Tadeusz Mazowiecki
Tadeusz Mazowiecki (* 18. April 1927 in Płock; † 28. Oktober 2013 in Warschau<ref>Tadeusz Mazowiecki nie żyje. Miał 86 lat. „Uczył nas pokory w polityce“. Gazeta Wyborcza, 28. Oktober 2013.</ref>) war ein polnischer Publizist, Bürgerrechtler und Politiker (SD, Znak, UD, UW, PD) und von 1989 bis 1990 Ministerpräsident der Republik Polen. Er gehörte von 1961 bis 1972 und von 1991 bis 2001 dem Sejm in der III., IV. und V. (Volksrepublik) sowie der I., II. und III. (Dritte Republik) Wahlperiode an.
Vom Bürgerrechtler zum Regierungschef
Zunächst trat Mazowiecki 1946 der späteren Blockpartei Stronnictwo Pracy bei. Von 1948 bis 1955 gehörte er der regimetreuen katholischen Vereinigung „PAX“ an. 1958 gründete er die intellektuelle Monatszeitschrift Więź (deutsch Bindung) und wurde deren Chefredakteur. Für die katholische Bewegung Znak (deutsch Zeichen) war er bereits von 1961 bis 1972 Abgeordneter im Sejm, dem polnischen Parlament. Danach beteiligte er sich an oppositionellen Bewegungen katholischer Intellektueller, unter anderem im Klub der katholischen Intelligenz in Breslau, gegen die regierende Polnische Vereinigte Arbeiterpartei.
Seit 1980 war er Berater und Publizist der Gewerkschaft Solidarność. Nach Verhängung des Kriegsrechts am 13. Dezember 1981 wurde er bis 1982 inhaftiert. 1989 nahm er wieder als Berater von Lech Wałęsa an den Runden-Tisch-Gesprächen teil.
Am 24. August 1989 wählte ihn der Sejm zum Vorsitzenden des Ministerrats (poln. Prezes Rady Ministrów). Er war der erste nicht-kommunistische Regierungschef Polens nach dem Zweiten Weltkrieg.<ref name="SZ">Thomas Urban: Historische Entscheidung in Warschau. Erstmals Nichtkommunist Premier im Ostblock. Der Kandidat der „Solidarität“, Tadeusz Mazowiecki, erhält 378 von 423 Stimmen / Bekenntnis zum Warschauer Pakt. In: Süddeutsche Zeitung. 25. August 1989.</ref>
Das Verhältnis zum „Arbeiterhelden“ Wałęsa trübte sich, als Mazowiecki sich entschloss, bei der Präsidentschaftswahl im Herbst 1990 gegen Wałęsa anzutreten. Als er am 9. Dezember 1990 gegen diesen nicht einmal in die Stichwahl kam, trat er am 14. Dezember 1990 vom Amt des Ministerpräsidenten zurück.
Politische Agenden und Ehrungen
Bei der Parlamentswahl 1991 wurde er im Wahlkreis 18 (Posen) in den Sejm gewählt.<ref>Ergebnis in Monitor Polski 1991, Nr. 41, S. 462.</ref> Bei den Wahlen 1993 (erneut in Posen) und 1997 (in Krakau) wurde er wiedergewählt.<ref>Ergebnis in Monitor Polski 1993, Nr. 50, S. 710.</ref><ref>Ergebnis in Monitor Polski 1997, Nr. 64, S. 1296.</ref> Von 1990 bis 1995 war Mazowiecki, der bis 2001 als Abgeordneter tätig war, Vorsitzender der liberalen Partei Unia Demokratyczna (UD) und später deren Nachfolgepartei Unia Wolności (UW). 2002 trat er aus letzterer aus, nachdem diese die Christlich Demokratische Internationale verlassen hatte. Seit 2004 engagierte er sich wieder als Mitglied und Spitzenkandidat der sozial-liberalen Partia Demokratyczna – demokraci.pl, die aus der UW hervorgegangen war.
Während der Kriege im ehemaligen Jugoslawien war Mazowiecki Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen über die Lage der Menschenrechte. Aus Protest gegen die Passivität der internationalen Staatengemeinschaft während des Massakers von Srebrenica legte Mazowiecki dieses Mandat nieder.
Er erwarb sich den Ruf eines Reformers. Die Regierung von Mazowiecki führte ein radikales marktwirtschaftliches Programm durch. Kritisiert wurde die „Schocktherapie“ zur Senkung der Inflation und des Budgetdefizits, weil dabei Hunderttausende in die Arbeitslosigkeit gerieten. Er bekannte sich zwar zum Warschauer Pakt, nannte das bisherige Staatsgebaren allerdings totalitär, weshalb er Polen auf den Weg zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit führen wollte.<ref name="SZ" /> Sein Spruch „Wir ziehen eine dicke Linie unter die Vergangenheit“ fand auch zahlreiche Kritiker. Dies führte zum relativ schlechtem Ergebnis von Mazowiecki in der Präsidentschaftswahl 1990.
