Georg Mascolo
Georg Mascolo (* 26. Oktober 1964 in Stadthagen) ist ein deutsch-italienischer Journalist und Publizist. Er gilt als einer der profiliertesten investigativen Journalisten.
Leben und berufliche Laufbahn
Mascolo ist Sohn einer deutschen Mutter und des aus Castellammare di Stabia am Golf von Neapel stammenden promovierten italienischen Germanisten Antonio Mascolo. Er wuchs in Obernkirchen bei Stadthagen auf.<ref>Tobias Landmann: Beeindruckende Gastarbeiter-Biografie: Antonio Mascolo aus Obernkirchen, Vater von Georg Mascolo, wird 90 Jahre alt. 16. Oktober 2025, abgerufen am 24. Oktober 2025.</ref> Nach seiner Berufsausbildung zum Rechtsanwalts- und Notargehilfen absolvierte er ein Volontariat bei seinem Heimatblatt Schaumburger Zeitung.<ref>Ulrike Simon: Interview mit Georg Mascolo: „Geheimnisbruch gehört dazu“. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 7. April 2011; abgerufen am 26. Juli 2011.</ref>
Als freier Mitarbeiter beim privaten Radiosender FFN recherchierte er über die Spielbank-Affäre in Hannover und bekam so Kontakt zu Stefan Aust, der ihn 1988 zu Spiegel TV holte. Unter anderem berichtete Mascolo über die Ereignisse um den Fall der Berliner Mauer und die Wiedervereinigung.<ref>Georg Mascolo: Die Nacht, in der die Mauer fiel: „Wir fluten jetzt“. In: Spiegel Online, 5. November 2004.</ref> Mit den Kameraleuten Rainer März und Germar Biester berichtete er von der Ostseite des Berliner Grenzübergangs Bornholmer Straße über den historischen Moment, als die DDR-Grenzer ohne Befehl den Schlagbaum öffneten.<ref>Dokumentarfilme – Der friedliche Umbruch in der DDR und der Mauerfall: Ode an die Freiheit. In: Chronik der Mauer.</ref> Die Reportage stellt ein Dokument der Zeitgeschichte dar und wurde von der UNESCO ins Weltdokumentenerbe aufgenommen.<ref>Petra Rösgen, Henrike Girmond, Johanna Sänger: Ausstellungseröffnungen: Und dann war die Mauer weg. In: Museumsmagazin online, Nr. 4/2010; Michael Hanfeld: Weltdokumentenerbe: Bilder, die uns allen etwas sagen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. August 2011.</ref>
1992 wurde Mascolo stellvertretender Leiter des Berliner Büros des Spiegel und im Jahr 2000 Leiter des Ressorts „Deutschland II“, bevor er ab 2004 als politischer Auslandskorrespondent in den USA tätig war. 2007 wurde er gemeinsam mit Dirk Kurbjuweit zum Leiter des Berliner Hauptstadtbüros berufen.<ref>Erich Wiedemann: Der Fall Stefan Aust. Abgerufen am 1. März 2011.</ref>
Mascolo wurde am 5. Februar 2008 gemeinsam mit Mathias Müller von Blumencron Chefredakteur des Spiegel, wobei die Verantwortung für die Printausgabe wöchentlich wechselte.<ref>In eigener Sache: Blumencron und Mascolo neue Chefredakteure des Spiegel. In: Spiegel Online, 5. Februar 2008.</ref> Am 21. Februar 2011 übernahm er die alleinige Verantwortung für die Printausgabe.<ref>Michael Hanfeld: Einsam an der Spitze. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. April 2013, abgerufen am 9. April 2013.</ref> Nachdem bereits im Vorfeld Gerüchte über fortgesetzte Zwistigkeiten zwischen den seit Jahren rivalisierenden Chefredakteuren kursiert hatten,<ref>Kai-Hinrich Renner: Paukenschlag beim „Spiegel“: Chefredakteure müssen gehen. In: abendblatt.de, 5. April 2013, abgerufen am 9. April 2013.</ref> wurden beide Chefredakteure schließlich am 9. April 2013 mit sofortiger Wirkung abberufen.<ref>In eigener Sache: Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron als Spiegel-Chefredakteure abberufen. In: Spiegel Online, 9. April 2013, abgerufen am 9. April 2013.</ref>
