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Carl Schappeller

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Karl Schappeller bzw. Schapeller, in wenigen Publikationen auch unter dem Vornamen Carl zu finden, (* 18. Juli 1875 in Aurolzmünster;<ref>Digitalisat des Taufbuches der Pfarrkirche Aurolzmünster</ref> † 13. Juli 1947 ebenda)<ref>Karl Schapeller †. In: Linzer Volksblatt, 16. Juli 1947, S. 3 (Online bei ANNO).</ref> war ein österreichischer Hochstapler, nämlich als Erfinder und Phantast.

Überblick

Schappeller behauptete, die „Raumkraft“ entdeckt zu haben,<ref>Scharlatan oder Genie? In: Flachgauer Nachrichten, 25. November 2004.</ref> eine Energieform, die zum Antrieb von Maschinen und Motoren nutzbar gemacht werden könnte. Er fand während der 1920er und -30er Jahre viele prominente Unterstützer, blieb aber Beweise und Umsetzung seiner Hypothesen schuldig. Seine Konzepte verbanden Naturforschung, technische Innovation, intendierte Gesellschaftsverbesserung und Okkultismus. Schappeller versprach, mit seinen „Urkraft-Stoffgewinnungsaggregaten“ Silber oder Platin aus dem Erdinneren in reinster Form nach oben zu fördern. „Stoffveredelungsmaschinen“ sollten „biomagnetisch“ Blei oder Eisen in Gold verwandeln. Mit ständig arbeitenden Landwirtschaftsmaschinen und Düngemitteln sollten dreimalige Ernten eingefahren werden und die soziale Not der Vergangenheit angehören. Jeder Besitzer der Urkraft wäre unüberwindlich.<ref>Bernhard Iglhauser: Der gepfändete Messias. In: NaturLand Salzburg. Heft 1, 2005, S. 36–37 (Digitalisat).</ref>

Leben

Karl Schappeller kam als Sohn von Katharina Schapeler als uneheliches Kind zur Welt. Er wurde von Kooperator Frz. X. Lang<ref>Franz Xaver Lang (* 1847 in Schwanenstadt; † 1905 in Sigharting).</ref> nach dem hl. Karl Borromäus getauft und als Carl Boro. Schapeler ins Taufbuch der Pfarrkirche Aurolzmünster eingetragen.

Durch seine soziale Herkunft waren ihm eine höhere Ausbildung bzw. ein Studium verwehrt, er absolvierte eine Tischlerlehre und trat 1901 in Attnang-Puchheim in den k.u.k. Postdienst ein. Neben dieser Tätigkeit beschäftigte er sich mit Physik, Technik und Naturphilosophie und hielt Vorträge für seine Kollegen. Im Ersten Weltkrieg war Schappeller Infanterist am Isonzo. 1919 ging er mit 44 Jahren in Frühpension.

Nachdem Schappeller in Frühpension gegangen war, verbrachte er einige Jahre in Wien. 1920 wandte er sich an den sozialdemokratischen Staatssekretär Julius Deutsch und gab an, dass er eine Entdeckung gemacht habe, mit der auf neue Art Energie zu gewinnen sei. Schappeller versuchte, ihn für eine Kooperation zu gewinnen, die aber nicht zustande kam. In den folgenden Jahren suchte Schappeller weitere Anhänger für seine Idee, die „Raumkraft“ zu nutzen.

Datei:Schloss Aurolzmünster.jpg
Schloss Aurolzmünster, 2007

1925 erwarb eine Gesellschaft, deren treibende Kraft der Priester, Politiker und Publizist Aemilian Schöpfer war, um 250.000 Schilling das desolate Schloss Aurolzmünster. Schappeller sollte dort mit Ingenieuren und Technikern ein Raumkraft-Forschungszentrum mit Laboratorien zum Experimentieren aufbauen. Der Gesellschaft gehörten weiters Daniel Etter, Dompfarrer von Salzburg, sowie österreichische Unternehmer an. Schappeller zog im Herbst 1925 mit Familie und Mitarbeitern von Wien, wo er zuletzt in der Mariahilferstraße 113 gewohnt hatte, zurück nach Aurolzmünster in die Schlossruine.<ref>Rudolf Kalmar: Jules Verne wird von Schappeller k. o. geschlagen! In: Der Tag, 6. März 1929, S. 3 (Online bei ANNO).</ref> Bis 1930, so die Vorgabe der Gesellschaft, sollte Schappeller die Demonstration einer „Urmaschine“ liefern und dadurch das Prinzip seiner physikalischen Hypothesen beweisen. Mit einer Zuwendung des ehemaligen deutschen Kaisers Wilhelm II. in der Höhe von einer halben Million Reichsmark begann man das Schloss zu sanieren und Labors einzurichten und pflegte einen luxuriösen Lebensstil,<ref>Schapeller hat wieder Geld. In: Freie Stimmen, 25. November 1930, S. 5. (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/fst</ref> zu dem auch die Anschaffung eines eigenen Automobils gehörte. 1928 gaben die Mitarbeiter Gföllner und Wetzel die Broschüre Schappeller’s Raumkraft heraus und nahmen in München Kontakt zu großdeutschen Gruppierungen auf, was Schappeller in einem Brief an Aemilian Schöpfer als üblen Verrat bezeichnete.

