Kurt Priemel
Karl Otto Kurt Priemel (* 22. Juli 1880 in Freiburg in Schlesien (heute Świebodzice); † 22. Februar 1959 in Frankfurt am Main<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Abgerufen am 4. September 2016. ( vom 4. Januar 2014 im Internet Archive)</ref><ref>Anonym (1959), S. 3.</ref>) war Zoologe, Direktor des Frankfurter Zoos und erster Vorsitzender der Internationalen Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents.
Leben
Ausbildung und Berufsanfänge
Priemel besuchte die Schule in Liegnitz und studierte im Anschluss in Breslau und Bern Naturwissenschaften mit den Schwerpunkten Geologie und Paläontologie.<ref>Scherpner (1983), S. 92.</ref> 1899 wurde er Mitglied des Corps Silingia Breslau.<ref>Erwin Willmann (Hrsg.): Verzeichnis der Alten Rudolstädter Corpsstudenten. (AH. Liste des RSC.), Ausgabe 1928, Nr. 3688</ref> 1906 wurde er mit seiner Arbeit Die Braunkohlenformation des Hügellandes der preußischen Oberlausitz an der Universität Bern zum Dr. phil. promoviert.<ref>Braunkohlenformation des Hügellandes der Preussischen Oberlausitz | WorldCat.org. Abgerufen am 4. Februar 2026.</ref>
Seine erste berufliche Station hatte Priemel am Naturhistorischen Institut in Görlitz, welches er im April 1907 für die Rolle als wissenschaftlicher Assistent am Frankfurter Zoo verließ.<ref name=":0">Priemel, Kurt | Frankfurter Personenlexikon. Abgerufen am 3. Februar 2026.</ref>
Zoodirektor in Frankfurt
Bereits ein Jahr später, am 1. April 1908, wurde Priemel wissenschaftlicher Direktor des Frankfurter Zoos.<ref>Scherpner (1983), S. 92.</ref> Seit 1909 war er zudem Mitglied der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und später Mitglied im Verwaltungsrat.<ref>Bericht der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft Frankfurt (1918). Erwerbung der ewigen Mitgliedschaft. S. 256. Link.</ref> Nach dem Ausscheiden von Verwaltungsdirektor Victor Goering zum 1. Oktober 1913 wurde Priemel zum alleinigen Direktor des Frankfurter Zoos berufen.<ref>Scherpner (1983), S. 98.</ref> 1915 ging der Träger des Zoos, die Neue Zoologische Gesellschaft, Konkurs und der Zoo kam in die Trägerschaft der Stadt Frankfurt. Diesen und weiteren Widerständen zum Trotz verhinderte Priemel die Schließung des Frankfurter Zoos während des Ersten Weltkriegs.<ref name=":0" /><ref>Vorm Bankrott gerettet. 13. Januar 2019, abgerufen am 3. Februar 2026.</ref>
Während seiner dreißigjährigen Dienstzeit setzte Priemel im Frankfurter Zoo durch die Erweiterung der Anlagen sichtbare Akzente. So gab es ab 1924 ein Kino, in dem Naturfilme gezeigt wurden. 1928 war das renovierte Aquarium eines der modernsten der Welt. Eine Sensation war 1929 ein Gorilla im Zoo, kurz darauf wurde das Affenhaus eröffnet, in dem es auch Orang-Utans zu sehen gab.
Zudem begann am 20. August 1927 eine Sendereihe mit Rundgängen durch den Frankfurter Zoo, die der bekannte Journalist Paul Laven im Dialog mit Priemel gestaltete.<ref>Laven, Paul | Frankfurter Personenlexikon. Abgerufen am 25. März 2026.</ref>
1935 wurde Priemel zum ersten Präsidenten des neu gegründeten Internationalen Verbands der Direktoren Zoologischer Gärten gewählt.<ref>Heinz-Georg Klös: 100 Jahre Verband Deutscher Zoodirektoren. In: Bongo. Beiträge zur Tiergärtnerei. Band 13, 1987, S. 3 bis 35, ISSN 0174-4038.</ref> 1936 wurden die Gitterkäfige im Frankfurter Zoo für Elefanten und Nashörner durch weitläufige Freianlagen abgelöst. Außerdem errichtete er mit Philipp Schilling die erste Lehr- und Schauanlage für Vogelschutz nach Berlepschem Muster.<ref name=":1">Sebastian Pfeifer: In Memoriam Dr. Kurt Priemel. In: Vogelkundliche Beaobachtungsstation Untermein e.V. (Hrsg.): Luscinia. Band 32, Nr. 2. Frankfurt (vbu-ffm.de [PDF]).</ref>
Aus gesundheitlichen Gründen<ref>Scherpner (1983), S. 120.</ref> trat Priemel zum 1. April 1938<ref>Heindl (2010), S. 21.</ref> in den Ruhestand. Er siedelte nach Garmisch-Partenkirchen über, von wo er, angeblich mit einer gewissen Verbitterung über die Umstände seiner Pensionierung,<ref>Hans Psenner: Chronik des Alpenzoos. Innsbruck 1982, S. 7.</ref> die weiteren Entwicklungen in der Zoowelt aufmerksam verfolgte.
