Joseph Rosenstock
Joseph Rosenstock (auch: Josef Rosenstock; geboren 27. Januar 1895 in Krakau, Österreich-Ungarn; gestorben 17. Oktober 1985 in New York) war ein österreichischer, später deutscher, dann US-amerikanischer Dirigent, Pianist und Komponist, er war Generalmusikdirektor u. a. in Darmstadt, Wiesbaden, New York und Mannheim.
Leben
Joseph Rosenstock war ein Sohn des Bernhard Rosenstock und der Sabine Gelbert. Er galt in Wien als Wunderkind und studierte von 1912 bis 1919 unter Franz Schreker an der kaiserlich-königlichen Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien, wo er auch bis 1920 stellvertretender Leiter des Philharmonischen Chors war. Es folgte eine Lehrstelle für Komposition an der Berliner Musikakademie und Assistenz für Fritz Busch in Stuttgart.<ref name="Oswald1980">Bill Oswald: Musik in Darmstadt zwischen den beiden Weltkriegen. Schott, Mainz 1980, ISBN 978-3-7957-1318-8, S. 9–46.</ref> Von 1922 an arbeitete er am Landestheater Darmstadt, zunächst als Kapellmeister unter Michael Balling.<ref name="Oswald1980" /> In dieser Position leitete er am 12. April 1923 die deutsche Erstaufführung von Karol Szymanowskis Oper Hagith. Zwei Jahre später, 1925, wurde er zum Generalmusikdirektor ernannt.<ref name="sezession">Joseph Rosenstock | Die Darmstädter Sezession - 1919 – 2019. In: darmstaedtersezession.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 9. Januar 2020; abgerufen am 15. September 2020.</ref> In gleicher Position wechselte er 1927 ans Preußische Staatstheater in Wiesbaden, bevor er 1929 von der Metropolitan Opera in New York als Ersatz für Artur Bodanzky verpflichtet wurde. Allerdings bekam er dermaßen schlechte Kritiken, dass er bereits nach sechs Vorstellungen kündigen musste.<ref> Joseph Rosenstock in den Metropolitan Opera Archives</ref> Er ging nach Deutschland zurück, diesmal nach Mannheim, wo er von 1930 bis 33 Generalmusikdirektor war.<ref name="sezession" /> Seit seiner rassistisch motivierten Entlassung 1933 wirkte er als musikalischer Direktor im Kulturbund deutscher Juden in Berlin.
Im Jahr 1936 emigrierte er nach Japan, wo er den Standard des NHK Symphony Orchestra wesentlich zu heben vermochte. Dort brachte er außerdem Roh Ogura bei, Beethovens Symphonien zu dirigieren. Ein weiterer Schüler war Abe Kōmei.<ref>Morihide Katayama: Komei ABE: Symphony No. 1 / Divertimento / Sinfonietta. Naxos, abgerufen am 25. Januar 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Außerdem geht auf ihn die Einführung des Dirigentenstabs in Japan zurück.<ref>das-japanische-gedaechtnis.de</ref> Die wegen ihres Katholizismus nach Japan emigrierte Cembalistin Eta Harich-Schneider schildert in ihrer Autobiographie, wie Rosenstock zusammen mit Leonid Kreutzer gegenüber jedem deutschen Musikerkollegen hasserfüllt auftrat.<ref>Harich-Schneider, Eta; Charaktere und Katastrophen; Frankfurt 1978, Kap.: „Das Kriegsnetz wird enger“</ref>
Ende 1946 übersiedelte er in die USA. Hier war er von 1948 bis 1956 Dirigent und ab 1952 zusätzlich Direktor der New York City Opera (Debüt mit Le nozze di Figaro). Von 1949 bis 1953 leitete Rosenstock das Aspen Music Festival und er unterrichtete Dirigieren an der University of Utah. Von 1958 bis 1960 war er der Generalmusikdirektor der Bühnen der Stadt Köln und von 1961 bis 1969 nochmals Dirigent an der Metropolitan Opera New York. Hier dirigierte er 248 Vorstellungen, hauptsächlich Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und Richard Wagner.<ref>Joseph Rosenstock in den Metropolitan Opera Archives</ref>
Joseph Rosenstock war von Geburt österreichischer Staatsbürger, etwa 1922 nahm er die deutsche Staatsbürgerschaft an, die ihn 1944 wieder entzogen wurde. Ab 1949 war er US-amerikanischer Staatsbürger.
Rosenstock war ab 1933 in erster Ehe mit der Sopranistin Gertrud Bender (* 1892 in Ludwigshafen; † 1965 in Stuttgart) verheiratet, 1952 heiratete er die Altistin Hertha Glaz und 1958 in dritter Ehe Marilou Harrington (* 1918; † 1985 Los Angeles).<ref>Irene Suchy: Joseph Rosenstock im Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit (LexM)</ref>
Literatur
- Mana Akatsuka, Ralf Eisinger und Thomas Pekar (Hrsg.): Musik ist mein Leben: Joseph Rosenstock – Erinnerungen. Iudicium, München 2024, ISBN 978-3-86205-679-8.
- Ralf Eisinger: Joseph Rosenstock: eine Biografie. Edition Winterwork, Borsdorf 2025, ISBN 978-3-98913-194-1.
Weblinks
- Irene Suchy: Joseph Rosenstock im Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit (LexM)
- Profile MET
- Biographical details Freedman Catalogue
- Musik in Japan: Interview mit Joseph Rosenstock. In: Aufbau vom 27. Dezember 1946, S. 17 f [1]
- Joseph Rosenstock im Online-Archiv der Österreichischen Mediathek
- Rosenstock, Joseph. Hessische Biografie. (Stand: 17. Oktober 2021). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Rosenstock, Joseph |
| ALTERNATIVNAMEN | Rosenstock, Josef |
| KURZBESCHREIBUNG | Dirigent und Komponist |
| GEBURTSDATUM | 27. Januar 1895 |
| GEBURTSORT | Krakau |
| STERBEDATUM | 17. Oktober 1985 |
| STERBEORT | New York City |