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Ulrich Wegener

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Ulrich Klaus Wegener (* 22. August 1929 in Jüterbog; † 28. Dezember 2017 in Schweifeld,<ref>Verstorbener Mogadishu-Held: Ulrich Wegener war bis zuletzt im Westerwald daheim. (Online [abgerufen am 7. Januar 2018]).</ref> Gemeinde Windhagen<ref>Traueranzeige Ulrich Wegener, FAZ, erschienen und abgerufen am 4. Januar 2018</ref><ref>Held von MogadischuGSG-9-Gründer Ulrich Wegener im Alter von 88 Jahren gestorben Teilen. Abgerufen am 2. September 2023.</ref><ref name=":0">Daniela Greulich: Der Held, der keiner sein wollte - Ehemaliger GSG-9-Chef Ulrich Wegener gestorben. In: General-Anzeiger Bonn. Bonner Zeitungsdruckerei und Verlagsanstalt H. Neusser GmbH, Bonn 3. Januar 2018 (Online [abgerufen am 4. Januar 2018]).</ref>) war ein deutscher Polizeioffizier des Bundesgrenzschutzes (Kommandeur im Bundesgrenzschutz, Grenzschutzkommando West), zuletzt im Rang eines Brigadegenerals. Er war Gründer und erster Kommandeur der Grenzschutzgruppe 9 (GSG 9), der Antiterrorismuseinheit des BGS (heute: GSG 9 der Bundespolizei).

Leben

Als 15-Jähriger wurde Ulrich Wegener im Jahre 1944 Luftwaffenhelfer der Wehrmacht und bei der Schlacht um Berlin, der letzten großen Schlacht des Zweiten Weltkrieges in Europa, eingesetzt.<ref name="faz-915251054">Christian Hartmann: Letzter Preuße verteidigt Bonner Demokratie. In: FAZ.net. 23. Oktober 2017, abgerufen am 3. September 2021.</ref> Nach dem Krieg war er kurzzeitig in amerikanischer Kriegsgefangenschaft.<ref name="NYT01">Sewell Chan, Melissa Eddy: Ulrich Wegener, German Commando Who Ended 1977 Hijacking, Is Dead. In: The New York Times. 3. Januar 2018, abgerufen am 7. Januar 2018.</ref> Er verteilte Anfang der 1950er Jahre im Raum Berlin Flugblätter gegen die DDR-Regierung, wurde daraufhin verhaftet und nach über einem Jahr aus dem Gefängnis der DDR-Staatssicherheit entlassen. Er flüchtete 1952 zunächst nach West-Berlin und machte in der Bundesrepublik Deutschland Aufnahmeprüfungen sowohl für die Offizierslaufbahn bei der Bundeswehr als auch der Bereitschaftspolizei.<ref>Interview mit Wegener in der Neuen Presse (Hannover) vom 26. November 2008.</ref>

Seine Polizeilaufbahn begann 1952 bei der Bereitschaftspolizei des Landes Baden-Württemberg als Polizeiwachtmeister auf Probe. Aufgrund mangelnder Aufstiegschancen bewarb sich Wegener parallel für die Offizierslaufbahn bei der Bundeswehr und dem Bundesgrenzschutz (BGS). Er entschied sich nach bestandenen Aufnahmeprüfungen für den BGS, in den er 1958 eintrat. Nach dem Besuch der Offizierschule in Lübeck erhielt er 1959 die Beförderung zum Leutnant im BGS. Später war er Hundertschaftsführer der 15./GSG 2 (15. Hundertschaft der Grenzschutzgruppe 2) in Coburg (Bayern), danach diente er bei der NATO und später als Verbindungsoffizier des BGS beim Bundesminister des Innern, bevor er ab dem 26. September 1972 vom damaligen Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) als Kommandeur mit der Aufstellung der Grenzschutzgruppe 9 betraut wurde. 1979 gab er das Kommando über die Einheit ab und wurde zum Kommandeur des Grenzschutzkommandos West (Kommandeur im BGS) ernannt.

Ausschlaggebend für die rasche Gründung der GSG 9 war das Versagen der regulären Polizeieinheiten vor der bisher in Deutschland unbekannten Bedrohungssituation durch arabische Terroristen während der Geiselnahme bei den Olympischen Spielen 1972 in München. Auch die Anwesenheit einiger Hundertschaften des BGS hatte an dem katastrophalen Ende der Entführungen nichts ändern können.

Wegener galt als einer der weltweit führenden Experten zur Terrorismusbekämpfung und war Berater beim Aufbau zahlreicher Sondereinheiten anderer Länder, so u. a. nach seiner Pensionierung in Saudi-Arabien. Er lebte ab den 1980er Jahren in Windhagen im Westerwald, hielt Vorträge und wurde Mitglied der CDU.<ref>CDU-Neujahrsbrunch. CDU Windhagen, Pressemitteilung vom 6. Januar 2008, abgerufen am 20. Februar 2015.</ref> Zudem war er Mitglied des Sicherheitsbeirates der Kötter Unternehmensgruppe.

