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Miriam Cahn

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Datei:Sculpture at schoenthal pict 0002.jpg
Brutalitätenskultur von Miriam Cahn (2007/2008) im Skulpturenpark Kloster Schönthal
Datei:Skulptur von Mirjam Cahn.jpg
Brutalitätenskulptur (Detailansicht)

Miriam Cahn (* 21. Juli 1949 in Basel) ist eine international renommierte und ausgezeichnete Schweizer Künstlerin. Ihre Arbeit wird dem Feminismus und dem Humanismus zugerechnet.<ref name=":0" />

Leben

Miriam Cahn ist die Tochter des Numismatikers und Kunsthändlers Herbert A. Cahn. Dieser war – jüdischer Abstammung – 1933 aufgrund der politischen Situation in Deutschland zusammen mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder nach Basel emigriert, wo er auch seine spätere Frau kennenlernte.<ref name=":0" /> Miriam Cahn besuchte von 1968 bis 1973 die Grafikfachklasse der Kunstgewerbeschule in Basel. 1978/1979 wurde ihr von der Stadt Basel ein Atelierstipendium in Paris verliehen.<ref>Miriam Cahn. In: SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz. Abgerufen am 26. April 2020.</ref>

1982 wurde Cahn zur documenta 7 eingeladen. Sie brach ihre Teilnahme jedoch ab, weil der Kurator Rudi Fuchs zu ihren Bildern entgegen der Absprache noch Werke eines anderen Künstlers hängen wollte.<ref name="Briegleb">Till Briegleb: Nackter Apostelkreis. Miriam Cahns Lebensthema ist die Verletzlichkeit des Körpers. Werke der 66 Jahre alten Malerin sind in Kiel zu sehen. Sie dürfte ein Star der nächsten Documenta werden. In: Süddeutsche Zeitung. 22. März 2016, abgerufen am 21. Juli 2018.</ref> Eine Einladung zur Biennale Venedig erhielt sie 1984. Es folgte 1985 ein DAAD-Stipendium für einen einjährigen Arbeitsaufenthalt in Berlin,<ref>Eintrag zu Cahn, Miriam beim Berliner Künstlerprogramm des DAAD. Katalog zu ihrer Ausstellung in der DAAD-Galerie vom 15. März bis 20. April 1986 erschienen beim DAAD, Berlin 1986.</ref> wo sie bis 1989 blieb. Im Jahr 2017 wurde ihr Werk auf der documenta 14 gezeigt.<ref name="Briegleb" /> Seit dem Jahr 2019 gibt es vermehrt internationale Großausstellungen zu ihrem Werk, so beispielsweise im Haus der Kunst München, dem Palais de Tokyo in Paris oder dem Stedelijk Museum in Amsterdam.

Sie lebt und arbeitet in Basel und in Stampa in einem vom Schweizer Architekten Armando Ruinelli gebauten Atelier.<ref>BAUWELT – Atelierhaus Miriam Cahn. Abgerufen am 5. Dezember 2024.</ref><ref>Atelier Cahn – Stampa. Abgerufen am 5. Dezember 2024.</ref>

Werk

Kleine Familie
Miriam Cahn, 2012
Öl auf Leinwand
84 × 70 cm
Museum für moderne Kunst, Warschau

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(bitte Urheberrechte beachten)

atombombe (blutungsarbeit)
Miriam Cahn, 1999
Aquarell auf Papier
145 × 200 cm
Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main

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(bitte Urheberrechte beachten)

working girl/unklar
Miriam Cahn, 1999
Öl auf Leinwand
97,6 × 55,5 cm
Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main

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(bitte Urheberrechte beachten)

Miriam Cahn ist eine figurative Malerin, deren Werk vor allem mit Kohle- und Bleistiftzeichnungen, Pastellzeichnungen, Rauminstallationen und Performances hervortrat. Mediale Beachtung erhielt sie im Winter 1979/1980 durch eine illegale nächtliche Kunstaktion, bei der sie an die Betonpfeiler der Basler Nordtangente mit Kohle Wandzeichnungen anbrachte. Dies führte zu einem Gerichtsprozess.<ref>Miriam Cahn. In: Neue Frauenbewegung 2.0. Abgerufen am 15. Mai 2020.</ref> Viele Jahre später versuchte die Stadt die Verurteilung wieder auszugleichen, indem sie ihr anbot, die Wände nach ihrer Vorstellung zu gestalten.<ref>Ludmila Vachtová: Miriam Cahn, Künstlerin. In: NZZ Folio. 1. Januar 1992, abgerufen am 28. Mai 2023.</ref>

In frühen Perioden ihres Schaffens zog sie es vor, ihre grossformatigen Arbeiten am Boden auszuführen, um mit Einsatz ihres ganzen Körpers den räumlichen Abstand und die damit verbundene mentale Distanz aufzugeben. In dieser Phase entstanden monumentale Kreide- und Kohlezeichnungen mit symbolhaften Darstellungen von Menschen, Tieren und Pflanzen. In einem weiteren Schritt ging sie dazu über, Serien von Zeichnungen mit geschlossenen Augen auszuführen.

