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Klaus Gysi

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Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 24. Februar 2026 um 23:51 Uhr durch imported>M Huhn (die Festrede zu Goethes Geburtstag 1968; Quellennachweis).
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Datei:Fotothek df pk 0000220 043 Porträts, Prof. (Max ^) Pechstein, (Johannes^) Stroux, Kraus, Benedik, Lederer,.jpg
Klaus Gysi, 1946
Datei:Bundesarchiv Bild 183-E1104-0037-001, Berlin, 1. DSV-Jahreskonferenz, Klaus Gysi.jpg
Klaus Gysi auf der Jahreskonferenz des Deutschen Schriftstellerverbandes in Ost-Berlin 1966

Klaus Gysi (* 3. März 1912 in Neukölln; † 6. März 1999 in Berlin) war ein deutscher kommunistischer Politiker (KPD, SED). Im kommunistischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv, war er von 1957 bis 1966 Leiter des Aufbau-Verlags, 1956 bis 1965 als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) „Kurt“<ref>Gerhard Besier: Die Ost-CDU, ihre Religionspolitik und das MfS. Konrad-Adenauer-Stiftung, S. 137; kas.de (PDF) „Klaus Gysi (geb. 1912) arbeitete seit 1957 auch als Inoffizieller Mitarbeiter »Kurt« für das MfS (BStU, ZA, MfS, AIM 3803/65)“</ref> für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) tätig, 1966 bis 1973 Minister für Kultur, 1973 bis 1978 Botschafter in Italien, im Vatikan und in Malta und von 1979 bis 1988 Staatssekretär für Kirchenfragen der DDR. In seinen Funktionen war er mitverantwortlich für die Überwachung und Einflussnahme auf kulturelle und kirchliche Aktivitäten in der DDR, in enger Zusammenarbeit mit der Stasi sowie Zensur-Lektoren.

Leben

Gysi war Sohn des Arztes Hermann Gysi (1888–1950) und der Buchhalterin Erna Potolowsky (1893–1966).<ref>Vorlage:Stolpersteine-berlin.de</ref> Väterlicherseits stammte er aus einer Berliner Familie, deren Stammvater, der Seidenfärber Samuel Gysin (* 1681), im frühen 18. Jahrhundert aus Läufelfingen (Schweiz) eingewandert war.<ref>Stefan Hess: Gysin. In: Historisches Lexikon der Schweiz.</ref> Über seine Mutter war er jüdischer Herkunft.<ref>Michael Wolffsohn: Die Deutschland-Akte. Juden und Deutsche in Ost und West. Tatsachen und Legenden. Edition Ferenczy bei Bruckmann München, München 1995; Rezension. FAZ.net</ref> Klaus Gysi besuchte die Volksschule im Berliner Bezirk Neukölln und das Realgymnasium. Die Eltern ließen sich 1929 scheiden. 1931 legte er nach dem Besuch der Odenwaldschule das Abitur in Darmstadt ab.

Er war seit 1928 Mitglied des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschlands, der Internationalen Arbeiterhilfe und des Sozialistischen Schülerbundes (SSB) und trat 1931 der KPD bei. Zeitweise wirkte er als Jugendfunktionär der KP in Hessen. Er studierte von 1931 bis 1935 Volkswirtschaftslehre in Frankfurt am Main, an der Sorbonne in Paris und in Berlin.