Am 31. Oktober 2013 sprach Mascolo in Moskau zusammen mit dem Grünen-Abgeordneten Hans-Christian Ströbele mit Edward Snowden über dessen Enthüllungen in der NSA-Affäre.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Ströbele trifft Snowden in Moskau. ( vom 2. November 2013 im Internet Archive) In: Tagesschau.de, 31. Oktober 2013.</ref>
Von 2014 bis 2022 leitete Mascolo den neu geschaffenen Rechercheverbund von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung.<ref> Georg Mascolo wird Chef-Rechercheur In: Frankfurter Allgemeine, 24. Januar 2014 </ref><ref> Georg Mascolo gibt Leitung Rechercheverbund NDR, WDR, „SZ“ ab, 13. Oktober 2021 </ref><ref>kress.de: Exklusiv: Georg Mascolo gibt Leitung des Rechercheverbunds von SZ, NDR, WDR auf. Abgerufen am 28. April 2026.</ref> Für diese Arbeit wurde er 2014 in der „Kategorie Politik“ als Journalist des Jahres ausgezeichnet, weil er sein „ganzes Talent als herausragender Rechercheur“ gezeigt und „in der Rolle des sachkundigen, unaufgeregten Analytikers der Rechercheergebnisse in etlichen politischen (TV-) Diskussionen“ geglänzt habe.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Begründung der Jury vom 19. Dezember 2014 ( vom 16. November 2025 im Internet Archive) (abgerufen am 28. April 2026)</ref> Außerdem war er für die ARD als Terrorismusexperte tätig.<ref>Mascolo: Seit wann interessiert sich der IS für Ramstein? In: tagesschau.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 16. Juli 2024.</ref>
Krieg der Worte
Zum Thema Krieg der Worte – Fakt, Fake und die neue Macht der Lüge forderte Mascolo im Juni 2017 in einem Vortrag im Rahmen der Tübinger Mediendozentur an der Universität Tübingen Journalisten auf, Fehler zuzugeben und Falschmeldungen zu korrigieren. Er habe sich dieser Verpflichtung der längsten Zeit seines Berufslebens entzogen wie die meisten anderen Journalisten auch, zitiert Kristine Keck ihn in der Stuttgarter Zeitung. Journalisten hätten die Bedrohung ihrer Glaubwürdigkeit zu lange ignoriert. In seiner Darstellung von Fake News und Propagandatechniken betonte Mascolo außerdem die Stärkung der Rolle des Staates und gleichzeitig die Verantwortung der Internetkonzerne wie der Medien.<ref>Georg Mascolo an der Tübinger Universität: Die Macht der Lügen. In: Stuttgarter Nachrichten. Abgerufen am 19. Mai 2019.</ref>
Mitgliedschaften und Funktionen
- Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche<ref>Festschrift 20 Jahre Netzwerk Recherche. In: Netzwerk Recherche. 2021, abgerufen am 16. Juli 2024.</ref>
- Mitglied im Kuratorium von Reporter ohne Grenzen<ref>Unser Kuratorium. In: Reporter ohne Grenzen. Abgerufen am 16. Juli 2024.</ref>
- Dean der Bucerius Summer School on Global Governance<ref>IMPRINT. In: Bucerius Summer School on Global Governance. Abgerufen am 16. Juli 2024.</ref>
- Mascolo ist Mitglied der Organisation Atlantik-Brücke<ref name="acgusa">http://www.acgusa.org/index.php?section=events&evtid=102</ref> sowie
- Mitglied der „Core Group“ der Münchner Sicherheitskonferenz.<ref name="acgusa" />
Werke
Ausbruch. Innenansichten einer Pandemie - Die Corona-Protokolle
2021 veröffentlichte Mascolo gemeinsam mit Katja Gloger das Buch Ausbruch. Innenansichten einer Pandemie – Die Corona-Protokolle im Piper-Verlag.<ref>Ausbruch. Abgerufen am 28. April 2026.</ref> Das Werk basiert auf umfangreichen Recherchen und Protokollen aus dem Inneren des deutschen Krisenmanagements während der COVID-19-Pandemie und zeichnet nach, wie Entscheidungsträger aus Politik, Wissenschaft und Behörden auf die sich zuspitzende Lage reagierten. Anhand von Originaldokumenten und Zeugenberichten schildert das Buch, wie die Bundesregierung und ihre Institutionen die Bedrohung zunächst einschätzten, welche Informationen wann vorlagen und wo Fehlentscheidungen getroffen wurden. Es gilt als eine der ersten quellengestützten Bestandsaufnahmen der deutschen Pandemiepolitik.<ref>Spannend wie ein Thriller: Die Corona-Protokolle. 12. März 2021, abgerufen am 28. April 2026.</ref>
