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Rudolf Ekstein

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Foto von Rudolf Ekstein bei der Verleihung des Ehrendoktorats der Universität Wien
25. Oktober 1995

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(bitte Urheberrechte beachten)

Rudolf Ekstein (* 9. Februar 1912 in Wien, Österreich-Ungarn; † 18. März 2005 in Los Angeles) war ein US-amerikanischer Psychoanalytiker und Kinderpsychologe österreichischer Abstammung. Sein Interessensgebiet war die Verknüpfung von Psychoanalyse, Psychotherapie und Pädagogik.

Leben

Datei:Document of the research correspondence with Rudolf Ekstein and Bruno Bettelheim.jpg
Dokument der Forschungskorrespondenz mit Rudolf Ekstein und Bruno Bettelheim<ref>Zum Briefwechsel zwischen Ernst Federn und Bruno Bettelheim (1945 – 1989). In: haGalil. 9. März 2010, abgerufen am 9. Juni 2025.</ref>

Ekstein hat an der Universität Wien Psychologie, Philosophie und Geschichte studiert und promovierte dort 1937. Seine Lehrer dort waren u. a. Anna Freud, Willi Hoffer und August Aichhorn. 1937 verfasste er unter Pseudonym in einem Magazin des Kommunistischen Jugendverbandes den an Wilhelm Reich orientierten Beitrag „Sexualpolitik des Faschismus“<ref>Sexualpolitik des Faschismus, auf hagalil.com</ref> und wurde deshalb wegen „Trotzkismus“ aus dem Kommunistischen Jugendverband ausgeschlossen.<ref>Rudolf Eksteins „Sexualpolitik des Faschismus“ (Mai 1937), auf hagalil.com</ref> Nach dem Anschluss Österreichs im März 1938, mehrmaligen Festnahmen und mehreren Wochen im Gefängnis floh Ekstein im August zuerst nach London und von dort im Dezember in die USA. Er erklärte später: „Ich mußte weg, aber nicht nur als Jude, sondern auch als Illegaler, als Widerstandskämpfer.“<ref>Rudolf Ekstein (1912 - 2005): "Wiener mit amerikanischem Pass". In: hagalil.com. Abgerufen am 9. Juni 2025.</ref>

In Boston wurde er an der School of Social Work der Boston University zum Sozialarbeiter ausgebildet und schloss mit einer Masterarbeit mit dem Titel „Adjustment problems of refugees as a challenge to social group work“ ab.<ref>Adjustment problems of refugees as a challenge to social group work | WorldCat.org. Abgerufen am 7. Juli 2025.</ref> Seine Lehranalyse machte er bei Eduard Hitschmann. 1942 wurde er US-Staatsbürger.<ref>Myrna Oliver: Rudolf Ekstein, 93; Psychoanalyst Who Treated Emotionally Disturbed Children. In: Los Angeles Times. 23. März 2005, abgerufen am 9. Juni 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Anschließend arbeitete er von 1947 bis 1957 bei der Menninger Foundation in Topeka, Kansas, und von 1957 bis 1976 am Reiss Davis Child Study Center in Los Angeles. Seinen internationalen Ruf erwarb er sich durch seine Arbeit mit psychotischen, autistischen Kindern und Kindern mit dem Borderline-Syndrom.<ref name="orf1">orf.at: Ein Leben für psychisch kranke Kinder - Rudolf Ekstein, Psychoanalytiker und Sozialdemokrat, auf oe1.orf.at</ref> Die Anwendung der Psychoanalyse in Erziehung und Unterricht war ebenfalls ein Schwerpunkt seiner Arbeit.

Datei:Feuerhalle Simmering - Urnenhain - Rudolf Ekstein.jpg
Eksteins Grab im Urnenhain der Feuerhalle Simmering

Ab 1970<ref>Rudolf Ekstein (1912 - 2005): "Wiener mit amerikanischem Pass". In: hagalil.com. Abgerufen am 9. Juni 2025 (In anderen Publikationen wird gesagt, Ekstein sei seit 1960 nach Wien zurückgekehrt, z. B. bei ORF.at (Link).).</ref> ging er regelmäßig nach Wien. Dort lehrte er u. a. als Gastprofessor an der Universität.

