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Matthias Warnig

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Datei:Управляющий директор компании Nord Stream AG Маттиас Варниг.jpg
Matthias Warnig (2010)

Artur Matthias Warnig (* 26. Juli 1955 in Altdöbern) ist ein deutscher Manager und ehemaliger Major des Ministeriums für Staatssicherheit (Stasi) sowie DDR-Spion. 1990 wurde er Aufsichtsratsvorsitzender der Dresdner Kleinwort, deren Russland-Geschäft er aufbaute und leitete; danach war er von 2006 bis 2016 mit der Leitung der deutsch-russischen Gaspipeline Nord Stream betraut. Von 2015 bis 2023 war er Geschäftsführer der Nord Stream 2 AG. Warnig gilt als ein enger Vertrauter von Wladimir Putin; wegen seiner Nähe zu Russland wurde er mehrfach von den USA mit Sanktionen belegt.

Leben

In der DDR

Matthias Warnig wurde in Altdöbern, Kreis Calau, im heutigen Brandenburg geboren. Sein Abitur machte er in Lauchhammer.<ref>Gerold Hildebrand: Offener Brief des DDR-Bürgerrechtlers Gerold Hildebrand an Matthias Warnig. In: havemann-gesellschaft.de. Robert-Havemann-Gesellschaft e. V., 6. April 2022, abgerufen am 20. Oktober 2024.</ref> Mit 18 Jahren verpflichtete sich der FDJ-Sekretär dazu, hauptamtlicher Mitarbeiter der Stasi zu werden, was erst 2005 öffentlich bekannt wurde, und stellte kurz vor seinem Abitur einen Antrag auf Aufnahme in die SED. Statt Wehrdienst zu leisten, absolvierte er 1974 eine halbjährige Grundausbildung beim Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ des Ministeriums für Staatssicherheit.<ref>Matthias Warnig im Munzinger-Archiv, abgerufen am 19. März 2024 (Artikelanfang frei abrufbar)</ref> Er wurde 1974 von der Stasi als Informant mit dem Decknamen „Hans-Detlef“ angeworben.<ref name="DawishaPutinsKleptocracy52">
BStU MfS AIM, Nr. 6367/75, Teil I, S. 10.</ref>

Ab April 1975 wurde er als Agent in der Auslandsspionageabteilung Hauptverwaltung A (HVA) ausgebildet. Zunächst war er in Ost-Berlin eingesetzt, wo er den Decknamen „Ökonom“ hatte. 1977 begann er ein Studium der Nationalökonomie an der Hochschule für Ökonomie Berlin. Warnig war zuletzt im Dienstgrad eines Hauptmanns stellvertretender Leiter des Referats 5 der Spionageabteilung XV der MfS-Bezirksverwaltung Berlin. Eine seiner Hauptaufgaben war die „Wirtschaftsaufklärung im Rahmen der Gesamtprobleme der Hauptverwaltung Aufklärung“. Von 1986 bis 1989 war Warnig dann unter dem Decknamen „Arthur“ als sogenannter Offizier im besonderen Einsatz (OibE) in Düsseldorf tätig; er arbeitete zur Tarnung in der DDR-Handelsmission. Nachdem das Bundesamt für Verfassungsschutz Warnig als potenziellen Spion ins Visier genommen hatte, wurde er im August 1989 vorzeitig nach Ost-Berlin zurückbeordert.<ref name="welt.de">Dirk Banse, Florian Flade, Uwe Müller, Eduard Steiner, Daniel Wetze: Matthias Warnig: Dieser Deutsche genießt Putins Vertrauen. In: welt.de. 3. August 2014, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 3. August 2014;.</ref><ref name="Abendblatt Dez2005">Putins Freund von der Dresdner Bank – die steile Karriere eines Stasi-Majors. In: Hamburger Abendblatt. 14. Dezember 2005, abgerufen am 28. Februar 2022.</ref> Unter den Objekten seiner damaligen Spionagetätigkeit soll sich auch sein späterer Arbeitgeber, die Dresdner Bank, befunden haben.<ref>Bankchef Matthias Warnig soll als Stasi-Mann für Spionage gegen Dresdner Bank zuständig gewesen sei. In: Spiegel Online. 26. Februar 2005, abgerufen am 28. Februar 2022.
Ostsee-Pipeline: Der Altkanzler und der Agent. In: Manager Magazin. 12. Dezember 2005, abgerufen am 28. Februar 2022.</ref>

