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Paul Honigsheim

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Paul Honigsheim (* 28. März 1885 in Düsseldorf; † 22. Januar 1963 in East Lansing, Michigan, USA) war ein deutscher Sozialwissenschaftler. Er gilt als ein Mitbegründer der deutschen Soziologie.

Leben

Paul Honigsheim wurde im März 1885 in Düsseldorf als Sohn des Bankdirektors Richard Honigsheim geboren. Seine Mutter Leonie (geb. Pennequin) war eine Französin aus Lille.<ref>Karl Gustav Specht: Honigsheim, Paul. In: Neue Deutsche Biographie. Band 9. Duncker & Humblot, Berlin 1972, S. 600.</ref> Honigsheim studierte Geschichte und Soziologie, Jura, Politikwissenschaft und Philosophie in Bonn, Berlin und Heidelberg und war ein Schüler und Freund Max Webers. Bei ihm wurde er 1914 mit einer Dissertation über Die Staats- und Sozial-Lehren der französischen Jansenisten im 17. Jahrhundert promoviert. Ab 1919 war er am von Leopold von Wiese und Max Scheler geleiteten Forschungsinstitut für Sozialwissenschaften der Universität Köln tätig. Zunächst für kurze Zeit Schelers Assistent wurde Honigsheim im Wintersemester 1920/21 Privatdozent für Philosophie und Soziologie. Hierfür hatte er im Frühjahr 1920 eine Abhandlung über Religionshistorische Parallelen zur Entwicklung des Sozialismus vorgelegt. Obwohl von Wiese und Scheler als Gutachter Einwände gegen mehrere Standpunkte und Aussagen seiner Habilitationsschrift vorbrachten, wurde Honigsheim die venia legendi erteilt. Am 5. Juli 1920 hielt Honigsheim seine Antrittsvorlesung über „Wesen und Gegenwart einer Soziologie der Religion“.<ref>Christian Tilitzki: Die deutsche Universitätsphilosophie in der Weimarer Republik und im Dritten Reich. Band 1. Akademie Verlag, Berlin 2002, S. 151 f.</ref> Von 1922 bis 1933 war Honigsheim Mitglied der SPD. Seit 1926 war er ferner Mitglied der Liga für Menschenrechte.

Seit 1927 lehrte er als nichtbeamteter außerordentlicher Professor für Philosophie und Soziologie, später wurde die Lehrberechtigung auf das Fach Sozialpädagogik erweitert. Zusammen mit Scheler fasste er die Soziologie vor allem als Sozialphilosophie – im Gegensatz zu Leopold von Wiese, der das Fach als Beziehungslehre repräsentierte.<ref>Michael Wagner, Moritz Wittmaack: Die akademische Institutionalisierung der soziologischen Lehre in Köln. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. Band 72, 2020, S. 390.</ref>

Zu seinen Studierenden gehörte damals der spätere US-amerikanische Soziologe Howard P. Becker.<ref>Hans H. Gerth: Howard Becker 1899-1960. In: American Sociological Review. Band 25, Nr. 2, 1960, S. 743.</ref> Konrad Adenauer hatte ihm im Jahr 1920 auf Empfehlung von Leopold von Wiese hauptamtlich die Leitung der Kölner Volkshochschule übertragen.<ref>Helene Kleine: Soziologie und die Bildung des Volkes. Hans Freyers und Leopold von Wieses Position in der Soziologie und der freien Erwachsenenbildung während der Weimarer Republik. Springer Fachmedien, Wiesbaden 1989, S. 179.</ref> In dieser Position rückte Honigheim allmählich zu einer der „zentralen Figuren in der Kölner Volksbildungsbewegung der Weimarer Republik“ auf.<ref>Theresa Wobbe: Wahlverwandtschaften. Die Soziologie und die Frauen auf dem Weg zur Wissenschaft. Campus, Frankfurt am Main 1997, S. 191.</ref> In diesem Kreis freundete er sich auch mit der Soziologin Hanna Meuter, Dozentin an der Volkshochschule Köln, an.

