Rixfeld
Rixfeld Stadt Herbstein
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|---|---|---|---|---|---|---|
| Koordinaten: | Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(380)&title=Rixfeld 50° 35′ N, 9° 23′ O
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| Höhe: | 397 m ü. NHN | |||||
| Fläche: | 7,99 km²<ref name="lagis" /> | |||||
| Einwohner: | 380 (31. Dez. 2025)<ref>Stadt Herbstein – Zahlen, Daten, Fakten. Abgerufen am 5. März 2026.</ref> | |||||
| Bevölkerungsdichte: | 48 Einwohner/km² | |||||
| Eingemeindung: | 1. August 1972 | |||||
| Postleitzahl: | 36358 | |||||
| Vorwahl: | 06643 | |||||
Rixfeld ist ein Stadtteil von Herbstein im mittelhessischen Vogelsbergkreis.
Geschichte
Ortsgeschichte
Die älteste erhaltene Erwähnung von Rixfeld findet sich in einem Tauschvertrag, der um 900 datiert. Der Ort wird im Codex Eberhardi als '„Rǒhgisesfelt“ bezeichnet.<ref>Ernst Friedrich Johann Dronke: Traditiones et antiquitates Fuldenses. Kap. 42, Nr. 310. Korrektur nach StAM K 426, foi. 115 v.</ref> Eine Nennung um 1011 als „Reggisfelt“<ref>Manfred Stimming: Mainzer Urkundenbuch. Band 1. Darmstadt 1936. Nr. 251; S. 156.</ref> gilt als Fälschung. 1299 werden „bona ... sita in Rickesfeld“ (Güter, gelegen in Rixfeld) erwähnt.<ref>Landesbibliothek Fulda. Denner, Fuldische Urkunden V. S. 363.</ref> Aus den genannten Erwähnungen ergibt sich, dass es bis ins Hochmittelalter und darüber hinaus starken Besitz und Einfluss des Klosters Fulda im Ort gab. Dieser wird erneut 1338 in einer Urkunde „zu Rexfelde“ erwähnt.<ref>Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchiv Band 1. Darmstadt 60. Nr. 775, S. 536.</ref>
Rixfeldt gehörte zur wohl seit dem Spätmittelalter zur Herrschaft Riedesel. 1489 ist „Rixfeldt“ genannt.<ref>Eduard Edwin Becker: Riedeselsches Urkundenbuch 1200 -1500. Offenbach 1924. Nr. 1470, S. 431.</ref>
1709 wurde bei Rixfeld ein Galgen errichtet.
Durch die Mediatisierung ab 1806 gelangt der Ort zum Großherzogtum Hessen.
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde Rixfeld zum 1. August 1972 kraft Landesgesetz ein Stadtteil von Herbstein.<ref>Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Alsfeld und Lauterbach (GVBl. II 330-12) vom 1. August 1972. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1972 Nr. 17, S. 215, § 7 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 1,2 MB]).</ref><ref></ref>
Verwaltungsgeschichte im Überblick
Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,<ref group="Anm.">Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan.</ref> denen Rixfeld angehört(e):<ref name="lagis" /><ref>Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref>
- vor 1803: Heiliges Römisches Reich, Gericht Stockhausen der Freiherren von Riedesel zu Eisenbach (Mannlehen des Hochstifts Fulda)
- ab 1806: Großherzogtum Hessen,<ref group="Anm.">Mediatisierung infolge der Rheinbundakte.</ref> Fürstentum Oberhessen, Gericht Stockhausen<ref name="PR" />
- ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Altenschlirf<ref name="NLVK" />
- ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Herbstein<ref group="Anm.">Trennung zwischen Justiz (Landgericht Altenschlirf) und Verwaltung,</ref>
- ab 1825: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Lauterbach
- ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Alsfeld
- ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach
- ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach
- ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach
- ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach
- ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Lauterbach<ref name=RB1937 /><ref group="Anm.">Im Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst.</ref>
- ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,<ref group="Anm.">Infolge des Zweiten Weltkriegs.</ref> Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Lauterbach
- ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Lauterbach
- ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Lauterbach
- ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis, Stadt Herbstein
- ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis, Stadt Herbstein
Recht
Materielles Recht
In Rixfeld galten die Riedesel’schen Verordnungen als Partikularrecht. Das Gemeine Recht galt nur, soweit diese Verordnungen keine Bestimmungen enthielten. Dieses Sonderrecht behielt theoretisch seine Geltung auch während der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Hessen im 19. Jahrhundert, in der gerichtlichen Praxis wurden aber nur noch einzelne Bestimmungen angewandt. Das Partikularrecht wurde zum 1. Januar 1900 von dem einheitlich im ganzen Deutschen Reich geltenden Bürgerlichen Gesetzbuch abgelöst.<ref> Arthur Benno Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 29, Anm. 92 und S. 103, Anm. 14. </ref>
Gerichtsverfassung seit 1803
In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Rixfeld ab 1806 das „Riedeselsche Patrimonialgericht Altenschlirf“ zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.
Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übergingen. „Landgericht Altenschlirf“ war daher von 1821 bis 1853 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Altenschlierf, das für Rixfeld zuständig war. 1853 erfolgte die Verlegung des Landgerichts nach Herbstein.
Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in Amtsgericht Herbstein und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.<ref>Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzog von Hessen und bei Rhein (Hrsg.): Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 17,8 MB]).</ref> Ab 1943 wurde das Amtsgericht Herbstein nur noch als Zweigstelle des Amtsgerichts Lauterbach betreiben, bevor es 1968 endgültig aufgelöst wurde und in dem Amtsgerichtsbereich von Lauterbach zugeschlagen wurde. In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.
Einwohnerentwicklung
- 1961: 420 evangelische (= 89,17 %) und 48 (= 10,19 %) katholische Einwohner<ref name="lagis" />
| Rixfeld: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1970 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1834 | 429 | |||
| 1840 | 490 | |||
| 1846 | 495 | |||
| 1852 | 465 | |||
| 1858 | 551 | |||
| 1864 | 450 | |||
| 1871 | 456 | |||
| 1875 | 470 | |||
| 1885 | 453 | |||
| 1895 | 448 | |||
| 1905 | 430 | |||
| 1910 | 485 | |||
| 1925 | 423 | |||
| 1939 | 386 | |||
| 1946 | 432 | |||
| 1950 | 462 | |||
| 1956 | 445 | |||
| 1961 | 471 | |||
| 1967 | 502 | |||
| 1970 | 483 | |||
| Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: Die Bevölkerung der Gemeinden 1834 bis 1967. Wiesbaden: Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. Weitere Quellen: <ref name="lagis" /> | ||||
Politik
Ortsvorsteher ist Hans-Jürgen Eiffert (Stand Juni 2016).<ref>Ortsbeiräte. In: Internetauftritt der Stadt Herbstein. Abgerufen am 25. Dezember 2017.</ref>
Vereine
In Rixfeld existieren folgende Vereine (Gründungsjahr in Klammern):
- Gesangverein Edelweiß Rixfeld (27. Oktober 1923) mit Jugend-Chor Sound of Edelweiß (2003)
- Obst- und Gartenbauverein Rixfeld (November 1927 bis 2015)
- Posaunenchor Rixfeld (1929)
- Freiwillige Feuerwehr Rixfeld (4. April 1934)
- SV 1949 Rixfeld (20. April 1949)
- Frauengemeinschaft Rixfeld-Schadges (12. Januar 1982)
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr
Straße
Rixfeld liegt an der B 275 und am Vulkanradweg.
Schiene
Rixfeld lag an der Bahnstrecke Bad Vilbel–Lauterbach, die nach 1994 stillgelegt wurde. Die Trasse dient heute dem Vulkanradweg. Er ist Teil des BahnRadweg Hessen, der auf ehemaligen Bahntrassen ca. 250 km durch den Vogelsberg und die Rhön führt.
Der frühere Bahnhof Rixfeld der Vogelsbergbahn (heute auch Oberwaldbahn genannt<ref group="Anm."> In Unterscheidung zur Bahnstrecke Gießen–Fulda, die heute als „Vogelsbergbahn“ bezeichnet wird. </ref>) lag 1,6 km vom Ort entfernt.
Zur Zeit des Bahnbetriebes<ref group="Anm."> Die Strecke wurde in diesem Abschnitt 1901 eröffnet (Schomann, S. 664). Der Personenverkehr wurde 1975, der Güterverkehr 1994 eingestellt. </ref> gab es ein Hauptgleis, ein Kreuzungsgleis und ein Ladegleis mit Laderampe, das an einem Prellbock endete. Verladen wurden hier hauptsächlich Holz und Brennstoffe.
