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Haareis

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Datei:IJshaar, in Austerlitz, Utrecht (Netherlands).jpg
„Eiswolle“ auf Totholz
Datei:Haareis auf Totholz2.jpg
Haareis auf Totholz

Haareis, manchmal auch Eiswolle,<ref name="streckfuß">Michael Streckfuß: Zuckerwatte im Wald. LWF, www.waldwissen.net. 2006. - Artikel nicht mehr abrufbar 5. Dezember 2020</ref> Eishaar oder Engelshaar genannt, besteht aus feinen Eisnadeln, die sich bei geeigneten Bedingungen auf morschem und feuchtem Totholz bilden können. Anders als Hydrometeore (zum Beispiel Raureifkristalle) entsteht Haareis aus dem im Holz enthaltenen Wasser, nicht aus Luftfeuchtigkeit.<ref name="wagner 2007">Gerhart Wagner: Haareis und Stängeleis. Zwei seltene winterliche Naturerscheinungen mit noch offenen Fragen. (PDF; 141 kB) Die Alpen, 11/2007. S. 64–67</ref> Ähnlich aussehende und häufig nicht genau unterschiedene Phänomene sind Bandeis (engl. ice ribbons, ice flowers) an Pflanzenstängeln und Kammeis (engl. needle ice) am Boden, die beide jedoch anders gebildet werden.

Entstehung

Wissenschaftlich ist die Entstehung des nur bei Temperaturen um den Gefrierpunkt zu beobachtenden Haareises noch wenig erforscht. 1918 beschrieb der Meteorologe Alfred Wegener Haareis auf nassem Totholz.<ref name="wegener">Alfred Wegener: Haareis auf morschem Holz. Die Naturwissenschaften 6/1, 1918. S. 598–601.</ref> Er vermutete einen „schimmelartigen Pilz“ als Auslöser, was jedoch von anderen Wissenschaftlern angezweifelt wurde, die rein physikalische Prozesse wie bei der Entstehung von Kammeis als Ursache annahmen.<ref name="wagner 2005">Gerhart Wagner: Haareis – eine seltene winterliche Naturerscheinung. Was haben Pilze damit zu tun? (PDF; 111 kB) SZP/BSM 2005, S. 268–271.</ref>

Eine biophysikalische Studie von Gerhart Wagner und Christian Mätzler bestätigte 2008 Wegeners Vermutung weitgehend.<ref name="wagner mätzler">Gerhart Wagner, Christian Mätzler: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Haareis auf morschem Laubholz als biophysikalisches Phänomen. (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive) Forschungsbericht Nr. 2008-05-MW. Institut für Angewandte Physik. Universität Bern. 6. September 2008. S. 1–31. (Hair Ice on Rotten Wood of Broadleaf Trees – a Biophysical Phenomenon, abstract and parts in English) (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />PDF-Download (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive))</ref> Demnach wird Haareis durch das Myzel winteraktiver Pilze (u. a. Schlauch- und Ständerpilze) ausgelöst, deren aerober Stoffwechsel (Dissimilation) Gase produziert, die das im Holz vorhandene leicht unterkühlte Wasser an die Oberfläche verdrängen.<ref name="wagner mätzler" /> Dort gefriert es und wird durch nachdrängende, beim Austritt aus dem Holz ebenfalls gefrierende Flüssigkeit weitergeschoben.<ref name="wagner mätzler" /> Dies geschieht ausschließlich bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt, wenn das Wasser im Holz noch nicht gefroren ist, es an der geringfügig kälteren Umgebungsluft jedoch gefriert. Eine Randbedingung für die Haareisbildung ist außerdem hohe Luftfeuchtigkeit: Wenn die Luft nicht mit Wasserdampf gesättigt ist, sublimieren die feinen Eiskristalle kurz nach ihrer Bildung an der Holzoberfläche, so dass keine langen Haareiskristalle entstehen können.<ref name="wagner mätzler" /> Eine Reproduktion von Haareis ist in Versuchen solange möglich, wie das Pilzmyzel im Holzkörper nicht abgetötet wird.<ref name="wagner mätzler" />

Literatur

Weblinks

Commons: Haareis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Engelshaar – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references />