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Guy Stern

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Datei:Guy Stern receiving the French medal of honor.jpg
Guy Stern bei seiner Aufnahme in die französische Ehrenlegion, 2017

Guy Stern (* 14. Januar 1922 in Hildesheim als Günther Stern;<ref>Joshua Franklin: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Victim Soldiers. German-Jewish Refugees in the American Armed Forces during World War II. (Memento vom 30. September 2012 im Internet Archive), Seite 28 (S. 34 des PDF).</ref> † 7. Dezember 2023 in Detroit, Michigan<ref>Holocaust-Überlebender Guy Stern mit 101 Jahren gestorben. In: Norddeutscher Rundfunk. 8. Dezember 2023, abgerufen am 8. Dezember 2023.</ref>) war ein deutschamerikanischer Literaturwissenschaftler.

Leben

Günther Stern wuchs in Hildesheim in einer assimilierten jüdischen Familie auf. 1937 emigrierte er mit Hilfe eines Onkels aus St. Louis und des amerikanischen Konsuls in Hamburg als einziges Mitglied seiner fünfköpfigen Familie in die USA. Auch später gelang es ihm nicht, sie nachzuholen. Nach Kriegsende erfuhr er, dass seine ganze Familie deportiert worden und im Warschauer Ghetto umgekommen war.<ref>Guy Stern: Rede vom 9. November 1998 anlässlich der Veranstaltung „Als die Synagogen brannten“.</ref>

Ab 1940 studierte Stern zunächst Romanistik, später Germanistik an der Saint Louis University.<ref name="Hofstra University" /> 1942 meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst, wurde aber erst später eingezogen. Am 1. Mai 1943 wurde er US-Staatsbürger.<ref name="taz 2022" /> Im „Military Intelligence Training Center“ in Camp Ritchie, Maryland erhielt er eine Spezialausbildung und wurde so zu einem der sogenannten Ritchie Boys, einer überwiegend aus Emigranten gebildeten Einheit des Militärnachrichtendienstes.<ref name="taz 2022" /> 1944 kam er drei Tage nach Beginn der Landung in der Normandie nach Frankreich. Er wurde im IPW (Interrogators of Prisoners of War) Team 37 der Feldnachrichtentruppe der United States Army eingesetzt, das aus sechs Personen bestand und deutsche Kriegsgefangene und Überläufer befragte. Er wurde für seinen Einsatz mit dem Bronze Star ausgezeichnet.<ref>Artikel Guy Stern auf ritchieboys.com</ref><ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivlink (Memento vom 26. Januar 2016 im Internet Archive)</ref>

Nach dem Krieg nahm er sein Studium wieder auf, machte 1948 seinen B. A. in Romanistik an der Hofstra University.<ref name="Hofstra University" /> 1950 erlangte er den M. A. in Germanistik und 1953 folgte die Promotion an der Columbia University.<ref name="Hofstra University">Alumni of the month. In: hofstra.edu. Hofstra University, Dezember 2020, abgerufen am 9. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Nach Lehrtätigkeiten an der Columbia University New York City wurde er 1963 Professor und Abteilungschef für deutsche Sprache und Literatur an der University of Cincinnati, danach University Dean, ab 1975 an der University of Maryland. 1978 folgte die Berufung an die Wayne State University in Detroit, wo er von 1981 bis 2003 Distinguished Professor für Deutsche Literatur- und Kulturgeschichte war.<ref name="taz 2022" /> Gastprofessuren führten ihn an die Universitäten Freiburg im Breisgau, Frankfurt am Main (1993), Leipzig (1997), Potsdam (1998) und München als Mercator-Professor.

Als Autor und Herausgeber veröffentlichte Stern zahlreiche Bücher und Sammelwerke zur deutschen Literaturgeschichte, insbesondere zur Emigranten- und Immigrantenliteratur. Er war einer der Mitbegründer der Lessing Society, deren Präsident er von 1975 bis 1977 war.

Stern leitete ein Institut des Holocaust-Museums in Detroit. Bei der Enthüllung des Erinnerungsdenkmals am ehemaligen Standort der zerstörten Hildesheimer Synagoge am Lappenberg hielt er 1988 eine Ansprache. 1998 hielt er im Bonner Bundestag die Rede zum sechzigsten Jahrestag der Reichspogromnacht. Stern berichtet als Zeitzeuge in der TV-Dokumentation Die USA und der Holocaust (Originaltitel The U.S. and the Holocaust), einer 6-teiligen (im Original 3-teiligen) Miniserie von Ken Burns aus dem Jahr 2022.<ref>The U.S. and the Holocaust in der Internet Movie Database, abgerufen am 9. Dezember 2023 (englisch).</ref>

Guy Stern lebte in Michigan.<ref name="Hofstra University" />

Familie

Guy Sterns zweite Frau war eine Highschool-Lehrerin. Sie starb 2003.<ref>Oliver Plöge: Ein Jahrhundertleben: Ritchie Boy Guy Stern veröffentlicht seine Autobiographie. 9. Januar 2022, abgerufen am 9. Dezember 2023: „Judy starb 2003 an Brustkrebs.“</ref> Stern hatte einen Sohn, der vor ihm starb.<ref name="hometownlife">Aileen Wingblad: Nazi Germany, freedom, service: Guy Stern reflects. In: Farmington Observer. 4. April 2016, abgerufen am 9. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Stern war ab dem 85. Lebensjahr in dritter Ehe mit der deutschen Schriftstellerin Susanna Piontek (* 1963) verheiratet.<ref name="hometownlife" /><ref name="Die Welt">Dirk Schümer: Guy Stern zum 100.: Zeuge des Jahrhunderts. In: Die Welt, 14. Januar 2022, abgerufen am 10. Dezember 2023.</ref>

