Das Schwarzbubenland liegt zur Gänze im Juragebirge.<ref name="gls">Charles Knapp, Maurice Borel, Victor Attinger, Heinrich Brunner, Société neuchâteloise de géographie (Hrsg.): Geographisches Lexikon der Schweiz. Band 1: Aa – Emmengruppe. Verlag Gebrüder Attinger, Neuenburg 1902, S. 638, Stichwort Dorneck-Thierstein (Scan der Lexikon-Seite).</ref> Die mit dem restlichen Kantonsgebiet zusammenhängenden Gebiete liegen südlich und östlich der Birs. Sie werden im Norden und Osten vom Kanton Basel-Landschaft begrenzt. Im Süden grenzen sie an die solothurnische Amtei Thal-Gäu sowie durch die Grenze zwischen der Gemeinde Beinwil und der bernischen ExklaveSchelten an den Kanton Bern. Westlich sind der Kanton Jura (seit 1979, ehemals bernisches Gebiet) und das bis 1994 ebenfalls bernische, seither zum Kanton Basel-Landschaft gehörende Laufental benachbart. Dazu kommen die Exklaven Kleinlützel (im Bezirk Thierstein) und solothurnisches Leimental (im Bezirk Dorneck), die jeweils von Frankreich und dem Kanton Basel-Landschaft umgeben sind.
Die Landschaft des Schwarzbubenlandes ist von Tälern, Klusen und Schluchten geprägt.<ref name="gls" /> Wichtige Erhebungen sind die Hohe Winde (1205 m ü. M.), der Passwang (1204 m ü. M. am höchsten Punkt Vogelberg), der Riedberg bei Nunningen (943 m ü. M.; der benachbarte Riedbergchopf mit 1011 m ü. M. liegt auf Baselbieter Boden), das Gempenplateau mit dem Scharten (760 m ü. M.) als höchster Erhebung sowie der Blauen (837 m ü. M.) an der Grenze zum Baselbiet. Bedeutendere Gewässer sind neben der Birs, die nur in Bärschwil und Dornach solothurnisches Gebiet berührt, deren rechtsseitige Zuflüsse Wahlenbach, Lüssel, Ibach und Seebach sowie der linksseitige Zufluss Lützel. Das Gemeindegebiet von Rodersdorf wird vom Birsig durchflossen.<ref>Charles Knapp, Maurice Borel, Victor Attinger, Heinrich Brunner, Société neuchâteloise de géographie (Hrsg.): Geographisches Lexikon der Schweiz. Band 1: Aa – Emmengruppe. Verlag Gebrüder Attinger, Neuenburg 1902, S. 639, Stichwort Dorneck-Thierstein (Scan der Lexikon-Seite).</ref> Der Seewener See wurde im späten 16. Jahrhundert trockengelegt.
Geschichte
Der Stadtstaat Solothurn war seit dem Mittelalter um die Erweiterung seines Territoriums bemüht und gelangte so im Laufe des 15. und 16. Jahrhunderts auch an die Gebiete des heutigen Schwarzbubenlands. Die erste Herrschaft jenseits des Passwangs, die Solothurn erwerben konnte, war das Dorf Seewen durch Kauf von der Domfrau Elisabeth von Säckingen. Am 25. Mai 1483 schworen die Leute von Seewen den Untertaneneid.<ref name="amiet365">Bruno Amiet: Stadt und Kanton Solothurn von der Urgeschichte bis zum Ausgang des Mittelalters. In: Solothurnische Geschichte. Band1. Staatskanzlei des Kantons Solothurn, Solothurn 1952, S.365.</ref> 1485 kaufte die solothurnische Bürgerschaft die halbe Herrschaft Dorneck-Gempen von Bernhard von Efringen, einem Basler Bürger. Diese Aktivitäten führten zunächst zu Widerstand der Grafen von Thierstein, die ihre Rechte an Dorneck und Seewen betonten.<ref name="amiet365"/> Der Konflikt konnte jedoch 1487 beigelegt werden, als sich die Thiersteiner Grafen Oswald und Sigismund ins ewige Burgrecht von Solothurn aufnehmen liessen.<ref>Bruno Amiet: Stadt und Kanton Solothurn von der Urgeschichte bis zum Ausgang des Mittelalters. In: Solothurnische Geschichte. Band1. Staatskanzlei des Kantons Solothurn, Solothurn 1952, S.368.</ref> 1515 konnte die Herrschaft Rotberg erworben werden und 1522 sprach ein eidgenössisches Schiedsgericht nach langem Streit mit dem Basler Fürstbischof Solothurn die Herrschaft Thierstein und die KastvogteiBeinwil samt Hochgericht zu.<ref name="hls-braun">Hans Braun: Solothurn (Kanton). In: Historisches Lexikon der Schweiz. 22. Mai 2017, abgerufen am 12. Juni 2019.</ref> 1527 erweiterte Solothurn die daraus gebildete Vogtei Thierstein um Bärschwil und Kleinlützel und konnte im selben Jahr von Hans Imer von Gilgenberg auch noch seine Herrschaft (mit den Dörfern Nunningen, Meltingen und Zullwil) erwerben.<ref name="hls-braun" /><ref>Bruno Amiet: Stadt und Kanton Solothurn von der Urgeschichte bis zum Ausgang des Mittelalters. In: Solothurnische Geschichte. Band1. Staatskanzlei des Kantons Solothurn, Solothurn 1952, S.439.</ref> Gilgenberg war die letzte erreichbare Herrschaft, die Solothurn erwerben konnte, womit die solothurnische Territorialpolitik an das Ende ihrer Möglichkeiten gelangt war.<ref>Bruno Amiet: Stadt und Kanton Solothurn von der Urgeschichte bis zum Ausgang des Mittelalters. In: Solothurnische Geschichte. Band1. Staatskanzlei des Kantons Solothurn, Solothurn 1952, S.439–440.</ref>