Unter der Regierung von Ministerpräsident Hans Modrow (SED) war Warnig ab November 1989 Referent der Wirtschaftsministerin Christa Luft (ebenfalls SED). Er nahm für die DDR an den Verhandlungen über die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion teil. Dabei traf er den Vorstandschef der Dresdner Bank, Wolfgang Röller, der ihm ein Stellenangebot machte.

Nach der friedlichen Revolution in der DDR

Bereits zwei Tage nach der Unterzeichnung des Staatsvertrages zur Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion am 18. Mai 1990 und vor der politischen Wiedervereinigung wurde Warnig ab 20. Mai 1990 bei der Dresdner Bank angestellt.<ref name="welt.de" /> Ab Oktober 1991 war er im Auftrag der Bank in Sankt Petersburg tätig.<ref>Andreas Nölting, Arne Stuhr: Dresdner Bank: „Sollten wir uns als Oberrichter aufspielen?“ In: Manager Magazin. 23. Februar 2005, abgerufen am 28. Februar 2022 (Interview mit Bernhard Walter).</ref> Warnig war bis 2006 Aufsichtsratsvorsitzender der Investmentbank Dresdner Kleinwort. Von 2003 bis 2015 war Warnig im Aufsichtsrat der Bank Rossija. Er war ab 2007 im Aufsichtsrat der Bank VTB, dem zweitgrößten Kreditinstitut Russlands. Daneben hatte Warnig mehrere Mandate in Konzernen der russischen Rohstoffindustrie: von 2014 bis 2022 (stv. Vorsitz)<ref name="ende_rosneft"/> im Aufsichtsrat von Rosneft, dem weltgrößten Energiekonzern, und von 2011 bis 2022 Transneft, der russischen Öl-Pipeline-Gesellschaft.<ref name="munzinger">Matthias Warnig im Munzinger-Archiv, abgerufen am 9. Mai 2025.</ref> Warnig war von 2010 bis 2015 für Gazprom im Aufsichtsrat der Leipziger Ferngasgesellschaft Verbundnetz Gas AG<ref>Aufsichtsrat. In: vng.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 8. August 2014;.</ref> und übernahm von 2011 bis 2015 das Präsidium des Verwaltungsrates der Gazprom Schweiz.<ref>Internet-Auszug – Handelsregister des Kantons Zürich: Firma: GAZPROM Schweiz AG. In: powernet.ch. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 7. März 2016;.
Internet-Auszug – Handelsregister des Kantons Zürich: Firma: GAZPROM Schweiz AG. In: powernet.ch. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 9. August 2017;.</ref> Von 2012 bis 2018 war er Vorsitzender des Verwaltungsrates von United Company Rusal, einem der größten Aluminiumhersteller der Welt.<ref name="munzinger"/>

Warnig war von 2006 bis Mai 2016<ref>Tagesregister-Nr. 6425 vom 18.05.2016 / CHE-112.660.698 / 02844579. In: SHAB.ch, abgerufen am 9. Mai 2025 (PDF).</ref> Geschäftsführer der Nord Stream AG, welche die erste Gaspipeline von der russischen Hafenstadt Wyborg durch die Ostsee ins deutsche Lubmin erbaute und betrieb.<ref>Nord Stream 2 AG – Geschäftsführung. In: nord-stream2.com. 3. April 2017, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 20. Juli 2017;.</ref><ref>Management Team. In: nord-stream2.com. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 18. Januar 2022; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Von 2015 bis Juli 2023<ref>Mutation Nord Stream 2 AG, Steinhausen. In: SHAB.ch, 25. Juli 2023 (PDF).</ref> war er Geschäftsführer der in der Schweiz ansässigen Nord Stream 2 AG, die das Projekt zur Verlegung einer zweiten Gaspipeline auf dem Grund der Ostsee von Russland nach Deutschland durchführte und im Eigentum von Gazprom ist. 2019 war Warnig von Gazprom in den Aufsichtsrat des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 entsandt worden, dessen Sponsor Gazprom war.<ref>Nach Sanktionen der USA: Gazprom-Vertreter Warnig verlässt Schalker Aufsichtsrat. In: kicker.de. 24. Februar 2022, abgerufen am 24. Februar 2022.</ref>

