Alatriste
| Produktionsland | Spanien, Frankreich, USA |
|---|---|
| Originalsprache | Spanisch, Englisch |
| Erscheinungsjahr | 2006 |
| Länge | 147 Minuten |
| Altersfreigabe |
</ref> |
| Stab | |
| Regie | Agustín Díaz Yanes |
| Drehbuch | Agustín Díaz Yanes |
| Produktion | Belén Atienza Eneko Lizarraga |
| Musik | Roque Baños |
| Kamera | Paco Femenia |
| Schnitt | José Salcedo |
| Besetzung | |
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Alatriste (Verweistitel: Captain Alatriste) ist ein Historienfilm aus dem Jahr 2006. Der Film basiert grob auf der Romanreihe Las Aventuras del Capitán Alatriste von Arturo Pérez-Reverte. Mit 28 Millionen US-Dollar Produktionskosten war Alatriste die bis dahin teuerste spanische Filmproduktion.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />vgl. variety.com ( vom 19. Dezember 2009 im Internet Archive)</ref>
Handlung
Die Handlung spielt zwischen Ende 1622 und Anfang 1643, zur Zeit Philipps IV. von Spanien und während des Achtzigjährigen Krieges zwischen Spanien und den Niederlanden. Auf einem namenlosen Schlachtfeld in Flandern verspricht der spanische Soldat Diego Alatriste einem sterbenden Kameraden, sich um dessen halbwüchsigen Sohn Íñigo Balboa zu kümmern.
Alatriste kehrt nach Madrid zurück, wo er sich unter seinem Nom de guerre „Capitan“ als „Mietschwert“ verdingt: für zahlende Auftraggeber bekämpft der ehemalige Soldat deren Gegner, sofern dies im Einklang mit seiner Ehre und den Zielen von König und Kirche steht. Er erhält gemeinsam mit dem Italiener Gualterio Malatesta von dem Sekretär des Königs, Alquézar, und einem hohen Würdenträger der Inquisition den Auftrag, zwei reisende Ketzer zu töten. „Capitan“ Alatriste verschont aber in letzter Sekunde deren Leben, weil er erahnt, dass es mit den Reisenden eine besondere Bewandtnis haben muss. Tatsächlich stellt sich kurz darauf heraus, dass es sich um Charles, Prince of Wales, und dessen Günstling, den Marquess von Buckingham, handelt. Beide weilten inkognito in Madrid, um eine Ehe zwischen dem englischen und dem spanischen Königshaus zu arrangieren. Der Plan scheitert dennoch durch weitere Einmischung der spanischen Inquisition. Die Reise der Engländer war vom Minister des Königs, dem Herzog von Olivares, eingefädelt worden und nur wenigen bekannt, darunter eben Alquézar. Olivares verbannt den des Verrats Verdächtigen Alquézar nach Spanisch-Amerika. Ihn begleitet seine minderjährige Nichte Angélica, die sich nach einer Zufallsbegegnung in ihren Altersgenossen Íñigo verliebt hat. Weil Alatriste als Mitwisser einer Verschwörung in Madrid nicht mehr sicher ist, kehrt er auf Olivares’ Anweisung hin gemeinsam mit Íñigo zurück nach Flandern, wo beide an der Belagerung von Breda teilnehmen.
Zehn Jahre später kehrt Diego Alatriste nach Madrid zurück, wo Íñigo inzwischen am königlichen Hof verkehrt und mit der heimgekehrten Angélica de Alquézar ein heimliches Liebesverhältnis unterhält. Alatriste wiederum will seine Geliebte, die Schauspielerin María de Castro, heiraten. Diese aber ist inzwischen Mätresse des Königs. Da Alatriste dies nicht akzeptiert, stellt ihn Malatesta in höherem Auftrag und verwundet ihn schwer. Der Italiener wiederum stirbt im Duell mit Íñigo.
