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Jahrhundertspiel

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Als Jahrhundertspiel (auch Spiel des Jahrhunderts, {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) wird das Halbfinalspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko bezeichnet, bei dem Italien gegen Deutschland mit 4:3 nach Verlängerung gewann. Es wurde am 17. Juni 1970 im Aztekenstadion in Mexiko-Stadt ausgetragen. Das Duell zwischen dem Europameister von 1968 Italien und dem Vizeweltmeister von 1966 Deutschland gilt als eines der dramatischsten Spiele der Fußballgeschichte.

Die deutschen Journalisten hatten wenige Tage vor diesem Spiel bereits das Viertelfinale zwischen der deutschen Mannschaft und Weltmeister England, das Deutschland nach einem 0:2-Rückstand mit 3:2 in der Verlängerung gewonnen hatte, als Jahrhundertspiel bezeichnet. Sie mussten dies jedoch nach dem Italienspiel revidieren. Beide Spiele hatten großen Anteil daran, dass die WM von 1970 bis heute als eine der besten Fußballweltmeisterschaften bezeichnet wird.<ref>Michael Novak: "Wir waren so nahe dran am Finale": Wolfgang Overath: Mexiko 1970? Die beste WM aller Zeiten, dk-online.de, 6. Juni 2020</ref><ref>WM 1970: Als das Jahrhundertspiel verloren geht, sueddeutsche.de, 30. Mai 2020: „Erinnerungen an die WM 1970, die als eine der besten überhaupt gilt.“</ref> Im vier Tage später stattfindenden Endspiel unterlag Italien gegen Brasilien klar mit 1:4. Die Deutlichkeit des Ergebnisses führen Experten auf den enormen Kraftverlust der Italiener im Spiel gegen Deutschland zurück.

Austragungsort

Ursprünglich war Mexiko-Stadt als Austragungsort des ersten Halbfinales Uruguay gegen Brasilien angesetzt gewesen und das Estadio Jalisco in Guadalajara für das italienische Spiel gegen die Deutschen. Nachdem die Paarungen festgestanden waren, tauschte die FIFA jedoch die Austragungsorte. So trat Uruguay zu seinem Halbfinale nur unter Protest an, da vermutet wurde, dass das Spiel deshalb nach Guadalajara verlegt worden war, weil die Brasilianer ihre bisherigen Spiele dort ausgetragen hatten. Gemäß Artikel 26 der WM-Bestimmungen wurden die Halbfinal-Austragungsorte aber erst festgelegt, nachdem die Teilnehmer festgestanden waren. Die Entscheidung wurde getroffen, um die Mannschaften so wenig wie möglich reisen zu lassen.<ref name="bertelsmann">IX. Fußball-Weltmeisterschaft Mexico 1970, Bertelsmann Sachbuchverlag 1970, Seite 190</ref><ref>Süddeutsche Zeitung WM-Bibliothek 1970, Seite 94 (Hrsg. 2005)</ref>

Die Sympathien der mexikanischen Zuschauer lagen in beiden Spielen jeweils auf einer Seite: In Guadalajara wurden die Brasilianer unterstützt, in Mexiko-Stadt die Deutschen, da Italien zuvor den Gastgeber rausgeworfen hatte. Während jeder deutsche Spieler bei der Vorstellung vom Publikum mit Applaus bedacht wurde, begrüßte es die italienischen Spieler mit wilden Pfeifkonzerten.<ref name="bertelsmann"/>

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Anmerkung: Die Zeitangaben für die Tore und Auswechslungen unterscheiden sich in verschiedenen Quellen. Die hier genannten Zeiten entsprechen den Angaben der FIFA.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Match Report: BR Deutschland – Italien 1970 (Memento des Vorlage:IconExternal vom 6. Juli 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/de.fifa.com FIFA.com</ref>

Italien BR Deutschland
ItalienItalien
2. Halbfinale
17. Juni 1970 um 16:00 Uhr in Mexiko-Stadt (Aztekenstadion)
Ergebnis: 4:3 n. V. (1:1, 1:0)
Zuschauer: 102.444
Schiedsrichter: Arturo Yamasaki (MexikoDatei:Flag of Mexico.svg Mexiko)<ref>Der Schiedsrichter stammt ursprünglich aus Peru, war aber ab 1968 für den mexikanischen Fußballverband aktiv. Daher gibt es in Fußballdatenbanken unterschiedliche Angaben über das Herkunftsland.</ref>
BR DeutschlandDatei:Flag of Germany.svg
Enrico AlbertosiTarcisio Burgnich, Pierluigi Cera, Roberto Rosato (91. Fabrizio Poletti), Giacinto Facchetti (C)ein weißes C in blauem KreisMario Bertini, Sandro Mazzola (46. Gianni Rivera), Giancarlo De SistiAngelo Domenghini, Roberto Boninsegna, Luigi Riva
Cheftrainer: Ferruccio Valcareggi
Sepp MaierBerti Vogts, Willi Schulz, Karl-Heinz Schnellinger, Bernd Patzke (63. Sigfried Held) – Uwe Seeler (C)ein weißes C in blauem Kreis, Franz Beckenbauer, Wolfgang OverathJürgen Grabowski, Gerd Müller, Hannes Löhr (53. Reinhard Libuda)
Cheftrainer: Helmut Schön
Tor 1:0 Boninsegna (8.)


