GWH Wohnungsgesellschaft Hessen
| GWH Wohnungsgesellschaft mbH Hessen
| |
|---|---|
| colspan="2" class="notheme" style="background:#Vorlage:Standardfarbe; color:#Vorlage:Standardfarbe; padding:1em 0;" | GWH-Logo-neu.svg | |
| Rechtsform | GmbH |
| Gründung | 1924 |
| Sitz | Frankfurt am Main |
| Leitung | Stefan Bürger und Matthias Voss (Geschäftsführer)<ref name=register>Siehe chronologischer Abdruck, Amtsgericht Frankfurt am Main HRB 7920; online im Bundesanzeiger</ref> |
| Mitarbeiterzahl | 591 |
| Umsatz | 455 Mio. Euro<ref name=abschluss>Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 1. Januar 2024 bis zum 31. Dezember 2024, abgerufen im Unternehmensregister.de.</ref> |
| Branche | Wohnungswirtschaft |
| Website | www.gwh.de |
| Stand: 31. Dezember 2024 | |
Die GWH Wohnungsgesellschaft mbH Hessen (GWH) ist eine Wohnungsgesellschaft mit Sitz in Frankfurt am Main und zählt zu den größten Wohnungsunternehmen Hessens.<ref>Spende für Kunst, Kultur und Gemeinschaft. In: Frankfurter Neue Presse. 8. August 2023, S. 13.</ref> Das Unternehmen gehört zum Konzern der Helaba und deckt dort die Bereiche Wohnungsbewirtschaftung und Bauträgergeschäft ab.<ref>Helaba - Töchter und Beteiligungen. Abgerufen am 5. Juni 2024.</ref> Christian Schmid, Mitglied des Vorstands der Helaba, ist Vorsitzender des Aufsichtsrates.<ref>Geschäfts- & Nachhaltigkeitsbericht 2023. (PDF) GWH Wohnungsgesellschaft, 8. Mai 2024, S. 9, abgerufen am 1. Oktober 2024.</ref>
Geschichte
Gründungsphase
Das Unternehmen wurde 1924 unter dem Namen Gemeinnützige Wohnungsbau-Aktiengesellschaft Hessen und Hessen-Nassau (abgekürzt: Gewobag) gegründet. Ziel der Gewobag war es, der Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg entgegenzuwirken. Die ersten Wohnungen entstanden in Frankfurt, gefolgt von Aschaffenburg, Kassel, Darmstadt und Mainz. Unter nationalsozialistischer Herrschaft wurde die Gewobag politisch gleichgeschaltet und in Neue Heimat umbenannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren nur noch 970 der 2620 Mietwohnungen bewohnbar.<ref name=rundschau>Anne Lorenc: Spende für Kunst, Kultur und Gemeinschaft. In: Frankfurter Rundschau. 22. Juli 1999, S. 22.</ref>
Nach 1945
Um Kriegsflüchtlinge der ehemaligen Ostgebiete unterzubringen und die allgemeine Wohnungsnot zu beheben, entstanden auch in Hessen etliche Großsiedlungen. Für die Neue Heimat errichtete beispielsweise der Architekt und Stadtplaner Ernst May Hochhaussiedlungen in Darmstadt-Kranichstein<ref>Paflik: Die „Eiger Nordwand“ macht den Anfang. In: Darmstädter Echo. 26. Juni 2008.</ref> sowie im Wiesbadener Schelmengraben.<ref>Anke Hollingshaus: Liebeserklärung an eine Siedlung. In: Wiesbadener Kurier. 11. August 2022, S. 10.</ref>
Im Zuge der Neue-Heimat-Affäre um Immobilienspekulationen und Milliardenverluste ging die hessische Regionalgesellschaft 1986 in die Trägerschaft des Landes Hessen über und wurde in Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft mbH Hessen umbenannt.<ref name=register /> Bis 2011 firmierte die GWH unter diesem Namen.<ref>Handelsregistereintrag vom 2. Januar 2012 (Amtsgericht Frankfurt am Main, Handelsregister-Nummer HRB 7920)</ref> Im Jahr 2000 wurde das Unternehmen vom Land Hessen an die Helaba übertragen.<ref>Politische Hürden. In: Financial Times Deutschland. 26. Februar 2007, S. 18.</ref>
Geschäftssegmente
Geschäftsmodell der Gesellschaft ist es, Wohnungen zu errichten und zu vermieten, die „für breite Schichten der Gesellschaft geeignet sind“ und dabei auch Menschen zu berücksichtigen, die „Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche haben“.<ref name=register />
