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Evenkit

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Evenkit
Datei:Evenkite-444375.jpg
Farbloses Evenkit-Aggregat aus Dubník, Slowakei
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Evk<ref name="Warr"></ref>

Chemische Formel C23H48<ref name="Platonova-Kotelnikova" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Organische Verbindungen – Kohlenwasserstoffe
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

IX/B.01
IX/B.01-010

10.BA.50
50.03.06.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-dipyramidal; 2/m2/m2/m
Raumgruppe Pbcm (Nr. 57)Vorlage:Raumgruppe/57<ref name="Platonova-Kotelnikova" />
Gitterparameter a = 7,474(1) Å; b = 4,980(1) Å; c = 65,85(3) Å<ref name="Platonova-Kotelnikova" />
Formeleinheiten Z = 4<ref name="Platonova-Kotelnikova" />
Zwillingsbildung polysynthetische Zwillinge<ref name="Handbookofmineralogy" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 1
Dichte (g/cm3) gemessen: 0,920; berechnet: [0,926]<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit vollkommen nach {001}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Bruch; Tenazität entfällt (wachsartige Konsistenz)
Farbe farblos, weiß, hellgelb, grün
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Wachsglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα 1,504<ref name="Mindat" />
nβ 1,504<ref name="Mindat" />
nγ 1,553<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,049<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten gut löslich in Ether<ref name="AM40-368" />

Evenkit (chemische Bezeichnung Tetracosan) ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der organischen Verbindungen und der Abteilung der stickstofffreien Kohlenwasserstoffe. Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung C23H48.<ref name="Platonova-Kotelnikova" />

Evenkit entwickelt tafelige und durch Verzwillingung pseudohexagonale Kristalle, findet sich aber auch in Form körniger bis derber Mineral-Aggregate. In reiner Form ist Evenkit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine hellgelbe bis grünliche Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt. Seine Strichfarbe ist allerdings immer weiß.

Etymologie und Geschichte

Benannt wurde Evenkit nach seiner Typlokalität Evenki (heute Autonomer Kreis der Ewenken) in der russischen Region Krasnojarsk (Sibirien), wo es 1953 durch A. V. Skropyshev erstmals gefunden und beschrieben wurde.

Typmaterial des Minerals wird im Mineralogischen Museum der Staatlichen Universität Sankt Petersburg in Russland (Katalog-Nr. 924-1/1–924-1/3) aufbewahrt.<ref name="Handbookofmineralogy" />

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Evenkit zur Mineralklasse der „Organischen Verbindungen“ und dort zur Abteilung „Kohlenwasserstoffe“, wo er als einziger Vertreter in der „Paraffin-Reihe“ mit der Systemnummer IX/B.01 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer IX/B.01-010. Dies entspricht der Klasse der „Organischen Verbindungen“ und dort der Abteilung „Stickstoff-freie Kohlenwasserstoffe“, wo Evenkit als einziges Mineral die Gruppe der „Kettenförmigen Strukturen“ mit der Systemnummer IX/B.01 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Evenkit in die Klasse der „Organischen Verbindungen“ und dort in die Abteilung „Kohlenwasserstoffe“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung 10.BA zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 10.BA.50 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Evenkit die System- und Mineralnummer 50.03.06.01. Das entspricht der Klasse der „Organischen Minerale“ und dort der Abteilung „Organische Minerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Salze organischer Säuren (Kohlenwasserstoffe)“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 50.03.06.

Kristallstruktur

Evenkit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe Pbcm (Raumgruppen-Nr. 57)Vorlage:Raumgruppe/57 mit den Gitterparametern a = 7,474(1) Å; b = 4,980(1) Å und c = 65,85(3) Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="Platonova-Kotelnikova" />

Eigenschaften

Chemismus und chemische Eigenschaften

Datei:Tetracosane.svg
Idealisierte chemische Struktur von Evenkit

Chemisch gesehen handelt es sich bei Evenkit um einen linearen, aliphatischen Kohlenwasserstoff bzw. um ein Paraffin. Die mittlere chemische Zusammensetzung wird im Allgemeinen mit (CH3)2(CH2)22 bzw. vereinfacht mit C24H50 angegeben, was der chemischen Substanz Tetracosan entspricht. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass es sich lediglich um eine Summenformel handelt. Tatsächlich ist Evenkit chemisch nicht einheitlich aufgebaut. Die Kettenlängen der Moleküle können zwischen 20 und 31 Kohlenstoffatomen betragen. Für das Typmaterial wurde eine mittlere Kettenlänge von 24 bis 25 Kohlenstoffatomen über GC-MS ermittelt.<ref name="Spangenberg-Meisser" />