Die Hälfte seiner Asche<ref>Presse-Service: Archivmeldung: Beisetzung von Univ. Prof. Dr. Rudolf Ekstein. 4. Juli 2006, abgerufen am 7. Juli 2025.</ref> wurde in einem Grab im Urnenhain der Feuerhalle Simmering beigesetzt und zählt zu den ehrenhalber gewidmeten bzw. ehrenhalber in Obhut genommenen Grabstellen der Stadt Wien.<ref>www.friedhoefewien.at – Ehrenhalber gewidmete Gräber im Friedhof Feuerhalle Simmering (PDF 2016), abgerufen am 7. März 2018</ref> Er wurde gemeinsam mit seiner griechischstämmigen<ref>Rudolf Ekstein (1912 - 2005): "Wiener mit amerikanischem Pass". In: hagalil.com. Abgerufen am 9. Juni 2025.</ref> Frau Ruth (1915–2005) bestattet. Sie hatten zwei Söhne.<ref>Myrna Oliver: Rudolf Ekstein, 93; Psychoanalyst Who Treated Emotionally Disturbed Children. In: Los Angeles Times. 23. März 2005, abgerufen am 9. Juni 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Auszeichnungen

Nachlass

2006 wurde Eksteins Nachlass der Universität Wien übergeben.<ref name=":0" /> Die Sammlung beinhaltet seinen wissenschaftlichen Nachlass mit rund 5.400 Fachbüchern, zahlreichen Nachschlagewerken, über 800 Zeitschriftenbänden und Lehrmaterial aus Eksteins Lehrtätigkeit sowie therapeutische Fallaufzeichnungen, Reprints und unveröffentlichte Manuskripte. Dazu kommen etwa 300 Objekte, die Ekstein als Privatsammler aus Interesse an der präkolumbianischen Kultur erworben hat.

Die Bibliothek ist zur Gänze katalogisiert und über die Suchmaschine der Universitätsbibliothek, zugänglich.<ref>Link zur Suche (Stand 2025)</ref> Die Bücher sind in der Fachbibliothek Bildungswissenschaft, Linguistik, Europäische und Vergleichende Sprach- und Literaturwissenschaft im Freihandbereich aufgestellt und können entlehnt werden<ref>Rudolf Ekstein-Sammlung - Die Sammlungen an der Universität Wien. Abgerufen am 9. Juni 2025.</ref>. Eine repräsentative Auswahl aus der Objektsammlung ist in einer Vitrine in den Räumlichkeiten der Fachbibliothek ausgestellt und kann zu den Bibliotheksöffnungszeiten besichtigt werden.

Schriften (Auswahl)

  • A refugee teacher looks on democratic and fascist education. 1939.
  • From learning for love to love of learning. 1969.
  • Grenzfallkinder. E. Reinhardt, München/Basel 1973.
  • Karl Bühler’s „Sprachtheorie“ in psychoanalytic perspective: from monologue to dialogue to pluralogue. 1988.
  • The language of psychotherapy. Benjamins, Amsterdam 1989.

Literatur

  • Jörg Wiesse: Rudolf Ekstein und die Psychoanalyse. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1994.
  • Roland Kaufhold: Pioniere der psychoanalytischen Pädagogik: Bruno Bettelheim, Rudolf Ekstein, Ernst Federn und Siegfried Bernfeld. In: Psychosozial. Band 53, 1993, S. 9–113.
  • Roland Kaufhold: Bettelheim, Ekstein, Federn. Psychosozial-Verlag, Gießen 2001.
  • Dorothea Oberläuter: Rudolf Ekstein, Leben und Werk: Kontinuität und Wandel in der Lebensgeschichte eines Psychoanalytikers. Geyer-Edition, Wien 1985.
  • Roland Kaufhold: „Sexualpolitik des Faschismus“ (Mai 1937). Ein frühes Dokument des politischen Widerstandes eines angehenden Psychoanalytikers. (Online).
  • Ekstein, Rudolf, in: Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Band 2,1. München: Saur, 1983, S. 255
  • Dorothea Steinlechner-Oberläuter: Rudolf Ekstein : Psychoanalytiker - Pädagoge - Philosoph : biographische Einblicke und theoretische Grundkonzepte. 2. Aufl., Neuaufl. Edition Tandem, Salzburg, Wien 2021.
  • Rudolf Ekstein : Psychoanalytiker - Pädagoge - Philosoph : biographische Einblicke und theoretische Grundkonzepte

Weblinks

Commons: Rudolf Ekstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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