Nitroxylole
Die Nitroxylole (auch Dimethylnitrobenzole oder Nitroxylene genannt) bilden eine Stoffgruppe, die sich sowohl vom Toluol bzw. den Xylolen als auch vom Nitrobenzol ableitet. Die Struktur besteht aus einem Benzolring mit zwei angefügten Methylgruppen (–CH3) und einer Nitrogruppe (–NO2) als Substituenten. Durch deren unterschiedliche Anordnung ergeben sich sechs Konstitutionsisomere mit der Summenformel C8H9NO2. Sie werden durch Nitrieren von Xylol gewonnen und wurden zuerst 1885 von Emilio Noelting systematisch studiert.<ref name="Produktion"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Produktion von Nitroxylolen ( vom 9. März 2012 im Internet Archive).</ref> Je nach Grad der Nitrierung teilt man sie ein in:
- Nitroxylole (Mononitroxylole): 6 Konstitutionsisomere
- Dinitroxylole: 11 Konstitutionsisomere
- Trinitroxylole: 6 Konstitutionsisomere
Gewinnung und Eigenschaften
Die Nitroxylole werden durch Nitrieren (z. B. mit einem Salpetersäure-Schwefelsäure-Gemisch) von Xylol gewonnen; bei der Umsetzung von m-Xylol entsteht ein Isomerengemisch aus 75 % 2,4-Dimethylnitrobenzol (4-Nitro-m-xylol), 25 % 2,6-Dimethylnitrobenzol (2-Nitro-m-xylol), und wenig 3,5-Dimethylnitrobenzol (5-Nitro-m-xylol).<ref name="Produktion" /> Sie fallen hier als gelbliche Flüssigkeiten an, die schlecht löslich sind in Wasser, dagegen löslich in organischen Lösungsmitteln. Die Dichte beträgt durchschnittlich 1,12 g/cm3; die Nitroxylole sind daher alle schwerer als Wasser.
Die Nitroxylole haben eine geringe akute orale Toxizität (LD50 um oder oberhalb 2000 mg/kg bei weiblichen Ratten), es gibt bei den meisten Isomeren Hinweise auf eine mutagene Wirkung.<ref>Vergleichende Betrachtung der toxikologischen Wirkung fünf verschiedener Nitroxylole (Seite dauerhaft nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche im Internet Archive ) (PDF; 58 kB), abgerufen am 22. August 2012.</ref>
| Nitroxylole | |||||||||||||
| Name | 2,3-Dimethyl- nitrobenzol |
2,4-Dimethyl- nitrobenzol |
2,5-Dimethyl- nitrobenzol |
2,6-Dimethyl- nitrobenzol |
3,4-Dimethyl- nitrobenzol |
3,5-Dimethyl- nitrobenzol | |||||||
| andere Namen | 3-Nitro-o-xylol | 4-Nitro-m-xylol | 2-Nitro-p-xylol | 2-Nitro-m-xylol | 4-Nitro-o-xylol | 5-Nitro-m-xylol | |||||||
| Strukturformel | 3-Nitro-o-xylol | 4-Nitro-m-xylol | 2-Nitro-p-xylol | 2-Nitro-m-xylol | 4-Nitro-o-xylol | 5-Nitro-m-xylol | |||||||
| CAS-Nummer | Vorlage:CASRN | Vorlage:CASRN | Vorlage:CASRN | Vorlage:CASRN | Vorlage:CASRN | Vorlage:CASRN | |||||||
| Vorlage:CASRN (Isomerengemisch) | |||||||||||||
| PubChem | 6739 | 6991 | 6974 | 6672 | 7440 | 7426 | |||||||
| Summenformel | C8H9NO2 | ||||||||||||
| Molare Masse | 151,16 g·mol−1 | ||||||||||||
| Aggregatzustand | flüssig | fest | |||||||||||
| Kurzbeschreibung | gelbliche Flüssigkeit | gelbe, kristalline Feststoffe | |||||||||||
| Schmelzpunkt | 15 °C<ref name="GESTIS23">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref> | 2 °C<ref name="GESTIS24">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref> | 2 °C<ref name="GESTIS25">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref> | 14–16 °C<ref name="GESTIS26">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref> | 30,5–32 °C<ref name="GESTIS34">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref> | 72–74 °C<ref name="GESTIS35">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref> | |||||||
| Siedepunkt | 240–245 °C<ref name="GESTIS23" /> | 245 °C<ref name="GESTIS24" /> | 240 °C<ref name="GESTIS25" /> | 222–224 °C<ref name="GESTIS26" /> | 255–257 °C<ref name="GESTIS34" /> | 273 °C (985 hPa)<ref name="GESTIS35" /> | |||||||
| Löslichkeit | schlecht löslich in Wasser, löslich in Ethanol, Ether und Chloroform | ||||||||||||
| GHS- Kennzeichnung |
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| H- und P-Sätze | 411 | 302‐412 | keine H-Sätze | 302‐411 | keine H-Sätze | 300+310+330 | |||||||
| keine EUH-Sätze | keine EUH-Sätze | keine EUH-Sätze | keine EUH-Sätze | keine EUH-Sätze | keine EUH-Sätze | ||||||||
| 273‐391‐501 | 264‐270‐273‐301+312‐330‐501 | keine P-Sätze | 264‐270‐273‐301+312‐391‐501 | keine P-Sätze | 260‐284‐280‐304+340+310‐301+310+330 302+352+310‐361+364 | ||||||||
Verwendung
Nitroxylole werden als Zwischenprodukte bei der Herstellung von Farbstoffen (z. B. Xylidine), Insektiziden, Herbiziden und Arzneimittel verwendet.<ref>Toxikologische Bewertung von Vorlage:Linktext-Check (PDF) bei der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI)Vorlage:Abrufdatum</ref> Nitro-o-xylol wird zur Herstellung von 3,4-Xylidin verwendet, aus dem über mehrere Stufen Riboflavin (Vitamin B2) hergestellt wird.<ref>Toxikologische Bewertung von 4-Nitro-1,2-dimethylbenzol (Seite dauerhaft nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche im Internet Archive ) (PDF) bei der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI), abgerufen am 22. August 2012.</ref> Da Nitroxylole außerdem zur Herstellung von Sprengstoffen verwendet werden, sind sie wie die Nitrotoluole und 2,4-Dinitrotoluol als Rüstungsaltlast im Boden und Grundwasser nachzuweisen.
Weblinks
Einzelnachweise
<references />