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Alunogen

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Alunogen
Datei:Alunogen - Almyras, Agia Varvara, Cyprus.jpg
Alunogen aus Almyras, Agia Varvara, Zypern
(Länge Vergleichsmaßstab = 1 Zoll ≙ 2,54 cm mit Einkerbung bei 1 cm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Alg<ref name="Warr" />

Andere Namen
  • Federsalz<ref name="Lüschen" />
  • Haarsalz<ref name="Lüschen" />
  • Keramohalit (nach Glocker 1839)<ref name="Lüschen" />
  • Schwefelsaure Thonerde
  • Wasserhaltiges Tonerdesulfat<ref name="Lüschen" />
Chemische Formel
  • Al2(SO4)3(H2O)12·5H2O<ref name="IMA-Liste" />
  • Al2[SO4]3·17H2O<ref name="Lapis" /><ref name="Handbookofmineralogy" />
  • Al2[SO4]3·(12+5)H2O<ref name="StrunzNickel" />
  • Al2[SO4]3·18H2O<ref name="SchröckeWeiner" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfate (einschließlich Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate)
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VI/C.04
VI/C.08-070<ref name="Lapis" />

7.CB.45
29.08.06.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem triklin
Kristallklasse; Symbol triklin-pinakoidal; 1<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe P1 (Nr. 2)Vorlage:Raumgruppe/2<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 7,42 Å; b = 26,97 Å; c = 6,06 Å
α = 89,9°; β = 97,6°; γ = 91,9°<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 2<ref name="StrunzNickel" />
Zwillingsbildung nach {010}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 1,5 bis 2<ref name="Handbookofmineralogy" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 1,72 bis 1,77; berechnet: 1,79<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit vollkommen nach {010}, möglicherweise auch nach {100} und {313}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Bruch; Tenazität uneben<ref name="SchröckeWeiner" />
Farbe kristallin farblos, in Aggregaten weiß, grau, blass gelb oder mit Einschlüssen rötlich<ref name="Handbookofmineralogy" />
Strichfarbe weiß<ref name="Lapis" />
Transparenz durchsichtig<ref name="Handbookofmineralogy" />
Glanz Glasglanz, Seidenglanz<ref name="Handbookofmineralogy" />
Kristalloptik
Brechungsindizes nα 1,473<ref name="Mindat" />
nβ 1,474<ref name="Mindat" />
nγ 1,480<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,007<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Achsenwinkel 2V = 31 bis 69° (gemessen), 46° (berechnet)<ref name="Mindat" />
Weitere Eigenschaften
Besondere Merkmale gut wasserlöslich; bitterer, adstringierender Geschmack

Alunogen, veraltet auch als Haarsalz, Keramohalit und Wasserhaltiges Tonerdesulfat bekannt, ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der Sulfate mit der chemischen Zusammensetzung Al2[SO4]3·(12+5)H2O<ref name="StrunzNickel" /> (vereinfacht auch Al2[SO4]3·17H2O<ref name="Lapis" /><ref name="Handbookofmineralogy" />). Alunogen ist damit ein kristallwasserhaltiges Aluminiumsulfat („Hydrat“).

Alunogen kristallisiert im triklinen Kristallsystem, entwickelt jedoch nur selten mit bloßem Auge sichtbare Kristalle mit tafeligem Habitus oder Zwillinge mit pseudohexagonaler Symmetrie von einigen Millimetern Größe. Meist findet er sich in Form traubiger, nieriger, stalaktitischer oder faseriger bis körniger Mineral-Aggregate und krustiger Überzüge.

In reiner Form ist Alunogen farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch durchscheinend weiß sein und durch Fremdbeimengungen oder Einschlüsse eine graue, blassgelbe oder rötliche Farbe annehmen. Glatte und unverletzte Kristalloberflächen weisen einen glasähnlichen Glanz auf, mikrokristalline Aggregatformen schimmern dagegen eher seidenähnlich.