Ehrungen

Stern erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland (1987), die Goethe-Medaille (1989) und die französische Auszeichnung Ritter der Ehrenlegion.<ref>Happy 100th birthday to Guy Stern. In: today.wayne.edu. 20. Januar 2022, abgerufen am 9. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Aus Anlass einer Festschrift für Stern hob die damalige bayerische Kultusministerin Monika Hohlmeier in ihrer Laudatio 2005 den erzieherischen Charakter seines Lebenswerks hervor, in dem Stern sich in besonderer Weise für die Stärkung der geistigen Grundlagen der Freiheit in Deutschland eingesetzt habe: „Sie selbst“, so Hohlmeier an Stern, „stellen für Lernende eine Identifikationsfigur dar: Ihr Lebensweg gibt anderen Orientierung, Ihre gelebte Vita zeichnet eine Spur, die anderen ein Weg sein kann.“<ref>Werner Karg: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Festschrift für Guy Stern (Memento vom 3. August 2009 im Internet Archive). In: Einsichten und Perspektiven 01/2005.</ref> Am 5. März 2012 wurde ihm die Ehrenbürgerschaft seiner Geburtsstadt Hildesheim verliehen<ref>Stadt Hildesheim: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Guy Stern, Biographie. (Memento vom 31. Juli 2021 im Internet Archive) Abgerufen am 10. April 2015</ref> und 2017 wurde Stern mit dem erstmals verliehenen OVID-Preis des PEN-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland ausgezeichnet.<ref>Guy Stern erhält erstmals verliehenen Ovid-Preis. buchmarkt.de, 14. März 2017, abgerufen am 15. März 2017</ref><ref name="taz 2022">Shoah-Überlebender Stern wird 100:Ein good guy. In: taz.de. 14. Januar 2022, abgerufen am 9. Dezember 2023.</ref> Die Deutsche Nationalbibliothek in Frankfurt am Main veranstaltete am 18. Januar 2022 eine Gratulations-Videokonferenz mit Guy Stern zu seinem 100. Geburtstag.<ref>Das Deutsche Exilarchiv 1933-1945 und das PEN Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland feiern gemeinsam mit Guy Stern in einer virtuellen Abendveranstaltung // 18. Januar 2022, 19:30 Uhr. In: dnb.de. 12. Januar 2022, abgerufen am 9. Dezember 2023.</ref>

Schriften

  • War, Weimar and literature. The Story of the Neue Merkur, 1914–1925 (= The Penn State Series in German literature). Pennsylvania State University Press, University Park 1971.
  • Literatur im Exil. Gesammelte Aufsätze 1959–1989. Ismaning 1989.
  • Literarische Kultur im Exil. Gesammelte Beiträge zur Exilforschung (1989–1997) / Literature and Culture in Exile (= Philologica, Reihe A, Band 1). Dresden University Press, Dresden 1998, ISBN 3-931828-05-0 (teilweise deutsch und teilweise englisch).
  • Fielding, Wieland, Goethe and the Rise of the Novel (= Analysen und Dokumente Band 49). Peter Lang, Frankfurt am Main u. a. 2003 (Dissertation Columbia University New York (englisch)).
  • Arno Reinfrank: Dichter aus der Pfalz im Exil – Autor der „Poesie der Fakten“ (1934–2001) (= Jüdische Miniaturen Band 84). Herausgegeben von Jeanette Koch unter Mitarbeit von Maik Hamburger. Stiftung Neue Synagoge Berlin, Centrum Judaicum. Verlag Hentrich & Hentrich, Berlin 2009, ISBN 978-3-941450-02-8.
  • Invisible Ink. Wayne State University Press, Detroit 2020 (englisch).
  • Wir sind nur noch wenige: Erinnerungen eines hundertjährigen Ritchie Boys. Übersetzung Susanna Piontek. Aufbau Verlag, Berlin 2022, ISBN 978-3-351-03943-1<ref name="Die Welt"/>

Literatur

  • Konrad Feilchenfeldt, Barbara Mahlmann-Bauer (Hrsg.): Autobiographische Zeugnisse der Verfolgung. Hommage für Guy Stern. Synchron, Wissenschaftlicher Verlag der Autoren, Heidelberg 2005, ISBN 3-935025-50-5.
  • Frederick A. Lubich, Marlen Eckl (Hrsg.): Von der Exilerfahrung zur Exilforschung. Zum Jahrhundertleben eines transatlantischen Brückenbauers. Würzburg 2022.
  • Rolf Altmann und andere (Hrsg.): Guy Stern und Hildesheim. Bewegende Begegnungen. Georg Olms Verlag, Hildesheim 2022, ISBN 978-3-487-16081-8.
  • Stern, Guy, in: Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Band 2,2. Saur, München 1983, S. 1124 f.

Weblinks

Commons: Guy Stern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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