Von 1931 an war Gysi in der Roten Studentenbewegung aktiv. Nach Machtergreifung der Nationalsozialisten gehörte Gysi zusammen mit Gerhard Fuchs (1899–1995), Kommunist und Widerstandskämpfer, Wilhelm Girnus und anderen zu einer Widerstandsgruppe kommunistischer Studierender, die einige Jahre lang an den Berliner Hochschulen sehr aktiv war. Die Gruppe wurde 1935 von der Gestapo zerschlagen. Einige Beteiligte wurden verhaftet, andere konnten ins Ausland fliehen.<ref>Michael Grüttner: Studenten im Dritten Reich, Paderborn 1995. ISBN 3-506-77492-1, S. 449–452.</ref> Gysi ging 1936 nach Cambridge und wurde 1939 Mitglied der Studentenleitung der KPD in Paris. Von 1939 bis 1940 war er in französischen Lagern interniert. Beim Einmarsch der deutschen Wehrmacht konnte er untertauchen. Mitten im Krieg kehrte er 1940 auf KPD-Beschluss mit Irene Lessing<ref>Dem Heldenkind gehört die Zukunft. In: taz, 5. August 2005.</ref> (Schwester von Gottfried Lessing) nach Deutschland zurück, was zu diesem Zeitpunkt ein hohes Risiko bedeutete, da die Nationalsozialisten Klaus Gysi als sogenannten „Halbjuden“ und Kommunisten verfolgten. Mit Glück und Geschick überlebten die beiden die fünf Jahre bis Kriegsende in der Illegalität Berlins und heirateten 1945. Gysi war in dieser Zeit freischaffend wissenschaftlicher Mitarbeiter des Verlags Hoppenstedt & Co. und weiterhin illegal politisch tätig.<ref>Jens König: Gregor Gysi. Eine Biographie. 1. Auflage. Rowohlt, Berlin 2005, ISBN 3-87134-453-2, S. 56 ff.</ref>

Nach der Vereinigung von SPD und KPD wurde Gysi 1946 Mitglied der SED. Von 1945 bis 1948 war er Chefredakteur der kulturpolitischen Monatsschrift Aufbau, von 1945 bis 1977 Mitglied des Präsidialrates, Bundessekretär und schließlich Mitglied des Präsidiums des Kulturbundes und von 1949 bis 1954 Abgeordneter der Volkskammer. Von 1952 bis 1957 arbeitete er beim Verlag Volk und Wissen und war danach bis 1966 als Nachfolger von Walter Janka Leiter des Aufbau-Verlages. Von 1956 bis 1964 arbeitete Gysi als inoffizieller Mitarbeiter unter dem Decknamen „Kurt“ für das Ministerium für Staatssicherheit.<ref>Clemens Vollnhals: Die Kirchenpolitik von SED und Staatssicherheit. Eine Zwischenbilanz. Ch. Links, Berlin 1996, ISBN 3-86153-122-4, S. 96 (= Analysen und Dokumente, Band 7); books.google.de</ref><ref>Gerhard Besier: Die Ost-CDU, ihre Religionspolitik und das MfS. Konrad-Adenauer-Stiftung, S. 5; <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />kas.de (Memento vom 16. Oktober 2013 im Internet Archive; PDF)</ref>

Ab 1963 war Gysi Mitglied der Westkommission und von 1966 bis 1973 der Kulturkommission des Politbüros des ZK der SED, das ihn in dieser Zeit als Minister für Kultur einsetzte, womit er auch Verantwortung trug für die Zensur in der DDR. Als Minister für Kultur hielt er am 28. August 1968 in Weimar die Festrede zu Goethes Geburtstag. Dabei versuchte er die Beteiligung der DDR an der Niederschlagung des Prager Frühlings genau eine Woche zuvor zu rechtfertigen. Er stellte dabei die Käferexistenz Gregor Samsas in der Verwandlung von Franz Kafka als Symbol der Gesinnung der Prager „Abweichler“ einerseits und Goethes Faust als Inbegriff der wahren sozialistischen Humanität einander gegenüber.<ref>Karl Robert Mandelkow: Goethe in Deutschland. Rezeptionsgeschichte eines Klassikers, Band 2: 1919–1982. C.H. Beck, München 1989, ISBN 3-406-07908-3, S. 215.</ref> Von 1967 bis März 1990 war er wieder Abgeordneter der Volkskammer.

