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Stechginster

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Stechginster
Datei:Ulex europaeus8.jpg

Stechginster (Ulex europaeus) voll in Blüte

Systematik
Ordnung: Schmetterlingsblütenartige (Fabales)
Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Unterfamilie: Schmetterlingsblütler (Faboideae)
Tribus: Genisteae
Gattung: Stechginster (Ulex)
Art: Stechginster
Wissenschaftlicher Name
Ulex europaeus
L.

Der Stechginster (Ulex europaeus) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Stechginster (Ulex) innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae).

Der Stechginster weist vor allem in den heißen Sommermonaten ein hohes Brandrisiko auf, weil er 2 bis 4 % leicht entzündliche Öle in den grünen Zweigen enthält.

Der Stechginster hindert mit seinen vielen Zweigen und großen, kräftigen Dornen (10 bis 20 Millimeter) Tiere daran, seine Blüten zu fressen. Zweige und Dornen können ein undurchdringliches Dickicht bilden, in denen sich auch abgestorbene Sträucher anhäufen können.

Beschreibung

Datei:Illustration Ulex europaeus0.jpg
Illustration
Datei:Stechginster Blaetter.JPG
Blätter und Dornen

Vegetative Merkmale

Der Stechginster ist ein laubwerfender, dorniger, sparrig und reich verzweigter Strauch, der Wuchshöhen von bis über 2 Metern erreicht. Seine älteren, wechselständigen Laubblätter sind zu feinen, steifen Phyllodien reduziert. Die Kurztriebe sind zu Dornen mit oft sekundärdornen umgebildet. Die Zweige sind dunkelgrün, gerillt und abstehend behaart.<ref name="HegiGams1964" />

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht von Anfang des Frühlings bis Frühsommer, von April bis Juli. Die Blüten stehen einzeln in den Blattachseln. Die zwittrigen Blüten sind bei einer Länge von etwa 2 Zentimetern zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf gelben Kronblätter stehen in der typischen Form der Schmetterlingsblüte zusammen. Die Blütenstiele sind 6 bis 9 Millimeter lang und dicht behaart.<ref name="HegiGams1964" /> Der zweiteilige Kelch ist behaart. Die Staubblätter sind einbrüderig verwachsen. Der Fruchtknoten ist behaart.

Meist jeweils zwei Samen befinden sich in einer 15 bis 20 Millimeter langen, stark behaarten Hülsenfrucht im beständigen Kelch. Die Samen sind bräunlich und fast dreikantig.<ref name="HegiGams1964" />

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 96.<ref name="Oberdorfer2001" />

Datei:Stechginster.jpg
Stechginster liebt sonnige, freistehende Plätze
Datei:Stechginster closeup.JPG
Stechginster an der Südküste Großbritanniens
Datei:Ulex europaeus W164.jpg
Fruchtstand
Datei:Mafate depuis le Maido Ajoncs.jpg
Stechginster als Neophyt auf Réunion

Ökologie

Vegetative Vermehrung erfolgt durch Wurzelsprosse. Die Sprossdornen und dornartigen, stechenden Blätter des Stechginsters dienen als Fraßschutz gegen verschiedene Wiederkäuer, sind aber beispielsweise nicht gegen Kaninchen, Pferde und Ziegen wirksam. Die Dornen sind auch als Kondensationspunkte ökologisch bedeutsam. Die Jugendblätter sind dagegen gefiedert und nicht dornig. Die Zweige sind grün und photosynthetisch aktiv; in strengen Wintern frieren sie zurück.

Blütenökologisch handelt es sich um „Schmetterlingsblumen mit Schnellmechanismus“ ohne Nektar. Bestäuber sind Hummeln und Bienen.

Die Samen besitzen ein ölhaltiges Elaiosom zur Ameisenausbreitung. Es findet auch Menschenausbreitung statt über Verwilderungen aus Anpflanzungen. Fruchtreife ist von Juli bis August. Die Samen sind langlebig und feuerresistent.

Vorkommen

Ursprünglich ist der Stechginster in den atlantischen Regionen Europas. Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet umfasst Portugal, Spanien, Frankreich, Korsika, die Niederlande, Großbritannien, Irland, Deutschland, die Schweiz und Italien.<ref name="Euro+Med" /> Der Stechginster gilt als eine der 100 weltweit schlimmsten Invasiven Arten.<ref name="GISD" /> Als Heckenpflanze von englischen Siedlern mitgenommen, ist der sich sehr stark auch vegetativ vermehrende Stechginster ein auf der Erde weit verbreiteter, starker, invasiver Neophyt. Er kommt auch in größeren Teilen Deutschlands vor.

