Julius Wiesner
Julius von Wiesner (ab 1909 Ritter von) (* 20. Januar 1838 in Tschechen, Mähren; † 9. Oktober 1916 in Wien) war ein österreichischer Botaniker. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „<templatestyles src="Person/styles.css" />Wiesner“.
Leben und Wirken
Wiesner studierte in Wien und Jena, wo er 1860 zum Dr. phil. promoviert wurde. 1861 wurde er Privatdozent, 1868 außerordentlicher Professor am Polytechnischen Institut Wien. 1870 wurde er ordentlicher Professor an der Forstakademie Mariabrunn. Er war von 1873 bis 1909 ordentlicher Professor für Anatomie und Physiologie der Pflanzen an der Universität Wien und hatte gleichzeitig bis 1880 ein Lehramt am Polytechnischen Institut Wien inne.
Er bekannte sich offen zum Darwinismus und beteiligte sich am Ehrengeschenk der deutschen Anhänger zu Darwins 69. Geburtstag, einem vom Rechnungsrat und Naturforscher Emil Rade (1832–1931) initiierten, von Ernst Haeckel geförderten und im Wesentlichen von Arthur Fitger mit insgesamt 21 Blättern gestalteten mit Silber-(und Gold-)beschlägen reich verzierten 50 cm hohen und 43 cm breiten Album (Darwin-Album von 1877),<ref>Das Album enthält insgesamt 165 Porträts und befindet sich heute noch in der Darwin Collection im Down House, London, Luxted Road, Downe, Orpington, BR6 7JT</ref> in dem ab Blatt 3 zahlreiche Fotografien seiner Anhänger in je ein bis zehn passepartoutartig geschnittenen Feldern eingefügt sind. Als Professor Wiesner zu Wien wurde er auf Blatt 20 in diesem Album, das Darwin im Februar 1877 überreicht wurde, aufgenommen.<ref>Brunhild Gries: Emil Rade (1832–1931), sein Anteil an der naturkundlichen Erforschung Westfalens und das Darwin-Album von 1877. Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde, 68, 2, Münster 2006 (PDF)</ref> 1883 unternahm er eine Reise nach Java (Buitenzorg). Weitere Reisen führten nach Lappland, Spitzbergen, in das Yellowstone-Gebiet, nach Indien und Ägypten. 1898/99 war er Rektor der Universität Wien. Wiesner forschte auf den Gebieten der Pflanzenphysiologie (Licht- und Vegetationsprozesse, Chlorophyll, Wachstum und Bewegung), Pflanzenanatomie (Organisation der Zellwand) und über pflanzliche Rohstoffe.
Houston Stewart Chamberlain widmete Wiesner sein 1899 erschienenes Hauptwerk Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts.<ref>S. VII</ref> 1902 wurde Wiesner zum korrespondierenden Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften<ref>Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751–2001 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-Historische Klasse. Folge 3, Bd. 246 = Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Mathematisch-Physikalische Klasse. Folge 3, Bd. 50). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 259.</ref> und 1903 der Bayerischen Akademie der Wissenschaften gewählt.<ref>Mitgliedseintrag von Julius Ritter von Wiesner (mit einem Link zum Nachruf von Karl von Goebel) bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 6. März 2026.</ref> Er wurde 1905 zum Mitglied des Herrenhauses ernannt, 1909 wurde er in den Ritterstand erhoben. Seit 1909 war er korrespondierendes Mitglied der Académie des sciences<ref>Verzeichnis der ehemaligen Mitglieder seit 1666: Buchstabe W. Académie des sciences, abgerufen am 15. März 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> in Paris und seit 1912 der Russischen Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg.<ref>Ausländische Mitglieder der Russischen Akademie der Wissenschaften seit 1724. Julius Wiesner, Ritter von. Russische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 11. August 2015 (englisch).</ref> Er wurde am Grinzinger Friedhof bestattet.<ref name="Verstorbenensuche">Vorlage:Verstorbenensuche Wien</ref>
Ehrungen
- Nach ihm ist die Pflanzengattung Wiesneria <templatestyles src="Person/styles.css" />Micheli aus der Familie der Froschlöffelgewächse (Alismataceae) benannt.<ref name="Burkhardt_2018" />
- Im Jahr 1953 wurde in Wien-Donaustadt (22. Bezirk) die Wiesnergasse nach ihm benannt.
Im Arkadenhof der Wiener Universität – der Ruhmeshalle der Universität – steht seit 1891 eine Büste von Wiesner. Im Rahmen von „Säuberungen“ durch die Nationalsozialisten Anfang November 1938 wurden zehn Skulpturen jüdischer oder vermeintlich jüdischer Professoren im Arkadenhof im Zusammenhang der „Langemarck-Feier“ umgestürzt oder mit Farbe beschmiert. Bereits zu diesem Zeitpunkt hatte der kommissarische Rektor Fritz Knoll eine Überprüfung der Arkadenhof-Plastiken veranlasst; auf seine Weisung hin wurden fünfzehn Monumente entfernt und in ein Depot gelagert, darunter diejenige von Julius Wiesner.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: Universität – Politik – Gesellschaft. Hrsg.: Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name. Vienna University Press, Vorlage:Cite book/Date, ISBN 978-3-8470-0413-4, [ ], S. 118 (Vorlage:Cite book/URL [abgerufen am -05-]).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Nach Kriegsende wurden im Jahr 1947 alle beschädigten und entfernten Denkmäler wieder im Arkadenhof aufgestellt.
