Johannes Radke
Johannes Radke (* 7. August 1853 in Margonin, Provinz Posen; † 5. Juli 1938<ref name="HVZ1938">Honnefer Volkszeitung, 6. Juli 1938, S. 7 (zeitpunkt.nrw)</ref>) war ein deutscher Architekt, Baubeamter und Beigeordneter in Düsseldorf.
Leben
Radke, Sohn des evangelischen Predigers Johann Friedrich Daniel Lebrecht Radke (wurde 1841 Pastor und blieb dies bis zu seinem Tode 1874), schloss die Schulausbildung im Jahr 1874 am Königlichen Gymnasium zu Bromberg mit dem Wunsch ab, das Baufach zu studieren.<ref>Programm des Königl. Gymnasiums zu Bromberg, Bromberg 1874, S. 49 (Google Books)</ref> Nach dem Studium war er in Berlin in der Bauverwaltung der Kaiserlichen Reichspost als „Kaiserlicher Postbauinspektor“ tätig, bevor er 1900 als Stadtbaurat nach Düsseldorf berufen wurde. Zwischen 1901 und 1921 war er dort auch städtischer Beigeordneter. In diesen Funktionen nahm er Einfluss auf den Bau des Hafens auf der Lausward und zahlreiche weitere Projekte, etwa die Rheinufervorschiebung, die Entwicklung des Stadtteils Oberkassel im Zuge der Elektrifizierung der Düsseldorfer Straßenbahnen (K-Bahn) und die Industrie- und Gewerbeausstellung 1902.
Er entwarf für Düsseldorf zahlreiche öffentliche Bauten. Als die wichtigsten sind zahlreiche Gebäude des Klinikumkomplexes an der Moorenstraße, der Stahlhof, das Luisen-Gymnasium sowie das Görres-Gymnasium zu nennen. Auch die alte Rheinuferpromenade einschließlich des Düsselschlösschens aus den Jahren 1900 bis 1902, von der heute noch die Uferschutzmauer, Brüstungen, Treppen, Treppengeländer, ein Altan und die Pegeluhr erhalten sind, geht auf Radke zurück. Internationale Aufmerksamkeit erlangte Radke bereits vor seiner Düsseldorfer Zeit durch die Errichtung der deutschen Ausstellungspavillons für die Weltausstellungen 1893 in Chicago (World’s Columbian Exposition) und 1900 in Paris (Weltausstellung Paris 1900).
Radke war Mitglied im Architekten-Verein zu Berlin (AVB). Nach seinem Eintritt in den Ruhestand 1921 wohnte er in Honnef, wo er auch auf dem Neuen Friedhof beigesetzt wurde.<ref name="HVZ1938" /><ref>Honnefer Volkszeitung, 7. Juli 1938, S. 5 (zeitpunkt.nrw)</ref>
In den 1960er Jahren wurde eine Straße im wachsenden Düsseldorfer Stadtteil Garath nach Radke benannt.
Werk
Bauten (Auswahl)
- 1893: deutscher Ausstellungspavillon auf der Weltausstellung Chicago
- 1900: deutscher Ausstellungspavillon auf der Weltausstellung Paris 1900<ref>Johannes Radke: Das Deutsche Haus auf der Weltausstellung in Paris 1900. In: Zentralblatt der Bauverwaltung, Jg. 19 (1899), Nr. 85, S. 513–516</ref>
- 1900: Rheinuferpromenade in Düsseldorf-Altstadt
- u. a. 1902: Düsselschlösschen, Weinlokal am Burgplatz
- 1902–1903: Reformgymnasiums an der Rethelstraße, wurde auch Rethel-Gymnasium genannt (abgegangen, Standort war entsprechend der Schule Rethelstraße 13)
- 1904–1906: verschiedene Bauten des Universitätsklinikums Düsseldorf
- u. a. 1906: Heilig-Geist-Kapelle (Kirche des Universitätsklinikums Düsseldorf)<ref>Moorenstr. 5; Gebäude 13.79 in der Denkmalliste der Landeshauptstadt Düsseldorf beim Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege</ref>
- 1904–1906: Görres-Gymnasium in Düsseldorf-Stadtmitte<ref>Görresgymnasium, Königsallee 57 in der Denkmalliste der Landeshauptstadt Düsseldorf beim Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege</ref>
- 1904–1906: Leibniz-Gymnasium in Düsseldorf-Pempelfort