Im Jahr 1933 emigrierte er nach Frankreich, da er als regimefeindlich galt. 1934 wurde ihm aufgrund des Berufsbeamtengesetzes (§ 4) die Lehrbefugnis entzogen.<ref>Michael Grüttner, Ausgegrenzt: Entlassungen an den deutschen Universitäten im Nationalsozialismus, Berlin/Boston 2023, S. 146.</ref> Das Frankfurter Institut für Sozialforschung hatte verfolgungsbedingt in Paris einen Zweig eingerichtet, das Centre de Documentation an der école normale supérieure, das Honigsheim leitete. Zwischen 1936 und 1938 unterrichtete er an der Nationalen Universität von Panama und 1938 folgte er einem Ruf als Professor in die USA, wo er nach East Lansing übersiedelte. Bis 1950 lehrte er als Professor für Soziologie und Anthropologie an der Michigan State University.

Forschungsansatz

Insbesondere in seinen Spezialdisziplinen Musiksoziologie und Religionssoziologie arbeitete Honigsheim historisch-vergleichend (bis zurück zu schriftlosen Kulturen), wobei er, anknüpfend an Max Weber, Idealtypen als Hilfskonstruktionen verwendete. Er betrachtete Musiksoziologie und Religionssoziologie als werturteilsfreie Einzelwissenschaften.

Bei der Universität Konstanz, Sozialwissenschaftliches Archiv im Kommunikations-, Informations- und Medienzentrum KIM, befinden sich hektographierte Manuskripte etlicher Vorlesungsskripte aus seiner Zeit in Michigan sowie Vorträge, die er nach 1945 für den RIAS verfasst hat. Ein Verzeichnis dazu liegt vor.

Im Kreisarchiv Viersen gibt es im Bestand Hanna Meuter weit über 50 Archivalien zu Honigsheim, bis zu seinem Tod. Überwiegend sind das seine Werke, die er ihr schickte, da die beiden befreundet gewesen sind.<ref>Hanna Meuter: Paul Honigsheim. (PDF; 140 kB) Archivalverzeichnis. In: www.kreis-viersen.de. Kreis Viersen – Der Landrat, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 3. Februar 2021; abgerufen am 14. April 2026.</ref>

Schriften (Auswahl)

  • Die Staats- und Sozial-Lehren der französischen Jansenisten im 17. Jahrhundert. Pfeffer, Heidelberg 1914.
  • Zur Soziologie der mittelalterlichen Scholastik. Die soziologische Bedeutung der nominalistischen Philosophie. Duncker & Humblot 1923.
  • Revolutionierung deutscher Volksbildung (= Junge Republik. Bausteine zum neuen Werden, H. 7). Fackelreither-Verlag, Werther bei Bielefeld 1924.
  • Soziologie, Staatswissenschaften und politische Gegenwartsprobleme in der Volkshochschule. Beyer, Langensalza 1924.
  • Über Objekt, Methode und wissensystematische Stellung der Soziologie. Springer Fachmedien, Wiesbaden 1961.

Literatur

  • Martha Friedenthal-Haase: From the Rhineland to Michigan. The sociologist and pedagogue Paul Honigsheim (1885–1963), migrant and mediator between two cultures. Dept. of Sociology, Michigan State University, East Lansing, Mich., 1988.
  • Joseph Maier: Honigsheim, Paul. In: Wilhelm Bernsdorf, Horst Knospe (Hrsg.): Internationales Soziologenlexikon. Band 1: Beiträge über bis Ende 1969 verstorbene Soziologen. 2. neubearbeitete Auflage. Enke, Stuttgart 1980, ISBN 3-432-82652-4, S. 186.
  • Alphons Silbermann, Paul Röhrig (Hrsg.): Kultur, Volksbildung und Gesellschaft. Paul Honigsheim zum Gedenken seines 100. Geburtstages. Beiträge zum Werk, ausgewählte Texte und ein Verzeichnis der Schriften von Paul Honigsheim. Lang, Frankfurt am Main 1987, ISBN 3-8204-9619-X.
  • Karl Gustav Specht: Honigsheim, Paul. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 9. Duncker & Humblot, Berlin 1972, ISBN 3-428-00190-7, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).
  • Honigsheim, Paul, in: Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Band II, 1. München: Saur, 1983, ISBN 3-598-10087-6, S. 538.
  • Michael Grüttner: Ausgegrenzt: Entlassungen an den deutschen Universitäten im Nationalsozialismus. Biogramme und kollektivbiografische Analyse, de Gruyter/Oldenbourg, Berlin/Boston 2023, ISBN 978-3-11-123678-0, S. 146.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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