eingreifende Veränderungen außer den Kaminabzügen auf dem barock gewölbten Dach kaum noch zu erkennen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Jagdschloss. (Memento des Vorlage:IconExternal vom 9. Mai 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.rudow.de rudow.de</ref> Mittelpunkt des Dorfes blieb die Dorfkirche, ein aus Feldsteinen ausgeführter rechteckiger Saalbau aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, der allerdings mehrfach – zuletzt 1909 – einschneidend verändert wurde und nach schweren Kriegszerstörungen 1954 seine heutige Form erhielt. Aus der Zeit um 1800 hat sich der charakteristische Dorfkrug Alt-Rudow 59–61 erhalten, während die wohlhabend gewordenen Bauern sich meist im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts aufwendige Wohnhausbauten errichten ließen. Ein anschauliches Beispiel hierfür liegt in der Köpenicker Straße 180.

Im Jahr 1900 wurde der Bahnhof Rudow an der Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn eröffnet, dessen Bahnhofsgebäude noch erhalten ist. Der Gutsbezirk Rudow wurde am 1. Januar 1906 in die Landgemeinde eingegliedert.<ref>Amtsblatt der Regierung Potsdam, 1905, S. 412; Textarchiv – Internet Archive.</ref> Am 1. Oktober 1913 erhielt die Gemeinde Anschluss an das Berliner Straßenbahnnetz. Die Bedienung erfolgte durch die von Niederschönhausen kommende Linie 47 der Großen Berliner Straßenbahn, Eigentümer der Strecke war die Südliche Berliner Vorortbahn.<ref>Wolfgang Kramer, Siegfried Münzinger: Südliche Berliner Vorortbahn. In: Berliner Verkehrsblätter. Heft 7, 1963, S. 69–72.</ref>

Rudow gehörte bis 1920 zum Kreis Teltow in der preußischen Provinz Brandenburg. Auch über die in diesem Jahr erfolgte Eingemeindung nach Groß-Berlin hinaus konnte Rudow seinen ländlichen Charakter im Wesentlichen bewahren.

Rudow kam 1945 wie der gesamte Bezirk Neukölln zum Amerikanischen Sektor Berlins. Die Abschnürung West-Berlins durch die DDR verstärkte die verkehrsungünstige Randlage. Der Bahnhof war seit 1948 Endbahnhof, der Personenverkehr wurde 1955 eingestellt, die Straßenbahn 1966. Der Anschluss an die U-Bahn erfolgte erst mit dem Bau der Gropiusstadt, der U-Bahnhof Rudow als Endbahnhof der heutigen Linie U7 wurde 1972 eröffnet.

Seit dem Mauerfall ist Rudow durch die Nähe zum Flughafen Schönefeld und den Anschluss an den Autobahnzubringer der A 113 zum Berliner Ring bei Altglienicke – insbesondere im damaligen Verlauf der Bundesstraße 179 über die Neuköllner Straße und Waltersdorfer Chaussee – erheblich vom Durchgangsverkehr belastet. Zudem sind die Rudower Felder als Stadterweiterungsgebiete für den Neubau von 1700 bis 2000 Wohnungen vorgesehen. Zum Zeitpunkt der letzten West-Berliner Volkszählung 1987 hatte Rudow rund 48.000 Einwohner.

Früher gehörte auch die Gropiusstadt teilweise zu Rudow; seit dem 5. November 2001 ist sie als eigener Ortsteil ausgegliedert.

An der Grenze zu Treptow im Osten liegen am Teltowkanal einige Industrieanlagen wie ein Holzheizkraftwerk der Innogy, das große Teile der Gropiusstadt mit Heizwärme und Warmwasser versorgt.

Am nachstehenden Beispiel der Kloster-Apotheke in Alt-Rudow sind die Veränderungen des Stadtbildes nachzuvollziehen.