1995 wurde ihm von der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen die Dag-Hammarskjöld-Ehrenmedaille verliehen. Im selben Jahr erhielt er den internationalen Adalbert-Preis der Adalbert-Stiftung. 2005 erhielt er die Robert-Schuman-Medaille, 2009 folgten einer Ehrenbürgerschaft von Sarajevo (2002)<ref>A. H.: Ko su počasni građani Grada Sarajeva. In: Haber.ba. 3. März 2019, abgerufen am 4. Juni 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> diejenigen von Posen<ref>Zenon Zabawny: Mazowiecki honorowym obywatelem Poznania. 29. Juni 2009, abgerufen am 4. Juni 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> und Warschau<ref>Tadeusz Mazowiecki, honorowy obywatel Warszawy. In: um.warszawa.pl. 28. Oktober 2013, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 13. August 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>, später kamen die der Städte Danzig (2010)<ref>Tadeusz Mazowiecki – Honorowym Obywatelem Gdańska - Gdańsk - oficjaln… 31. Juli 2012, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 31. Juli 2012.</ref>, Słubice (2010)<ref>Słubice24.pl - Tadeusz Mazowiecki odebrał tytuł Honorowego Obywatela Słubic. 9. November 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 7. Juli 2014 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>, Płock (2011)<ref>Mazowiecki honorowym obywatelem Płocka. In: wprost.pl. 9. Juni 2011, abgerufen am 4. Juni 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> und Brzeg Dolny (2013)<ref>Mazowiecki honorowym obywatelem. Brzeg Dolny planował dziś uroczystość. In: tvn24.pl. 28. Oktober 2013, abgerufen am 4. Juni 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> hinzu. 2010 verlieh ihm die Europastadt Görlitz/Zgorzelec den Internationalen Brückepreis.
Mazowiecki verstarb am 28. Oktober 2013 in Warschau. Außenminister Radosław Sikorski bezeichnete ihn als „einen der Väter der polnischen Freiheit“. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso nannte ihn „einen großen Europäer und Humanisten“.
2013 wurde der Deutsch-Polnische Journalistenpreis nach ihm benannt.<ref>Doppel-Jubiläum: 20. Wettbewerb um den Deutsch-Polnischen Tadeusz-Mazowiecki-Journalistenpreis – Ehrung bei den 10. Deutsch-Polnischen Medientagen auf medienservice.sachsen.de, 8. November 2016</ref>
Schriften
- Tadeusz Mazowiecki: Partei nehmen für die Hoffnung. Über Moral in der Politik, mit einem Geleitwort von Manfred Seidler u. einem Nachwort von Georg Ziegler, [Übers. aus dem Poln. von Angelika Weber u. Georg Ziegler]. Freiburg im Breisgau 1990, ISBN 3-451-21825-9
Weblinks
- Literatur von und über Tadeusz Mazowiecki im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Publikationen von und über Tadeusz Mazowiecki im Bibliotheks- und Bibliographieportal / Herder-Institut (Marburg)
- Tadeusz Mazowiecki – Eine Würdigung. (PDF; 481 kB) Deutsches Polen-Institut, Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde, Forschungsstelle Osteuropa. In: Polen-Analysen, 138, 19. November 2013, ISSN 1863-9712
- Gabriele Lesser: Tadeusz Mazowiecki, der Vater der Demokratie in Polen, ist tot. DerStandard.at, 28. Oktober 2013
Einzelnachweise
<references />
Tadeusz Mazowiecki | Jan Krzysztof Bielecki | Jan Olszewski | Waldemar Pawlak | Hanna Suchocka | Waldemar Pawlak | Józef Oleksy | Włodzimierz Cimoszewicz | Jerzy Buzek | Leszek Miller | Marek Belka | Kazimierz Marcinkiewicz | Jarosław Kaczyński | Donald Tusk | Ewa Kopacz | Beata Szydło | Mateusz Morawiecki | Donald Tusk Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Mazowiecki, Tadeusz |
| KURZBESCHREIBUNG | polnischer Politiker, Mitglied des Sejm und Ministerpräsident |
| GEBURTSDATUM | 18. April 1927 |
| GEBURTSORT | Płock |
| STERBEDATUM | 28. Oktober 2013 |
| STERBEORT | Warschau |
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- Parteivorsitzender (Polen)
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- UD-Mitglied
- UW-Mitglied
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- Träger des Verdienstordens der Italienischen Republik (Großkreuz)
- Träger des Verdienstordens der Republik Ungarn (Komtur mit Stern)
- Träger des Weißen Adlerordens
- Mitglied der Ehrenlegion (Großoffizier)
- Träger des Lothar-Kreyssig-Friedenspreises
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