Ulrich Wegener war verwitwet und Vater von zwei Töchtern. Seine Tochter Simone Stewens ist Fernsehjournalistin und war Leiterin der Internationalen Filmschule Köln.<ref>Ulrike Zander, Harald Biermann (Hrsg.): GSG 9 – Stärker als der Terror. Lit Verlag, Münster 2017, ISBN 978-3-643-13762-3, S. 143–155, 290.</ref> Er starb 2017 im Alter von 88 Jahren und fand seine letzte Ruhestätte auf dem Friedhof Windhagen.<ref>militär 15. Abgerufen am 2. September 2023.</ref>

Einsätze mit der GSG 9

Als Polizeidirektor im BGS und Kommandeur der Einheit leitete Wegener in der Nacht vom 17. auf den 18. Oktober 1977 den Einsatz der GSG 9 auf dem Flughafen von Mogadischu zur Befreiung der von palästinensischen Terroristen entführten Lufthansa-Maschine „Landshut“. Nach eigenen Aussagen in einem Interview, das von der ARD<ref>ARD-TV-Dokumentation von Stefan Aust und Helmar Büchel Die RAF – Flyer zur zweiteiligen TV-Doku von Stefan Aust. (PDF; 1,2 MB)</ref> gesendet wurde, war Wegener beim Sturm auf die „Landshut“ in führender Position beteiligt und hat dabei wenigstens einen Terroristen selbst (offenbar den Libanesen Wabil Harb alias Riza Abbasi) und die Terroristin Hind Alameh alias Shanaz Gholoun mit erschossen. Jedoch führt Gabriela Sperl aus, dass „vor Ort, beim Nachstellen der Szene, [...] Wegeners ehemaliger Adjutant seinen Chef darauf hin[wies], dass er doch gar nicht in der Maschine gewesen sei, sondern die Aktion vom Boden aus geleitet habe. So verschieben sich oft die Abläufe über die Jahrzehnte in der Erinnerung.“<ref>Zwischen Hitler-Boom und RAF-Wahn. In: stern.de. 27. September 2008, abgerufen am 1. Februar 2024.</ref> Deckname der Aktion war Operation Feuerzauber. Wegener erhielt für die erfolgreiche Beendigung das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.<ref>Focus Nr. 34 (1993)</ref>

Nach eigenen Angaben war Wegener, im Rahmen der Aufstellung der GSG 9, an der Operation Entebbe israelischer Kräfte 1976 in Uganda beteiligt. In einem Interview sagte er dazu im November 2000: „Ich darf einiges noch nicht sagen, weil es noch nicht freigegeben ist. Ich kann nur so viel sagen: Ich war im Interesse der Deutschen und Israelis in Entebbe, aber schon, bevor der israelische Schlag durchgeführt wurde. Wir haben versucht, Informationen zu sammeln über den Gegner, die Terroristen wie auch über die möglichen Unterstützer, die in Uganda vorhanden waren. Wir waren sehr erfolgreich und konnten sehr viele Informationen sammeln.“<ref>Im Gespräch mit Holger Lösch, Sendung Alpha Forum im Kanal BR-alpha, Bayerischer Rundfunk, 14. November 2000.</ref>

2006 veröffentlichte er zusammen mit Wilhelm Walther, einem ehemaligen Oberstleutnant der Wehrmacht, und Reinhard Günzel das Buch Geheime Krieger: Drei deutsche Kommandoverbände im Bild: KSK, Brandenburger, GSG 9.<ref>Elitetruppen Verbrecher als Vorbilder? Der Spiegel 26. Februar 2007</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Nachruf Ulrich Wegener - Gründer GSG9 (Memento vom 4. Januar 2018 im Internet Archive) von Holger Schmidt, Deutschlandfunk, 3. Januar 2018.</ref>

Publikationen

  • „Esprit de Corps!“. Die Grenzschutzgruppe 9 (GSG 9). In: Reinhard Günzel u. a.: Geheime Krieger: Drei deutsche Kommandoverbände im Bild. Pour le Mérite Verlag, Selent 2006, ISBN 3-932381-29-7, S. 87–125.<ref>Verbrecher als Vorbilder? In: Der Spiegel. Nr. 9, 2007 (online – Rezension).</ref>
  • Ulrike Zander, Harald Biermann (Hrsg.): GSG 9 – Stärker als der Terror. Lit Verlag, Münster 2017, ISBN 978-3-643-13762-3.<ref>Christian Hartmann: Letzter Preuße verteidigt Bonner Demokratie. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. Oktober 2017 (Rezension).</ref>

Ehrungen

Literatur

  • Hans-Jürgen Schmidt: „Wir tragen den Adler des Bundes am Rock“ – Chronik des Bundesgrenzschutzes 1972–1992. Fiedler-Verlag, Coburg 1994, ISBN 3-923434-21-9.
  • Reinhard Scholzen, Kerstin Froese: GSG 9. Innenansichten eines Spezialverbandes des Bundesgrenzschutzes. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-613-02735-0.
  • „Man hatte uns halb verhungern lassen“. In: Zeit Magazin, Nr. 31/2014; Interview mit Herlinde Koelbl
  • Ulrich Wegener: GSG 9 – stärker als der Terror. Herausgegeben von Ulrike Zander u. Harald Biermann. LIT Verlag, Münster 2017, ISBN 978-3-643-13762-3.

Weblinks

Einzelnachweise

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