Brewer-Nash-Modell
Das Brewer-Nash-Modell (auch Chinese-Wall-Modell) beschreibt ein IT-Sicherheitsmodell zum Schutz von Daten. Es schützt die Vertraulichkeit von Informationen mittels eines Systems durchgesetzter Regeln. Damit setzt es das Konzept Mandatory Access Control der IT-Systemsicherheit um. Es soll eine „unzulässige Ausnutzung von Insiderwissen bei der Abwicklung von Bank- oder Börsentransaktionen“ oder die Weitergabe von unternehmensspezifischen Insiderinformationen an konkurrierende Unternehmungen durch einen Berater verhindern.<ref name="Eckert_6te" details="260">Claudia Eckert: IT-Sicherheit. Konzepte - Verfahren - Protokolle. 6., überarbeitete und erweiterte Auflage. Oldenbourg, 2009, ISBN 978-3-486-58999-3</ref>
Seine Ursprünge hat das Modell in der Finanzbranche und bezeichnet bestimmte Regeln, die verhindern sollen, dass ein Interessenkonflikt herbeigeführt wird (siehe auch Chinese Wall (Finanzwelt)).
Das Brewer-Nash-Modell wurde 1989 von David F.C. Brewer und Michael J. Nash beschrieben<ref name=":0">David F.C. Brewer, Michael J. Nash: The Chinese Wall Security Policy. (PDF; 791 kB) Gamma Secure Systems Limited, 1989, abgerufen am 3. November 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Formale Definition
Die Menge der Subjekte <math>S</math> modelliert die Akteure, also z. B. die tätigen Berater in einer Unternehmensberatung, während die Menge der Objekte <math>O</math> die Schutzobjekte darstellt, also zum Beispiel sensible Dokumente einer Bank oder eines Unternehmens.
Zugriffshistorie
Beim Brewer-Nash-Modell betrachtet man eine Zugriffshistorie, welche durch eine Matrix <math>N_t : S \times O \rightarrow 2^R</math> gegeben ist. Dabei gilt, dass <math>N_t (s, o) = \{r_1, \ldots, r_n\}</math> genau dann, wenn es Zeitpunkte <math>t' < t</math> gibt, an denen das Subjekt <math>s</math> auf das Objekt <math>o</math> mit Berechtigungen <math>r_1, \ldots, r_n</math> zugegriffen hat.<ref name=":0" />
Objektbaum
Die Objekte werden in einem Objektbaum der Tiefe 3 strukturiert: Die Schutzobjekte sind die Blätter des Baumes. Die Elternknoten der Schutzobjekte stellen die Unternehmen oder Bereiche dar, zu denen die Objekte gehören. Für ein Objekt <math>o</math> wird das Unternehmen, dem es zugeordnet ist, mit <math>y(o)</math> bezeichnet. Die Unternehmen wiederum haben als Elternknoten die Interessenskonfliktklassen, welche für ein gegebenes Objekt durch <math>x(o)</math> gekennzeichnet wird. Intuitiv heißt das, dass wenn zwei Unternehmen A und B in der gleichen Interessenskonfliktklasse sind, Subjekte nicht gleichzeitig in Kenntnis von sensiblen Informationen (Objekten) sowohl über A als auch über B kommen dürfen.
Zusätzlich markiert man Objekte, die allen Subjekten öffentlich zugänglich sein sollen, mit <math>y_0</math> und definiert für diese Objekte entsprechend die Interessenskonfliktklasse <math>x_0 = \{y_0\}</math>.
Leseregel
Nun müssen die systembedingten Zugriffsbeschränkungen definiert werden. Die erste Regel, die Leseregel, besagt, dass ein Subjekt genau dann lesenden Zugriff auf ein Objekt <math>o</math> erhält, wenn für alle Objekte, auf die es bereits (mit einem beliebigen Recht) Zugriff hatte, gilt, dass sie öffentlich sind, sie dem gleichen Unternehmen wie <math>o</math> zugeordnet sind oder sie einer anderen Interessenskonfliktklasse als <math>o</math> angehören. Formal heißt das
<math> \forall o' \in O: \big( N_t(s, o') \neq \emptyset \rightarrow y(o') = y_0 \vee y(o) = y(o') \vee x(o) \neq x(o') \big) </math>
Schreibregel
Nur mit der Leseregel lässt sich kein ungewünschter Informationsfluss ausschließen. Es besteht nämlich die Möglichkeit, dass ein Subjekt <math>s_1</math> auf ein Objekt <math>o_1</math> lesend zugreift und dessen Inhalt daraufhin in ein Objekt <math>o_3</math> schreibt, welches in einer anderen Interessenskonfliktklasse als <math>o_1</math> liegt. Ein zweites Subjekt <math>s_2</math> könnte nun zuerst auf ein Objekt <math>o_2</math> zugreifen, welches in der gleichen Interessenskonfliktklasse wie <math>o_1</math> liegt, allerdings einem anderen Unternehmen angehört. Nun könnte sich <math>s_2</math> durch Lesen von <math>o_3</math> unzulässiges Insiderwissen über <math>y(o_1)</math> aneignen, da die Inhalte von <math>o_3</math> und <math>o_1</math> übereinstimmen.
Um diesen Informationsfluss zu verhindern, definieren wir folgende Schreibregel, welche besagt, dass ein Subjekt genau dann schreibenden Zugriff auf ein Objekt <math>o</math> erhält, wenn für alle Objekte, auf welches das Subjekt bereits lesenden Zugriff ausgeübt hat, gilt, dass sie öffentlich oder dem gleichen Unternehmen wie <math>o</math> zugeordnet sind. Formal heißt das
<math> \forall o' \in O: \big( read \in N_t(s, o') \rightarrow y(o') = y_0 \vee y(o) = y(o') \big) </math>
Es wird durch diese Regel also genau der oben beschriebene Fall unterbunden, dass ein Subjekt Insiderinformationen über eine andere Interessenskonfliktklasse an einen Konkurrenten weitergibt.
Siehe auch
Einzelnachweise
<references />
Literatur
- Heinrich Kersten: Einführung in die Computersicherheit. Oldenbourg, München u. a. 1991, ISBN 3-486-21873-5 (Sicherheit in der Informationstechnik. 3, Schriftenreihe Bd. 1).
- Claudia Eckert: IT-Sicherheit. Konzepte – Verfahren – Protokolle. 5. überarbeitete Auflage. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München u. a. 2008, ISBN 978-3-486-58270-3.
Weblinks
- David F.C. Brewer, Michael J. Nash: The Chinese Wall Security Policy. In: IEEE (Hrsg.): Proceedings of IEEE Symposium on Security and Privacy. 1989, S. 206–214 (purdue.edu [PDF; 772 kB]).