Tor 2:2 Burgnich (98.)
Tor 3:2 Riva (104.)

Tor 4:3 Rivera (111.)

Tor 1:1 Schnellinger (90.)
Tor 1:2 Müller (94.)


Tor 3:3 Müller (110.)
Gelbe Karten Rosato, Domenghini, De Sisti Gelbe Karten Müller, Overath

Die frühe italienische 1:0-Führung durch Roberto Boninsegna in der achten Minute konnte Karl-Heinz Schnellinger erst in der Nachspielzeit der zweiten Halbzeit, kurz vor dem eigentlichen Schlusspfiff, ausgleichen. Den deutschen Fernsehkommentator Ernst Huberty verleitete das zu einem Kultausspruch („…ausgerechnet Schnellinger!“), da Schnellinger in Italien sein Geld als Profi beim AC Mailand und davor bereits beim AS Rom und dem AC Mantova verdiente und dies auch sein einziges Tor in 47 Länderspielen war.

Es kam daher zu einer Verlängerung, in der Gerd Müller das deutsche Team bereits in der 4. Minute in Führung brachte, die durch Tarcisio Burgnich vier Minuten später egalisiert wurde. Eine Minute vor dem Seitenwechsel traf Luigi Riva zur 3:2-Führung für Italien. Gerd Müller glich zum 3:3 für die DFB-Auswahl aus. Diese agierte zu jenem Zeitpunkt praktisch nur noch mit neun Feldspielern, da ihr Auswechselkontingent erschöpft war und der seit Beginn der Verlängerung mit bandagiertem rechten Arm spielende Franz Beckenbauer kaum noch einsatzfähig war. Er hatte sich in der 65. Minute das Schultereckgelenk gebrochen, als er bei einem mit Freistoß für Deutschland geahndeten Zusammenprall an der Strafraumgrenze einen Elfmeter schinden wollte.<ref>Gentleman als Schmerzensmann. sueddeutsche.de, 26. Mai 2010.</ref><ref>Mit dem Fernglas suchen (Teil 9). sueddeutsche.de, 17. Mai 2010.</ref>

Eine Minute nach dem deutschen Ausgleich entschied der zur Halbzeit für Sandro Mazzola eingewechselte Gianni Rivera die Partie mit seinem Treffer für Italien zum 4:3-Endstand. Am Spielende erhoben sich die Zuschauer von ihren Plätzen und applaudierten beiden Mannschaften.<ref>Deutschland gegen Italien 1970: Das Jahrhundertspiel Artikel des DFB</ref>

Medien

Das Spiel wurde in Italien von der RAI übertragen, kommentiert von Nando Martellini im Fernsehen und Enrico Ameri im Radio.

In Deutschland wurde es live von der ARD übertragen. Der Reporter für das Spiel war Ernst Huberty. Im Radio wurde das Spiel live von Oskar Klose und Kurt Brumme kommentiert. Brumme, der eigentlich für seinen distanzierten Stil bekannt war, kommentierte die Versuche der italienischen Mannschaft, die 1:0-Führung durch Verzögerungen über die Zeit zu retten, sarkastisch: „Mein Gott, ist das ein Fußballspiel hier. Das ist ja entsetzlich, das ist ja widerlich. Burgnich ist soeben verstorben, sehe ich. Nein, da kommt er wieder“.<ref>Hans Weymar: Italien-Deutschland WM 1970 – „Ausgerechnet Schnellinger“. Handelsblatt, 4. Juli 2006, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 28. Februar 2021; abgerufen am 17. Juni 2024.</ref>

Gedenktafel

Datei:Commemorative plaque Aztec Stadium.jpg
Erinnerungstafel am Aztekenstadion

An das Jahrhundertspiel wird am Aztekenstadion in Mexiko-Stadt mit einer Erinnerungstafel erinnert, auf der zu lesen ist:

El Estadio Azteca, rinde homenaje a las selecciones de:
Italia (4) y Alemania (3)
Protagonistas en el Mundial de 1970, del “Partido del Siglo”
17 de junio de 1970

Übersetzung:

Das Azteken-Stadion ehrt die Nationalmannschaften von
Italien (4) und Deutschland (3)
als Teilnehmer des „Jahrhundertspiels“ bei der Weltmeisterschaft 1970
17. Juni 1970

Siehe auch

Einzelnachweise

<references />

Weblinks

sv:Världsmästerskapet i fotboll 1970#Århundradets match