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Telemoritz

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Datei:VW Tower Hannover Reparatur Steinschlag.jpg
Industriekletterer untersuchen die Außenhülle nach Steinschlag, 2020

Der Telemoritz (ehemals VW-Tower oder alter Fernsehturm) ist ein früherer, 141 m hoher Fernsehturm im Zentrum von Hannover, der seit 2024 unter Denkmalschutz steht.<ref>„Telemoritz“ in Hannover steht ab sofort unter Denkmalschutz bei ndr.de vom 23. August 2024</ref>

Bau und Sendebetrieb

Der Telemoritz liegt an der Hamburger Allee zwischen der Raschplatzhochstraße und dem Hauptbahnhof im Stadtteil Mitte. Ursprünglich sollte der Turm neben der um 1950 erbauten und 2003 für den Bau der Ernst-August-Galerie abgerissenen Hauptpost errichtet werden. Aus städtebaulichen Gründen wurde der Standort Raschplatz favorisiert und der Turm in den Jahren 1958 und 1959 errichtet. Die Pläne stammen vom Bauingenieur Fritz Leonhardt, der auch den inzwischen denkmalgeschützten Stuttgarter Fernsehturm entwarf.<ref name="HAZ" /> Beide Türme gelten als bautechnische Besonderheiten, da sie zu den ersten Stahlbeton-Fernsehtürmen zählen.<ref>Erwin Heinle, Fritz Leonhardt: Türme – aller Zeiten – aller Kulturen. Stuttgart 1988, ISBN 978-3-421-02931-7, S. 225.</ref> Ein ursprünglich geplantes Turm-Cafe in Hannover wurde nicht realisiert. Die Inbetriebnahme durch die Deutsche Bundespost als Sendeturm für Fernseh- und Radiosignale erfolgte im April 1960. Ende der 1960er Jahre wurde der Turm auch „Pusteblume“ genannt.<ref>Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. Bd. 5, 1967, S. 209, „Fernmeldeturm“.</ref>

Seit 1992 wird der Fernmeldeturm in der Innenstadt auch als Telemoritz bezeichnet, zur Unterscheidung zum 1989 bis 1992 neu erbauten Telemax im Stadtteil Groß-Buchholz. Die beiden Namen wurden durch eine Wahl über eine Tageszeitung Hannovers ermittelt. Sie sind eine Anspielung auf das Wilhelm-Busch-Werk Max und Moritz. Nach Inbetriebnahme des neuen Telemax 1992 wurden die funktechnischen Anlagen des alten Fernmeldeturms in den folgenden Jahren entweder ganz abgebaut oder auf den neuen Turm verlagert.

Nachnutzung als Werbeträger

Im Jahr 2000 erwarb das Unternehmen Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) den Turm von der DeTeImmobilien, einer damals 100%igen Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom AG, zu einem symbolischen Preis von 1 DM.<ref>Conrad von Meding: Abriss des Telemoritz: Gibt’s noch eine andere Idee? in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 9. Februar 2024</ref> Zu Werbezwecken wurde unterhalb der Turmspitze eine drehbare Leuchtreklame mit drei über fünf Meter hohen Volkswagen-Logos angebracht. Aufgrund eines defekten Motors dreht sich die Leuchtreklame nicht mehr. 2019 wurde das Logo im Zuge der Umstellung des Markenauftritts der Kernmarke Volkswagen erneuert.<ref>Das VW-Logo am „Telemoritz“ leuchtet wieder. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung. 2. Oktober 2019, abgerufen am 19. Oktober 2019.</ref><ref>VWN-Tower: Logo-Austausch. Drittes Markenzeichen wird montiert. In: bauforum24.biz. 24. September 2019, abgerufen am 12. April 2023.</ref> 2022 wurde die Beleuchtung aufgrund der Energiesparverordnung abgeschaltet, die Leuchtwerbung aus Gründen des Energiesparens wegen des russischen Überfalls auf die Ukraine untersagte.<ref>Conrad von Meding: Energiekrise: VW Nutzfahrzeuge knipst den Telemoritz aus in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 1. September 2022</ref>

Um das Jahr 2000 wurde der höher liegende Turmzugang mit dem Abriss des angrenzenden Paketpostamtes und dem anschließenden Neubau eines Einkaufszentrums 2003 durch einen ebenerdigen Zugang ersetzt. Ursprünglich war der Turm durch eine Brückenkonstruktion mit einem Glassteg zugänglich, die zu einem Gebäude des Paketpostamtes führte.

