Walter Laubinger
Walter Laubinger (* 9. November 1967 in Hamburg) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler.
Karriere
Laubinger begann bei Wacker 04 Billstedt in Hamburg mit dem Fußballspielen. Früh wurde der Hamburger SV auf ihn aufmerksam, Laubingers Vater lehnte einen Wechsel seines Sohnes in die HSV-Jugend jedoch ab.<ref name=":0">Men to (re)watch (28) – Walter Laubinger (KW 28). In: Abseits.at. 17. Juni 2022, abgerufen am 27. Februar 2023.</ref> Später ging er zum Bramfelder SV und spielte in einer Mannschaft mit Stefan Effenberg sowie Ralf Jester, der später ebenfalls einen Profivertrag beim Hamburger SV erhielt. Diese Jugendmannschaft war sehr erfolgreich, erreichte sogar das Halbfinale der Deutschen B-Junioren-Meisterschaft. Er spielte im Angriff, wurde aber auch im offensiven Mittelfeld eingesetzt.
Laubinger wurde in sämtliche Juniorennationalmannschaften des DFB berufen (U15–U20), war zeitweise Mannschaftsführer und galt als eines der größten Talente Deutschlands. Mit 17 wechselte er in die A-Jugend zum Hamburger SV und erhielt kurz darauf einen Vertrag als Lizenzspieler. Sein damaliger Trainer Ernst Happel verpasste Laubinger den Spitznamen Zauberer. Im Oktober 1986 wurde er mit der bundesdeutschen Junioren-Nationalmannschaft Dritter der Europameisterschaft. Im Halbfinale war die DFB-Auswahl trotz eines überragenden Laubinger gegen die Deutsche Demokratische Republik ausgeschieden.<ref>Laubinger überragte. (PDF) In: Hamburger Abendblatt. 14. Oktober 1986, abgerufen am 9. Mai 2022.</ref> Er spielte bei dem Turnier in einer Mannschaft mit Oliver Bierhoff, Maximilian Heidenreich und Maurice Banach, Trainer in der bundesdeutschen Juniorennationalelf bei dem Turnier in Jugoslawien war Berti Vogts.<ref>V. Junioren-EM-Endrunde. (PDF) In: Die neue Fußballwoche, 42/1986, S. 8. Oktober 1966, abgerufen am 9. Mai 2022.</ref>
Während er beim HSV kaum zum Zuge kam, entdeckte Laubinger das Nachtleben für sich.<ref name=":0" /> In der Saison 1986/87 erwog der HSV zunächst, Laubinger zu einem anderen Verein auszuleihen. Der damalige HSV-Neumanager Felix Magath äußerte im September 1986, dass Laubinger „im Moment nur geholfen“ sei, „wenn er raus aus Hamburg kommt“. Magath bemängelte an Laubinger: „Es geht darum, daß Walter begreift, daß er etwas tun muß in diesem Beruf, daß nicht alles nur Spaß ist.“<ref>Vor dem Spiel HSV gegen Leverkusen. (PDF) In: Hamburger Abendblatt. 11. September 1986, abgerufen am 8. Mai 2022.</ref> Eine Ausleihe kam nicht zustande, da Laubinger in Hamburg bleiben wollte.<ref>Und Happel knurrte… (PDF) In: Hamburger Abendblatt. 12. September 1986, abgerufen am 9. Mai 2022.</ref> Im Oktober 1986 zog sich Laubinger einen Bänderriss im Knie zu und musste sich einer Operation unterziehen.<ref>Vom Training ins Krankenhaus. (PDF) In: Hamburger Abendblatt. 21. Oktober 1986, abgerufen am 11. Mai 2022.</ref> Im Dezember 1986 wurde Laubinger vom HSV schriftlich abgemahnt, da er das Aufbautraining nach der Operation unterbrach und das mit einer Magenverstimmung begründete.<ref>Ärger mit Laubinger. (PDF) In: Hamburger Abendblatt. 11. Dezember 1986, abgerufen am 14. Mai 2022.