Werke
- Die Gesetze der Riefentheilung an den Pflanzenaxen (1860)
- Einleitung in die Technische Mikroskopie (1867)
- Die technisch verwendeten Gummiarten, Harze und Balsame: ein Beitrag zur wissenschaftlichen Begründung der technischen Waarenkunde (1869)
- Untersuchungen über den Einfluß, welchen Zufuhr und Entziehung von Wasser auf die Lebensthätigkeit der Hefezellen äußern (1869)
- Die Rohstoffe des Pflanzenreiches (1873)
- Die Entstehung des Chlorophylls in der Pflanze: eine physiologische Untersuchung (1877)
- Die heliotropischen Erscheinungen im Pflanzenreiche (1878–80)
- Das Bewegungsvermögen der Pflanzen. Eine kritische Studie über das gleichnamige Werk von Charles Darwin nebst neuen Untersuchungen (1881) doi:10.5962/bhl.title.41435
- Elemente der wissenschaftlichen Botanik Band 1: Anatomie und Physiologie der Pflanzen (1881)
- Elemente der wissenschaftlichen Botanik Band 2: Organographie und Systematik der Pflanzen (1884)
- Elemente der wissenschaftlichen Botanik Band 3: Biologie der Pflanzen. Mit einem Anhange: Die historische Entwicklung der Botanik (1889)
- Studien über das Welken von Blüthen und Laubsprossen (1883)
- Untersuchungen über die Wachsthumsbewegungen der Wurzeln. Darwinische und geotropische Wurzelkrümmungen (1884)
- Untersuchungen über die Organisation der vegetabilischen Zellhaut (1886)
- Die mikroskopische Untersuchung des Papiers mit besonderer Berücksichtigung der ältesten orientalischen und europäischen Papiere (1887)
- Die Elementarstructur und das Wachsthum der lebenden Substanz (1892) doi:10.5962/bhl.title.1309
- Pflanzenphysiologische Mittheilungen aus Buitenzorg (1894)
- Die Nothwendigkeit des naturhistorischen Unterrichts im medicinischen Studium (1896)
- Untersuchungen über die mechanische Wirkung des Regens auf die Pflanze. Nebst Beobachtungen und Bemerkungen über secundare Regenwirkungen (1897)
- Die Beziehungen der Pflanzenphysiologie zu den anderen Wissenschaften. Inaugurationsrede (1898)
- Über eine neue Form der falschen Dichotomie an Laubsprossen von Holzgewächsen (1898)
- mit Max Bamberger: Die Rohstoffe des Pflanzenreiches. 2., umgearb. und erweit. Aufl., W. Engelmann, Leipzig 1900-03. doi:10.5962/bhl.title.25143 doi:10.5962/bhl.title.26206
- Studien über den Einfluss der Schwerkraft auf die Richtung der Pflanzenorgane (1902)
- Die Entwicklung der Pflanzenphysiologie unter dem Einflusse anderer Wissenschaften (1904)
- Philosophie der Botanik (1905)
- Jan Ingen-Housz. Sein Leben und sein Wirken als Naturforscher und Arzt. Unter Mitwirk. v. Th. Escherich, E. Mach, R. v. Töply und R. Wegscheider (1905) doi:10.5962/bhl.title.21032
- Elemente der wissenschaftlichen Botanik. 5., verb. und verm. Aufl., A. Hölder, Wien 1906 doi:10.5962/bhl.title.46424
- Der Lichtgenuß der Pflanzen. photometrische und physiologische Untersuchungen mit besonderer Rücksichtnahme auf Lebensweise, geographische Verbreitung und Kultur der Pflanzen (1907) doi:10.5962/bhl.title.13042
- Natur, Geist, Technik. Ausgewählte Reden, Vortrage und Essays (1910)
- Erschaffung, Entstehung, Entwicklung und über die Grenzen der Berechtigung des Entwicklungsgedankens (1916)
Literatur
- Constantin von Wurzbach: Wiesner, Julius. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 56. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1888, S. 88–92 (Digitalisat).
- Autoreneintrag für Julius Wiesner beim IPNI
- Eintrag zu Julius Wiesner im Austria-Forum (im AEIOU-Österreich-Lexikon)
- Biographische Daten von Julius Wiesner im Biographischen Handbuch des NÖ Landtages 1861–1921
- Christa Riedl-Dorn: Wiesner, Julius Ritter v. Pflanzenphysiologe, Pflanzenanatom. In: Neue Deutsche Biographie (NDB) Bd. XXVIII (Bayer. Akad. der Wissenschaft München; Berlin 2024) S. 107–108.
Weblinks
- Julius Wiesner im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien
- Wiesner, Julius Ritter von (1909) Dr. phil. Kurzbiografie auf der Website des Österreichischen Parlaments
Einzelnachweise
<references> <ref name="Burkhardt_2018">Lotte Burkhardt: Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen – Erweiterte Edition. Teil I und II. Botanic Garden and Botanical Museum Berlin, Freie Universität Berlin, Berlin 2018, ISBN 978-3-946292-26-5 doi:10.3372/epolist2018.</ref> </references>
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wiesner, Julius |
| ALTERNATIVNAMEN | Wiesner, Julius von (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Botaniker |
| GEBURTSDATUM | 20. Januar 1838 |
| GEBURTSORT | Tschechen, Mähren |
| STERBEDATUM | 9. Oktober 1916 |
| STERBEORT | Wien |
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