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Krocha

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Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 24. April 2026 um 19:18 Uhr durch imported>Kramar (Aussehen).
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Als Krocha (hochdeutsch: Kracher) bezeichnet man Mitglieder einer kurzlebigen, vor allem im Jahre 2008 wahrgenommenen jugendkulturellen Szene in Österreich. Der Begriff leitet sich vom Wienerischen „einekrochn“ (hineinkrachen) ab und wurde nach eigenen Angaben von dem österreichischen DJ Stefan Berndorfer (Stee Wee Bee) geprägt.<ref name="falter"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />bAM oIDa! (Memento des Vorlage:IconExternal vom 11. Januar 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.falter.at Falter, 2. April 2008.</ref> Diese Jugendkultur vertritt keine expliziten Werte oder Weltanschauungen.

Bei der Wahl zum Wort des Jahres 2008 in Österreich belegte Krocha den zweiten Platz hinter Lebensmensch.<ref>„Lebensmensch“ ist Wort des Jahres. Der Standard, 11. Dezember 2008</ref>

Verbreitung

Jugendliche, die sich selbst als Krocha bezeichnen, gab es etwa von 2007 bis 2009 in Wien und später vereinzelt auch in ganz Österreich. Der Kleidungsstil hat sich jedoch bereits weit darüber hinaus ausgebreitet.<ref>Krocha, Styla, Zerlega – ein Trend geht um. Ostheimer im Netz, 9. Februar 2008</ref> Durch Medien wie YouTube, Netlog oder MyVideo wurden die Art des Tanzens und der Kleidungsstil sehr schnell verbreitet, wobei die meisten Aufnahmen mit Handykameras gedreht wurden. Ende 2008 bezeichneten sich rund 1,7 % der 11- bis 29-Jährigen als Krocha.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Krise? Die Jugend auf Sparkurs. (Memento vom 25. März 2009 im Internet Archive) Die Presse, 20. März 2009.</ref>

Ende 2008 begann die Krocha-Szene zu verschwinden.<ref>Jugend: Die „Krocha“ sind tot, lang leben die „Lohas“! Die Presse, 3. November 2008</ref> Einige Elemente wurden von vielen Jugendlichen aber beibehalten.

Sprachstil

Die Szene definierte sich durch die Verwendung und Kreation eigener Wörter und Verwendung eines eigenen Sprachstils, die sich großteils aus der Wiener Umgangssprache und Teilen von Sprachen Eingewanderter ableiten.<ref name="presse">Die Invasion der Neonkappen. Die Presse, 12. Februar 2008</ref> So stand „Kroch’ ma' eine“ (Krachen wir hinein) ganz einfach für Spaß haben oder einfach nur für das Betreten einer Diskothek. Zur Betonung und Bejahung war das Wort „fix“ gebräuchlich. Allgemeiner Ausdruck der Gefühlserregung war das Wort „Bam“<ref name="presse" /> (von Na bumm!Bumsternazl!<ref name="ostarichi"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Bumsternazl (Memento des Vorlage:IconExternal vom 8. Dezember 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ostarrichi.org aus Österreichisch-Deutsch Wörterbuch auf ostarichi.org</ref> – Ja so etwas!). „Pock i ned“ (Fass ich ja nicht) diente zum Ausdruck der Fassungslosigkeit; das „Oida“ (Alter) wurde auch ohne sichtbaren Zusammenhang fast jedem Satz vor- oder hintangestellt.

Aussehen

So wie fast jede Jugendkultur unterschieden sich Krocha durch ihre Kleidung optisch vom Rest der Gesellschaft. Sie zeigten sich markenbewusst und trugen bevorzugt D&G, De Puta Madre 69, Angel Devil, Baxmen und Ed Hardy.<ref name="falter" /> Zum Outfit gehörten meist gold- oder silberfarbene und weiße Sneaker oder Boxerstiefel, große, lose auf den Hinterkopf gesetzte Trucker- und Designer-Kappen wie von Ed Hardy oder „Flash Caps“<ref name="fm4">@1@2Vorlage:Toter Link/fm4.orf.atExamining the youth. (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2019. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot FM4, 16. März 2008</ref> genannte Kappen in Neonfarben, enge Jeans und teilweise auch Kufiyas, „Pali“ genannt.