Nachdem der Eisenbahnbetrieb aufgegeben worden war, befand sich das gesamte Grundstück im Besitz der Katholischen Pfadfinderschaft Europas, die Übernachtungen im Haupthaus und einem Nebengebäude anbot. 2016 wurde das Grundstück veräußert und beherbergt seit Mai 2018 das Café Rosenbahnhof. Zwischen dem Empfangsgebäude und der Bundesstraße gibt es einen Fahrradrastplatz mit Tisch, zwei Bänken und einer Informationstafel.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs wirkt äußerlich sehr gepflegt. Es handelt sich um einen imposanten, mit Holzschindeln verkleideten Typenbau, der 1901 nach einem Entwurf von Ludwig Hofmann errichtet wurde. Als die Eisenbahn noch Hauptverkehrsträger in der Vogelsberg-Region war, beherbergte es einen Warteraum, die Fahrkartenausgabe und die Wohnung des Bahnhofsvorstehers. Ein bis zum Bahnkörper reichender Vorbau diente dem Fahrdienstleiter, um Weichen und Signale zu stellen. Das Empfangsgebäude ist ein Kulturdenkmal aufgrund des Hessischen Denkmalschutzgesetzes.<ref> Schomann, S. 673. </ref> Der Güterschuppen ist in Fachwerkbauweise ausgeführt, die Gefache sind mit roten Backsteinen ausgemauert.
Windpark
Eine weithin sichtbare Landmarke stellt der Windpark auf der 456 m hohen Rixfelder Höhe nördlich des Ortes dar. Im Jahr 1996 wurden durch die LuV Windenergie GmbH aus Oldenburg zunächst fünf Windkraftanlagen des Typs AN Bonus 600/41 mit einer Nabenhöhe von 68 m und einer Nennleistung von je 600 kw errichtet.<ref>Windpark-Referenzen LUV Windenergie GmbH</ref> Nach vierzehnjährigem Betrieb erfolgte ab 2010 ein vollständiges Repowering des Windparks. Die alten Anlagen wurden abgebaut und an ihrer Stelle drei neue Windkraftanlagen des Typs Enercon E-82 E2 mit einer Nabenhöhe von 138 m und einer Nennleistung von je 2,3 MW aufgestellt und im Juli 2011 in Betrieb genommen. Diese Anlagen waren, zusammen mit mehreren später errichteten des gleichen Typs auf dem Gebiet der Gemeinden Feldatal, Mücke und Ulrichstein mit einer Gesamthöhe von 179 m bis zur Fertigstellung des Windparks Ruhlkirchen im Herbst 2013 die höchsten Bauwerke im Vogelsbergkreis. Nach dem Verkauf und Rückbau der Altanlagen wurde der erneuerte Windpark am 15. Juli 2012 eingeweiht. Er kann bis zu 15.000 Haushalte mit Strom versorgen.<ref>Lauterbacher Anzeiger vom 16. Juli 2012</ref>
Sport und Freizeit
- Vulkanradweg auf der Trasse der ehemaligen Vogelsbergbahn
- Edelweißhütte des Gesangvereins Edelweiß Rixfeld auf der Rixfelder Höhe (Hermann-Keitzer-Platz)
Literatur
- Heinz Schomann: Eisenbahn in Hessen. Eisenbahnbauten und -strecken 1839–1939. In: Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Kulturdenkmäler in Hessen. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Drei Bände im Schuber. Band 2.2. Theiss Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1917-6, S. 664 ff. (Strecke 049).
Weblinks
- Stadtteil Rixfeld im Internetauftritt der Stadt Herbstein.
- Rixfeld, Vogelsbergkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
- Unser Dorf Rixfeld. Ortsgeschichte. In: www.luft-vb.de. Private Website
- Vorlage:HessBib
Anmerkungen und Einzelnachweise
Anmerkungen <references group="Anm." />
Einzelnachweise <references> <ref name="lagis">Rixfeld, Vogelsbergkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 17. April 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). </ref> <ref name="PR"> Vorlage:BibOCLC </ref> <ref name="NLVK"> Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 425 (online bei Google BooksSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="RB1937"> Gesetz über die Aufhebung der Provinzen Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen vom 1. April 1937. In: Der Reichsstatthalter in Hessen Sprengler (Hrsg.): Hessisches Regierungsblatt. 1937 Nr. 8, S. 121 ff. (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 11,2 MB]). </ref> </references>
Altenschlirf | Herbstein | Lanzenhain | Rixfeld | Schadges | Schlechtenwegen | Steinfurt | Stockhausen