Bevölkerung

Gemeinde und Gutsbezirk Rudow
Jahr Gemeinde Gutsbezirk 00gesamt00
1858 0.515 091 0.606<ref>Richard Boeckh: Ortschafts-Statistik des Regierungsbezirks Potsdam. Berlin 1861, S. 106; books.google.de</ref>
1871 0.648 100 0.648<ref>Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staates und ihre Bevölkerung. 1873, S. 45, Fußnote 144; bsb-muenchen.de</ref>
1885 0.844 102 0.946<ref>Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. 1888, S. 54; books.google.de</ref>
1895 1.185 089 1.274<ref>Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. 1898, S. 56; kobv.de</ref>
Gemeinde bzw. Ortsteil Rudow
Jahr Einwohner
1910 001.502<ref>Landkreis Teltow. Gemeindeverzeichnis 1900. In: gemeindeverzeichnis.de. Uli Schubert, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 5. Juni 2023; abgerufen am 28. Februar 2026.</ref>
1919 001.447<ref>Volkszählung 1919. books.google.de</ref>
1925 002.022<ref>1925–1987 Statistisches Jahrbuch von Berlin (jeweilige Jahre)</ref>
1930 04.5870.
1938 15.0680.
1946 16.6340.
Jahr Einwohner
1950 18.030
1960 18.359
1970 38.004
1987 47.853
2000 54.349
Jahr Einwohner
2007 41.032
2010 40.828
2015 41.892
2020 42.631
Jahr Einwohner
2021 42.443
2022 42.898
2023 42.826
2024 42.818

Quelle ab 2007: Statistischer Bericht A I 5. Einwohnerregisterstatistik Berlin. Bestand – Grunddaten. 31. Dezember. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (jeweilige Jahre)<ref>Statistischer Bericht A I 5 – hj 2 / 23. Einwohnerregisterstatistik Berlin 31. Dezember 2023. (PDF) Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, S. 25, abgerufen am 29. Februar 2024.</ref>

Rudow gab 2001 Gebietsteile an den neuen Ortsteil Gropiusstadt ab.

Sehenswürdigkeiten

Gewässer und Parkanlagen

Verkehr

Öffentlicher Personennahverkehr

Im Herzen Rudows liegt der gleichnamige U-Bahnhof, die Endhaltestelle der U-Bahn-Linie U7. Mehrere Buslinien erschließen den Ortsteil. Die Expressbuslinie X7 verbindet den U-Bahnhof Rudow mit Zwischenhalt an der Haltestelle Lieselotte-Berger-Straße mit dem Flughafen Berlin Brandenburg (BER).

Der Bahnhof Rudow an der Bahnstrecke der Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn (NME) nach Zossen wurde 1950 für den Personenverkehr und 1982 für den Schienengüterverkehr stillgelegt.

Ob die U-Bahn-Strecke bis zum Flughafen verlängert werden wird, ist derzeit (Stand: 2025) noch unklar. Ende 2018 hatte die Berliner Verkehrssenatorin Regine Günther eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Die BVG befürwortet ab der Berliner Stadtgrenze aus Kostengründen eine oberirdische Führung. Geplant sei in dem Zusammenhang auch ein weiterer Halt in Rudow, der im sogenannten Frauenviertel am Lieselotte-Berger-Platz entstehen soll.<ref>Fährt die U7 bald bis zum BER durch? In: tagesspiegel.de. Abgerufen am 27. September 2020.</ref>

Individualverkehr

Im Nordosten und Osten wird Rudow von der Bundesautobahn 113 begrenzt. Sämtliche Hauptstraßen, die durch den Ortsteil führen, treffen an der Rudower Spinne – einer großen Kreuzung in der Ortsmitte – zusammen und führen von dort in die benachbarten Ortsteile. Die Waltersdorfer Chaussee ist ein wichtiger Zubringer zum Flughafen Berlin Brandenburg.

Schulen

Neben fünf Grundschulen gibt es zwei Integrierte Sekundarschulen, eine davon nebst Förderschule, ein Schulpraktisches Seminar und ein Gymnasium, das Hannah-Arendt-Gymnasium. Alle Schulen sind öffentlich.

Sport

Der TSV Rudow 1888 ist mit mehr als 4600 Mitgliedern (Stand 1. Januar 2024) einer der größten Sportvereine in Berlin. Die Heimspielstätte der Fußballmannschaft ist der Sportplatz Stubenrauchstraße.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter des Ortsteils

Mit Rudow verbundene Persönlichkeiten

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Siehe auch

Literatur

  • Lieselott Enders, Margot Beck: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil IV: Teltow. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1976. 396 S.
  • Christel Wollmann-Fiedler, Jan Feustel: Alte Dorfkirchen in Berlin. Berlin Edition, Berlin 2001, ISBN 3-8148-0089-3.
  • Willy Spatz: Der Teltow. 3. Teil: Geschichte der Ortschaften des Kreises Teltow. Verlag von Rob. Rohde, Berlin W 1912.

Weblinks

Commons: Berlin-Rudow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references> <ref name="Namenbuch"> Gerhard Schlimpert: Brandenburgisches Namenbuch. Teil 3: Die Ortsnamen des Teltow. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1972, S. 156. 368 S. </ref> </references>

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