Charles Nicolle
Charles Jules Henri Nicolle (* 21. September 1866 in Rouen, Frankreich; † 28. Februar 1936 in Tunis, Tunesien) war ein französischer Arzt und Mikrobiologe. Nicolle lieferte wesentliche Arbeiten über Tuberkulose und Diphtherie. 1928 erhielt er den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für seine Arbeiten über Fleckfieber.
Leben
Nicolle wurde als zweiter von drei Söhnen des französischen Arztes Eugène Nicolle in der nordfranzösischen Stadt Rouen geboren.<ref name="Karger-Decker">Bernt Karger-Decker „An der Pforte des Lebens : Wegbereiter der Heilkunde im Porträt“ (Band 2), Verlag Edition q, 1991, ISBN 3-928024-08-6</ref><ref name="Charles Pasteur">Biografie von <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Charles Nicolle ( vom 24. September 2015 im Internet Archive) auf den Seiten des Institut Pasteur (abgerufen am 1. Juli 2014)(englisch)</ref> Seine Mutter war die Tochter eines örtlichen Uhrmachers.<ref name="Charles Pasteur" /> Er besuchte das Lycée Corneille und begann nach seinem Schulabschluss gemeinsam mit seinem älteren Bruder Maurice an der Universität Rouen Medizin zu studieren.<ref name="Nobelprize.org">„Charles Nicolle - Biographical“ from „Nobel Lectures, Physiology or Medicine 1922-1941“, Elsevier Publishing Company, Amsterdam, 1965 (online)(abgerufen am 1. Juli 2014)(englisch)</ref> Nicolle wechselte nach Paris, wo er 1893 sein Studium abschloss und am „Pasteur-Institut“ bei Émile Roux mit einer bakteriologischen Arbeit über den Weichen Schanker promovierte.<ref name="Chancre mou">Charles Nicolle „Recherches sur le chancre mou“ Paris: Soc. Ed. scientifiques, 1893</ref> Nach Abschluss seines Studiums kehrte er nach Rouen zurück, wo er 1896 eine Professur für Innere Medizin erhielt und die Leitung des bakteriologischen Labors übernahm.<ref name="Karger-Decker" /> 1903 wurde er als Direktor des Institut Pasteur in Tunis berufen. Diese Position hatte er bis zu seinem Tod inne.<ref name="Nobelprize.org" /> 1920 wurde er korrespondierendes und 1929 Mitglied (membre non résidant) der Académie des sciences.<ref>Verzeichnis der Mitglieder seit 1666: Buchstabe N. Académie des sciences, abgerufen am 27. Januar 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Familie
Nicolles älterer Bruder Maurice studierte ebenfalls Medizin. Er isolierte als erster den Erreger der Rinderpest.<ref name="Maurice Pasteur">Biografie von <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Maurice Nicolle ( vom 24. September 2015 im Internet Archive) auf den Seiten des Institut Pasteur (abgerufen am 1. Juli 2014)(englisch)</ref> Sein jüngerer Bruder Marcel war ein Künstler, Museumskurator und Kunstkritiker.<ref name="Charles Pasteur" /> Charles Nicolle heiratete 1895 Alice Avice, mit der er zwei Kinder hatte.<ref name="Nobelprize.org" />
Forschung
Nicolle forschte über zahlreiche Infektionskrankheiten, unter anderem Grippe, Kala-Azar oder Scharlach.<ref name="Karger-Decker" /> Neben der Anzüchtung verschiedener Erreger auf künstlichen Nährböden gelang es ihm, passive Immunisierungen gegen Masern durchzuführen.<ref name="Karger-Decker" /> Nicolles Hauptverdienst war die Entdeckung bzw. der experimentelle Nachweis<ref>Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 61.</ref> der Übertragung des Fleckfiebers durch Kleiderläuse. Er forschte hierfür mit Menschenaffen und ließ sich sogar selbst in einem Selbstversuch mit Fleckfieber infizieren.<ref name="Karger-Decker" /> Für diese Arbeiten wurde er 1928 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet.<ref name="Karger-Decker" />
Publikationen (Auswahl)
- Naissance, vie et mort des maladies infectieuses. Alcan, Paris 1930.
- mit Robert Debré, René Leriche: L’expérimentation en médecine. Alcan, Paris 1934.
- Responsabilités de la médecine. Alcan, Paris 1935.
- Destin des maladies infectieuses. Alcan, Paris 1937.
Literatur
- Barbara I. Tshisuaka: Nicolle, Charles Jules Henri. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1049.
Weblinks
- Informationen der Nobelstiftung zur Preisverleihung 1928 an Charles Nicolle (englisch)
Einzelnachweise
<references />
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Nicolle, Charles |
| ALTERNATIVNAMEN | Nicolle, Charles Jules Henri (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Arzt und Mikrobiologe |
| GEBURTSDATUM | 21. September 1866 |
| GEBURTSORT | Rouen, Frankreich |
| STERBEDATUM | 28. Februar 1936 |
| STERBEORT | Tunis, Tunesien |