Oskar Vierling
Oskar Walther Vierling (* 24. Januar 1904 in Straubing; † 1986 in Ebermannstadt) war ein deutscher Physiker, Erfinder, Unternehmer und Hochschullehrer. Zu seinen speziellen Arbeitsgebieten gehörte die Mikroelektronik.
Leben
Oskar Vierling, geboren in Niederbayern als Sohn von Kreszentia Vierling, geborener Erl, und des Bahninspektors Albert Vierling, ging in Regensburg zur Schule und schloss diese mit der Obersekundareife ab. 1925 legte er am Ohm-Polytechnikum in Nürnberg seinen Abschluss als Ingenieur ab und ging im selben Jahr als Jahrgangsbester an das Telegrafentechnische Reichsamt in Berlin, so er bis 1928 arbeitete. Er studierte in Nürnberg und Berlin. Schon während des Studiums in Nürnberg meldete er sein erstes Patent an, dem über 200 weitere folgten. Ab 1929 studierte er Physik. Er wurde 1935 zum Dr. phil promoviert und habilitierte sich zwei Jahre später an der Technischen Hochschule Berlin. Am Heinrich-Hertz-Institut für Schwingungsforschung, wo er von 1930 bis 1938 tätig war, war er Doktorvater von Fritz Sennheiser.
Im Jahr 1933 hatte er die Idee vom Electrochord, einem elektrisch verstärkten Flügel ohne Resonanzboden, den er zusammen mit Benjamin Franklin Mießner (1890–1976<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Inventory to the Benjamin F. Miessner Collection, 1906–1978 ( vom 14. Dezember 2010 im Internet Archive)</ref>) und der Klavierfabrik August Förster baute.<ref>august-foerster.de: Das Elektrochord</ref> Am Heinrich-Hertz-Institut in Berlin entwickelte er unter der Leitung von Karl Willy Wagner gemeinsam mit Winston E. Kock die Großtonorgel für die Olympischen Spiele 1936. In Darmstadt assistierte er Jörg Mager bei der Konstruktion des Klaviatursphäraphon, ferner beim Melodium.
Von 1938 bis 1945 war er Dozent an der Technischen Hochschule Hannover, ab 1944 als außerplanmäßiger Professor für Hochfrequenztechnik und Elektroakustik. Dort begründete dort das gleichnamige Institut.
Forschungsaufträge der Wehrmacht veranlassten ihn 1941 zur Gründung der Oskar Vierling GmbH + Co. KG in Ebermannstadt in Oberfranken. Für die Rüstungsforschung ließ er das zentral in Deutschland gelegene und als fränkische Burg und Lazarett getarnte Forschungslabor Burg Feuerstein in Ebermannstadt errichten.<ref name="einestages">Nazi-Labor in Oberfranken: Geheimwaffen aus dem Burgverlies. einestages. Zeitgeschichten auf Spiegel Online. Abgerufen am 22. April 2011.</ref> Hier wurden die erste Richtfunkstrecken gebaut und getestet und die Steuerung für den akustisch gesteuerten Torpedo „Zaunkönig“ und „Geier“ entwickelt. Vierling kooperierte unter Leitung des Oberkommandos der Wehrmacht, Abteilung Chiffriertechnik, mit Erich Hüttenhain und Erich Fellgiebel. Er arbeitete an Verschlüsselungsverfahren und an der Verbesserung der Chiffriermaschine SZ 42. Er startete Tests zur akustischen Zündung von Minen und er erfand eine Anti-Radar-Beschichtung für U-Boote (Tarnname „Schornsteinfeger“). Außerdem entwickelten Vierling und sein Team Radios und Elektrorechner.<ref name="einestages" />
Zu den Nazis unterhielt Vierling ein ambivalentes Verhältnis. Einerseits war er Mitglied der NSDAP, andererseits arbeitete er weitgehend unabhängig und fiel negativ beim Parteiapparat auf, da er bei Parteitreffen regelmäßig nicht anwesend war.<ref name="einestages" />
Sein Wissen über Nachrichtendiensttechnik stellte er in der Nachkriegszeit der Organisation Gehlen zur Verfügung, für die er Abhörgeräte konstruierte.<ref name="einestages" />
1950 bis 1955 lehrte er als Professor für Physik an der philosophisch-theologischen Hochschule in Bamberg.