Verhältnis zu Putin

Warnig gilt als enger Vertrauter von Wladimir Putin; sie begegneten sich spätestens im Januar 1989, als sie gemeinsam an Feierlichkeiten zum 71. Jahrestag der Tscheka teilnahmen.<ref name="DawishaPutinsKleptocracy52" /> Er war Teil einer KGB-Zelle in Dresden, die von Putin gegründet wurde, wie ein ehemaliger Stasi-Mitarbeiter später sagte,<ref></ref> und unterstützte ihn, Agenten im Westen zu rekrutieren.<ref>Guy Chazan, David Crawford: A Friendship Forged in Spying Pays Dividends in Russia Today. In: The Wall Street Journal. 23. Februar 2005, abgerufen am 24. Januar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Seit spätestens 1991 sind sie befreundet. Als 1993 Putins damalige Frau Ljudmila Alexandrowna Putina lebensgefährlich verunglückte, sorgte Warnig laut Medienberichten dafür, dass sie in Deutschland operiert werden konnte.<ref name="welt.de" /> Im April 2014 lud Warnig in St. Petersburg zu einer Gala zu Ehren von Gerhard Schröder; trotz Annexion der Krim feierte Schröder mit Wladimir Putin und Warnig seinen 70. Geburtstag in Russland. Warnig nahm nach der Präsidentschaftswahl am 18. März 2018 an der Zeremonie zur vierten Amtseinführung von Putin teil.<ref>Путин вступил в должность президента. Сравниваем четыре инаугурации. In: BBC News. 7. Mai 2018, abgerufen am 31. Oktober 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Warnig agiert als "Back Channel" mindestens für den Wirtschafts- und Außenminister Sigmar Gabriel. Warnig beschafft Termine bei Putin, er transportiert Nachrichten zu Pipeline-Fragen, zum Krieg im Osten der Ukraine und über Fluchtkorridore für die Bevölkerung im Kriegsland Syrien.<ref>Katja Gloger, Georg Mascolo: Das Versagen. Eine investigative Geschichte der deutschen Russlandpolitik. Ullstein, Berlin 2025, ISBN 978-3-550-20427-2, S. 45, 238.</ref> Während des Corona-Lockdowns bittet ihn Ministerpräsidentin Manuela Schwesig um Vermittlung, ob der russische Sputnik-Impfstoff nicht auch in Mecklenburg-Vorpommern produziert werden könnte.<ref>Manuela Schwesig wollte Sputnik V mit Hilfe des Putin-Freundes Matthias Warnig beschaffen. In: Der Spiegel. 24. November 2023, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 22. März 2026]).</ref>