Etymologie und Geschichte

Benannt wurde das Mineral nach {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) und {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), als Anspielung auf seinen Gebrauch als Alaunquelle. Erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde Alunogen 1832 durch François Sulpice Beudant.

Das Synonym Keramohalit ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) – benannt nach {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) und {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) – erhielt Alunogen 1839 durch Ernst Friedrich Glocker.<ref name="Chester-50" />

Für Alunogen sind weder Typlokalität noch Typmaterial bekannt beziehungsweise definiert.<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" />

Da Alunogen bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Alunogen als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.<ref name="IMA-Liste" /> Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Alunogen lautet „Alg“.<ref name="Warr" />

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Alunogen zur Mineralklasse der „Sulfate, Chromate, Molybdate und Wolframate“ und dort zur Abteilung „Wasserhaltige Sulfate ohne fremde Anionen“, wo er gemeinsam mit Coquimbit, Kornelit, Lausenit, Paracoquimbit, Quenstedtit und Rhomboklas in der „Rhomboklas-Coquimbit-Gruppe“ mit der Systemnummer VI/C.04 steht.

Im zuletzt 2018 überarbeiteten „Lapis-Mineralienverzeichnis“, das sich im Aufbau noch nach der alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VI/C.08-070. In der Lapis-Systematik entspricht dies ebenfalls der Abteilung „Wasserhaltige Sulfate, ohne fremde Anionen“, wo Alunogen zusammen mit Aluminocoquimbit, Coquimbit, Kornelit, Lausenit, Meta-Alunogen, Paracoquimbit, Quenstedtit und Rhomboklas eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VI/C.08 bildet.<ref name="Lapis" />

Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Alunogen in die Abteilung „Sulfate (Selenate usw.) ohne zusätzliche Anionen, mit H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen“ zu finden ist, wo es zusammen mit Meta-Alunogen die „Alunogengruppe“ mit der Systemnummer 7.CB.45 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Alunogen die System- und Mineralnummer 29.08.06.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Sulfate, Chromate und Molybdate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Säuren und Sulfate“. Hier findet er sich als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 29.08.06 innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Säuren und Sulfate mit (A)2 (XO4)3 × x(H2O)“.

Chemismus

In der idealen (stoffreinen) Zusammensetzung von Alunogen (Al2[SO4]3·17H2O) besteht das Mineral im Verhältnis aus je zwei Teilen Aluminium (Al), drei Teilen Schwefel (S), 29 Teilen Sauerstoff (O) und 34 Teilen Wasserstoff (H). Dies entspricht einem Massenanteil (Gewichtsprozent) von 8,32 Gew.-% Al, 14,84 Gew.-% S, 71,56 Gew.-% O und 5,29 Gew.-% H<ref name="Mineralienatlas" /> oder in der Oxidform 15,73 Gew.-% Aluminiumoxid (Al2O3), 37,04 Gew.-% Schwefeltrioxid (SO3) und 47,23 Gew.-% Wasser (H2O).<ref name="Handbookofmineralogy" />

Bei natürlich gebildetem Alunogen weichen diese Werte in der Regel ab. Außerdem können geringe Anteile der einen oder anderen Komponente durch Fremdatome ersetzt (substituiert) sein. In dem zum Guadalupe County gehörenden Pintado Canyon im US-Bundesstaat New Mexico konnten allerdings Alunogenproben gefunden werden, die mit Anteilen von 16,59 Gew.-% Al2O3, 37,74 Gew.-% SO3 und 44,64 Gew.-% H2O der idealen Zusammensetzung recht nahe kamen.<ref name="Handbookofmineralogy" />

Kristallstruktur

Alunogen kristallisiert in der triklinen Raumgruppe P1 (Raumgruppen-Nr. 2)Vorlage:Raumgruppe/2 mit den Gitterparametern a = 7,42 Å; b = 26,97 Å; c = 6,06 Å; α = 89,9°; β = 97,6° und γ = 91,9° sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Eigenschaften

Alunogen ist leicht wasserlöslich, kann durch Wasserverlust aber auch in Meta-Alunogen (Al2(SO4)3·14H2O<ref name="IMA-Liste" />) übergehen.

