Ruine Schopflen
| Ruine Schopflen | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
Die Ruine mit Zugang von der Westseite | ||||||
| Staat | Deutschland | |||||
| Ort | Reichenau | |||||
| Entstehungszeit | vermutlich 13. Jahrhundert | |||||
| Burgentyp | Niederungsburg | |||||
| Erhaltungszustand | Mauerreste | |||||
| Ständische Stellung | vermutlich ministerial | |||||
| Geographische Lage | 47° 41′ N, 9° 6′ O
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| Höhenlage | 397,4 m | |||||
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Die Ruine Schopflen ist der Rest einer mittelalterlichen Burg auf der Insel Reichenau im Untersee des Bodensees. Sie entstand vermutlich im 13. Jahrhundert und diente der Kontrolle des östlichen Zugangs zur Insel. Die heute erhaltene Mauerstruktur geht auf eine kompakte Niederungsburg zurück, die im Spätmittelalter an Bedeutung verlor und spätestens um 1500 zur Ruine wurde. Heute ist sie ein Kulturdenkmal und ein markanter Punkt am Zugang zur Insel Reichenau.
Name
Der Name „Schopflen“ ist erstmals 1165 in Formen wie Scoplob oder Scoploh belegt. Weitere Schreibweisen zeigen eine Zusammensetzung aus dem Bestimmungswort schopf- (althochdeutsch scoph, „Schuppen“) und dem Grundwort -loh bzw. -loch, das als „Gehölz“, „Sumpf“ oder „Senke“ gedeutet werden kann.<ref name=":0">Thomas Biller; Harald Derschka; Bertram Jenisch: Die Ruine Schopflen auf der Insel Reichenau. Geschichte – Archäologie – Bauforschung. In: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung. Band 142. Jan Thorbecke Verlag, 2024, S. 3–44 (verlagsgruppe-patmos.de [PDF]).</ref>
Der Name verweist vermutlich auf eine bereits vor dem Bau der Burg bestehende Nutzung des Ortes.
Lage
Die Ruine Schopflen liegt im Osten der Bodenseeinsel Reichenau auf etwa 397,4 m ü. NHN, südlich der heutigen Pirminstraße (Landesstraße L 221), die als Reichenauer Damm die Verbindung zwischen Insel und Festland bildet.<ref>Startseite - Geoportal BW. Abgerufen am 9. April 2026.</ref>
Der Standort befindet sich auf einem leicht erhöhten Moränenrücken, der ursprünglich eine Kette kleiner Inseln im Flachwasserbereich des Untersees bildete. Vor dem Bau des Damms im Jahr 1838 war dieser Bereich nur über einen seichten Wasserweg erreichbar, der bei niedrigem Wasserstand einen natürlichen Übergang zur Insel ermöglichte.<ref name=":0" />
Die Lage wurde vermutlich bewusst gewählt, da sie den einzigen landnahen Zugang zur Insel Reichenau kontrollierte. Ursprünglich war das Gelände von Wasser beziehungsweise Flachwasserzonen umgeben.
Geschichte
Hochmittelalter
Eine mögliche Erwähnung im Zusammenhang mit der Gefangennahme des Regensburger Bischofs Gebhard III. im Jahr 1056 ist umstritten.<ref name=":0" />
Der erste gesicherte Nachweis des Ortsnamens stammt aus einer Urkunde von 1165. Für die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts sind Hinweise auf eine ritterliche Familie von Schopflen überliefert, die vermutlich zur Ministerialität des Klosters Reichenau gehörte.<ref name=":0" />
Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts ist Schopflen als Burg (castrum) und Ort urkundlicher Handlungen belegt. Unter Abt Albrecht von Ramstein (1259–1294) wurde die Anlage wiederholt genutzt und diente möglicherweise als abteiliche Pfalz.<ref name=":0" />
Spätmittelalter
Nach dem späten 13. Jahrhundert verlor die Burg an Bedeutung.