Sanktionen

2018 gab Warnig seinen Posten bei Rusal ab, nachdem die Regierung Trump Rusal mit Sanktionen belegt hatte. Das Weiße Haus hatte Warnigs Rücktritt zu einer Bedingung für deren Aufhebung gemacht.<ref name=faz> Alexander Wulfers: Wie Matthias Warnig der mächtigste Deutsche in Russland wurde. faz.net vom 5. März 2022 und FAS 6. März 2022.</ref> 2021 beriet der US-Kongress über Sanktionen u. a. gegen Nord Stream und Warnig; die Biden-Regierung verzichtete im Mai 2021 auf die Einführung von Sanktionen gegen Warnig mit Rücksicht auf die Beziehungen zu Deutschland.<ref>Andrea Shalal, Timothy Gardner, Steve Holland: U.S. waives sanctions on Nord Stream 2 as Biden seeks to mend Europe ties. In: Reuters. 19. Mai 2021, abgerufen am 16. November 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „The Biden administration waived sanctions on the company behind Russia's Nord Stream 2 gas pipeline to Germany and its chief executive […] State Department report sent to Congress concluded that Nord Stream 2 AG and its CEO, Matthias Warnig, an ally of Russian President Vladimir Putin, engaged in sanctionable activity. But Blinken immediately waived those sanctions.“</ref> Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine durch Putin im Februar 2022 wurde er direkt mit Sanktionen belegt<ref>Antony J. Blinken: Sanctioning NS2AG, Matthias Warnig, and NS2AG’s Corporate Officers. In: United States Department of State. 23. Februar 2022, abgerufen am 24. Februar 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> und die deutsche Bundesregierung stoppte das Genehmigungsverfahren für die Erdgasleitung Nord Stream 2.<ref>Pipeline Nord Stream 2 wird gestoppt www.zeit.de, abgerufen am 22. März 2022</ref><ref>Nord Stream 2 AG – Geschäftsführung. In: nord-stream2.com. 3. April 2017, abgerufen am 12. September 2020.</ref> Sein Mandat bei Schalke 04 legte Warnig im Februar 2022 kurz nach Veröffentlichung der US-Sanktionsliste nieder; wenig später beendete Schalke die Partnerschaft mit dem Sponsor Gazprom.<ref>Das Trikot bleibt frei, der Druck wächst. In: FAZ. 24. Februar 2022, abgerufen am 5. März 2022.</ref> Ende Mai 2022 trat er von seinem Aufsichtsratsposten bei Rosneft zurück.<ref name="ende_rosneft">Russia's Rosneft says German ex-chancellor Schroeder quits board, Reuters-Meldung vom 20. Mai 2022, abgerufen am 20. Mai 2022</ref>

Privat

Warnig heiratete an seinem 24. Geburtstag, bald darauf wurden sein Sohn Stefan und seine Tochter Claudia geboren. Warnig ist in zweiter Ehe mit der Russin Elena geb. Semjonova verheiratet, die er Ende der 1990er-Jahre in Sankt Petersburg kennenlernte. Mit ihr hat er zwei Söhne. Die Familie lebt in Staufen im Breisgau. Das Paar hat noch heute Eigentumswohnungen in Sankt Petersburg und in Moskau.<ref>Stefan Willeke: „Ich bin toxisch“. In: Die Zeit. Nr. 5, 26. Januar 2023, S. 13–15 (zeit.de [abgerufen am 2. Februar 2023]).</ref>

Warnig war Inhaber einer Immobilien- und Vermögensgesellschaft.<ref name="welt.de" /><ref>Alexander Huber: Gas-Manager investiert am Bad Krozinger Bahnhof. In: Badische Zeitung. 22. November 2013, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 21. Juli 2014;.</ref> Mit der Vermögensgesellschaft der Familie, an der alle Kinder beteiligt waren, investierte Warnig in Immobilien im Breisgau. Sein Unternehmen verwaltete 2014 ein Vermögen von mehr als zehn Millionen Euro.<ref name="welt.de" /> Seine Frau war Geschäftsführerin der gemeinsamen Immobilien- und Vermögensgesellschaft, bis diese im März 2021 liquidiert wurde.<ref>Jürgen Lessat: Die Schwarzwald-Connection. In: Kontext-Wochenzeitung Nr. 571 vom 9. März 2022, abgerufen am 24. April 2022.</ref><ref>MW Invest Beteiligungs-GmbH bei firmendb</ref>

Sein Sohn Stefan Warnig führte als Inhaber und Chefkoch ein Künstlercafé in Berlin-Schöneberg, das „Café des Artistes“, das als Lieblingsrestaurant des russischen Präsidenten in Deutschland galt und von Putin auf Deutschlandreisen stets besucht wurde.<ref name="welt.de" />

Auszeichnungen

Weblinks

Einzelnachweise

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