Mit einer Mohshärte von 1,5 bis 2<ref name="Handbookofmineralogy" /> gehört Alunogen zu den weichen Mineralen, die sich bereits mit dem Fingernagel ritzen lassen.

Bildung und Fundorte

Datei:1059 Alunogen - Dubník.jpg
Cremeweißes Alunogen-Aggregat aus Dubník, Slowakei

Alunogen bildet sich einerseits als Verwitterungsprodukt in pyrit- und Aluminiumoxidhaltigen Gesteinen, kann aber andererseits auch durch Resublimation aus vulkanischen Gasen an Fumarolen oder in brennenden Halden entstehen. Entsprechend findet sich Alunogen meist in Paragenese mit Pyrit und Markasit, aber auch mit Alaun, Epsomit, Gips, Halotrichit, Melanterit und Pickeringit. Aufgrund seiner guten Wasserlöslichkeit kommt es bisweilen vor, dass er in flüssiger Form aus Kohle-Klüften quillt.<ref name="Klockmann" />

Als eher seltene Mineralbildung kann Alunogen an verschiedenen Orten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er jedoch wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 300 Vorkommen für Alunogen dokumentiert (Stand 2024).<ref name="Mindat-Anzahl" />

Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Alunogenfunde sind unter anderem die aufgelassene Uranmine „Dexter No. 7“ am Calf Mesa im Emery County von Utah, wo große Alunogenkristalle entdeckt wurden sowie der Mount Alum im Grant County (New Mexico) von New Mexico mit bis zu einem Meter dicken Alunogenkrusten. Des Weiteren findet sich Alunogen in Form von Aggregaten in den Opalgruben von Dubník in der Slowakei.<ref name="Dörfler" />

In Deutschland trat das Mineral bisher am Silberberg bei Bodenmais in Bayern, im Schacht Konrad im Stadtgebiet Salzgitter in Niedersachsen, in mehreren Kohle-Bergwerken wie beispielsweise der Grube Anna bei Alsdorf und der Zeche Christian Levin in Essen-Dellwig in Nordrhein-Westfalen, im Steinbruch Caspar am Ettringer Bellerberg in der rheinland-pfälzischen Vulkaneifel, in mehreren Steinbrüchen im Gebiet um Bautzen, Dresden, Görlitz und Döhlen in Sachsen sowie im Landkreis Greiz in Thüringen auf.

In Österreich konnte Alunogen in verschiedenen Gruben und Steinbrüchen in Kärnten, Niederösterreich, Salzburg und der Steiermark entdeckt werden.

Der bisher einzige bekannte Fundort in der Schweiz ist Forêt du Lâche bei Saint-Luc VS im Kanton Wallis.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in der Antarktis, Australien, Chile, China, Frankreich, Griechenland, Italien, Japan, Kanada, Neuseeland, Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Spanien, Tschechien, Ungarn, im Vereinigten Königreich (England, Schottland) und weitere Staaten in den USA.<ref name="Fundorte" />

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Commons: Alunogen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

<references> <ref name="Chester-50"> </ref> <ref name="Dörfler"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Alunogen beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 31. Mai 2024. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – A. (PDF 357 kB) Commission on Museums (IMA), 9. Februar 2021, abgerufen am 31. Mai 2024. </ref> <ref name="Klockmann"> </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Lüschen"> </ref> <ref name="Mindat"> Alunogen. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 31. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mindat-Anzahl"> Localities for Alunogen. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 31. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mineralienatlas"> Alunogen. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung, abgerufen am 31. Mai 2024. </ref> <ref name="SchröckeWeiner"> </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Alunogen Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 31. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>