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Hugo Falcandus

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Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 7. April 2026 um 23:51 Uhr durch imported>Falcando (Behutsame Präzisierung der Zuschreibungsfrage und Ergänzung eines knappen forschungsgeschichtlichen Mehrwerts zum ''Liber de regno Sicilie'' als Quelle für Hofpolitik, Adelskonkurrenz und relationale Analysen; Erweiterung der Literatur um zwei neuere Titel).
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Datei:Tancred von Lecce.jpg
Tankred von Lecce – Darstellung aus dem Liber ad honorem Augusti, Burgerbibliothek Bern, Cod. 120 II von 1196, fol. 101r

Hugo Falcandus war ein süditalienischer Geschichtsschreiber aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts.

Leben

Hugo Falcandus verfügte offensichtlich über eingehende Kenntnisse der Vorgänge am Königshof in Palermo und hatte auch die Möglichkeit zur Akteneinsicht. Der Autorenname „Hugo Falcandus“ ist jedoch nur in einem Druck des 16. Jahrhunderts (Paris 1550 Apud Mathurinum Dupuys) überliefert. Keine erhaltene mittelalterliche Handschrift weist den Liber de regno Sicilie ausdrücklich einem Autor dieses Namens zu, weshalb „Hugo Falcandus“ in der neueren Forschung häufig als konventionelle Zuschreibung behandelt wird.<ref>Hervin Fernández-Aceves: Social network analysis and narrative structures: measuring communication and influence in a Medieval source for the Kingdom of Sicily. In: Intersticios Sociales. Nr. 14, 2017, S. 125–153 (redalyc.org).</ref> Allgemein anerkannte Erkenntnisse über seine Herkunft, Lebensdaten oder seine Zugehörigkeit zu einer der politischen Gruppierungen im normannischen Königreich gibt es nicht.

Das wichtigste ihm zugeschriebene Werk ist der Liber de regno Sicilie, der die Geschichte des Königreichs Sizilien zwischen 1154 und 1169 darstellt. Die sehr negative Darstellung König Wilhelms I. hat die Forschung lange Zeit stark beeinflusst. In den handschriftlichen Überlieferungen wird der Text von einem historiographisch interessanten Brief an einen Kämmerer der Kirche von Palermo aus der Krisenzeit des Königreichs Sizilien nach dem Tod Wilhelms II. begleitet. Neuere Forschungen behandeln den Liber jedoch nicht nur als parteiische Erzählquelle, sondern auch als Schlüsselform der Rekonstruktion von Hofpolitik, adliger Konkurrenz und Fraktionsbildungen am normannischen Königshof.<ref>Hervin Fernández-Aceves: County and Nobility in Norman Italy: Aristocratic Agency in the Kingdom of Sicily, 1130–1189. Bloomsbury Academic, London / New York 2020 (com.mx).</ref> Darüber hinaus ist der Text mit quantitativer Narrationsanalyse und sozialer Netzwerkanalyse ausgewertet worden, um Kommunikations-, Einfluss- und Nähebeziehungen innerhalb des palermitanischen Hofes aus der Perspektive des Autors zu untersuchen; dabei erscheint insbesondere Stephan von Perche als zentraler Kommunikationsknoten der Erzählung, während Robert von San Giovanni und der Marschall Odo strukturell wichtige Positionen einnehmen.<ref>Hervin Fernández-Aceves: Social network analysis and narrative structures: measuring communication and influence in a Medieval source for the Kingdom of Sicily. In: Intersticios Sociales. Nr. 14, 2017, S. 125–153 (redalyc.org).</ref>