Nach neueren Analysen 2004 durch Platonova und Kotel’nikova wird die vereinfachte Formel mit C23H48 angegeben.<ref name="Platonova-Kotelnikova" /><ref name="IMA-Liste" />

Evenkit ist gut löslich in Ether.<ref name="AM40-368" />

Physikalische Eigenschaften

Aliphatische Kohlenwasserstoffe mit Kettenlängen um 25 Kohlenstoffatomen haben eine wachsartige Konsistenz, ähnlich dem Ozokerit. Entsprechend gehört Evenkit mit einer Mohshärte von 1 zu den weichsten Mineralen. Dennoch kann bei Evenkitkristallen eine vollkommene, glimmerartige Spaltbarkeit nach der basalen Fläche {001} beobachtet werden.<ref name="Klockmann" />

Der Schmelzpunkt von Evenkit liegt bei etwa 49 bis 51 °C.<ref name="AM40-368" /><ref name="Klockmann" /> Mit einer gemessenen Dichte von 0,920 g/cm3<ref name="Handbookofmineralogy" /> (nach anderen Quellen auch 0,873 g/cm3<ref name="Klockmann" />) gehört Evenkit zu den leichtesten Mineralen. Entsprechend können Bruchstücke auf dem Wasser schwimmen.

Bildung und Fundorte

Genaue Bildungsbedingungen sind zurzeit nicht bekannt, man vermutet aber eine sekundäre Bildung. An seiner Typlokalität wurde Evenkit in Quarz-Geoden entdeckt, die sich in einem schmalen Erzkörper in der Kontaktzone zwischen Tuff und Lava an der unteren Tunguska (Nizhnyaya Tunguska) befanden. Als Begleitminerale können unter anderem Chalcedon, Calcit, Chalkopyrit, Galenit, Pyrit, Pyrrhotin und Sphalerit auftreten.

Weitere bekannte Fundorte sind neben seiner Typlokalität bisher (Stand 2014) nur noch Curbans, Orpierre und Serres (Hautes-Alpes) in Frankreich, der Ilimmaasaq-Komplex bei Narsaq auf Grönland sowie Dubník, Ladomirov und Merník im Prešovský kraj in der Slowakei.<ref name="Fundorte" />

Siehe auch

Literatur

  • Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie (= Dörfler Natur). Nebel Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 282.

Weblinks

Commons: Evenkit – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

<references> <ref name="AM40-368"> K. Yagi, Michael Fleischer: New mineral names. Evenkite. In: American Mineralogist. Band 40, 1955, S. 367–370 (rruff.info [PDF; 272 kB; abgerufen am 3. Januar 2017]). </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> Evenkite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 64 kB; abgerufen am 3. Januar 2017]). </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Evenkit beim Mineralienatlas und bei Mindat </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Klockmann"> Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 799 (Erstausgabe: 1891). </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="Mindat"> Mindat - Evenkite </ref> <ref name="Platonova-Kotelnikova"> N. V. Platonova, E. N. Kotel’nikova: Synthesis of the organic mineral evenkite. In: Geology of Ore Deposits. Band 49, Dezember 2007, Kap. 7, S. 638–640, doi:10.1134/S1075701507070227. (Original in: Zapiski Vserossijskogo Mineralogicheskogo Obshchestva Band 133, Kapitel 3, 2004, S. 80–92; PDF 943 kB, russisch mit Kurzbeschreibung in Englisch) </ref> <ref name="Spangenberg-Meisser"> J. E. Spangenberg, M. Meisser: Geochemistry of the organic mineral evenkite in sptarian concretions in the Oxfordian marls of the French Alps. In: Mineralogical Magazine; Geology of Ore Deposits 1998. 62A, S. 1436–1437 (minersoc.org [PDF; 102 kB; abgerufen am 3. Januar 2017]). </ref> </references>