Geprägt wurde Miriam Cahn von der Friedens- und Frauenbewegung, in der sie auch aktiv beteiligt war. Ihre Themen bewegen sich oftmals um die Rolle der Frau oder auch um Krieg und dessen Darstellung in den Massenmedien. In den 1990er Jahren beschäftigte sie sich in zwei Zyklen mit dem Golfkrieg und dem Krieg auf dem Balkan.<ref name="xcult">Annelise Zwez: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.. Auf: xcult.org, 2002.</ref>

Rezeption

Miriam Cahns Werk pendelt zwischen extremen Polen menschlicher Emotionen. Ihre inhaltlichen und stilistischen Hauptthemen sind „die Verletzlichkeit des Körpers und die Anziehungskraft von Lust und Gewalt“.<ref name="Briegleb" /> In ihren Bildern ist das Thema „Flucht“ – womöglich auch aufgrund der eigenen Familiengeschichte – seit den Jugoslawienkriegen präsent, in ihren neuesten Serien spiegelt sich die aktuelle Flüchtlingskrise.<ref name="Briegleb" /> Till Briegleb sieht Cahns Werk „im Rang von Kolleginnen wie Maria Lassnig oder Marlene Dumas“.<ref name="Briegleb" />

Im Frühjahr 2023 zeigte das Palais de Tokyo in Paris unter dem Titel Ma pensée sérielle (Mein serieller Gedanke) eine Retrospektive der Künstlerin.<ref>Ma pensée sérielle, palaisdetokyo.com, abgerufen am 29. März 2023.</ref> Gegen das gezeigte Bild Fuck abstraction! klagten nach dem Aufruf eines französischen Kritikers sechs Vereinigungen wegen angeblicher „Verherrlichung von Kinderpornografie“. Miriam Cahn selbst bezeichnet die klagenden Personen als «Post-Faschisten» und vermutet eher zensorisch-politische Hintergründe von rechts-außen gegenüber ihrem Werk generell, als ein wirkliches Interesse an Kinder- und Jugendschutz, zumal es sich bei der Darstellung weder um eine sexuelle Handlungen an Minderjährigen, noch um eine «Verherrlichung» handelt.<ref name=":0">deutschlandfunkkultur.de: Miriam Cahn: Die streitbare Künstlerin. 15. März 2024, abgerufen am 7. September 2024.</ref>

Das Bild zeigt laut einer Stellungnahme des Palais de Tokyo die Silhouette eines Mannes mit einem sehr mächtigen, gesichtslosen Körper und den zerbrechlichen Körper einer vor ihm knienden Figur mit auf den Rücken gefesselten Händen, die an dem Körper des Mannes eine Fellatio durchführt.<ref name="BZ">Verherrlichung von Kinderpornografie: Klage gegen Schweizer Künstlerin abgelehnt, Berliner Zeitung, 29. März 2023.</ref> Die Künstlerin erklärte, dass sich das Bild „auf die Ereignisse rund um die ukrainische Stadt Butscha während der russischen Invasion“ beziehe: „Hier geht es um eine Person mit gefesselten Händen, die vergewaltigt wurde, bevor sie getötet und auf die Strasse geworfen wurde. Die Wiederholung von Bildern der Gewalt in Kriegen soll nicht schockieren, sondern anprangern.“<ref>Miriam Cahn et l’invraisemblable polémique qui s’abat sur son expo à Paris, Le Temps, 8. März 2023.</ref> Am 29. März 2023 wies das Pariser Verwaltungsgericht die Klage gegen das Bild ab,<ref name="BZ" /> das Urteil wurde am 14. April 2023 von der höchsten verwaltungsgerichtlichen Instanz, dem Conseil d’État bestätigt.<ref>Olga Grimm-Weissert: Frankreich verteidigt die Kunstfreiheit: Drastisches Gemälde soll hängen bleiben. In: Handelsblatt. 11. Mai 2023, abgerufen am 28. Mai 2023.</ref><ref>Le tableau « Fuck abstraction ! » de Miriam Cahn peut rester exposé au Palais de Tokyo. Pressemeldung des Conseil d’État. 14. April 2023, abgerufen am 28. Mai 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Am 7. Mai 2023 wurde das Bild in der Ausstellung von einem 81-jährigen Mann mit violetter Farbe überschüttet und beschädigt. Am Folgetag äusserte sich der französische Staatspräsident Emmanuel Macron zu der Tat. Er verurteilte den Akt von Vandalismus als Angriff auf die Werte Frankreichs und betonte die Freiheit der Kunst sowie den Respekt vor kulturellem Schaffen. Das Bild verblieb in beschädigtem Zustand in der Ausstellung bis zu deren Beendigung.<ref>Taylor Dafoe: An Elderly Man Spray-Painted a Miriam Cahn Painting at a Paris Museum After Right-Wing Attempts to Censor It Failed. In: Artnet News. 8. Mai 2023, abgerufen am 11. Mai 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), Artikel zeigt das Bild vor und nach der Beschädigung).</ref><ref>Niklas Bender: Missbrauch anklagendes Bild Miriam Cahns mit Farbe beworfen. In: FAZ. 11. Mai 2023, abgerufen am 11. Mai 2023.</ref>