Das Unternehmen ist in fünf Geschäftssegmente gegliedert. Größter Bereich ist die Verwaltung des eigenen Bestandes (Immobilienbewirtschaftung). Daneben bestehen die Segmente Immobilienhandel, Projektentwicklung, Dienstleistungen und Wohnimmobilienfonds (GWH WertInvest). Das Segment Projektentwicklung und Neubau ist in die Tochtergesellschaft GWH Bauprojekte GmbH ausgegliedert worden.<ref name= abschluss /> Der Gesamtkonzern setzt sich aus 25 Tochterunternehmen und Beteiligungen zusammen, die teilweise regional abgegrenzte Aufgabenbereiche haben und einer Holding untergeordnet sind (Stand Ende 2024). Das Vermietungsgeschäft wird von den beiden Geschäftsstellen in Frankfurt am Main und Kassel durchgeführt.<ref>Geschäfts- & Nachhaltigkeitsbericht 2023. (PDF) GWH Wohnungsgesellschaft, 8. Mai 2024, S. 10, abgerufen am 1. Oktober 2024.</ref>
Schwerpunkte der Geschäftstätigkeit sind das Rhein-Main-Gebiet und die wirtschaftlich prosperierenden Räume in Nord- und Mittelhessen. Als Wachstumsmärkte werden unter anderem der Rhein-Neckar-Raum, das Rheinland, Zentren in Thüringen und Sachsen sowie Hannover angesehen.<ref name= abschluss />
Wohnungsbestand nach Hauptregionen, Stand Ende 2024:<ref>Geschäfts- & Nachhaltigkeitsbericht 2024. (PDF) GWH Wohnungsgesellschaft, 8. Mai 2025, S. 31, abgerufen am 23. September 2025.</ref>
- Rhein-Main: 26.966 Wohneinheiten (WE)
- Mittelhessen (Stadtmarkt): 12.803 WE
- Düsseldorf: 3270 WE
- Köln/Bonn: 881 WE
- Sonstiges Rheinland: 42 WE
- Hannover (Stadtmarkt): 1792 WE
- Rhein-Neckar: 676 WE
- Dresden (Stadtmarkt): 407 WE
- Erfurt (Stadtmarkt): 521 WE
Bestand
Die GWH verwaltet einen Bestand von über 53.000 Wohnungen, davon rund 2700 aus der Eigentumsverwaltung für Dritte (Stand Ende 2024).<ref name=abschluss /> Zum historischen Wohnungsbestand der GWH gehören zahlreiche Großwohnsiedlungen der 60er- und 70er-Jahre.<ref>Siedlungen schaffen, aber keine Brennpunkte. In: Frankfurter Rundschau. 30. Januar 2024, S. F5.</ref> Ende 2024 befanden sich 376 neue Wohnungen im Bau.<ref>Geschäfts- & Nachhaltigkeitsbericht 2024. (PDF) GWH Wohnungsgesellschaft, 8. Mai 2024, S. 16, abgerufen am 23. September 2025.</ref>
Ausgewählte Quartiere (Stand Ende 2023):
- Von 1958 bis 1965 ließ die deutsche Bundesregierung bei Kassel die Wohnstadt Helleböhn errichten. Die vier- bis achtgeschossigen Bauten galten als Musterbauvorhaben.<ref>Süsterfeld-Helleböhn. In: kassel.de. Stadt Kassel, abgerufen am 27. März 2024.</ref> In der nahegelegenen Stadt Baunatal besitzt die GWH eine weitere Großwohnsiedlung, den Baunsberg.<ref>Besseres Ambiente im Quartier. In: Hessische Niedersächsische Allgemeine. 29. Oktober 2021, S. 12.</ref>
- Die Wiesbadener Siedlung Schelmengraben entstand 1961 bis 1971 unter der Planung von Ernst May. Die etwa 2540 Wohneinheiten befinden sich zum großen Teil im Besitz der GWH und sind Gegenstand eines Forschungsprojekts zum Wohnen in der „Nachkriegsmoderne“, durchgeführt von der Frankfurt University of Science.<ref>Forschungslabor Nachkriegsmoderne. Frankfurt University of Science, abgerufen am 27. März 2024.</ref> Die Aufwertung dieses Quartiers wurde mit Mitteln des Bundesprogramms „Soziale Stadt“ gefördert.<ref>Soziale Stadtplus-Schelmengraben. Landeshauptstadt Wiesbaden, abgerufen am 27. März 2024.</ref>
- 1968 war der Baubeginn für den Darmstädter Stadtteil Neu-Kranichstein. Ernst May plante hier Wohnungen für 18.000 Menschen. Nach heftiger öffentlicher Kritik wurde das Bauvolumen deutlich reduziert und die zunächst vermisste Infrastruktur nachgeholt.<ref>Peter Engels: Kranichstein. In: Stadtlexikon Darmstadt. Historischer Verein für Hessen, abgerufen am 27. März 2024.</ref>