In der Forschung wurden mehrere Versuche unternommen, den Verfasser mit einem bekannten zeitgenössischen Namen zu verknüpfen (so mit dem sizilianischen Ammiratus und Dichter Eugenius von Palermo oder Hugo Foucaud, Abt Hugo V. von Saint-Denis).<ref>Überblick bei Alexander Franke: Zur Identität des ‘Hugo Falcandus’. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 64, 2008, S. 1–13, hier S. 2f.</ref> 2008 hat Alexander Franke die These aufgestellt, dass das Geschichtswerk von Petrus von Blois verfasst worden ist, der daher mit Hugo Falcandus gleichzusetzen sei. Petrus hatte einige Zeit am sizilianischen Königshof verbracht und war Franke zufolge derart enttäuscht über die dortige Entwicklung, dass er anonym seine Kritik in dem Geschichtswerk zum Ausdruck brachte.<ref>Überblick bei Alexander Franke: Zur Identität des ‘Hugo Falcandus’. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 64, 2008, S. 1–13, speziell S. 12f.</ref> Dieser Auffassung wurde jedoch von Rolf Köhn in einem Aufsatz von 2011 entschieden widersprochen, wobei er Franke methodische wie sachliche Fehler vorwarf;<ref>Rolf Köhn: Noch einmal zur Identität des ‘Hugo Falcandus’. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 67, 2011, S. 499–541, speziell S. 503ff.</ref> Köhn schließt sich der Auffassung von Gwenyth E. Hood an und vermutet hinter „Hugo Falcandus“ hingegen den oben erwähnten Hugo Foucaud.<ref>Rolf Köhn: Noch einmal zur Identität des ‘Hugo Falcandus’. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 67, 2011, S. 499–541, speziell S. 514ff.</ref> Zuletzt wurde Wilhelm von Blois als Autor ins Spiel gebracht.<ref>Rosanna Alaggio: Evelyn Jamison e la storia del mezzogiorno normanno. In: Pierre Bauduin – Edoardo D’Angelo (Hrsg.): La storiografia dei mondi normanni, secoli XVII – XXI. Costruzione, influenza, evoluzione. Atti del convegno di Ariano Irpino (9-10 maggio 2016) (= Medievalia, 13). Ariano Irpino 2022, S. 247–266, hier S. 248 mit Anmerkung 3</ref>

Ausgaben und Übersetzungen

  • La Historia o Liber de Regno Sicilie e la Epistola ad Petrum Panormitane Ecclesie Thesaurarium di Ugo Falcando. A cura di G. B. Siragusa, Istituto Storico Italiano (Fonti per la storia d’Italia, 22), Roma 1897.
  • Graham A. Loud (Hrsg.): The history of the tyrants of Sicily by ‘Hugo Falcandus’ 1154–69. Manchester Univ. Press, Manchester 1998 (Manchester medieval sources series). [kommentierte englische Übersetzung]
  • Edoardo D’Angelo (Hrsg.): De rebus circa regni Siciliae curiam gestis: Epistola ad Petrum de desolatione Siciliae / Pseudo Ugo Falcando. (=Fonti per la storia d’Italia Medievale / Rerum Italicarum Scriptores, III serie, Band 11; zugleich =Edizione nazionale dei test mediolatini d’Italia, 36). Rom 2014 ISBN 978-88-98079-21-6 mit paralleler italienischer Übersetzung.

Literatur

  • Glauco Maria CantarellaFalcando, Ugo. In: Fiorella Bartoccini (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 44: Fabron–Farina. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 1994, S. 240–247, [noch ohne Kenntnis von Hood und Franke].
  • Richard Engl: „Hugo Falcandus“ im Licht des Briefs an Petrus. Neues zu einem vieldiskutierten politischen Literaten. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters. Bd. 78 (2022), Heft 1, S. 153–196.
  • Hervin Fernández-Aceves: County and Nobility in Norman Italy: Aristocratic Agency in the Kingdom of Sicily, 1130–1189. Bloomsbury Academic, London / New York 2020, ISBN 978-1-3501-3322-8.
  • Hervin Fernández-Aceves: Social network analysis and narrative structures: measuring communication and influence in a Medieval source for the Kingdom of Sicily. In: Intersticios Sociales 14, 2017, S. 125–153.
  • Alexander Franke: Zur Identität des ‘Hugo Falcandus’. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 64, 2008, S. 1–13.
  • Knut Görich: Tyrannei und Barmherzigkeit. Überlegungen zur Konfliktwahrnehmung des Hugo Falcandus. In: Dirk Jäckel und Gerhard Lubich (Hrsg.): Ad personam. Festschrift zu Hanna Vollraths 80. Geburtstag (= Studien zur Vormoderne. Band 1). Lang, Berlin u. a. 2019, ISBN 978-3-631-79267-4. S. 173–191.
  • Hartmut Hoffmann: Hugo Falcandus und Romuald von Salerno. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 23, 1967, S. 116–170 (Digitalisat).
  • Gwenyth E. Hood: Falcandus and Fulcaudus, Epistola ad Petrum, Liber de Regno Sicilie. Literary form and author’s identity. In: Studi medievali ser. III 40, 1999, S. 1–41.
  • Rolf Köhn: Noch einmal zur Identität des ‘Hugo Falcandus’. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 67, 2011, S. 499–541 (Digitalisat)
  • Theo Kölzer: Hugo Falcandus. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 5. Artemis & Winkler, München/Zürich 1991, ISBN 3-7608-8905-0, Sp. 170.

Weblinks

Anmerkungen

<references />

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