Üblicher Haarstil bei männlichen Krochan war der Vokuhila. Krocharinnen, wie sich die weiblichen Mitglieder dieser Gruppe auch selbst bezeichneten, hatten dagegen meist geglättetes, schwarz gefärbtes oder blondiertes Haar, oft mit schräg geschnittenen Stirnfransen. Typisch für Krocha war auch durch Selbstbräuner und Solarium getönte Haut.<ref>Stadtgeschichten: Krocha. Der Standard, 5. März 2008.</ref>

Musik

Krocha hörten elektronische Tanzmusik, vor allem Schranz, Hardstyle, Jumpstyle und Dance, wobei sich der Tanzstil auf die Auswahl der Musikrichtung auswirkte.

Vermarktung

Anfang Mai 2008 brachten die Plattenfirmen Universal Music und EMI die Sampler krocha traxx Vol. 1 und Krocha Hits Vol. 1 heraus. Beide konnten sich in den Charts platzieren, wobei Letzterer sogar den 2. Rang belegen konnte.<ref>Krocha-Sampler in den österreichischen Charts</ref> Weiters nahm Universal Music die Hip-Hop-Band Die Vamummtn<ref>@1@2Vorlage:Toter Link/www.universalmusic.atDie Vammummtn. (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2019. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot Universal</ref> unter Vertrag, die die Krocha-Hymne, eine Persiflage auf die neue Jugendkultur, rappen. Die Single erschien am 23. Mai 2008.

Tanzstil

Der Tanzstil der Krocha ließ sich nicht eindeutig festlegen, die Krocha selbst bezeichneten ihren Tanzstil als „krochn“. Einerseits lehnte er sich stark an den Melbourne Shuffle und Hardstep an, andererseits war auch Jumpstyle unter den Krochan weit verbreitet.<ref name="fm4" /> Einige Schritte waren dem Charleston entnommen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />cartoontomb.de (Memento des Vorlage:IconExternal vom 20. August 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cartoontomb.de</ref>

Rezeption

In den Kulturressorts der österreichischen Tageszeitungen wurden die stilistischen Anlehnungen der Krocha zumeist abgelehnt:

„Neon, Vokuhila, Pali-Tuch: Warum kommt bloß das Schlimmste der 80er-Jahre zurück?“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Oliver Grimm: Die Presse, 2008<ref name="presse" />

„Die ‚Krocha‘ sind eine reine Spaßkultur. Bei ihnen stehen Selbstinszenierung und Konsum im Vordergrund. Das Palästinensertuch hat für sie überhaupt keine politische Bedeutung – es ist reines Modeaccessoire. Das ist vermutlich eine sehr kurzlebige Erscheinung – und Wien ist auch nicht die Stadt, in der internationale Trends entstehen.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Philipp Ikrath, Leiter des Hamburger Departements des Instituts für Jugendkulturforschung in Wien: Der Standard, 2008<ref>Betucht, aber unpolitisch. Der Standard, 26. Februar 2008</ref>

Ein ideologischer Hintergrund wurde weitgehend verneint:

„Der ideologische Überbau dieser Bewegung ist noch etwas diffus. In besagtem Austro-Pidgin verfasste Stellungnahmen im Internet lassen eine solide Verweigerung des bildungsbürgerlichen Ethos sowie eine damit korrespondierende Betonung des Lustprinzips vermuten.“<ref name="presse" />

Trivia

Thomas Schäfer-Elmayer gab zum Finale der 4. Staffel der ORF-Tanzshow Dancing Stars eine Einlage im Krocha-Stil zum Besten.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Tanzkunst und eine überraschende Einlage (Memento des Vorlage:IconExternal vom 9. April 2008 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/orf.at orf.at, 7. April 2008</ref> Außerdem unterrichtete er im Rahmen einer Morgensendung im Hitradio Ö3 eine eigene Krocha-Tanzklasse.

Weblinks

Quellen

<references />