Zum Inhalt springen

Furry

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 31. Januar 2026 um 21:39 Uhr durch imported>VECTRONATOR (einfache Anführungszeichen entfernt, kann mit Kommata verwechselt werden).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Die digitale Zeichnung zeigt einen anhand der braun-weißen Fellzeichnung und der Form der Ohren als Fuchs erkennbaren Tierkopf mit comicartig vergrößerten Augen und Ohren sowie einem blonden Haarschopf.
Zeichnung eines anthropomorphen Huskys

Furry (engl. mit Fell bedeckt, flauschig, plüschig) bzw. Furry-Fandom ist der Sammelbegriff für eine internationale Subkultur, die an anthropomorphen Tieren interessiert ist. Die Mitglieder der Subkultur bezeichnen sich als Furry-Fans, Furries oder Furs. Sie halten überwiegend über das Internet Kontakt.<ref name=":2">Kevin J. Hsu, J. Michael Bailey: The “Furry” Phenomenon: Characterizing Sexual Orientation, Sexual Motivation, and Erotic Target Identity Inversions in Male Furries. In: Archives of Sexual Behavior. Band 48, Nr. 5. Springer Nature, Juni 2019, S. 1349–1369, doi:10.1007/s10508-018-1303-7.</ref>

Mitglieder des Fandoms erschaffen meist eigene Charaktere (engl. Original Characters, kurz OC), die sie repräsentieren. Sie werden als Fursonas (Wortschöpfung aus Fur (engl. für Fell) und Persona, dem Theaterbegriff für Figur bzw. Rolle)<ref>Katrin Krause: Eine 19-jährige Zülpicherin erzählt, wie es ist, ein Furry zu sein. In: ksta.de. Kölner Stadt-Anzeiger, 25. Februar 2024, abgerufen am 16. Oktober 2024.</ref> oder abgekürzt sonas (sg. sona) bezeichnet.<ref>Stefanie Witterauf: Mensch im Wolfspelz. In: zeit.de. ZEIT Online, 12. September 2022, abgerufen am 16. Oktober 2024.</ref>

Zu größeren realen Treffen der Mitglieder zählen die sogenannten Conventions, wie die jährlich stattfindende Eurofurence oder ihr amerikanisches Pendant, die Anthrocon.<ref name=":0">Simone Steiner, Adrian Panholzer: Wenn sich Menschen wie Fabeltiere fühlen. In: tagesanzeiger.ch. 31. März 2023, abgerufen am 16. Oktober 2024.</ref> In Deutschland existieren weitere, kleinere jährlich stattfindende Conventions, darunter z. B. die Mephit Mini Con (MMC) in Freusburg oder die EAST im Ringberghotel in Suhl.<ref>#mittendrin in der Furry-Convention im thüringischen Suhl. In: ardmediathek.de. ARD, 17. August 2024, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 21. September 2025; abgerufen am 21. September 2025.</ref>

Geschichte

Das Foto zeigt eine Gruppe von vier Personen in Tierkostümen bzw. Fursuits, die alle in die Kamera blicken.
Vier Furries auf der Eurofurence in Berlin (2016)

Die Szene besitzt ihren Ursprung in der amerikanischen LGBT-Bewegung sowie der Science-Fiction-Szene.<ref name=":0" />

Im Dezember 1994 wurde in einem Usenet-Posting erstmals die Furry-Convention Eurofurence erwähnt. Sie fand zum ersten Mal im Juni 1995 mit 19 Teilnehmern im Kaiser-Wilhelm-Koog statt. Seitdem wurde sie jährlich an wechselnden Orten in Europa gehalten und hat sich zur größten europäischen Furry-Convention entwickelt. Im Jahr 2001 nahmen erstmals über 200 Personen teil;<ref>vgl. Archiv auf archive.eurofurence.org</ref> 2016 wurden bereits über 2500 Teilnehmer aus 52 Ländern verzeichnet. Seit 2023 findet sie im Congress Center Hamburg statt, 2024 hatte sie dort 5300 Gäste.<ref>Bunt und plüschig: Großes Furry-Festival in Hamburg. In: ndr.de. Norddeutscher Rundfunk, 21. September 2024, abgerufen am 16. Oktober 2024.</ref>