- 1904–1907: Luisen-Gymnasium in Düsseldorf-Stadtmitte<ref>Luisenschule, Bastionstraße 24/Kasernenstraße 30 in der Denkmalliste der Landeshauptstadt Düsseldorf beim Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege</ref>
- 1905: Friedhofskapelle auf dem Südfriedhof in Düsseldorf-Bilk<ref>Friedhofsanlage mit Gebäuden, Am Südfriedhof 14–16 in der Denkmalliste der Landeshauptstadt Düsseldorf beim Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege</ref>
- 1905–1906: Leo-Statz-Berufskolleg in Düsseldorf-Unterbilk<ref>Friedenstraße 29 in der Denkmalliste der Landeshauptstadt Düsseldorf beim Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege</ref>
- 1905–1907: Volksschule mit Badeanstalt Lindenstraße 128–130<ref>Schulgebäude, Lindenstraße 128–130 in der Denkmalliste der Landeshauptstadt Düsseldorf beim Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege</ref>
- 1906–1908: Stahlhof, Verwaltungsgebäude des Stahlwerksverbands in Düsseldorf-Stadtmitte<ref>Stahlhof, Bastionstraße 39 in der Denkmalliste der Landeshauptstadt Düsseldorf beim Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege</ref>
- 1907: Realschule Luisenstraße in Düsseldorf-Friedrichstadt<ref>Realschule, Luisenstraße 73 in der Denkmalliste der Landeshauptstadt Düsseldorf beim Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege</ref>
- 1907–1911: Hauptfeuerwehrdepot (Feuerwache III) in Düsseldorf-Pempelfort<ref>Feuerwache III, Münsterstraße 15 in der Denkmalliste der Landeshauptstadt Düsseldorf beim Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege</ref>
- 1908: Friedhofskapelle auf dem Stoffeler Friedhof in Düsseldorf-Oberbilk<ref>Friedhofskapelle Stoffeln, Bittweg 60 in der Denkmalliste der Landeshauptstadt Düsseldorf beim Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege</ref>
- 1908–1910: Villa Wendelstadt in Bad Godesberg (Bauausführung durch Theo Westbrook)
- 1910–1912: Schule am Comeniusplatz (Comenius-Gymnasium, Comeniusstraße 1), Düsseldorf-Oberkassel<ref>Gymnasium, Comeniusstr. 1 in der Denkmalliste der Landeshauptstadt Düsseldorf beim Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege</ref>
- 1911–1912: Lessing-Gymnasium in Düsseldorf-Oberbilk<ref>Lessing-Gymnasium, Ellerstraße 84 in der Denkmalliste der Landeshauptstadt Düsseldorf beim Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege</ref>
- 1913–1914: Hauptschule Bernburger Straße in Düsseldorf-Eller<ref>Hauptschule, Bernburger Straße 44 in der Denkmalliste der Landeshauptstadt Düsseldorf beim Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege</ref>
- 1927–1928: eigenes Wohnhaus (als Ruhesitz), genannt „Haus zur Linde“, Bondorfer Straße in Bad Honnef
Schriften
- Beschreibung des Schulgebäudes. (an der Rethelstraße). Bagel, Düsseldorf 1904. (Digitalisat)
Literatur
- Radke, Johannes. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 27: Piermaria–Ramsdell. E. A. Seemann, Leipzig 1933, S. Vorlage:VonBis (biblos.pk.edu.pl).
- Karl H. Neidhöfer: Düsseldorf. Straßennamen und ihre Geschichte. Droste Verlag, Düsseldorf 1979, ISBN 3-77000-494-9.
- Paul Sigel: Exponiert. Deutsche Pavillons auf Weltausstellungen. Verlag für Bauwesen, Berlin 2002, ISBN 3-34500-734-7.
Einzelnachweise
<references />
Weblinks
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Radke, Johannes |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Architekt und Baubeamter |
| GEBURTSDATUM | 7. August 1853 |
| GEBURTSORT | Margonin, Provinz Posen |
| STERBEDATUM | 5. Juli 1938 |