- Der Brückenhof in Kassel wurde 1972 mit 1745 Wohnungen fertig gestellt. Anfang des 21. Jahrhunderts wurden mehrere Millionen Euro in den Umbau und die Verbesserung der sozialen Infrastruktur investiert. Der Brückenhof wurde auch mit Mitteln des Programms „Soziale Stadt“ gefördert.<ref>Ralf Pasch: Neue Optik für die Wohnstadt. Kasseler Siedlung Brückenhof soll nach Umbau Negativ-Image ablegen. In: Frankfurter Rundschau. 4. Oktober 2003, S. 33.</ref>
- Am Frankfurter Ben-Gurion-Ring entstand seit den 1970er-Jahren in mehreren Bauphasen eine Großwohnsiedlung samt Ladenzeile. Später kamen Bürogebäude und ein Veranstaltungszentrum hinzu. Hier errichtet die GWH 331 weitere Wohneinheiten, darunter ein Studentenwohnheim. Nach Abschluss der Maßnahme sollen im Ben-Gurion-Ring etwa 4800 Menschen wohnen.<ref>Sozialer Zusammenhalt Ben-Gurion-Ring. Stadtplanungsamt Frankfurt am Main, abgerufen am 27. März 2024.</ref><ref>George Grodensky: Studentenwohnheim am Ben-Gurion-Ring ist schon ausgebucht. In: Frankfurter Neue Presse. 29. Juli 2022, S. 14.</ref>
- Im Frankfurter Gallusviertel errichtete die GWH gut 300 Wohnungen und Gewerbeflächen. Das Projekt Alea wurde 2015 fertig gestellt.<ref>Architekten zeigen, wie sich der Stadtteil im Lauf der Zeit gewandelt hat. In: Frankfurter Neue Presse. 7. Juli 2015, S. 6.</ref>
- Anfang der 2020er-Jahre schuf die Wohnungsgesellschaft unter dem Projektnamen Jackson Three 155 Mietwohnungen im Mannheimer Stadtteil Franklin. Der Stadtteil wurde zuvor von einer Wohnsiedlung von US-Soldaten dominiert.<ref>Marco Partner: Wohnen auf einer Großbaustelle. In: Odenwalder Echo. 29. Oktober 2020, S. 14.</ref>
- Im Lyoner Quartier in Frankfurt-Niederrad entstehen insgesamt 450 Wohnungen.<ref>Stefanie Wehr: Richtfest für 158 Wohnungen mit Parkhaus im Lyoner Quartier. In: Frankfurter Neue Presse. 9. September 2022, S. 15.</ref>
- Beim hannoverschen Kronsberg entsteht das Quartier Kronsrode. Im Nordteil dieser Wohnsiedlung baut die GWH etwa 1300 Mietwohnungen und 160 sogenannte Townhouses.<ref>Bernd Haase: „Kronsrode wird kein Trabant“. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung. 19. Juli 2021, S. 11.</ref>
- Das geplante Wohnquartier für 700 Menschen im Eppsteiner Stadtteil Vockenhausen wird in der Gemeinde kontrovers diskutiert.<ref>Manfred Becht: Viele Vorschläge für Sparkassenakademie. In: Frankfurter Rundschau - Hochtaunus. 12. September 2023, S. 15.</ref>
Soziales Engagement und Nachhaltigkeit
Die Schaffung sicherer Mietverhältnisse für Obdachlose hat das preisgekrönte Projekt „Housing First Plus“ zum Ziel. Umgesetzt wird es unter anderem in der Henri-Dunant-Siedlung in Frankfurt-Sossenheim. Ein weiteres GWH-Projekt will die soziale Wohnungswirtschaft in Namibia fördern und eine bezahlbare Wohnalternative zu Slums schaffen.<ref>GWH erhält Zukunftspreis der Landesinitiative Großer Frankfurter Bogen für das Projekt „Housing First Plus“ in Frankfurt-Sossenheim. In: konii.de. 21. Juli 2023, abgerufen am 27. März 2024.</ref><ref>Obdachlosen-Projekt ausgezeichnet. In: Frankfurter Neue Presse. 22. Juli 2023, S. 20.</ref>
Die GWH erstellt einen eigenen kombinierten Geschäfts- und Nachhaltigkeitsbericht und definiert dort vier Handlungsfelder für ein nachhaltiges Agieren der Wohnungsgesellschaft: „Klimafreundlicher Gebäudebestand“ (Energieeinsparungen, Nahwärme), „Zukunftsorientierte Unternehmensführung“, „Attraktive Arbeitswelt“ sowie „Lebenswertes Wohnen und Quartiersentwicklung“ (Wohnumfeldverbesserung).<ref>Geschäfts- & Nachhaltigkeitsbericht 2023. (PDF) GWH Wohnungsgesellschaft, 8. Mai 2024, S. 83, abgerufen am 1. Oktober 2024.</ref> Zum Beispiel beteiligt sich die Wohnungsgesellschaft am Energiesparpaket der Landesenergieagentur Hessen.<ref>Energiesparpaket für Mieterinnen und Mieter. In: lea-hessen.de. LEA Landesenergieagentur Hessen, abgerufen am 27. März 2024.</ref>
Weblinks
Einzelnachweise
<references />