Zum Inhalt springen

Lager Dretelj

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 23. Dezember 2025 um 14:52 Uhr durch imported>CommonsDelinker (Ersetze Dretelj_camp_(2025)_01.jpg durch Dretelj_camp_(2022)_01.jpg (von CommonsDelinker angeordnet: File renamed: Criterion 1 (original uploader’s request) ·).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:Dretelj camp (2022) 01.jpg
Einfahrt zum ehemaligen Lager Dretelj (2022)

Das Lager Dretelj war ein von der kroatischen Kriegspartei im Bosnienkrieg betriebenes Gefangenenlager in Bosnien und Herzegowina, in dem Serben und Bosniaken festgehalten, gefoltert und ermordet wurden. Es lag auf dem Gebiet der Gemeinde Čapljina in der international nicht anerkannten Republik Herceg-Bosna und war seit 1993 in Betrieb.<ref name="ubristol"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Prison Camps: Čapljina (Memento vom 20. Oktober 2013 im Internet Archive), University of the West of England, Bristol</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Bojan Aleksov, Marian Apparitions and the Yugoslav Crisis (Memento vom 6. März 2007 im Internet Archive) (PDF; 226 kB), Central European University, Budapest, Juni 2004</ref>

Geschichte

Bis zum Zerfall Jugoslawiens befanden sich auf dem Gelände Baracken der jugoslawischen Bundesarmee. Seit 1993, als kroatische Warlords die sogenannte ethnische Säuberung des unteren Neretvatales von Bosniaken und Serben beschlossen hatten, wurde das Lager zunächst von den kroatischen Verteidigungskräften in der Herzegowina, später vom Kroatischen Verteidigungsrat betrieben.

Die Zahl der Todesopfer ist bis heute unklar. Gefangene waren sexuellen Misshandlungen und Vergewaltigungen ausgesetzt.

Im September 1993 registrierte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz 1200 bosniakische Gefangene im Lager, wo nach Angaben von Helsinki Watch auch 1500 Serben inhaftiert gewesen sein sollen.<ref name="ubristol" /><ref name="sells"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein., Wake Forest University, Winston-Salem, Herbst 2003</ref>

Juristische Aufarbeitung

Am 23. November 1994 wurde Refik Šarić, ein nach Dänemark geflüchteter bosniakischer Kollaborateur der Lagermannschaft, in Kopenhagen wegen seiner Beteiligung an 14 Folterungen, zwei davon mit Todesfolge, zu einer achtjährigen Freiheitsstrafe verurteilt.<ref>Bosnia Camp Guard Convicted in Denmark, New York Times, 23. November 1994</ref>

Im März 2010 befand das Berufungsgericht in Oslo den Aufseher Mirsad Repak in 13 von 14 Anklagepunkten für schuldig, Kriegsverbrechen an Gefangenen im Lager Dretelj begangen zu haben; Repak kündigte Revision an.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein., Aftenbladet, 9. März 2010</ref> Im Dezember 2010 hob Norwegens oberster Gerichtshof die Verurteilung wegen Kriegsverbrechen auf, da diese in Norwegen erst 2005 unter Strafe gestellt worden waren; ein Verfahren wegen Freiheitsberaubung wurde weitergeführt.<ref>Norway court cancels Bosnian's war crimes sentence, The Telegraph, 3. Dezember 2010</ref>

Am 8. April 2011 wurde Ahmet Makitan, Mitglied der Wachmannschaft im Lager Dretelj, in Stockholm wegen Kriegsverbrechen und Entführung zu einer Gesamtstrafe von fünf Jahren verurteilt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Profil von Ahmet Makitan (Memento vom 20. Januar 2011 im Internet Archive) bei TRIAL Watch, Abruf am 1. Juni 2011</ref>

Vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag wurden Jadranko Prlić, Bruno Stojić, Slobodan Praljak, Milivoj Petković, Valentin Ćorić und Berislav Pušić unter anderem im Zusammenhang mit dem Lager Dretelj angeklagt.<ref>PRLIĆ et al. Information Sheet, IT-04-74 (PDF; 445 kB)</ref> Im Mai 2013 wurden die Angeklagten zu Haftstrafen zwischen 10 und 25 Jahren verurteilt.<ref>25 Jahre Haft für Prlic wegen Kriegsverbrechen, Schweizer Radio und Fernsehen, 29. Mai 2013</ref> Am 29. November 2017 wurden alle Urteile in der Berufungsinstanz bestätigt, Praljak beging unmittelbar nach der Urteilsverkündung Suizid im Gerichtssaal.<ref>Gift-Tod in Den Haag – Verurteilter Slobodan Praljak gestorben. Die Welt vom 29. November 2017</ref>

Weblinks

Einzelnachweise

<references/>

Vorlage:Navigationsleiste Internierungslager während des Bosnienkrieges

Koordinaten: 43° 7′ 35″ N, 17° 42′ 24″ O

 {{#coordinates:43,126388888889|17,706666666667|primary
   |dim=
   |globe=
   |name=
   |region=BA-BIH
   |type=landmark
  }}