Die Zerstörung der Anlage wird häufig mit einer Fehde zwischen der Stadt Konstanz und der Abtei Reichenau im Jahr 1365 in Verbindung gebracht. Ein direkter Nachweis hierfür fehlt jedoch; möglich ist auch ein schleichender Verfall im 14. und 15. Jahrhundert.<ref name=":0" />
Um 1500 wurde Schopflen bereits als Ruine beschrieben.
Dreißigjähriger Krieg
Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Anlage erneut militärisch genutzt.
Im März 1647 besetzte ein kleiner österreichischer Trupp den Mauerrest.<ref name=":0" /> Der Kommandant der württembergischen Festung Hohentwiel Konrad Widerholt rückte über das zugefrorene Gewässer zur Reichenau vor. Die Besatzung verweigerte die Übergabe, griff jedoch nicht ein, als Widerholt den Ort Oberzell plünderte und mehrere Häuser niederbrannte.<ref name=":0" />
Bauwerk
Die Ruine besteht aus einem massiven, rechteckigen Mauerbau. Der Innenraum war durch eine Querwand in zwei Bereiche gegliedert und wies weitere Unterteilungen auf. Die Bauweise deutet auf eine eher einfache, militärisch ausgerichtete Funktion hin und unterscheidet sich deutlich von repräsentativen Burganlagen der Region.<ref name=":0" />
Archäologische Befunde belegen eine mehrgeschossige Nutzung mit Holzeinbauten sowie Hinweise auf beheizbare Räume.
Entstehungszeit und Bautyp
Die Entstehung der Burg wird anhand archäologischer und schriftlicher Befunde in das 13. Jahrhundert datiert.<ref name=":0" /> Frühere Nutzungsphasen sind nicht nachweisbar.
Schopflen ist als Niederungsburg zu interpretieren. Die Lage am Zugang zur Insel deutet auf eine Kontrollfunktion für den Verkehr zur Reichenau hin.
Archäologie
Eine erste archäologische Untersuchung fand 1895 unter Leitung von Ernst Wagner statt. Dabei wurden mehrere Suchschnitte im Inneren der Ruine angelegt. Die Dokumentation ist nur teilweise erhalten.
Die Funde, vor allem Keramik, lassen sich in zwei Hauptphasen gliedern:
- 13. bis frühes 14. Jahrhundert
- 16. und frühes 17. Jahrhundert
Zwischen beiden Phasen besteht eine deutliche Nutzungslücke.<ref name=":0" />
Nachnutzung
Im 16. und 17. Jahrhundert wurde die Anlage im Zusammenhang mit frühneuzeitlichen Befestigungsmaßnahmen erneut genutzt. Der Innenraum wurde dabei teilweise aufgefüllt und baulich verändert.<ref name=":0" />
Auch im Dreißigjährigen Krieg diente die Ruine als militärischer Stützpunkt. Zudem befand sich in der Nähe eine Anlegestelle für eine Fähre.
Seit dem 19. Jahrhundert ist die Ruine Gegenstand denkmalpflegerischer Maßnahmen.
Die Ruine ist heute ein Kulturdenkmal und ein markanter Punkt am Zugang zur Insel Reichenau.
Literatur
- Thomas Biller, Harald Derschka, Bertram Jenisch: Die Ruine Schopflen auf der Insel Reichenau. Geschichte – Archäologie – Bauforschung, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, 142. Jg. 2024, S. 3–44.
- J. Schmidt-Brücken: Land Baden-Württemberg. Burgen, Schlösser und Ruinen (Belser Ausflugsführer). Christian Belser Verlag, Stuttgart 1980, ISBN 3-7630-1290-7.
Siehe auch
Weblinks
- Burgruine Schopflen bei burgenwelt.org
- Burg Schopflen in der privaten Datenbank Alle Burgen.Vorlage:Abrufdatum
Einzelnachweise
<references />
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