Im Dezember 2002 zeigte die Arte-Sendung Tracks einen Beitrag über das amerikanische Furry-Fandom, wobei das Vorkommen der Subkultur in Deutschland jedoch nicht erwähnt wurde. Im Mai 2005 wurde im Rahmen der ARD-Sendung Polylux erstmals ein Fernsehbericht über das deutsche Furry-Fandom veröffentlicht. Der NDR berichtete im März 2012 im Rahmen des Kulturjournals über die Szene<ref>Furry-Bewegung: Leben im Tierkostüm. In: programm.ard.de. ARD, 13. März 2012, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 3. März 2022; abgerufen am 15. April 2016.</ref> und im August 2012 wurde das Furry-Fandom in der RTL-Sendung Die 25 skurrilsten Leidenschaften als Platz 8 gezeigt.

Anfang März 2025 wurde in Texas durch den Politiker Greg Abbott ein Gesetzesentwurf vorgelegt, durch den innerhalb von Schulen sowohl das Tragen von Fursuits und anderen nicht für Menschen hergestellte Accessoires als auch tierähnliches Verhalten verboten werden soll.<ref>Madi Marks: Texas bill targets 'furries,' banning non-human behavior in schools. In: fox4news.com. Fox News Channel, 17. März 2025, abgerufen am 30. März 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Arten von Charakteren

Die gebräuchlichste Definition eines Furries umfasst durch ihr anthropomorphes Aussehen und Verhalten bekannte Zeichentrickfiguren wie Roger Rabbit, Bugs Bunny und Micky Maus. Comicartige Überzeichnung und humoristische Elemente fallen im Allgemeinen nicht unter den Begriff, stehen ihm aber auch nicht entgegen. Auch in Animes finden sich anthropomorphisierte Tiercharaktere, etwa die Figur Chopper aus One Piece.

Charaktere mit tierischem Körper und einem menschlichen Verstand sowie Fabelwesen wie Drachen und Greifen können ebenfalls als Furry bezeichnet werden. Somit schließt der Begriff auch klassische Fabeln mit ein. Auch Echsen und Dinosaurier wie in Jurassic Park oder Godzilla haben Anhänger unter den Furrys. Wesen mit Schuppen werden auch als Scalies bezeichnet (von engl. scaly; deutsch schuppig oder mit Schuppen bedeckt).

Fursuits

Der Fursuit, den die Person auf dem Foto trägt, erinnert an einen Schneeleoparden mit grau-schwarz gemustertem Fell, das an Bauch und Pfoten in Weiß übergeht.
Typischer Fursuit im Comicstil (toonie)

Die englische Wortschöpfung „Fursuit“ bedeutet übersetzt Pelz-Anzug oder Fell-Kleid und ist wohl der von der Öffentlichkeit am ehesten wahrgenommene Teil des Furry-Fandoms. Mitglieder, die einen Fursuit besitzen und/oder damit in der Öffentlichkeit auftreten, bezeichnen sich als Fursuiter. Im Jahr 2009 waren dies etwa 15 %.<ref name="klisoura">Furry Poll Results. In: klisoura.com. 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 31. März 2023; abgerufen am 6. Dezember 2012 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Diese auffällige Verkleidung variiert von einfachen Masken, falschen Schwänzen, Ohren etc. bis hin zu aufwendig gestalteten Kostümen, zum Teil mit Animatronik. Die Kostüme werden als Einzelstück individuell geplant und gebaut, da industriell hergestellte Varianten den persönlichen Ansprüchen meist nicht gerecht werden.<ref name=":1">Antje Kindler: Unterwegs in Tierkostümen: Die Rostocker Warnowfluffs ziehen alle Blicke auf sich. In: nordkurier.de. 8. Juli 2024, abgerufen am 16. Oktober 2024.</ref><ref>Petra Heißen: Leuchtende Riesenaugen und viel Plüsch: Die Furry-Bewegung. In: ndr.de. Norddeutscher Rundfunk, 3. Mai 2024, abgerufen am 16. Oktober 2024.</ref>

Abseits von Conventions treten Fursuiter auch als Teil von Paraden oder in anderen Gruppenaktivitäten (z. B. sog. Suitwalks) im öffentlichen Raum in Erscheinung.<ref name=":1" />

Aktivitäten

Viele unabhängige Webcomics handeln von oder beinhalten entsprechende anthropomorphe Charaktere, wie zum Beispiel Sabrina Online von dem amerikanischen Künstler Eric W. Schwartz oder VG Cats von Scott Ramsoomair.