2020 brach ein backsteingroßer Betonbrocken aus dem Fenstersims einer Plattform in etwa 70 Meter Höhe heraus und verfehlte zwei Fußgänger am Boden nur knapp.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Turm bröckelt: Steine verfehlen Menschen nur knapp (Memento vom 24. August 2020 im Internet Archive) bei ndr.de vom 11. August 2020</ref> Anschließend untersuchten Industriekletterer den Turm<ref>Peer Hellerling: Betonbrocken von Telemoritz gestürzt – Kletterer sollen Ursache finden in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 11. August 2020</ref> und Fachleute den Beton mit Spezialgerät.<ref>NDR: Bröckelnder Beton: VWN lässt heute Turm sichern. 24. August 2020, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 8. Februar 2024; abgerufen am 18. Juli 2024.</ref>

Abrisspläne und Denkmalschutz

Wegen der zunehmenden Sanierungskosten bot das Unternehmen Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) den Turm 2023 zum Kauf an. Nachdem sich kein Käufer gefunden hatte, reichte VWN 2024 eine Abrissanzeige bei der Stadt Hannover ein.<ref>„Telemoritz“ in Hannover: VW reicht Abrissanzeige ein bei ndr.de vom 14. Februar 2024</ref> Laut VWN sei das Bauwerk für eine Nutzungsdauer von 60 bis 70 Jahren konzipiert. Inzwischen zeigen sich nach rund 65 Jahren zunehmende Schäden, unter anderem durch Korrosion im Stahlbeton. Experten erklärten den Turm als standsicher, allerdings sei die Standsicherheit einem jüngeren Gutachten nach „grenzwertig“.<ref>Conrad von Meding: Fernsehturm Telemoritz: VWN hat Abrissanzeige beim Bauamt eingereicht in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 14. Februar 2024</ref> Laut dem hannoverschen Stadtbaurat Thomas Vielhaber besteht die grenzwertige Standsicherheit bereits seit der Errichtung, da früher mit weniger Sicherheitspuffer gebaut wurde.<ref>Baudezernent zu Hannovers Telemoritz: „Der Turm fällt nicht um“ in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 21. Februar 2024</ref> 2024 wurden mit einem Kran die drei VW-Logos mit einem Gewicht von je 5 Tonnen demontiert,<ref>Klaus Pohlmann: Telemoritz Hannover: Abbau der VW-Logos läuft bei Niedersächsische Wirtschaft vom 9. Juli 2024</ref> um die Windlast durch Herbststürme auf die Turmspitze zu verringern.<ref>„Telemoritz“ in Hannover: VW baut Logo vom alten Fernsehturm ab bei ndr.de vom 18. Juni 2024</ref> Zudem wurde der Schriftzug „Nutzfahrzeuge“ demontiert, sodass der Turm werbefrei wurde.<ref>Kein VW mehr: „Telemoritz“ in Hannover ist komplett werbefrei bei ndr.de vom 18. Juli 2024</ref>

Die Stadt Hannover lehnte den Abriss ab, da sie den Turm für stadtbildprägend hält. Die Abrisspläne lösten bei hannoverschen Lokalpolitikern fraktionsübergreifend Empörung aus.<ref name="HAZ">Conrad von Meding: „Ein Desaster“: Politiker reagieren empört auf Abrisspläne für Telemoritz in Hannover in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 7. Februar 2024</ref> Laut Robert Marlow, Präsident der Architektenkammer Niedersachsen, sei der Turm Teil der Stadtsilhouette von Hannover. Aus der Distanz diene er als Landmarke zur Verortung der Stadtmitte. Auch sei er ein Zeugnis für die Aufbruchzeit in den 1960er Jahren mit dem Aufkommen des Fernsehens.<ref>Conrad von Meding: Architektenkammerpräsident: „Der Turm gehört zur Skyline von Hannover“ in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 9. Februar 2024</ref>

