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Arkade

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Datei:Nafar jauregia.JPG
Arkaden am Palacio de Navarra in Pamplona, Spanien, 19. Jahrhundert

Eine Arkade (mittellateinisch arcata, vom lateinischen arcus = Bogen<ref>Leopold Giese: rdklabor.de. 1936, abgerufen am 30. April 2024.</ref>) ist im engeren Sinn eine Bogenstellung, das heißt ein auf Stützgliedern (Pfeilern, Säulen) ruhender Bogen. Auch eine fortlaufende Reihe von Bogenstellungen (Arkatur) wird Arkade genannt, wobei der Plural Arkaden besser geeignet ist. Arkaturen bezeichnen hingegen die Gesamtheit aller Arkaden eines Gebäudes.<ref name=":1" />

Als Arkade wird auch ein offener Arkadengang (Bogengang, Laubengang) bezeichnet, das heißt ein gedeckter Gang mit einer einseitigen Bogenreihe.<ref name=":1" />

Formen und Verwendung des Architekturmotivs, Geschichte

Arkaden bilden ein Architekturmotiv, das seit der Frühzeit bis in die Gegenwart verwendet wird und sich durch architektonische Flexibilität sowie gestalterische Vielfalt auszeichnet.

Antike

Arkaden sind bereits aus Mesopotamien und im alten Ägypten bekannt. Die Arkade wurde in der Antike besonders von den Römern häufig bei repräsentativen Bauten und Ingenieurbauten verwendet (Stadttore, Aquädukte usw.), weil der aus Keilsteinen zusammengefügte Rundbogen weitere Abstände überbrücken kann und größere Tragfähigkeit besitzt als der Architrav.<ref name=":1">Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar (= Kröners Taschenausgabe. Bd. 194). 4., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X (Digitalisat auf moodle.unifr.ch, abgerufen am 30. April 2024), S. 30 (Arkade).</ref>

Kirchenbau

Im frühchristlichen Kirchenbau und in der mittelalterlichen Architektur kamen Arkaden auch im Innenraum vermehrt zum Einsatz, in Zentralbauten zwischen Hauptraum und Umgang, bei Basiliken zwischen Mittelschiff und Seitenschiff, aber auch darüber beim Triforium. Die Innenräume wurden auf diese Weise gegliedert. Auch Innenhöfe können durch (bisweilen mehrgeschossige) Arkaturen zu Arkadenhöfen werden.<ref name=":1" /> Kreuzgänge, Loggien und Zwerggalerien verwenden ebenfalls oft das Arkadenmotiv.

Islamische Architektur

Auch in der islamischen Architektur stellen Arkaden (arabisch Riwaq) ein wesentliches Gestaltungsmerkmal dar, insbesondere in den vorgelagerten Innenhöfen (arabisch Sahn) von Moscheebauten.

Bogengang, Laubengang, Arkadenhof

Datei:Arkadenhof der Universität Wien-2 1200.jpg
Arkadenhof der Universität Wien

In einigen europäischen Altstädten öffnen sich ganze Reihen der Häuser-Erdgeschosse zu fortlaufenden Arkadengängen (Bogengängen, Laubengängen), was den Passanten ein sonnen- und witterungsgeschütztes Fortkommen ermöglicht. Bekannte Beispiele hierfür sind der Prinzipalmarkt in Münster und die Altstadt von Bern. Bedeutend sind die rund 62 km langen Arkadengänge von Bologna (Italien), die im Juli 2021 als UNESCO-Welterbe eingetragen wurden.<ref>The Porticoes of Bologna. In: World Heritage List / whc.unesco.org. UNESCO, abgerufen am 29. Juli 2021.</ref>

In der Renaissancezeit entstanden nach italienischen Vorbildern Arkadenhöfe, oft mehrgeschossige, etwa der Münzhof in München. Vor allem auf Burgen und Schlössern in Österreich sowie in Böhmen und Mähren sind sie häufig zu finden, sowohl in Neubauten der Renaissance als auch als Einbauten in mittelalterlichen Burghöfen.