1929 kam es zu einer Wende. Wilhelm II. entließ seinen Vermögensverwalter Nitz; dessen Nachfolger hielt Schappellers Ankündigung, mithilfe der Raumkraft-Technik der Monarchie wieder Macht zu verschaffen, für haltlos und setzte alle finanziellen Zuwendungen an die Schappeller-Gruppe aus.<ref>Schapeller und Exkaiser Wilhelm. In: Tages-Post, 1. Juni 1929, S. 5. (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/fst</ref> Schappeller geriet in Turbulenzen und entging knapp einer Zwangsversteigerung. Der drohende Konkurs, ständige Geldnot und politische Differenzen führten zum Zerfall der Schappeller-Anhängerschaft; die Mitarbeiter Gföllner und Wetzel setzten sich nach München ab, wo sie eigenmächtig nach Verwertungsmöglichkeiten für die Raumkraft-Idee suchten. Der Ariosoph Jörg Lanz von Liebenfels urteilte über Carl Schappeller 1930 in der Zeitschrift Ariosophie, er sei „[e]in Titane auf technischen-physikalischem Gebiet“.

Als Schappeller das Geld für seine Raumkraft-Pläne ausging, machte er mit einem anderen Projekt Schlagzeilen: 1932 tauchte die Suche nach dem Schatz des Hunnenkönigs Attila in den Zeitungen auf. Nach Angaben des Radiästheten Alois Binderberger vermutete man unter dem Schloss die Grabstätte Attilas, der, so meinte man, dort mit Untertanen und reichen Grabbeigaben bestattet sein könnte. Die Grabungen Schappellers verliefen ergebnislos. Der aus Braunau stammende Maler Aloys Wach war zunächst glühender Verehrer und Mitaktionär des Vorhabens gewesen, sah sich später finanziell geschädigt und rechnete durch die Publikation eines Berichts mit Schappeller ab: Schin, der Herr der Zahl 22 – Die Wahrheit über Schloss Aurolzmünster. Alexander Lernet-Holenia inspirierten die Grabungen nach dem Schatz des Hunnenkönigs zu seinem Roman Der Mann im Hut.<ref>René Freund: Land der Träumer. 2. Auflage. 2000.</ref>

Als Schappeller zahlungsunfähig wurde, sollte das Schloss 1934 und 1935 versteigert werden, wobei sich jedoch keine Käufer fanden. 1934 besuchten englische Schiffsbau-Ingenieure aus London Schappeller in Aurolzmünster, zeigten sich von seinen Ideen überzeugt und schlossen einen Vertrag, der Schappeller verpflichtete, einen Schiffsmotor für die englische Marine zu entwickeln. 1936 wurde zu diesem Zweck die "NPR (New Power Rotor) Trust Company" gegründet, eine Aktiengesellschaft mit Sitz in London. Cyril Davson, einer der englischen Ingenieure, verfasste nach mehrjähriger Studienzeit in Aurolzmünster bei Schappeller ein umfangreiches Manuskript über dessen physikalische Auffassungen und ihre Anwendungsmöglichkeiten: The Primary State of Matter. 1935 sollte Schappeller bei Adolf Hitler einen Vortrag über die „Erfindung der Raumkraft“ halten. Der Termin kam allerdings nicht zustande.<ref>Helmut Heiber: Akten der Partei-Kanzlei der NSDAP. Rekonstruktion eines verlorengegangenen Bestandes. Teil 1: Regesten. Band 1. Oldenbourg u. a., München u. a. 1983, ISBN 3-486-4964-1-7, S. 121.</ref>

Nach dem Anschluss Österreichs 1938 beschlagnahmte die volksdeutsche Mittelstelle der NSDAP das überschuldete Schloss und verwendete es für die Unterbringung deutscher Umsiedler sowie eines Kindergartens.<ref>X. X.: Schappellers Raumkraft. Enthüllungen der Geheimnisse im Schloß Aurolzmünster. Tatsachen. F. Winkler – Verlag „Im Buchladen“, Linz a. d. Donau 1929.</ref> Die inzwischen völlig verarmte Schappeller-Familie behielt aber weiterhin Wohnrecht im Schloss, wenn auch auf engem Raum.