Von 1973 bis 1978 war Gysi Botschafter in Italien, im Vatikan und in Malta. Anschließend war er von Dezember 1978 bis 1979 Generalsekretär des offiziösen DDR-Komitees für Europäische Sicherheit und Zusammenarbeit, das der Vorbereitung der KSZE diente. Von 7. November 1979 bis 13. Juli 1988 war Gysi, Leiter des Staatssekretariats für Kirchenfragen. In dieser Funktion unterzeichnete er 1985 den Befehl zur Sprengung der Berliner Versöhnungskirche.

1988 wird sein Ausscheiden aus „gesundheitlichen Gründen“ begründet.<ref name="Maser">Peter Maser: Kirchen und Religionsgemeinschaften in der DDR 1949–1989, Ein Rückblick auf vierzig Jahre in Daten, Fakten und Meinungen. In: Bibel Kirche Gemeinde. 1. Auflage. Band 41. Christliche Verlagsanstalt, Konstanz 1992, ISBN 3-7673-7641-5, S. 142 ff.</ref> Vorausgegangen war am 19. Februar 1988, dass SED-Politbüromitglied Werner Jarowinsky am 19. Februar 1988 Landesbischof Leich (BEK) im Staatsratsgebäude die vertrauliche Erklärung „Zu prinzipiellen Fragen der Beziehungen zwischen Staat und Kirche“ vorträgt, ohne Gysi einzubeziehen. Die Erklärung wird erst am 14. November 1988 in der FAZ vollständig abgedruckt. Im Verlauf des Jahres 1988 kommt es u. a. in diesem Zusammenhang zu wiederholten Eingriffen der DDR-Zensur in die ohnehin eingeschränkte Pressearbeit der Kirchen.<ref name="Maser" />

1990 blieb er auch nach der Umbenennung der SED in PDS Mitglied.

Datei:Waldfriedhof dahlem Klaus Gysi.jpg
Grabstätte

Gysi lebte in Berlin-Johannisthal.<ref>Waldstraße in Johannisthal. In: waldstrasse.georgiu.de. Abgerufen am 5. Mai 2022.</ref> Er starb am 6. März 1999 im Alter von 87 Jahren und wurde auf dem Dahlemer Waldfriedhof in Berlin-Zehlendorf bestattet. (Grablage Feld 013-22) Der Spiegel schrieb in seinem Nachruf, Gysi sei „jahrzehntelang das eloquente kultur- und kirchenpolitische Aushängeschild“ der DDR gewesen; der großbürgerlich geprägte Kulturfunktionär habe „weltmännisch, aber linientreu“ gehandelt.<ref>Gestorben: Klaus Gysi. In: Der Spiegel. Nr. 11, 1999 (online).</ref> Christoph Dieckmann bezeichnete Gysi 2008 als „hochkultivierte[n] Zyniker“ und Teil des „roten Adels der DDR“.<ref>Christoph Dieckmann: Gysi: Schuldig oder nicht? In: Die Zeit, Nr. 23/2008.</ref>

Klaus Gysi war dreimal verheiratet und hatte sieben Kinder,<ref>Gunnar Decker: Eine verspätete Bestattung.Kulturminister, Verleger, Botschafter, Ehemann, Vater. Im Kino: Der Dokumentarfilm „Der Funktionär“. In: Neues Deutschland. 11. April 2019, abgerufen am 13. April 2019.</ref><ref>Barbara Wurm: Filmisches Essay über Klaus Gysi: „Die DDR ist aktuell“. In: taz. 11. April 2019 (taz.de [abgerufen am 5. Juni 2019]).</ref> darunter:

Auszeichnungen und Ehrungen

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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Johannes R. Becher (SED, 1954–1958) | Alexander Abusch (SED, 1958–1961) | Hans Bentzien (SED, 1961–1966) | Klaus Gysi (SED, 1966–1973) | Hans-Joachim Hoffmann (SED, 1973–1989) | Dietmar Keller (SED, 1989–1990) | Herbert Schirmer (CDU, 1990)

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Klaus Gysi (1973–1978) | Hans Voß (1978–1985) | Wolfgang Kiesewetter (1985–1990) | Alfred Marter (1990)

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