Das Versagen. Eine investigative Geschichte der deutschen Russlandpolitik, 2025
2025 veröffentlichte Mascolo zusammen mit Katja Gloger „Das Versagen. Eine investigative Geschichte der deutschen Russlandpolitik“ im Ullstein Verlag.<ref>Das Versagen - Hardcover. (ullstein.de [abgerufen am 22. März 2026]).</ref> Das auf Basis von Geheimdokumenten und Zeitzeugenberichten erarbeitete Sachbuch analysiert, warum die politisch Verantwortlichen in Deutschland über Jahrzehnte Warnzeichen vor Putins Außenpolitik ignorierten. Es stand auf der Spiegel-Bestsellerliste und wurde in führenden deutschen Medien als Standardwerk zur deutschen Russlandpolitik gewürdigt.<ref>Matthias Naß: "Das Versagen": Russland, eine Geschichte der Illusionen und der Selbsttäuschung. In: Die Zeit. 31. Oktober 2025, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 22. März 2026]).</ref><ref>Jan Pfaff: Gloger und Mascolo über Russlandpolitik: Eine direkte Linie von Butscha nach Berlin. In: Die Tageszeitung: taz. 29. Dezember 2025, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 22. März 2026]).</ref>
Privates
Mascolo besitzt sowohl die deutsche als auch die italienische Staatsangehörigkeit.<ref>Georg Mascolo im Munzinger-Archiv, abgerufen am 9. März 2024 (Artikelanfang frei abrufbar)</ref> Er ist mit der Stern-Autorin Katja Gloger verheiratet und hat erwachsene Zwillingstöchter.<ref>Interview: Dagmar von Taube: Interview: "Kinder wollen ernst genommen werden". 29. November 2009, abgerufen am 19. Mai 2019.</ref>
Zitate
„Journalismus ist unverzichtbar in der Demokratie, er liefert den Menschen die Informationen die sie benötigen, um ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Informieren, nicht missionieren, ist der Auftrag. Zugang zu verlässlichen Informationen ist ein Grundrecht und nicht weniger wichtig als der Zugang zu guter Bildung, Gesundheitsversorgung oder sauberem Wasser.“<ref>„Die Geschichte muss stimmen“. Abgerufen am 19. Mai 2019.</ref>
„Beschäftigen Sie sich mit Positionen und Meinungen, die Sie nicht teilen. Heute ist es einfach, unter sich zu bleiben, immer in der eigenen Echokammer. Aber es ist notwendig und gut, sich mit jenen auseinanderzusetzen, die man am wenigsten versteht. Die Demokratie ist kein Schützengraben. Sie lebt davon, daß wir uns zuhören.“<ref>„Demokratie lebt vom zuhören“. Abgerufen am 15. September 2021.</ref>
Schriften
- Krieg der Worte. Fakt, Fake und die neue Macht der Lüge. Entstanden im Rahmen der Tübinger Mediendozentur, Tübingen 2017.
- Mit Katja Gloger: Ausbruch: Innenansichten einer Pandemie - Die Corona-Protokolle. Piper, München 2021, ISBN 978-3-492-99903-8.
- Mit Christian Drosten: Alles überstanden? Ein überfälliges Gespräch zu einer Pandemie, die nicht die letzte gewesen sein wird. Ullstein, Berlin 2024, ISBN 978-3-550-20302-2.
- Mit Katja Gloger: Das Versagen. Eine investigative Geschichte der deutschen Russlandpolitik. Ullstein, Berlin 2025, ISBN 978-3-550-20427-2.
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Mascolo, Georg |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsch-italienischer Journalist und ehemaliger Chefredakteur des Spiegel |
| GEBURTSDATUM | 26. Oktober 1964 |
| GEBURTSORT | Stadthagen |
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