Weiterhin gibt es noch eine ausgeprägte Kultur des Geschichtenschreibens, wobei sich dieses Gebiet von eher leichter Fanfiction bis hin zu vollständigen Romanen mit literarischem Tiefgang erstreckt. Die Verbreitung solcher Geschichten erfolgte bis in die 1990er-Jahre noch hauptsächlich durch Fanzines, heutzutage hauptsächlich über das Internet. Ein Beispiel für den Versuch eines deutschen Fanzines außerhalb des Internets ist Fur Fiction, eine Anthologie von Kurzgeschichten, die von Helge Lange im Verlag Edition Solar-X herausgegeben wird.

Ein Beispiel für den Einfluss der Furry-Subkultur in Computerspielen ist das 1994 erschienene Spiel Erben der Erde, der 3D-Animationsfilm Kaze – Ghost Warrior aus dem Jahre 2004 von Amadhia Albee, bekannt unter dem Künstlernamen „Timothy Albee“.<ref name="Film: Kaze – Ghost Warrior">Amadhia Albee: The Experimental Short Film, Kaze – Ghost Warrior. kazeghostwarrior.com, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 16. April 2019; abgerufen am 15. Oktober 2014.</ref>

Sexueller Aspekt

In manchen Medienberichten über Furries werden ausschließlich sexuelle Motive thematisiert, wodurch eine einseitige, stigmatisierte Berichterstattung entsteht. Ein oft genanntes Negativbeispiel für die Furry-Community ist die Rainfurrest 2015. Diese sollte eigentlich einem wohltätigen Zweck dienen, im Laufe der mehrtägigen Convention kam es allerdings zu mehreren Fällen von Vandalismus und zu sexuellen Übergriffen.<ref>Alex Hammer: How furry convention descended into orgy of sex, violence and destruction as diaper clad adults dressed as cuddly animals trashed host hotel. In: dailymail.co.uk. Daily Mail, 5. Mai 2024, abgerufen am 21. September 2025.</ref> Verstärkt wird diese Wahrnehmung auch durch die Verfügbarkeit von erotischen Zeichnungen und Bildern, oftmals durch Furries selbst.<ref name=":2" /> So hat sich auch unter den Mitgliedern umgangssprachlich der Begriff Yiff etabliert, um erotische Inhalte zu kennzeichnen.<ref name=":2" /> Viele Mitglieder streiten diese Punkte immer wieder vehement ab; so seien in den oft thematisierten Fursuits sexuelle Handlungen konstruktionsbedingt allenfalls begrenzt möglich.<ref>Enno Schöningh: Mehr als nur ein Kink. In: taz.de. 1. September 2022, abgerufen am 16. Oktober 2024.</ref>

Das Phänomen, dass sich Fursuiter genau in die Figur verwandeln, die sie selbst attraktiv finden, wird als erotic target identity inversion (ETII) eingeordnet.<ref name=":2" /> Hierbei fühlen sich Mitglieder des Fandoms zu anthropomorphen Tieren hingezogen und empfinden dabei sexuell eine Fantasie an der Vorstellung, selbst möglichst nah dem anthropomorphen Tier zu gleichen.<ref name=":2" />

Siehe auch

  • Kemono (Tiere mit menschlichen Eigenschaften in der japanischen Kunst)
  • Kemonomimi (Charaktere mit Tiereigenschaften in japanischen Manga und Anime)

Literatur

  • Hsu, K.J., Bailey, J.M.: The “Furry” Phenomenon: Characterizing Sexual Orientation, Sexual Motivation, and Erotic Target Identity Inversions in Male Furries. Februar 2019, doi:10.1007/s10508-018-1303-7 (springer.com).

Weblinks

Commons: Furry – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Furry – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references responsive />