Ab 1735, als das Fürstbistum Basel nicht mehr Zugewandter Ort der Eidgenossenschaft war, sowie danach während der Helvetik und Mediation waren die beiden Exklaven der Amtei, Kleinlützel und das solothurnische Leimental, Exklaven im Römisch-deutschen Reich respektive danach aufgrund der Angliederung des Fürstbistums Basel an das napoleonische Frankreich 1792 rund 15 Jahre lang Exklaven im französischen Landesgebiet.<ref>Ernst Burkhard: Welt- und Schweizergeschichte.</ref><ref>Hans Sigrist: Die Spätzeit und das Ende des patrizischen Regimes. In: Solothurnische Geschichte. Band3. Regierungsrat des Kanton Solothurn, Solothurn 1981, S.311.</ref>
In der liberalen Revolution von 1830 positionierten sich die Thiersteiner und die Dornecker sehr unterschiedlich. Während die Thiersteiner ihre Regierungstreue bekundeten,<ref name="sigrist726">Hans Sigrist: Die Spätzeit und das Ende des patrizischen Regimes. In: Solothurnische Geschichte. Band3. Regierungsrat des Kanton Solothurn, Solothurn 1981, S.726.</ref> wurden in der damaligen Amtei Dorneck zusammen mit Olten die radikalsten Forderungen gestellt.<ref>Hans Sigrist: Die Spätzeit und das Ende des patrizischen Regimes. In: Solothurnische Geschichte. Band3. Regierungsrat des Kanton Solothurn, Solothurn 1981, S.727.</ref> In Erinnerung geblieben ist die «leidenschaftliche Brandrede»<ref name="sigrist726"/> von Josef Cherno aus Dornach, dem «Führer der Schwarzbuben» in der liberalen Bewegung<ref>André Schluchter: Josef Cherno. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 19. Dezember 2003, abgerufen am 12. Juni 2019.</ref>, worin er die patrizische Gegenrevolution von 1814 (siehe Restauration) und die daraus hervorgegangene Verfassung heftig angriff. Seine Rede wurde auch als Flugblatt verteilt.<ref>Hans Sigrist: Die Spätzeit und das Ende des patrizischen Regimes. In: Solothurnische Geschichte. Band3. Regierungsrat des Kanton Solothurn, Solothurn 1981, S.726–727.</ref>
Der Ursprung des Namens Schwarzbubenland ist nicht ganz geklärt. Während dieser 1865 erstmals belegt ist<ref name="hls-schenker">Lukas Schenker: Schwarzbubenland. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 11. November 2011, abgerufen am 12. Juni 2019.</ref>, wurde der Ausdruck «Schwarzbuben» für die Bewohner der Region bereits 1813 vom Historiker Robert Glutz von Blotzheim benutzt, der ihn auf deren schwarze Tracht zurückführte.<ref>Albin Fringeli: Landschaft als Schicksal. Staatskanzlei Solothurn, Solothurn 1979, S.12.</ref> Als wahrscheinlichste Erklärung gilt heute jedoch eine Herleitung vom Verb schwärzen («schmuggeln»), da den Leuten dieser grenznahen Region Schmuggeltätigkeit nachgesagt wurde.<ref name="hls-schenker" /> Eine weitere Deutung ist konfessioneller Art: Während die Reformation im benachbarten Baselbiet Einzug hielt, blieb das seit dem 15./16. Jahrhundert zum Kanton Solothurn gehörende Schwarzbubenland zusammen mit seinem Kanton katholisch, womit der Übername von den Baslern erfunden sein könnte. Lukas Schenker bezeichnet diese konfessionelle Deutung wie auch die Herleitungen von der Bekleidung oder der politischen Ausrichtung im Historischen Lexikon der Schweiz als «eher unwahrscheinlich».<ref name="hls-schenker" />
Politik
Bei den Kantonsratswahlen vom 9. März 2025 ergab sich für die Amtei Dorneck-Thierstein folgende Sitzverteilung: SVP 3, Mitte 3, FDP 3, Grüne 2 und SP 2.<ref>Wahlen und Abstimmungen. Wahlen vom 9. März 2025. In: sostimmt.so.ch. Abgerufen am 9. März 2025.</ref>
Wirtschaft
Geschichte
Das Schwarzbubenland war bis weit in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein hauptsächlich landwirtschaftlich geprägt. In Bärschwil bestand eine Eisenschmelze für Bohnerz (1675 erneuert) und von 1775 bis 1856 eine Glashütte, später wurde die Kalk- und Gipsfabrikation aufgenommen.<ref>Lukas Schenker: Bärschwil. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 15. September 2009, abgerufen am 12. Juni 2019.</ref>
Die Strasse über den Passwang hat mit dem Bau der Autobahn (A1, A2) an Bedeutung verloren, bleibt aber die kürzeste Verbindung zwischen dem Schwarzbubenland und dem südlichen Kantonsteil.<ref>Lukas Schenker: Passwang. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 22. April 2009, abgerufen am 12. Juni 2019.</ref> Die Hauptstrasse 18 berührt solothurnisches Kantonsgebiet nicht direkt (folgt teilweise genau der Kantonsgrenze), stellt aber für viele Gemeinden des Schwarzbubenlands eine wichtige Verbindung nach Basel über das Laufental dar.