Der Turm stand laut einer Einordnung durch das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege in den 1990er Jahren und im Jahr 2024 nicht unter Denkmalschutz. Grund waren die nachträglichen baulichen Veränderungen, wie Demontage der Antennen, Anbringen des VW-Logos und Verlegung des Zugangs.<ref>Conrad von Meding: Abrisspläne für VW-Turm: Verliert Hannover ein Wahrzeichen? in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 7. Februar 2024</ref> 2024 stellte die Untere Denkmalbehörde der Stadt Hannover die Denkmalwürdigkeit fest. Diese begründete sie damit, dass der Turm der zweite Stahlbeton-Fernmeldeturm mit einer sogenannten Heine-Kletterschalung in der Bundesrepublik und ein wichtiges bauliches Zeugnis der Verbreitung der Massenmedien in der Nachkriegszeit sei.<ref>Conrad von Meding: Überraschung: Telemoritz steht jetzt unter Denkmalschutz in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 22. August 2024</ref>

Im 2025 erschienenen Schwarzbuch der Deutschen Stiftung Denkmalschutz wird der Turm als gefährdet bezeichnet.<ref>Leonard Fischer. Geschichte auf dem Schutthaufen: In Niedersachsen verschwinden Baudenkmale in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 19. August 2025</ref>

Geplante Umnutzung zum Wohnturm

Im Jahr 2024 räumte Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) der Stadt Hannover über ein halbes Jahr Zeit für die Suche nach einem Sanierungskonzept ein.<ref>„Telemoritz“: Was wird aus Hannovers altem Fernsehturm? bei ndr.de vom 4. April 2024</ref> Schließlich meldeten sich zwei Interessenten für den Erwerb.<ref>Telemoritz in Hannover: Zwei Bewerberkonzepte sind im Rennen in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 26. Mai 2024</ref> Den Zuschlag erhielt 2024 ein hannoverscher Unternehmer,<ref>Vom Fernsehturm zum Wohnprojekt: „Telemoritz“ hat neuen Besitzer bei ndr.de vom 23. November 2024</ref><ref>Der „Telemoritz“ in Hannover soll zum Wohnturm werden bei ndr.de vom 18. Oktober 2024</ref> der den Turm zu einem symbolischen Preis von einem Euro kaufte.<ref>Wohnungen statt Abriss: VW verkauft »Telemoritz« in Hannover. In: Der Spiegel. 23. November 2024, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 23. November 2024]).</ref> Er will den Turmschaft durch ein Bauwerk mit 160 doppelgeschossigen Kleinstwohnungen à 25 m² sowie Treppen und Aufzügen ummanteln.<ref>Conrad von Meding: Neue Idee zur Nachnutzung: Entstehen 120 Wohnungen an Hannovers Telemoritz? in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 22. August 2024</ref> Dies würde den Turm bautechnisch stabilisieren und vor Witterungseinflüssen schützen.<ref>Conrad von Meding: Mit Apartments und Gartenlandschaft: So sähe der Telemoritz im Wohnkonzept aus in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 11. September 2024</ref> Die Umbaukosten werden auf 20 bis 30 Millionen Euro geschätzt.<ref>Conrad von Meding: „Es gibt keine spannendere Immobilie“: So funktioniert der Telemoritz als Wohnhochhaus in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 20. Dezember 2024</ref>

Ein weiteres Konzept war das der Initiative Der Gute Turm um den hannoverschen Musikproduzenten Mousse T. Er wollte den Turm durch ein Gitternetz aus Stahlträgern stabilisieren<ref>Conrad von Meding: Mit Gitternetz und Seitenturm: So sähe der Telemoritz im Konzept „Der Gute Turm“ aus in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 11. September 2024</ref> und kommerziell nachnutzen.<ref>Telemoritz als „Guter Turm“: OB Onay stellt sich hinter Projekt in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 20. März 2024</ref>

Siehe auch

Literatur

  • Hannovers neuer Fernsehturm – Verlagsbeilage der Neuen Presse und der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 24. November 1992
  • Hans-Peter Wiechers, Martina Flamme-Jasper (Texte), Heinrich K.-M. Hecht et al.: (Fotos): Telemax. Architektur & Wahrzeichen. Hrsg.: Deutsche Telekom AG, Niederlassung Hannover, Rüdiger J. Schulz, Hannover: Benatzky Druck und Medien (Druck), 2000, S. 96–113.

Weblinks

Commons: Telemoritz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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