Die ersten Prüfgeräte der Deutschen Bundespost mit Transistoren und später auf Mikroprozessorbasis sowie der berühmte TED für die Fernsehsendung „Wetten, dass …?“ gingen auf seine Ideen zurück.
Vierling war katholisch, verheiratet ab 1958 mit Helga Vierling, geborener von Sanden († 1978), und hatte zwei Söhne, welche die Leitung der aus der Oskar Vierling GmbH hervorgegangenen Vierling-Gruppe übernahmen.
Auszeichnungen
- 1980: Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland
- 1980: Bayerische Staatsmedaille
- Ehrenring der Stadt Ebermannstadt
- Ehrenwappen des Landkreises Forchheim
- 1985: Bayerischer Verdienstorden
Schriften
- Das elektrische Musikinstrument, Schwingungserzeugung durch Elektronenröhren, in: Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1932, Bd. 76, Nr. 26, S. 627.
- Das elektroakustische Klavier, VDI-Verlag, Berlin 1936
- mit Fritz Sennheiser: Der spektrale Aufbau der langen und der kurzen Vokale, in: Akustische Zeitschrift, 1937, Nr. 2, S. 93–106.
- Eine neue elektrische Orgel, Berlin 1938
- mit Fritz Sennheiser: Zur Frage der Beeinflussung des Toneinsatzes bei der Orgel, in: Akustische Zeitschrift, 1941, Nr. 6, S. 294–298
- Der Formantbegriff, in: Annalen der Physik
Literatur
- Wolfgang Voigt: Oskar Vierling, ein Wegbereiter der Elektroakustik für den Musikinstrumentenbau. In: Das Musikinstrument. Band 37, Nr. 1/2, 1988, S. 214–221, und Nr. 2/3, S. 172–176.
- Peter Donhauser: Elektrische Klangmaschinen. Böhlau 2007.
- Vierling, Oskar Walther. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1280.
- TH Hannover (Hrsg.): Catalogus Professorum. Der Lehrkörper der technischen Hochschule Hannover 1831–1856. Technische Hochschule Hannover, Hannover, 1956, S. 201.
Weblinks
- Porträtfoto
- The ‘Electrochord’ and the ‘Kraft Durche Freude Grosstonorgel’. (1933), englischsprachiger Artikel
- Hans-Joachim Braun: Music Engineers. The Remarkable Career of Winston Kock, Electronic Organ Designer and NASA Chief of Electronics. In: IEEE (Hrsg.): 2004 IEEE Conference on the History of Electronics. 2004 (ethw.org [PDF]).
- Joachim Stange-Elbe: Elektrische Musikinstrumente – 3. Teil: Der elektrisch erzeugte Klang. In: ZeM Mitteilungsheft. Nr. 10, März 1993, S. 15 (zem.de).
- AUGUST FÖRSTER: Elektrochord
- Video über das Elektrochord im Deutschen Museum München auf YouTube (10 Minuten)
- Georg Körfgen: Höchste Geheimhaltung auch in der eigenen Familie. In: Nordbayrische Nachrichten. 20. April 2011, abgerufen am 26. Oktober 2018.
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Vierling, Oskar |
| ALTERNATIVNAMEN | Vierling, Oskar Walther |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Physiker, Erfinder, Unternehmer und Hochschullehrer |
| GEBURTSDATUM | 24. Januar 1904 |
| GEBURTSORT | Straubing |
| STERBEDATUM | 1986 |
| STERBEORT | Ebermannstadt |
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- Hochschullehrer (Technische Universität Berlin)
- Hochschullehrer (TH Hannover)
- Hochschullehrer (Bamberg)
- Physiker (20. Jahrhundert)
- Hochfrequenztechniker
- Erfinder
- Unternehmer (Bayern)
- Unternehmer (20. Jahrhundert)
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- Träger des Bayerischen Verdienstordens
- Deutscher
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- Gestorben 1986
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