Artur Schlesinger
Artur Schlesinger (* 18. April 1890 in Zittau; † 28. März 1981 in Görlitz)<ref>Artur Schlesinger. In: Sächsische Biografie. Herausgegeben vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde.</ref> war ein deutscher Politiker der DDR-Blockpartei LDPD und Automobilrennfahrer. Er war 1949 bis 1952 Abgeordneter des Sächsischen Landtages, 1950 bis 1958 Mitglied der Volkskammer sowie 1951 bis 1952 sächsischer Minister für Gesundheitswesen.
Biographie
Schlesinger absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Feinmechaniker und bis 1913 die zum Kraftfahrzeugingenieur. Von 1914 bis 1918 war er als Soldat Teilnehmer am Ersten Weltkrieg. In den 1920er bis in die 1930er Jahre war Schlesinger Vertreter der Adlerwerke mit Automobilsalon in Görlitz. Als Rennfahrer gewann er in dieser Zeit bei über zwanzig Autorennen, so zum Beispiel 1924 das Bergrennen in Zobten bei Breslau.<ref>Hans Etzrodt, Leif Snellman: Hill Climb Winners 1897–1949. Part 3 (1924–1926). In: kolumbus.fi. 31. Januar 2022, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 20. Mai 2022; abgerufen am 9. Juli 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Schlesinger war jüdischer Abstammung. 1932 heiratete er die Unternehmertochter Margarete Lehmann. Diese „Mischehe“ rettete ihn als „Halbjuden“ über die Judenverfolgung des Dritten Reiches und die Nürnberger Rassengesetze. Seine Mutter Rieke dagegen kam 1942 im Konzentrationslager Theresienstadt ums Leben<ref>Todesfallanzeige Rieke Schlesinger 1942, bei: holocaust.cz.</ref>. 1944 schloss Schlesinger sich einer Widerstandsgruppe an.<ref>Carlheinz von Brück: Im Namen der Menschlichkeit. Bürger gegen Hitler. Buchverlag Der Morgen, Berlin (Ost) 1964, DNB 450645940, S. 123.</ref><ref>Gerhard Spörl: "Es muss noch etwas anderes geben als Angst und Sorge und Herrn Hitler". Die Liebesgeschichte von Artur und Grete. Rowohlt E-Book, 2016, ISBN 978-3-644-12321-2, S. 204 und 210 (google.de [abgerufen am 10. August 2022]).</ref> Mit seinen Kampfgefährten war er an der Übergabe von Görlitz an die Rote Armee beteiligt und konnte somit die Zerstörung der Stadt mit verhindern.
Nach dem Krieg ging Schlesinger in die Politik,<ref>Zentralvorstand der Liberal-Demokratische Partei Deutschlands (Hrsg.): Johannes Dieckmann. Aus seinem Leben und Wirken. Buchverlag Der Morgen, Berlin (Ost) 1968, DNB 457102624, S. 73 f.</ref> war aber auch als Kfz-Unfallsachverständiger tätig. Er war Mitbegründer der Görlitzer LDPD und leitete ab 1949 die „Hauptabteilung Verkehr“ im sächsischen Landesministerium für Industrie und Verkehr.<ref>Martin Broszat, Hermann Weber (Hrsg.): Das SBZ-Handbuch. Staatliche Verwaltungen, Parteien, gesellschaftliche Organisationen und ihre Führungskräfte in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands 1945–1949. 2. Auflage, Oldenbourg, München 1993, ISBN 3-486-55262-7, S. 145 f.</ref> Von 1949 bis 1952 gehörte er dem Sächsischen Landtag an. Als Nachfolger seines Parteikollegen Walter Thürmer war Schlesinger vom September 1951 bis zum Juli 1952 sächsischer Gesundheitsminister im zweiten Kabinett von Ministerpräsident Max Seydewitz (SED).<ref>Ministerien des Freistaates III (ab 1945). In: sachsen.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 11. April 2013; abgerufen am 9. Juli 2022.</ref> Nach der Auflösung der Länder und Bildung der Bezirke in der DDR wurde er im August 1952 Abgeordneter des Bezirkstages Dresden und stellvertretender Vorsitzender des Rates des Bezirkes.<ref>Bezirkstag Dresden konstituierte sich. In: Neues Deutschland, 5. August 1952, S. 1.</ref> Danach war er Vizepräsident der 1954 wieder gegründeten Industrie- und Handelskammer in Berlin. Als Abgeordneter der LDPD gehörte er ab 1949 dem 2. Volksrat der SBZ und von 1949 bis 1958 der Volkskammer der DDR an. 1954 bis 1958 war er Berliner Vertreter in der Volkskammer.<ref>Handbuch der Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik. Kongress-Verlag, Berlin (Ost) 1957, DNB 573963525, S. 288, 396.</ref> Er erhielt 1980 die Ehrenspange zum Vaterländischen Verdienstorden in Gold.
Artur Schlesinger ist Vater von Jochen Schlesinger und Peter Schlesinger, der in die Bundesrepublik Deutschland flüchtete, sowie der Großvater der Journalistin Patricia Schlesinger.
Literatur
- Helmut Müller-Enbergs: Schlesinger, Artur. In: Wer war wer in der DDR? 5. Auflage. Band 2. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4, S. Vorlage:VonBis (bundesstiftung-aufarbeitung.de).
- Gerhard Spörl: „Es muss noch etwas anderes geben als Angst und Sorge und Herrn Hitler“. Die Liebesgeschichte von Artur und Grete. Rowohlt Verlag, Berlin 2016, ISBN 3-87134-837-6 (Ein Buch des Autors über die Großeltern seiner Ehefrau Patricia Schlesinger.).
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
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Hermann Kastner (1945–1947) | Arthur Bretschneider (1947–1949) | Walter Thürmer (1949–1951) | Herbert Wetzstein (1951) | Artur Schlesinger (1951–1952)
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Artur Schlesinger (1952–1953) | Günther Wehnert (1954–1958) | Helmuth Speer (1958–1959) | Johannes Türschmann (1959–1964) | Werner Grohs (1964–1972) | Joachim von Jagow (1973–1989)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Schlesinger, Artur |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker der DDR-Blockpartei LDPD, MDV und Automobilrennfahrer |
| GEBURTSDATUM | 18. April 1890 |
| GEBURTSORT | Zittau |
| STERBEDATUM | 28. März 1981 |
| STERBEORT | Görlitz |
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- Landesminister (Sachsen)
- Abgeordneter der Volkskammer
- LDPD-Funktionär
- Träger des Vaterländischen Verdienstordens (Ehrenspange)
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- DDR-Bürger
- Geboren 1890
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