</ref> Er gewann mit dem HSV im weiteren Verlauf der Saison 1986/87 den DFB-Pokal, erreichte den zweiten Platz in der Bundesliga und kam zu einigen Einsätzen. Die Verantwortlichen des HSV beklagten danach jedoch fehlende Disziplin: In der Vorbereitung auf die Saison 1987/88 wurde er von Trainer Josip Skoblar beurlaubt, da der bereits abgemahnte Laubinger zu spät zu einem Termin gekommen war. Ein ähnlicher Vorfall war unter Skoblars Vorgänger Happel ohne Folgen geblieben.<ref>Skoblar greift durch: Laubinger muß nach Hause. (PDF) In: Hamburger Abendblatt. 18. Juli 1987, abgerufen am 26. Februar 2021.</ref> Die Überlegung, Laubinger an einen Verein zu verleihen,<ref>Einen anderen Klub suchen. (PDF) In: Hamburger Abendblatt. 20. Juli 1987, abgerufen am 26. Februar 2021.</ref> wurde nicht umgesetzt. Im Laufe der Saison kehrte er in die Mannschaft zurück und zeigte teils gute Leistungen.<ref>Fünf Tore vertrieben den Frust. (PDF) In: Hamburger Abendblatt. 5. September 1987, abgerufen am 26. Februar 2021.</ref> Der damalige HSV-Manager Magath urteilte über Laubinger: „Wenn seine Einstellung stimmt, ist er der nächste Nationalspieler des HSV.“<ref>La Bohème. (PDF) In: Hamburger Abendblatt. 7. September 1987, abgerufen am 26. Februar 2021.</ref> Der Durchbruch gelang Laubinger beim HSV aber nicht, er stürzte in private Probleme und seine Leistungen ließen immer mehr nach. Er wurde fortan auch nicht in die U-21 berufen. Ende November 1987 wechselte Laubinger zum damaligen Zweitligisten SpVgg Bayreuth.<ref>Laubinger wechselt nach Bayreuth. (PDF) In: Hamburger Abendblatt. 25. November 1987, abgerufen am 28. Februar 2021.</ref> In seinem ersten Einsatz für die Oberfranken wurde er wegen Nachtretens mit der Roten Karte vom Platz gestellt. Laubinger konnte sich in Bayreuth nicht durchsetzen, bestritt nur vier Punktspiele für den Verein.<ref>Kaum beschriebenes Blatt im HSV-Archiv. (PDF) In: HSV Live, Ausgabe Nr. 10, 2021/22. Abgerufen am 27. Februar 2023.</ref>
Nach der Saison 1988/89 kehrte er nicht mehr in den Berufsfußball zurück, sondern ließ sich reamateurisieren. Er spielte beim VfB Remscheid, im Januar 1990 wechselte er zum SC Concordia Hamburg in die Oberliga Nord.<ref>Laubinger zu Concordia. (PDF) In: Hamburger Abendblatt. 15. November 1989, abgerufen am 27. September 2022.</ref> Während seiner Zeit bei dem Verein wurde Laubinger als „das erst verkannte und später vergessene Fußball-Genie des HSV“ bezeichnet.<ref>Der Winter-Schlußverkauf. (PDF) In: Hamburger Abendblatt. 12. Februar 1990, abgerufen am 17. Oktober 2022.</ref> Ende März 1990 musste bei Laubinger ein Eingriff an der Schulter vorgenommen werden.<ref>Laubinger operiert. (PDF) In: Hamburger Abendblatt. 28. März 1990, abgerufen am 21. Oktober 2022.</ref> Anfang Dezember 1990 wurde er beim SC Concordia wegen einer gegenüber dem Co-Trainer gezeigten beleidigenden Geste aus der Mannschaft geworfen<ref>Kurz notiert. (PDF) In: Hamburger Abendblatt. 5. Dezember 1990, abgerufen am 21. November 2022.</ref> und wechselte im selben Monat zum Verbandsliga-Tabellenführer VfL 93 Hamburg.<ref>Laubingers Finte. (PDF) In: Hamburger Abendblatt. 14. Dezember 1990, abgerufen am 21. November 2022.</ref> Im November 1991 stand eine Rückkehr Laubingers in den Profibereich im Raum, als Bayer Uerdingen und SV Waldhof Mannheim Interessen an ihm zeigten. Zum Wechsel kam es nicht.<ref>Szenen aus dem Hamburger Amateur-Fußball. (PDF) In: Hamburger Abendblatt. 4. November 1991, abgerufen am 29. Januar 2023.