Medienerziehung
Medienerziehung befasst sich als ein Teilbereich der Medienpädagogik mit der praktischen pädagogischen Arbeit im Bereich der Medien. Verwandte Bereiche sind die Mediendidaktik, die Medienkunde und die Mediensozialisation.
Begriffsbestimmung
Der Begriff Medienerziehung wird erstens zur Kennzeichnung eines Bereichs innerhalb der medienpädagogischen Praxis verwendet, also als eine bestimmte Form medienpädagogischen Handelns.<ref name=":0">Stefan Iske: Medienerziehung. In: Handbuch Erziehung. Sandfuchs, U. et al, 2012, abgerufen am 1. April 2026.</ref> Kennzeichnend für dieses Handeln ist, dass der jeweils Handelnde die Vermittlung von Kenntnissen und Fertigkeiten erreichen will, die zu einem aufgeklärten und insofern kompetenten Umgang mit Medien notwendig sind.<ref>Caroline Walke: Der einfache Einstieg in die Medienerziehung. Initiativbüro „Gutes Aufwachsen mit Medien“, c/o Stiftung Digitale Chancen, Oktober 2017, abgerufen am 1. April 2026.</ref> Wer in diesem Sinne über Medienkompetenz verfügt, zeichnet sich durch einen aktiven, kritischen, bewussten, selektiven und produktiven Umgang mit Medien aus.<ref name=":1">Unterrichtsprinzip Medienerziehung – Grundsatzerlass. In: Erlass des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur, GZ 48.223/6-B/7/2011, Rundschreiben Nr. 4/2012. Bundesministerium für Bildung und Frauen, 2014, abgerufen am 1. April 2026.</ref> Medien sollen in diesem Sinne als Werkzeug der Erschließung von Wissen einer Kultur und in ihrer Möglichkeit sich zu artikulieren erfahren werden. Damit wird deutlich, dass Medien zunehmend „als Werkzeug zur Erschließung und Teilhabe an der Wissensgesellschaft“ (Kerres)<ref></ref> aufzufassen sind.<ref name=":1" /> Der Erwerb von Wissen über Massenmedien, Medienanalyse und Mediengestaltung sind die klassischen Themenfelder schulischer Medienerziehung. Medienerziehung ist in den Lehrplänen von Bundesländern als verpflichtender Bestandteil des Curriculums festgelegt.<ref name=":1" /><ref name=":2">Medienkompetenz und Schule | Medienkompetenz in einer digitalen Welt. Bundeszentrale für politische Bildung, 26. Juli 2023, abgerufen am 1. April 2026.</ref> Sie ist allerdings keinem besonderen Unterrichtsfach zugeordnet, sondern Gegenstand des Unterrichts in einer Reihe von Fächern.<ref>Warum gibt es noch kein Schulfach Medienbildung? – Institut für Medienverantwortung. Institut für Medienverantwortung, 30. Oktober 2025, abgerufen am 1. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Der Begriff Medienerziehung wird zweitens zur Kennzeichnung der wissenschaftlichen Beschäftigung mit der oben skizzierten medienpädagogischen Praxis verwendet.<ref name=":0" /> Als wissenschaftliche Tätigkeit beschreibt die Medienerziehung Voraussetzungen, Formen und Wirkungen der medienerzieherischen Praxis und deren gesellschaftliches Umfeld (u. a. auch medienerzieherische Diskurse wie die Diskussion um sog. Killerspiele), sie setzt sich anhand bildungstheoretischer und bildungspolitischer Vorgaben kritisch mit der jeweils vorgefundenen Praxis auseinander und erforscht geeignete methodische Alternativen.<ref></ref>
Aufgaben und Ziele
Zu den Aufgaben und Zielen der Medienerziehung gehört unter anderem die Vermittlung von Fertigkeiten, um ein fachliches Lehrziel durch die Einsetzung von Medien zu erreichen und konkrete Unterrichtszusammenhänge mittels neuer Technologien darzustellen.<ref name=":1" /> Der Umgang mit Medien soll den Unterricht effektiver und das Lernen effizienter gestalten (Ziel-Mittel-Relation). Dabei dienen diese als kommunikationsförderndes Mittel, welches zu einer schülerorientierteren Funktion führen soll. Die Medienerziehung hat es sich zur Aufgabe gemacht, aktivere Auseinandersetzungen der Schüler mit ihrer Lernumgebung zu fördern.<ref name=":2" />
Zudem soll der frühzeitige Umgang mit neuen Medien die Schüler motivieren, sich immer über den neusten Stand der Technik zu informieren, um nicht ins Hintertreffen zu geraten.<ref>Maria Hummel: Medienbildung: Früher Start, große Wirkung. In: MedienFokus BW. 10. Juli 2024, abgerufen am 1. April 2026.</ref> Der richtige Umgang mit neuen Medien ist für jeden Berufszweig von großer Bedeutung, sei es, um Präsentationen vorzubereiten oder um am Computer Tabellen zu erstellen oder allein schon um die Bewerbung zu schreiben. Dabei ist als Voraussetzung der verantwortungsvolle Umgang mit Medien wichtig, Informationsquellen müssen kritisch ausgewertet werden können. Lehrkräfte können dabei Unterrichtshilfen nutzen (z. B. Bayerischer Rundfunk, Bildungsserver).<ref></ref><ref>Medienerziehung - kostenloses Unterrichtsmaterial, Arbeitsblätter und Übungen. DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, abgerufen am 1. April 2026.</ref>
Die Entwicklung von Medienkompetenz soll laut Kron/Sofos ein Anliegen der Medienerziehung sein.<ref></ref>
Kompetenzrahmen
Die Kultusministerkonferenz beschloss im Jahr 2016 für alle deutschen Schulen einen verbindlichen Kompetenzrahmen mit folgenden Aspekten:<ref name=":2" />
- Suchen, Verarbeiten und Aufbewahren
- Kommunizieren und Kooperieren
- Produzieren und Präsentieren
- Schützen und sicher Agieren
- Problemlösen und Handeln
- Analysieren und Reflektieren
Sie sind in allen Schulfächern Pflicht.<ref name=":2" />
Literatur
Allgemein:
- Sandra Fleischer-Tempel, Daniel Hajok (Hrsg.): Medienerziehung in der digitalen Welt: Grundlagen und Konzepte für Familie, Kita, Schule und Soziale Arbeit. Verl. W. Kohlhammer, Stuttgart 2019, ISBN 978-3-17-026161-7.