1943 reiste eine Physikerkommission der NSDAP (Walther Bothe, Hermann Beuthe, Abraham Esau) nach Aurolzmünster, um die „angebliche Erfindung“ Schappellers zu untersuchen. Der Bericht der Kommission an den Reichsführer SS Heinrich Himmler stellte fest, dass im Fall von Schappeller „kein gesunder physikalischer Gedanke“ vorliege, sondern an „Pathologie grenzende Spekulation naturphilosophischer Art“. Es mangle weiters an „Denkdisziplin“, weitere Tätigkeiten Schappellers seien mit staatspolizeilichen Mitteln zu unterbinden.

Datei:Friedhof Aurolzmünster - Schappellergrab - 02.JPG
Aurolzmünster, Grab Carl Schappellers

Schappeller beschränkte sich in der Folge auf das Halten von Vorträgen und starb verarmt am 13. Juli 1947 in Aurolzmünster. Er wurde auf dem Ortsfriedhof bestattet, sein Grabstein nennt ihn als "Privat-Physiker und Schlossbesitzer". 1955 verschied das letzte Mitglied der Familie Karl Schappellers, die Tochter Anschy Schappeller.

Der englische Admiralssohn Philipp Creagh, der vor Ort die Geschäfte der NPR Trust Company geführt hatte, verblieb ein weiteres Jahr im mittlerweile wieder desolaten Schloss Aurolzmünster, bevor er nach England abreiste, wo sich seine Spuren in einer Londoner Nervenheilanstalt verlieren.

Literatur

  • Cyril W. Davson: The Physics of the Primary State of Matter and Application through the Primary Technique. Elverton, London 1955.
  • Joseph P. Farrell: Reich of the Black Sun. Nazi Secret Weapons & the Cold War Allied Legend. Adventures Unlimited Press, Kempton IL 2005, ISBN 1-931882-39-8.
  • René Freund: Land der Träumer. Zwischen Größe und Größenwahn – verkannte Österreicher und ihre Utopien. 2. Auflage. Picus, Wien 2000, ISBN 3-85452-403-X.
  • Nicholas Goodrick-Clarke: The Occult Roots of Nazism. Secret Aryan Cults and their Influence on Nazi Ideology. Tauris Parke Paperbacks, London u. a. 2012, ISBN 978-1-86064-973-8, S. 174.
  • Bernhard Iglhauser: Genie oder Scharlatan? Die unglaubliche Karriere des Carl Schappeller. In: Der Bundschuh. Bd. 8, 2005, ZDB-ID 2001456-9, S. 44–53.
  • Josef Lehner: Vom Fantasten zum Großbetrüger. In: Oberösterreichische Nachrichten, 7. Februar 2026.
  • Hanns H. Pilz: Karl Schappeller. Das verkannte Genie von Aurolzmünster. In: Mühlviertler Bote. Nr. 7, 1957.
  • Hanns H. Pilz: Schappeller und Janik: Die Retter des Schlosses Aurolzmünster. In: Wochenblatt für Oberösterreich. Nr. 17, 1962.
  • Henry Stevens: Hitler’s Flying Saucers. A Guide to German Flying Discs of the Second World War. Adventures Unlimited Press, Kempton IL 2003, ISBN 1-931882-13-4, S. 172 f.
  • Julian Strube: Vril. Eine okkulte Urkraft in Theosophie und esoterischem Neonazismus. Wilhelm Fink, Paderborn 2013, ISBN 978-3-7705-5515-4.
  • A. Taulus (d. i.: Attalus Holzapfel): Exkaiser und Schappeller. Eine wahre Geschichte und eine Sensation. Werdekreisverlag, Zehlendorf 1929.
  • Aloys Wach: Schin, der Herr der Zahl 22. Die Wahrheit über Schloss Aurolzmünster. Selbstverlag des Verfassers, Salzburg 1933.
  • Franz Wetzel, Louis Gföllner: Raumkraft. Ihre Erschließung und Auswertung durch Karl Schappeller. Herold Verlag, München 1928 (Neuherausgabe: online (PDF; 353 kB)).

Film

Siehe auch

Einzelnachweise

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