</ref> Wegen Laubingers guter Leistungen beim VfL 93 wünschte sich im April 1992 der damalige HSV-Vorsitzende Jürgen Hunke dessen Rückkehr zum Bundesligisten.<ref>HSV gibt Laubinger doch noch eine Chance. (PDF) In: Hamburger Abendblatt. 15. April 1992, abgerufen am 27. Februar 2023.</ref> Laubinger nahm daraufhin im selben Monat beim HSV an einem Probetraining teil.<ref>Eck trainierte für die HSV-Bank. (PDF) In: Hamburger Abendblatt. 22. April 1992, abgerufen am 1. März 2023.</ref> Ein Wechsel kam nicht zustande, auch das Interesse des HSV-Rivalen FC St. Pauli an Laubinger im Frühling 1992<ref>Fußball-Fest. (PDF) In: Hamburger Abendblatt. 29. April 1992, abgerufen am 1. März 2023.</ref> endete nicht in einer Verpflichtung. Mit dem VfL 93 stieg er im Juni 1992 in die Oberliga auf.<ref>Eine Krone für Laubinger. (PDF) In: Hamburger Abendblatt. 18. Juni 1992, abgerufen am 26. Februar 2021.</ref> Im Frühjahr 1993 zog er sich eine Adduktorenverletzung zu und fiel fünfzehn Monate aus. Ab Februar 1995 spielte Laubinger beim TSV DUWO 08 in der Hamburger Bezirksliga.<ref>Szenen aus dem Amateur-Fußball. (PDF) In: Hamburger Abendblatt. 6. Februar 1995, abgerufen am 1. Juli 2023.</ref>
Er war als Spieler und Trainer unter anderen beim Farmsener TV (bis November 2004)<ref>Bezirksliga-Nord: Walter Laubinger hat in Farmsen aufgehört! In: Sport Nord. 21. November 2004, abgerufen am 9. März 2021.</ref> tätig. Von 2006 an war Laubinger Jugendtrainer beim SC Concordia Hamburg. Nach seinem unfreiwilligen Abgang beim SC Concordia wechselte Laubinger zunächst als Jugendtrainer zum VfL Maschen. Ab Herbst 2010 arbeitete Laubinger als C-Jugendtrainer beim ältesten Sportverein der Welt, der Hamburger Turnerschaft von 1816, kurz HT16. 2012 trat er das Traineramt bei der A-Jugend der JFV Hamburg-Oststeinbek an.<ref>Walter Laubinger wird Trainer von Oststeinbeks A-Junioren. (PDF) In: Hamburger Abendblatt. 4. Mai 2012, abgerufen am 26. Februar 2021.</ref>
Gelegentlich läuft Laubinger für die Alten Herren des Hamburger SV auf.
Erfolge
- 1987 Deutscher Pokalsieger (Hamburger SV)
- 1987 Deutscher Vize-Meister (Hamburger SV)
- 1986 Dritter der Junioren-Europameisterschaft (Altersklasse U19)<ref>Siegtor Sekunden vor Schluß. (PDF) In: Hamburger Abendblatt. 16. Oktober 1986, abgerufen am 9. Mai 2022.</ref>
Sonstiges
Laubinger gehört der Minderheit der Sinti an.<ref>"Ich habe nie Stopp gesagt" [Interview mit Walter Laubinger], in: Hamburger Abendblatt, 15. Februar 2003.</ref> Er wurde beruflich als selbständiger Gärtner tätig.<ref>„Zauberer“ Laubinger will die Fans noch einmal begeistern. In: Die Welt. 6. Januar 2004, abgerufen am 27. Februar 2023.</ref>
Wegen wiederholten Fahrens ohne Führerschein wurde er laut Hamburger Morgenpost 2021 von einem Hamburger Gericht zu zehn Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt, Laubinger legte Berufung ein.<ref>Kucukovic, Töfting & Co.: Erstaunlich viele: Diese Ex-HSV-Profis landeten vor Gericht. In: Hamburger Morgenpost. 27. März 2021, abgerufen am 9. Mai 2022.</ref>
Weblinks
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- Laubinger: „Heute würde ich beim HSV durchmarschieren“
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Laubinger, Walter |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Fußballspieler |
| GEBURTSDATUM | 9. November 1967 |
| GEBURTSORT | Hamburg |
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