Engagement zur Erhaltung des Wisents
Gründung der Internationalen Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents
Nach dem Ersten Weltkrieg sahen rund 50 Biologen, Tierärzte und engagierte Amateure die Möglichkeit, dem Aussterben des Wisents mit Hilfe von Zoos entgegenzuwirken. Im August 1923 gründeten sie unter der Leitung Priemels in Berlin die Internationale Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents, deren Ziele die planmäßige Zucht und Wiederauswilderung des Wisents in Schutzgebieten war.<ref> Małgorzata Krasińska und Zbigniew Krasiński: Der Wisent. (= Die Neue Brehm-Bücherei. Band 74) Westarp Wissenschaften, Hohenwarsleben 2008, ISBN 978-3-89432-481-0, S. 23.</ref> Damals lebten ca. 54 bis 56 reinrassige Wisente in zoologischen Gärten und privaten Gehegen, von denen 12 nicht miteinander verwandt waren,<ref>Wanda Olech: The changes of founders' number and their contribution to the European bison population during 80 years of species' restitution. In: European Bison Conservation Newsletter. Band 2, 2009, S. 54–60.</ref> während die wildlebenden Tiere ausgerottet waren. Im Gegensatz zu Lutz und Heinz Heck, die eine Kreuzung von Wisenten und amerikanischen Bisons vornahmen, war Priemel ein Verfechter einer systematischen, aber konsequenten Reinzucht der Wisente. Priemel kritisierte das Vorgehen der Heck-Brüder, hatte damit aber wenig Erfolg.<ref>Urmacher unerwünscht. In: Der Spiegel. 22. Juni 1954, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 3. Februar 2026]).</ref>
1923 schrieb Priemel: „Alle Arbeit für den großen und herrlichen Gedanken des Naturschutzes muß Stückwerk bleiben, wenn sie nicht auf dem Boden der Internationalität gedeiht. Naturschutz ist heute nicht nur eine unabweisbare Forderung unserer Zeit, sondern er ist auch eine Wissenschaft geworden, die sich zur allgemeinen Anerkennung durchgerungen hat.“
Am Ersten Deutschen Naturschutztag 1925 in München hielt Priemel am 27. Juli einen Vortrag mit dem Titel Bestrebungen zur Erhaltung des Wisents.<ref>Gertrud Fluhr-Meyer, Evelin Köstler: Bayerischer Landesausschuß für Naturpflege (1905 bis 1936). S. 91 (bayern.de [PDF]).</ref>
Zuchtbuch für Wisente
Die Internationale Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents führte als erstes Herdbuch für Wildtiere das Zuchtbuch für Wisente, das auf die jahrelange Arbeit von Priemel und Ludwig Zukowsky, dem wissenschaftlichen Mitarbeiter des Tierparks Carl Hagenbeck, zurückgreifen konnte. In diesem Zuchtbuch wurden Daten zu jedem Wisent notiert, um einen internationalen Austausch zuchtfähiger Tiere zu ermöglichen und so der Inzucht entgegenzuwirken. Nach 1945 übernahm der Warschauer Zoo die Führung des Zuchtbuches.
Das durch Priemel initiierte Zuchtbuch der Wisente und die Gründung der Internationalen Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents dienen heute noch als Vorbild für ein Vorgehen zur Rettung von Tierarten, die vom Aussterben bedroht sind. Der Wisent gilt heute als nicht mehr bedrohte Tierart.<ref>Lukas Wiehler und Stephan Hübner hr: Rettung des Wisents: Wie Artenschutz gelingen kann. Abgerufen am 4. Februar 2026.</ref><ref>Sonja Fröhlich: In Deutschlands wildem Herzen. In: Focus online. September 2023 (focus.de [abgerufen am 4. Februar 2026]).</ref><ref>Martin Schmitz-Kuhl: Wieder wild. In: Zoo Frankfurt (Hrsg.): ZOOF - Das Magazin aus dem Zoo Frankfurt. Band 1. Westdeutsche Verlags- und Druckerei GmbH, Frankfurt 2019, S. 26.</ref>
Natur- und Artenschutz
Priemel setzte sich zeitlebens für den Schutz bedrohter Arten und der Natur ein. So beteiligte er sich in den 1920er Jahren an der Bestrebung, das Enkheimer Ried zum Naturschutzgebiet zu erklären. Außerdem schrieb Priemel mehrere Gutachten, in denen er sich für die Unterschutzstellung des hessischen Gebietes Kühkopf-Knoblochsaue einsetzte. Ebenso wirkte Priemel an der Gründung der Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz mit und war Ehrenmitglied der Vogelkundlichen Beobachtungsstation Untermain.<ref name=":1" />
