Fritz Selve
Fritz Selve (* 20. Januar 1849 in Lüdenscheid-Peddensiepen; † 1. Mai 1916 in Zürich) war ein deutsch-italienischer Unternehmer.
Leben
Fritz Selve wurde 1849 in Lüdenscheid als Sohn des Landwirtes und Mühlenbesitzers Hermann Dietrich Selve (* 1813, † 1881) und dessen Frau Anna Katharina Selve, geborene Selve (* 1813; † 1868), auf deren Hofgut Peddensiepen bei Honsel geboren. Er hatte zwei Brüder und zwei Schwestern.
Fritz Selves Vater gründete 1861 zusammen mit dem Lüdenscheider Carl Basse das Unternehmen Basse & Selve, ein Metallwalzwerk und Drahtzieherei.<ref name = "Münzgeschäft" >Horst Rinke: Münze betreffend.... - Eine Reise durch die Zeiten des Münzgeschäftes zwischen den beiden Währungsvereinigungen von 1871 und 1999. Herbert Utz Verlag, München 2004, ISBN 3-8316-0310-3, S. 7–9.</ref> Der älteste Sohn Gustav Selve trat 1862 zunächst als Angestellter in das Unternehmen ein.
1870 erwarb Basse & Selve ein insolventes Metallwerk in Donnas im oberitalienischen Aostatal, um die Handelsbeziehungen nach Italien zu stärken. Nachdem der Bruder Gustav 1872 zum Teilhaber und Geschäftsführer wurde, wurde den beiden jüngeren Brüdern Fritz und August (* 1845) zum 1. Juli 1874 das italienische Werk übertragen, das ab diesem Zeitpunkt unter dem Namen Selve Fratelli firmierte.<ref name = "Münzgeschäft" /> Das Werk florierte unter der Leitung der Selve-Brüder bald und es wurden jährlich bis zu 500 Tonnen Messing und Kupfer zu Drähten, Stäben und Blechen verarbeitet.<ref name = "Bollettino" >Gaetano De Gattis: Donnas-Bard. Nuovi ritrovamenti archeologici di un tratto di strada romana per le Gallie sito a confine tra i due comuni. In: Regione Autonoma Valle d'Aosta (Hrsg.): Bollettino (5) 2008, S. 79–82.</ref>
Fritz Selve lebte in Turin und wurde bereits im Jahr 1874 italienischer Staatsbürger.<ref name = "Selve-Brunen" >Baudenkmäler in Lüdenscheid: 149. Selvebrunnen. auf der Homepage der Stadt Lüdenscheid</ref>
Neben dem Donnaser Metallwerk war er auch Mitinhaber der Società Metallurgica in Brescia sowie Mitglied im Aufsichtsrat der Mailändischen Banca Commerciale.<ref name = "Stremmel" >Ralf Stremmel: Selve, Gustav. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 24. Duncker & Humblot, Berlin 2010, ISBN 978-3-428-11205-0, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de). </ref>
Am 19. Mai 1900 heiratete er Matha Gerdtzen (* 1884) (verwitwete Schmid).<ref>Irene Hueck: Was der junge Peter Wilhelm Selve um 1820 über die Weltgeschichte erfahren sollte. In: Der Reidemeister. Geschichtsblätter für Lüdenscheid Stadt und Land. Nr. 180, 3. November 2009, S. 1487–1491.</ref>
1908 veräußerten die beiden Brüder das Unternehmen an die Società Metallurgica Italiana. Innerhalb des folgenden Jahrzehnts verschlechterten sich die Umsätze des Unternehmens allerdings zunehmend, weshalb das Werk schließlich geschlossen wurde.<ref name = "Bollettino" />
Fritz Selve starb am 1. Mai 1916 in Zürich.
Stiftungen
Fritz Selve, der es als Unternehmer zu erheblichen Wohlstand gebracht hatte, machte großzügige wohltätige Stiftungen.
Der Stadt Donnas, dem Standort seines Unternehmens stiftete er eine Grundschule und einen Kindergarten. Zu Ehren seiner Mutter benannte er den 1897 eröffneten Kindergarten Asilo infantile Anna Caterina Selve. Dieser wurde 1922 verstaatlicht und erst im Jahr 1985 geschlossen.<ref>Asilo infantile Anna Caterina Selve di Donnas. auf der Homepage des Gli Archive del Piemonte e della Valle d'Aosta</ref> In den Kellerräumen des Gebäudes befindet sich heute das Weinbaumuseum Museo del Vino e della Viticoltura.<ref>Homepage des Museo del Vino e della Viticoltura (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im März 2025. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot</ref>
Auch zum Bau einer Schule im Ort Perloz trug er durch eine großzügige Spende bei.
Auch seiner Geburtsstadt Lüdenscheid blieb er verbunden. So stiftete er dem Amt Lüdenscheid den 12. November 1910 eingeweihten Selve-Brunnen. Der von dem Turiner Bildhauer Luigi Calderini gestaltete Brunnen steht vor dem damals neu gebauten Lüdenscheider Amtshaus an Sauerfelder Straße. Die Plastik stellt Fritz Selves Vater Hermann Dietrich Selve als Schmied dar, der eine Allegorie der Industrie verkörpern soll. Seit 2003 steht der Selve-Brunnen unter Denkmalschutz.<ref name = "Selve-Brunen" />
Seine Witwe Martha Selve-Gerdtzen stiftete eine Studienstiftung für die Förderung besonders begabter, bedürftiger schweizerischer und deutscher Studenten an der Universität Zürich.
Ehrungen
In Anerkennung seiner Leistungen für die italienische Wirtschaft verlieh ihm der italienische Staat 1894 den Orden der Krone von Italien 3. Klasse (Kommandeur).<ref name = "Stremmel" />
Aus Dank für die Stiftung des Selve-Brunnens ernannte die Gemeindevertretung der Gemeinde Lüdenscheid-Land Fritz Selve zum Ehrenbürger der Landgemeinde Lüdenscheid. Der Ehrenbürgerbrief wurde ihm anlässlich der Brunneneinweihung am 12. November 1910 übergeben.<ref>Stadt Lüdenscheid: Fritz Selve</ref>
Die Stadt Donnas widmete Fritz Selve eine Büste, die 1931 auf der Piazza del Municipio der Stadt aufgestellt wurde. In Perloz erinnert eine Gedenktafel von 1895 auf der Piazza del Municipio an Fritz Selve und seinen Beitrag zur Errichtung einer Schule.
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Selve, Fritz |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Unternehmer |
| GEBURTSDATUM | 20. Januar 1849 |
| GEBURTSORT | Lüdenscheid-Peddensiepen |
| STERBEDATUM | 1. Mai 1916 |
| STERBEORT | Zürich |
- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Wikipedia:Weblink offline IABot
- Wikipedia:Defekte Weblinks/Ungeprüfte Botmarkierungen 2025-03
- Wikipedia:LCCN in Wikipedia fehlt, in Wikidata vorhanden
- Unternehmer (Italien)
- Träger des Ordens der Krone von Italien (Komtur)
- Ehrenbürger von Lüdenscheid
- Deutscher
- Geboren 1849
- Gestorben 1916
- Mann