Íñigo Balboas Liebe zu Angélica scheitert an deren Ehrgeiz und an seinem eigenen Freiheitsdrang. Nachdem Íñigo es abgelehnt hat, einen Leutnantsposten in der königlichen Garde anzunehmen, willigt Angélica in die Ehe mit einem spanischen Granden, dem Grafen von Guadalmedina, ein. Wenig später wird Íñigo wegen angeblichen Hochverrats zur Galeerenstrafe verurteilt. Alatriste macht jedoch von seinem Einfluss auf Olivares Gebrauch und erreicht eine Amnestie von Íñigo. Anschließend sucht er die von ihrem königlichen Liebhaber mit Syphilis infizierte Maria de Castro auf und schmückt die nun gesellschaftlich Ausgestoßene mit jenem Collier, das er ihr einst zur Verheiratung schenken wollte.
Der Film endet im Mai 1643 mit der für die spanischen tercios vernichtenden Niederlage in der Schlacht von Rocroi, in der Alatriste und Íñigo zu dem legendären „letzten Tercio“ gehören, das die Kapitulation verweigert und sich von den französischen Kürassieren und Pikenieren aufreiben lässt. Bei diesem letzten Kampf wird Alatriste von einer Kugel getroffen, kurz nachdem er Íñigo zu dessen Schutz in die hintere Schlachtreihe verwiesen hat. Ob er die Schlacht letztlich überlebt, bleibt offen.
Hintergrund
Der Film erzählt eine fiktive Abenteuergeschichte und bemüht sich zugleich um eine authentische Darstellung der historisch-politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse des ausgehenden Siglo de Oro. So ist die Episode der geheimen Mission des Prince of Wales und seines Begleiters Buckingham für das Jahr 1623 verbürgt,<ref>Alan Smith: The Emergence of a Nation State. Longman, London 1984, ISBN 0-582-48974-1, S. 156.</ref> der von der Inquisition veranlasste Mordanschlag dagegen erfunden. Zugleich werden den Zuschauern bekannte historische Anekdoten vorgeführt wie die Tatsache, dass sich der spanische General Paul Bernard de Fontaine („de Fuentes“) in der Schlacht von Rocroi, in der er fiel, in einem Lehnstuhl umhertragen ließ (das von den Franzosen erbeutete Möbelstück ist bis heute im Pariser Invalidendom ausgestellt).<ref>Fernando González de León: The road to Rocroi: class, culture and command in the Spanish Army of Flanders, 1567–1659. Brill Publishers, Leiden 2009, ISBN 90-04-17082-0, S. 37f.</ref>
Von der Lebenswelt um 1630 sind im Film unter anderem das Innere eines Syphilisspitals in Madrid, die damalige Belagerungstechnik mit ihren Graben- und Minenbauten, die Kampftaktik der Tercios (Schlachtformation) sowie das Schicksal der Galeerensträflinge zu sehen. Militärgeschichtskanäle wie der des Historikers und YouTubers „Armidas“ beurteilen die Realitätsnähe der Kriegsdarstellungen in dem Film sehr positiv.<ref>Armidas: Historiker kommentiert Alatriste – Schlacht von Rocroi auf YouTube, 30. Januar 2021, abgerufen am 22. April 2026.</ref> Vielfältig sind die filmischen Bezugnahmen auf Spaniens Kunst- und Kulturgeschichte: etwa die szenische Nachstellung von Velazquez' berühmtem Gemälde Die Übergabe von Breda, das im nächstfolgenden Filmbild als fertiges Kunstwerk durch den Madrider Retiro-Park transportiert wird. Zu Alatristes Madrider Freundeskreis gehört der Dichter und Schelmenromanautor Francisco de Quevedo, dessen Verwicklung in Hofintrigen ebenfalls nachgezeichnet wird.
Kritiken
„Historischer Abenteuerfilm nach den Romanen von Arturo Pérez-Reverte, der sich visuell eindrucksvoll an die Malerei der damaligen Zeit anlehnt. Darstellerisch überzeugend, weniger geglückt in der psychologischen Grundierung der Charaktere.“
Auszeichnungen
Alatriste gewann drei Goyas in den Kategorien Beste Kostüme, Bestes Szenenbild und Bester Produzent.
Weblinks
- Vorlage:IMDb/1
- Alatriste bei Rotten Tomatoes (englisch)
Belege
<references />