Säulengang, Kolonnade

Datei:Hof der Großen Moschee von Mahdia.jpg
Arkaden in der islamischen Architektur: Hof der Großen Moschee von Mahdia

Im 20. Jahrhundert wurden in Einkaufsstraßen und Fußgängerzonen eher Säulengänge als Arkaden neu angelegt. In manchen amerikanischen Städten wird der Auto- vom Fußgängerverkehr getrennt, indem den Kraftfahrzeugen ein tieferer, hinter Arkaden gelegener Verkehrsweg zur Verfügung gestellt wird, während sich Fußgänger auf der darüberliegenden Ebene bewegen.

Begriffskombinationen

  • Arkadenbogen: umgangssprachliche, falsche Bezeichnung für Arkade (Begriffsverdoppelung)
  • Arkadenfenster: mittels Arkaden gegliederte Fensteröffnung<ref>Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar (= Kröners Taschenausgabe. Bd. 194). 4., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X (Digitalisat auf moodle.unifr.ch, abgerufen am 30. April 2024), S. 31 (Arkadenfenster).</ref>
  • Arkadengesims: Gesims über einer Arkadenreihe<ref>Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar (= Kröners Taschenausgabe. Bd. 194). 4., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X (Digitalisat auf moodle.unifr.ch, abgerufen am 30. April 2024), S. 31 (Arkadengesims).</ref>
  • Arkadenhof: Innenhof, von oft mehrgeschossigen Arkaturen umgeben<ref>Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar (= Kröners Taschenausgabe. Bd. 194). 4., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X (Digitalisat auf moodle.unifr.ch, abgerufen am 30. April 2024), S. 31 (Arkadenhof).</ref>
  • Arkadenmauer: Mauer mit Blendarkaden
  • Blendarkade: ornamentale Arkade ohne Maueröffnung
  • Klangarkade: auch Schallluke, Arkadenöffnung im Glockenturm, häufig mit Klanglamellen

Bildbeispiele

Weitere Bedeutungen

Kolonnade

Umgangssprachlich werden häufig auch Kolonnaden (Säulengänge mit geradem Gebälk) als Arkaden bezeichnet, obwohl sie keine Bögen aufweisen.

Einkaufszentren

Datei:Burlington Arcade North End 1819 edited.jpg
Eingang zur Burlington Arcade in London, 19. Jahrhundert

Der Begriff Arkade ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) wurde im englischen Sprachraum und in Anlehnung daran ebenfalls im deutschsprachigen Raum auch als Bezeichnung für Ladenpassagen verwendet. Frühe Vorläufer des Bautyps sind die Burlington Arcade in London (1819) oder die Galleria Vittorio Emanuele II in Mailand (1867), die tatsächlich noch eine durch Arkaden im eigentlichen Sinne geprägte Architektur zeigten. Indem pars pro toto die Bezeichnung arcade auf den ganzen Gebäudekomplex übertragen wurde, kam es im Englischen zu einer Bedeutungsverschiebung hin zu den heutigen Einkaufszentren. Auch die Bezeichnungen penny arcade (USA) oder amusement arcade (Großbritannien) für große Spielhallen leiten sich davon ab.

Beispiele für die Bezeichnung eines Einkaufszentrums als Arkaden sind u. a. die Münster-Arkaden (Münster/Westfalen), die Potsdamer Platz Arkaden (Berlin), die Schloss-Arkaden (Braunschweig), die Riem Arcaden (München) oder die Arcade Meidling (Wien<ref>Arcade Meidling - ein neuer Brennpunkt für Wien-Meidling. In: ots.at. APA – Austria Presse Agentur eG, 2004, abgerufen am 30. April 2024.</ref>). Wenige dieser kommerziellen Gebäude weisen Arkaden im architektonischen Sinne auf; die Bezeichnung wird in der Regel aus Marketing-Gründen gewählt und zwar nicht nur in Metropolen und Großstädten, sondern unterdessen auch in Kleinstädten und auf dem Land (vgl. Activ-Arkaden in Horb<ref name=":0">Fabian Herbst: Höhr-Grenzhausen. Leser haben entschieden: Name für das neue Einkaufszentrum in Höhr-Grenzhausen steht fest. In: rhein-zeitung.de. 9. Februar 2023, abgerufen am 30. April 2024.</ref> Westerwald-Arkaden in Höhr-Grenzhausen<ref name=":0" />).

Siehe auch

Literatur

  • Lexikon der Kunst. Bd. 1, Seemann, Leipzig 1987, ISBN 3-363-00044-8, S. 257: Arkade.

Weblinks

Commons: Arkade – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Arkade – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references />

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