- Dieter Spanhel: Medienerziehung. Erziehungs- und Bildungsaufgaben in der Mediengesellschaft. (= Handbuch Medienpädagogik; Bd. 3) / Horst Dichanz... (Hrsg.). 2., unveränd. Aufl., KoPaed, München 2011, ISBN 978-3-86736-203-0.
- Gerhard Tulodziecki: Medienerziehung. In: Uwe Sander, Friederike von Gross, Kai-Uwe Hugger (Hrsg.): Handbuch Medienpädagogik. 2. Aufl., Springer VS, Wiesbaden 2021, ISBN 978-3-658-23577-2, S. 95–103.
- Divina Frau-Meigs (Hrsg.): Media education: A kit for teachers, students, parents and professionals. (PDF; 1,62 MB, 185 Seiten), UNESCO - 2006.
Angrenzende und spezielle Themen:
- Sabine Eder, Susanne Roboom (Hrsg.): Video, Compi & Co.: Über den Einsatz von Medien in der Kita. GMK-Geschäftsstelle, Bielefeld 2004, ISBN 3-929685-32-9
- Norbert Neuß, Carola Michaelis: Neue Medien im Kindergarten. Spielen und lernen mit dem Computer. Gabal, Offenbach 2002, ISBN 3-89749-246-6
- Britta Nielen: Medien im Kindergarten. In: K. Zimmermann-Kogel, N. Kühne: Praxisbuch Sozialpädagogik, Band 4, S. 162–199, Troisdorf, Bildungsverlag EINS, 2007; ISBN 978-3-427-75412-1
- Stefan Aufenanger: Kritischen Umgang mit Medien lernen: Anregungen für Unterrichtsprojekte. In: Computer + Unterricht. (ISSN 0941-519X) 16. Jg. (2006), Nr. 64, S. 6–9 [Überblick], S. 10–16 [Anregungen].
- Eike Rösch, Kathrin Demmler, Elisabeth Jäcklein-Kreis, Tobias Abers-Heinemann (Hrsg.): Medienpädagogik Praxis Handbuch. Grundlagen, Anregungen und Konzepte für aktive Medienarbeit, München 2012, ISBN 978-3-86736-279-5.
- Leufen, Stefan/Tulodziecki, Gerhard: Lehrplandiskussion. Ergebnisse der Recherchen. In: Bertelsmann/Nixdorf Stiftung (Hrsg.): Neue Medien in den Schulen. Projekte-Konzepte-Kompetenzen, Gütersloh 1996, ISBN 3-89204-238-1.
- Hans-Jürgen Tast (Hrsg.): Medienkompetenz. Handlungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche, Schellerten 1996 (ISBN 3-88842-022-9).
- Hans-Jürgen Tast (Hrsg.): Jugend-Medien-Treff. Wege zur Medienkompetenz, Schellerten 1998 (ISBN 3-88842-023-7).
Weblinks
- EAVI – European Association for Viewers’ Interests – Not for profit international organisation working in the field of media literacy
- Schau hin! – Tipps zur praktischen Medienerziehung – SCHAU HIN! – Tipps, Ratgeber, Informationen für Eltern mit Kindern zu TV, Internet, Games und Handy von Bundesministerium, ARD, ZDF, Vodafone und TV Spielfilm
- Tipps für Eltern zum Umgang mit dem Computer. In: medienistik.de (PDF; 1,8 MB)
- Computerspiele-Tipps für Eltern. In: klicksafe.de, EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz (mit altersabhängigen Empfehlungen zur Mediennutzung durch Kinder)
Einzelnachweise
<references />