Der Stechginster wächst in gemäßigtem Klima vorzugsweise auf trockenen oder sumpfigen Sandböden. Er ist eine Charakterart des Verbands Pruno-Rubion.<ref name="Oberdorfer2001" /> In Frankreich steigt die Art bis 1100 Meter, in der Nordostschweiz bei Trogen bis 900 Meter Meereshöhe auf.<ref name="HegiGams1964" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+ (frisch), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 2 (sauer), Temperaturzahl T = 4 (kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 1 (ozeanisch).<ref name="InfoFlora" />

Systematik

Die Erstveröffentlichung von Ulex europaeus erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, S. 741.

Man kann bei Ulex europaeus mehrere Unterarten unterscheiden:<ref name="Euro+Med" />

  • Ulex europaeus <templatestyles src="Person/styles.css" />L. subsp. europaeus
  • Ulex europaeus subsp. latebracteatus <templatestyles src="Person/styles.css" />(Mariz) Rothm.: Sie kommt in Portugal und Spanien vor.

Manche Autoren unterscheiden dazu noch:

  • Ulex europaeus subsp. borealis <templatestyles src="Person/styles.css" />Rothm.

Inhaltsstoffe und Toxikologie

Die Früchte und die Zweige sind für Menschen sehr giftig. Die Hülsenfrüchte sind besonders wegen des Gehalts von bis zu 1 % Cytisin sehr giftig.

Als Arzneidroge dienen die Samen und die jungen Triebe.<ref name="Hiller2006" /> Wichtige Inhaltsstoffe sind das Cytisin, Anagyrin, Methylcytisin, Flavonoide und Lectine (Ulexlectin).<ref name="Hiller2006" /><ref name="BaumkundeDe" />

Verwendung

Stechginster eignet sich gut als eine ideale natürliche Auslaufbegrenzung für Haustiere wie Hühner, Rinder und Pferde. Gleichzeitig fördert er die Bodenfruchtbarkeit, da er in seinen Wurzelknöllchen viel Stickstoff aus der Luft bindet und ihn dem Boden zuführt.

Aus den Blüten kann ein gelber Farbstoff zum Färben von Textilien gewonnen werden (Färberpflanze).

Das Lectin aus Stechginster dient in der Immunhämatologie zum Nachweis des H-Antigens auf Erythrozyten.<ref>Ajit C. Gorakshakar, Kanjaksha Ghosh: Use of lectins in immunohematology. In: Asian Journal of Transfusion Science. Band 10, Nr. 1, 2016, S. 12, doi:10.4103/0973-6247.172180, PMID 27011665 (ajts.org [abgerufen am 3. April 2019]).</ref> Während sich bei fast allen Patienten je nach AB0-Blutgruppe gewisse Mengen H-Antigen finden lassen, so fehlt das H-Antigen bei Patienten mit der seltenen Bombay-Blutgruppe vollständig und kann daher durch eine Untersuchung mit dem Lectin festgestellt werden. Das Ulexlectin dient zudem in der experimentellen Medizin als Marker für Endothel- bzw. Tumorzellen vaskulären Ursprungs.<ref name="Hiller2006" />

Geschichte

Der Name des früheren englischen Königshauses Haus Plantagenet rührt von 'Planta Genista', womit der Stechginster gemeint ist, her.<ref name="HegiGams1964" />

Literatur

Weblinks

Commons: Stechginster (Ulex europaeus) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Stechginster – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references> <ref name="Oberdorfer2001"> Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, S. 582. ISBN 3-8001-3131-5. </ref> <ref name="Euro+Med"> Daten aus ILDIS World Database of Legumes 2010: Ulex europaeus In: Euro+Med Plantbase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="Hiller2006"> Karl Hiller, Matthias F. Melzig, Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen. 2 Bände, Genehmigte Sonderausgabe für den Area Verlag, Erftstadt 2006, ISBN 3-89996-682-1. </ref> <ref name="BaumkundeDe"> Baumkunde.de – Stechginster. </ref> <ref name="GISD"> Global Invasive Species Database (2019) </ref> <ref name="HegiGams1964">Gustav Hegi, Helmut Gams: Familie Leguminosae. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, Band IV, Teil 3, Verlag Carl Hanser, München 1964, S. 1190–1192.</ref> <ref name="InfoFlora"> Ulex europaeus L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> </references>