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Der Sohn eines Oberlandesgerichtsrates besuchte die Gymnasien in Metten und Deggendorf und legte sein Abitur am Gymnasium bei Sankt Stephan in Augsburg ab. Anschließend nahm er ein Studium der Rechtswissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München auf, das er 1902 mit dem ersten und 1905 mit dem zweiten juristischen Staatsexamen beendete. Hamm war Stipendiat der Stiftung Maximilianeum und Mitglied des Akademischen Gesangvereins München.<ref>Verband Alter SVer (VASV): Anschriftenbuch. Mitgliederverzeichnis sämtlicher Alten Herren. Stand vom 1. Oktober 1937. Hannover 1937, S. 153.</ref>
Schon 1920/1921 hatte Hamm im bayerischen Kabinett die „antisemitische Hetze“ der Nationalsozialisten angeprangert und ein Verbot des Völkischen Beobachters beantragt.<ref name="Wolfgang Hardtwig">Wolfgang Hardtwig, Manuel Limbach: Bürger gegen Hitler. Zum 70. Gedenken an den 20. Juli 1944 muss auch an den bayerischen Widerstandskreis um Franz Sperr erinnert werden. In: Süddeutsche Zeitung, 18. Juli 2014, S. 12, online.</ref> Nach der Machtübernahme des NS-Regimes wurde Hamm 1933 in den Ruhestand versetzt. Er zog sich aus dem aktiven politischen Leben zurück und war in den Folgejahren als Rechtsanwalt in Berlin und München tätig. Seine Kontakte pflegte er weiterhin, vor allem zum Widerstandskreis um Otto Geßler, Franz Sperr und Carl Friedrich Goerdeler. Für den Fall eines Umsturzes war er im Schattenkabinett Beck/Goerdeler als Landesverweser für Bayern vorgesehen.
Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 wurde Hamm im Zuge der Aktion „Gitter“ am 2. September von der Gestapo verhaftet und in das Zellengefängnis Lehrter Straße verbracht, wo er unter bis heute ungeklärten Umständen zu Tode kam. Nach Aussage eines Gestapo-Beamten soll er sich während eines Verhörs aus dem Fenster gestürzt haben und den Folgen des Sturzes erlegen sein. Die Selbstmordthese wurde später in der Literatur wiederholt aufgegriffen und so interpretiert, dass Eduard Hamm auf diese Weise vermeiden wollte, die Namen von Mitwissern preiszugeben.<ref name="Wolfgang Hardtwig" />
Eduard Hamm war seit 1907 mit Maria von Merz verheiratet, mit der er zwei Töchter und einen Sohn hatte. Der Historiker Wolfgang Hardtwig ist sein Enkel.
„Dr. h.c. Eduard Hamm, * 16. Oktober 1879 in Passau, † 23. September 1944 in Berlin, Reichswirtschaftsminister vom 30. November 1923 bis zum 15. Januar 1925 in der Weimarer Republik, bedeutender Wirtschaftspolitiker und unerschütterlicher Verfechter einer sozialen und liberalen Demokratie. Reichstagsabgeordneter der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) von 1920 bis 1924. Eduard Hamm warnte früh vor der nationalsozialistischen Hetze. 1933 entfernten ihn die Nationalsozialisten aus dem Staatsdienst. Wegen der Beteiligung an der Verschwörung gegen Adolf Hitler am 20. Juli 1944 wurde er verhaftet und verlor unter bis heute ungeklärten Umständen während der Verhöre der Gestapo-Haft sein Leben. Eduard Hamm starb für seine demokratische und liberale Überzeugung.“
Wolfgang Hardtwig: Der Weimarer Demokrat Eduard Hamm 1879–1944. Persönliches Profil und politisches Handeln zwischen Kaiserreich und Widerstand. In: ders.: Deutsche Geschichtskultur im 19. und 20. Jahrhundert. Oldenbourg Verlag, München 2013, ISBN 978-3-486-72461-5, S. 313–356.
Ders.: Freiheitliches Bürgertum in Deutschland. Der Weimarer Demokrat Eduard Hamm zwischen Kaiserreich und Widerstand. Franz Steiner, Stuttgart 2018 (= Zeithistorische Impulse, Band 14), ISBN 978-3-515-12094-4.
Manuel Limbach: Eduard Hamm – Ein Weimarer Liberaler im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. In: Jahrbuch zur Liberalismus-Forschung 23 (2011), S. 241–255.
Ders.: Bürger gegen Hitler. Vorgeschichte, Aufbau und Wirken des bayerischen »Sperr-Kreises«. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019 (= Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 102), ISBN 978-3-525-31071-7.
Siegfried Mielke (Hrsg.) unter Mitarbeit von Marion Goers, Stefan Heinz, Matthias Oden, Sebastian Bödecker: Einzigartig – Dozenten, Studierende und Repräsentanten der Deutschen Hochschule für Politik (1920–1933) im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Lukas-Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-86732-032-0, S. 344 f. (Kurzbiographie).