Sammlungen

Cahns Arbeiten sind in zahlreichen öffentlichen Kunstsammlungen beheimatet, unter anderem im Museum of Modern Art in New York, in der Tate Modern in London, im Museo Reina Sofía in Madrid, im Kunstmuseum Basel,<ref>Werkeverzeichnis in der Sammlung Online. In: kunstmuseumbasel.ch. Abgerufen am 11. Mai 2023.</ref> im Kunsthaus Zürich, in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München und im Museum für Moderne Kunst in Warschau.

Einzelausstellungen

Gruppenausstellungen (Auswahl)

  • 2011: 6 Künstler aus Basel x 2, Kunsthalle Basel
  • 2018: I’m a Believer. Pop Art und Gegenwartskunst aus dem Lenbachhaus und der KiCo Stiftung, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
  • 2026 Anti Heroes. Jakob Collection, Villa Merkel, Esslingen am Neckar

Auszeichnungen

Veröffentlichungen

  • Was mich anschaut. Umgebung. Häusser, Darmstadt 1996, ISBN 978-3-89552-027-3.
  • Architekturtraum. Hatje Cantz, Ostfildern 2002, ISBN 978-3-7757-1127-2.
  • Mare Nostrum. Beitrag zur Documenta 14, Kassel 2015.<ref>Text Mare Nostrum von Miriam Cahn, www.documenta14.de, abgerufen am 26. März 2016.</ref>
  • Das zornige Schreiben. Hatje Cantz, Ostfildern 2019, ISBN 978-3-7757-4491-1.

Literatur

  • Barbara Alms (Hrsg.): Unheimlich. Ausstellungskatalog Städtische Galerie Delmenhorst, Haus Coburg, Sammlung Stuckenberg. H. M. Hauschild, Bremen 2003, ISBN 3-89757-214-1.<ref>Enthält: Armin Boehm, Miriam Cahn, Thomas Dillmann, Peter Doig, Marlene Dumas, Johannes Hüppi, Michael Kunze, Daniel Richter, Norbert Schwontkowski, Luc Tuymans</ref>
  • Kirchner Museum Davos (Hrsg.): Überdachte Fluchtwege. Steidl, Göttingen 2006.
  • Till Briegleb: Nackter Apostelkreis. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 68, 22. März 2016, S. 11.
  • Miriam Cahn, Anette Hüsch: miriam cahn – Auf Augenhöhe. In: Anette Hüsch (Hrsg.): miriam cahn – Auf Augenhöhe. Katalog, Ausstellung Kunsthalle zu Kiel, 2016, ISBN 978-3-937208-48-0 (deutsch, englisch).
  • Angela Thomas Jankowski: One Woman Show. Miriam Cahn. In: Du, 43, 4, 1983, S. 68f.
  • Interview von Herlinde Koelbl mit Miriam Cahn: Wenn du eine Stinkwut hast, dann haust du einem eine rein. Aus der Serie: Das war meine Rettung, Zeit Magazin, 1. Februar 2018, S. 46.
  • „ich lehne die distanz ab.“ Das zornige Denken, Schreiben und Schaffen der Schweizer Künstlerin. konkret, 7, Juli 2019, S. 52f., von Geraldine Spiekermann (zur Ausstellung im Haus der Kunst München, bis Ende Oktober 2019).
  • Wanda Seiler, Rückblick: eine (kunst-)historische Einordnung von "Frauen, Körper, Pornographie" an einem gesellschaftspolitischen, kulturellen Wendepunkt, 2021<ref>Wanda Seiler: Rückblick: eine (kunst-)historische Einordnung von "Frauen, Körper, Pornographie" an einem gesellschaftspolitischen, kulturellen Wendepunkt. Wanda Seiler, Schweiz 2021 (dnb.de [abgerufen am 18. August 2023]).</ref>
  • Interview im Deutschlandfunk Kultur: Die Streitbare. 15. März 2024.
  • Lilian Landes: Schön? Darum geht’s nicht. Zwei museale Artists' Books von Miriam Cahn. In: Bibliotheksforum Bayern. Bd. 18 (2024), Heft 2, Mai 2024, S. 6–9 (online).

Filmografie

  • Miriam Cahn – ohne Umwege. Regie Edith Jud, CH 2005

Hörspiel

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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