Ehrungen
Für seine Verdienste um die Erhaltungszucht des Wisents wurde Priemel mit zahlreichen Ehrungen bedacht:
- 1932: Ehrenmitglied der New York Zoologicial Society<ref>Personalien. In: Jacob Heinrich Bechhold (Hrsg.): Die Umschau. Jg. 36. H. Bechhold Verlagsbuchhandlung, Frankfurt a. M. 1932, S. 380.</ref>
- 1953: Verleihung des Bundesverdienstkreuz am Bande<ref>Dieter Backhaus: Hundert Jahre Zoologischer Garten zu Frankfurt am Main. In: Zoologischer Garten der Stadt Frankfurt am Main (Hrsg.): Hundertjähriger Zoo in Frankfurt am Main. Zoo Frankfurt, Frankfurt 1958.</ref>
- 1979: Benennung des Wisentgehege im Nidda-Zoo in Frankfurt als "Dr.-Kurt-Priemel-Anlage"<ref>Stadtchronik. 23. November 1978, abgerufen am 25. März 2026.</ref>
Familie
Priemel hatte einen Sohn, Gero Priemel (1913–2002), Regisseur und Drehbuchautor, eine Tochter, Hella Jakobowski (geb. Priemel), sowie eine Enkelin, Heli von Westrem (geb. Priemel). Letztere soll Elvis Presley 1959 in Bad Nauheim kennen gelernt haben, wie Heli selbst in einem ihrer Bücher schreibt. Sie soll eine über normale Freundschaft hinausgehende Beziehung zu Presley gepflegt haben, was allerdings offiziell dementiert wurde.<ref>Priscilla Presley in der Kurstadt. 20. März 2025, abgerufen am 4. Februar 2026.</ref>
Werke
Ein Auszug der Werke Priemels, absteigend sortiert nach Erscheinungsjahr:
- Priemel, K. (1942). Der Klippspringer in Freileben und Gefangenschaft. Der Zoologische Garten. Neue Folge. Bd. 14.
- Priemel, K. (1938). Internationaler Zusammenschluss in der wissenschaftlichen Tiergärtnerei. Bijdragen tot de Dierkunde. 27(1), 437–440.
- Priemel, K. (1937). Dem Tiergärtner Professor Dr. Gustav Brandes zur Vollendung des 75. Lebensjahres. Der Zoologische Garten. Neue Folge. Bd. 9, Nr. 3/4, 97–100.
- Priemel, K. (1934). Ein Rundgang durch den Frankfurter Zoo. Zoo-Verlag, Frankfurt.
- Priemel, K. (1930). Die Giraffengazelle. Der Zoologische Garten. Neue Folge. Bd. 3.
- Pinner, E. &, Priemel, K. (1927). Tierskizzen aus dem Frankfurter Zoo.
- Priemel, K. (1923). Maßnahmen zur Erhaltung des Wisents. Zoologica palaearctica. Bd. 1, Nr. 1, 1–8.
- Priemel, K. (1923). Eine Rettungsaktion für den Wisent. Die Umschau vereinigt mit Naturwissenschaftliche Wochenschrift und Prometheus, J. H. Bechold (Hrsg.), 27 Jg., Heft 34, 538–539.
- Priemel, K. (1922). Gedenken über die Möglichkeit der Erhaltung des Wisents. Deutsche Jäger Zeitung, Band 80, Nr. 20, 289–292.
- Priemel, K. &, Werner-Rades, H. (1918). Ein Rundgang durch den Zoologischen Garten der Stadt Frankfurt a. M. im vierten Kriegsjahr.
- Priemel, K. (1914). Aus dem Leben eines Schimpansen. Bericht über die Senckenbergische naturforschende Gesellschaft, 7–13.
- Priemel, K. (1911). Führer durch den Zoologischen Garten Frankfurt a. M., Hauser (in verschiedenen Ausgaben).
- Priemel, K. (1909). Die heutigen Aufgaben der Tiergärten. Der Zoologische Garten, Bd. 50, Nr. 12, 354–366.
- Priemel, K. (1907). Die Braunkohlenformation des Hügellandes der Preussischen Oberlausitz. Ernst & Sohn, Berlin.
Weblinks
Literatur
- Anonym: Dr. Kurt Priemel [gestorben]. In: Du und das Tier. Deutsche Tierillustrierte. Band 11, 1959, Nr. 4, S. 3.
- Otto Antonius: Kurt Priemel zum 60. Geburtstag. In: Der Zoologische Garten (N.F.). Band 12, 1940, Nr. 2/3, S. 89–92.
- Gerhard Heindl: Otto Antonius – Ein Wissenschaftler als Tiergärtner. In: Dagmar Schratter und Gerhard Heindl (Hrsg.): Otto Antonius – Wegbereiter der Tiergartenbiologie. Braumüller Verlag, Wien 2010, ISBN 978-3-7003-1677-0, S. 1 bis 90.
- Christoph Scherpner: Von Bürgern für Bürger. 125 Jahre Zoologischer Garten Frankfurt am Main. Zoologischer Garten der Stadt Frankfurt am Main, 1983, ISBN 3-9800831-0-1.
Einzelnachweise
<references />
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Priemel, Kurt |
| KURZBESCHREIBUNG | Direktor des Frankfurter Zoos (1908–1938) |
| GEBURTSDATUM | 22. Juli 1880 |
| GEBURTSORT | Freiburg in Schlesien, heute Świebodzice |
| STERBEDATUM | 21. Februar 1959 |
| STERBEORT | Frankfurt am Main |